Nachdenken über die Schweiz
Freitag, Juli 31st, 2009
Die Schweizer begehen am 1. August ihren Nationalfeiertag. Im Jahr 1291 sollen an jenem Tag Abgeordnete der Regionen Uri, Schwyz und Unterwalden (die späteren »Urkantone«) auf dem Berg Rütli den gleichnamigen Schwur getan haben, sich gegen ihre habsburgischen Unterdrücker zur Wehr zu setzen und ein »einig Volk von Brüdern« zu sein. Die Initialzündung hierzu war der Mord am Vogt Gessler durch Wilhelm Tell (die Namen aus Schillers Stück). Der Beamte hiess vermutlich (Max Frisch, »Wilhelm Tell für die Schule«, 1970) Konrad von Tillendorf, sein Attentäter »Tillentöter« oder »Tillen-Willi« … was an »Kill Bill« denken lässt und Quentin Tarantino ein neues Sujet liefern könnte …


Der Juli ist der Monat der Tour de France. Die Karawane ist in Bewegung, und unterwegs sind, wie man lesen kann, die »Kanonen des Straßenrennsports«. Ein begleitender Kraftfahrer sagt: »Wieder mal ‘n Monat, wo’s wirklich ein Kunststück ist, keinen totzufahren.« Von dem Spitzenfahrer Laboureur behauptet man: »Radsport ist ihm eine Religion.« Er selber bestätigt dies mit einer herben Aussage: »Wenn ich eines Tages nicht mehr radfahren kann, soll man mich ruhig einscharren, es ist Zeit!« So reden Soldaten, und Brecht reimte: »Soldaten wohnen / auf den Kanonen« …
Freiberufler im besten Sinne ist Jan Valk: Germanist, Lektor, Veranstaltungsmanager, Journalist, Herausgeber – seinem Broterwerb kann man kaum einen einheitlichen Stempel aufdrücken. Schon während seines Studiums hat er es nicht allein bei der – wenn auch alles andere als grauen – Theorie belassen. Heute widmet er sich der Literaturproduktion und -vermittlung in ihren vielfältigen Realisierungsformen. Man kommt nicht umhin, diese sehr zeitgemäße und offenbar gut funktionierende berufliche Organisation als äußerst reizvoll zu empfinden. Wie er sich den Arbeitsplatz – oder besser: die Arbeitsplätze schaffen konnte, die er sich wünscht, zeigt er in seinen Antworten in unserem Fragebogen …
Vom historischen zum mythischen Faust – und weiter zum Radio: So verlief, kurz gefasst, der bisherige Karriereweg des Journalisten Wolfgang Bender. Zehn Jahre hat er studiert, zehn Tage nach seinem Studienabschluss war er Volontär und wechselte danach schnurstracks zum Westdeutschen Rundfunk. So ging schließlich also doch alles »zipp zapp« für den (laut freiwilliger Selbstauskunft) »Dauerquassler« seit Schulzeiten.
Wir müssen auch einmal den Sommer preisen, dann bleibt er vielleicht länger. An die Hitze zu denken, macht mich aber immer etwas melancholisch, denn dann sehe ich mich wieder nach 123 Stufen die schwere Haustür mit den sieben Bolzen aufschließen und meine frühere römische Wohnung betreten. Es war die ganze fünfte Etage, unter dem Flachdach und ohne Klimaanlage, und wie in den Tropen stand mir der Schweiß in Tropfen auf der Stirn, wenn ich in meiner Ecke vor dem Computer saß; und er rann langsam hinab, der Schwerkraft folgend, und sammelte sich in den Bauchfalten …