Im Garten der Finzi-Contini
Freitag, August 28th, 2009
Der mir liebste italienische Roman des vergangenen Jahrhunderts ist »Il giardino dei Finzi-Contini« (»Der Garten der Finzi-Contini«) von Giorgio Bassani. Über dieses Buch nun zu sprechen, passt zu einem Jahrestag, der vor der Tür steht: dem Ausbruch (oder der Anzettelung) des Zweiten Weltkriegs vor siebzig Jahren.
Zehn Jahre davor, im Juni 1929, trifft der Ich-Erzähler, der gerade ein gescheitertes Schulexamen betrauert, am Stadtwall von Ferrara die junge Micòl Finzi-Contini …


E – so lautet der vielfach interpretierbare Titel des Werkes, aus dem der Spanier Javier Salinas am 2. September ab 19 Uhr im LVR-LandesMuseum Bonn lesen wird. E – das ist der auch Name der monologisierenden Hauptfigur. Im mehrfachen Sinne wird Salinas am kommenden Mittwoch »Europa (er-)lesen«, ganz im Sinne der Lesereihe »Reading Europe«, als deren zwölfter Gast er an- und auftritt …
Denken möchte man, die Autorin sei der Zustimmung euphorischer Rezensionen schutzlos ausgeliefert, wie ein schwieriger Junge den Umarmungen jener Tante mit zu schwerem Parfüm. Und auch die Nachfragen des Moderators Christoph Links bei einer Lesung auf der »Berliner Büchernacht« im Juni 2009 zielten vor allem auf den entscheidenden Bruch, den der Mauerfall für die Protagonistin bedeutet haben müsse, ihr anscheinend zwangsläufiges Scheitern in den neuen Umständen. Ein paar wohlfeile Attribute wie »sensibel«, »verhalten«, »beeindruckend«, dann schon die obligatorische Frage nach dem autobiographischen Kern dieser Geschichte über die Schwester. Auch noch, was sie zu dem Werk von Tellkamp zu sagen habe. Das hat Julia Schochs jüngster Roman Mit der Geschwindigkeit des Sommers nicht verdient. Auch ist seine Verfasserin nicht schutzlos …
»Das Daimonji-Fest am 16. August ist das heilige Bon-Feuer für die abgeschiedenen Seelen. Dass man auf den umliegenden Bergen Feuer entzündet, soll auf die Sitte zurückgehen, nachts brennende Fackeln emporzuwerfen, um die durch die Luft in das Totenreich zurückkehrenden Seelen zu verabschieden. Das Feuer auf dem Nyoi-Gipfel des Higashiyama bildet das Schriftzeichen für das Wort ›groß‹ nach und wird deshalb ›Schriftzeichen groß‹ genannt. Doch werden die heiligen Feuer auf fünf Bergen entfacht.« Diese Zeilen schrieb Yasunari Kawabata, 1968 erster japanischer Nobelpreisträger für Literatur, in seiner Erzählung »Kyoto oder die Liebenden in der Kaiserstadt« …
Irgendwie kann man über viele Platten sagen: »Alles schonmal dagewesen«. Doch selten zeigt es sich so extrem und störend, wie bei dem ersten Album der französischen Band Revolver, Music for a while. Die Arrangements, die Harmonien, selbst den Bandnamen, gab es schonmal. Revolver war und ist eben auch eine deutsche Hard-Rock Band, die in den 80-ern in der Scene zu gewisser Bekanntheit kam und Ozzy Osbourne 1982 auf seiner Europatour begleitete. Die Band aus Paris gründete sich 2006 und hat gerade ihr erstes Album veröffentlicht.
Wieviele Blogs (= Web-logs, Tagebücher im Netz) in deutscher Sprache gibt es? Das ist die erste Frage, an der man schon scheitern kann. In den Suchmaschinen findet man Zahlen zwischen 27.000 und 750.000, sogar die Zahl eine Million wird genannt, und bei genauerer Betrachtung findet man die abenteuerlichsten Berechnungen auf der Basis geringfügigster Grundgesamtheiten. Ein Analytiker geht von 1 Prozent deutschsprachigen unter den 75 Millionen weltweiten Blogs aus, ein anderer rechnet munter die Ergebnisse der »Thüringer Blogzentrale« hoch auf ganz Deutschland, und ein Dritter peilt über den Daumen und kommt auf 400.000 bis 600.000 Blogs. Schon da tritt einem die ganze Konfusion und Zersplitterung entgegen, die die Blogszene kennzeichnet …