Das Suchen eines jungen Autors
Donnerstag, Oktober 29th, 2009Äußerlich verrätselt kommt der Erzählband Koordinaten von Hannes Bajohr daher. Eine denkbar einfache Bindung hält die 136 Seiten zusammen, schwarzer Karton, darüber ein Schutzumschlag, auf dem der Name des Autors kaum zu lesen ist. Ein Klappentext fehlt. Es ist das Debüt eines jungen Autors, geboren 1984 in Berlin, Studium der Philosophie, der deutschen Literatur und Geschichte in Berlin und New York. Schon in seiner Biographie findet sich jenes »Dazwischensein«, das Suchenden wie Reisenden zueigen ist. Seinen Texten wird es zum bestimmenden Thema …


Von keinem Schriftsteller habe ich mehr Seiten gelesen als von Karl May. Es müssen 10000 gewesen sein, denn 30 Bücher von ihm verschlang ich, und manche (wie die Bände um Winnetou und Old Surehand) gleich vier Mal. Zwar fand dieser Lesegalopp etwa zwischen dem 12. und dem 16. Lebensjahr statt, doch auch später hatte kein Autor mehr interessanten Stoff für mein jeweiliges Alter zu bieten. Darum war bei meiner Reise nach Dresden mit meiner Mutter Mitte Oktober die »Villa Shatterhand« im benachbarten Radebeul, Wohnsitz des Dichters, eine wichtige Station. Wird heute noch Karl May gelesen? Ich weiß es nicht. Erzählen wir die ganze Geschichte …
Wollen wir die Sprache niedriger hängen und die Geschichte höher, ist es das? Semantik vor Syntax? Wir haben ja »trockene« Prosa vor uns. Gedichte leben von Metaphern, Prosa lebt von der Metonymie, die der übertragene Gebrauch eines Wortes oder einer Fügung ist; Prosa schreibt drauflos und spricht damit gleichzeitig von anderen Dingen. Hemingway sah das anscheinend nicht so. Anhand seines Buches »Der alte Mann und das Meer« verriet er (1952 Bernard Berenson und damit uns) wieder einmal ein Geheimnis: »Es gibt keinerlei Symbolismus. Das Meer ist das Meer. Der alte Mann ist ein alter Mann. Der Junge ist ein Junge, der Fisch ist ein Fisch. Der Hai ist alle Haie, nicht besser und nicht schlechter. Der ganze Symbolismus, von dem die Leute reden, ist ein Scheißdreck.«