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Crauss.

Archive for März, 2010

Roger und der Teufelsgeiger

Mittwoch, März 24th, 2010

lit.COLOGNE 2010 Ein Samstagabend im schönen Köln. Der Winter scheint endlich das Feld zu räumen, den ganzen Tag hat die Sonne geschienen. Haben nicht sogar ein paar Vögel in den Bäumen gezwitschert? Wie auch immer: Es ist ein Abend, an dem man Spaß haben möchte. Mit dieser Erwartung sind die Menschen ins Schauspielhaus gekommen, haben es bis auf den letzten roten Sessel besetzt. Worum soll es eigentlich nochmal genau gehen heute Abend? Barock, oder? BAROCK?!? Um Gottes Willen, bitte nicht! Die Angst vor Sonetten und Memento Mori lässt einige Herrschaften im vorderen Parkett schon kurzatmig werden. Doch da haben sie ihre Rechnung ohne die beiden Chefprotagonisten des Abends gemacht.

Das »Disaster Girl«

Dienstag, März 23rd, 2010

Eine Frau, deren Beruf Kriegsreporterin war, die bei fast allen größeren und kleineren Kriegen des 20. Jahrhunderts vor Ort mit dabei gewesen ist und die auch noch eine Ehe mit Ernest Hemingway überstanden hat, muss tough und selbstbewusst gewesen sein. Martha Gellhorn war eine bemerkenswerte Frau, die viele unterschiedliche Facetten hatte, und doch immer an ihrem einen Ziel und ihrer Überzeugung festhielt: Sie wollte von dem Elend des Krieges berichten und die Menschen auf die kleineren wichtigen und alltäglichen Dinge aufmerksam machen, die die großen Propaganden der Mächtigen außer acht ließen. Die Propaganda erkannte sie oft als Unsinn. Sie hat ihr Leben lang Briefe geschrieben, selbst noch, als sie gegen Ende kaum noch sehen konnte. Fast ein ganzes Jahrhundert entsteht so aus Gellhorns Perspektive vor dem inneren Auge des Lesers. Politische Umbrüche, Präsidenten, Kriege, Freundschaften, Todesfälle, Liebschaften: alles fand Eingang in ihre Briefe …

Ein märchenhafter Abend im LVR-LandesMuseum

Montag, März 22nd, 2010

Mila Pavičević (Foto: © privat/lab concepts)»I’m in love with a fairytale«, hieß es im vergangenen Jahr beim Eurovision Song Contest in Moskau. Gut möglich, dass dieser Satz auch am kommenden Mittwoch in Bonn fällt, wenn Mila Pavicevic im LVR-LandesMuseum ihren Kurzgeschichtenband Ice Girl and other fairy tales vorstellt. Denn mit der Märchenhaftigkeit ihrer Geschichten wird die junge Kroatin, so versprechen es zumindest die Veranstalter, »Erwachsene und Kinder gleichermaßen in ihren Bann ziehen und die die Grenzen zwischen Realem und Übernatürlichem, zwischen Möglichem und Unmöglichem verschwimmen lassen«. Zum Beispiel mit dem Märchen vom namenlosen weißen Clown, der nach einem Schlangenbiss in der Wüste einsam verstarb und dessen rote Clownsnase heute als Stern am Firmament funkelt, im Sternbild des Großen Spielers, hinten, auf der anderen Seite des Nordens.

Der Engel hilft weiter

Freitag, März 19th, 2010

Grazien, Genien und Engel (Foto: Manfred Poser)Ich hatte es ja prophezeit. Mein Freund Helmut hörte vom Bibliotheken-Engel, suchte (bereits am 11. Februar) in einem 1000-Seiten-Werk eine Stelle über Displaced Persons, wusste, es war irgendwo weiter vorn, schlug zufällig Seite 40 auf – und da stand es. Der große Gelehrte Gershom Scholem wollte etwas über Paracelsus und die Kabbala herausfinden und stattete der »wunderbaren mystischen Bibliothek von Oskar Schlag in Zürich« einen Besuch ab … »wo ich aufs ungefähre einen Band der Sudhoffschen Ausgabe des Paracelsus aus dem Schrank zog. Mein Auge fiel direkt auf einen Satz, der mit den Worten begann: ›Der Teufel, großer Cabalist, der er ist …‹ War das nun, was man einen Zufall nennt?!«

Der Lockruf der Bücher

Montag, März 15th, 2010

Leipziger Buchmesse 2010 (Logo)Mit einer Motto-Anleihe bei Frank Wedekind (»Frühlings Erwachen«), dem Versprechen von rund 2.100 Ausstellern und den Namen von gleich zwei deutschen Literaturnobelpreisträgern (Günter Grass und Herta Müller) im literarischen Rahmenprogramm erklingt dieser Tage der alljährliche Lockruf der Bücher, der Literaten und Verleger, Literaturbegeisterte und Journalisten auf das Leipziger Messegelände ruft. Dort öffnet am kommenden Donnerstag für vier Tage die Leipziger Buchmesse 2010 ihre Pforten.

Klar, dass auch die Kritische Ausgabe es sich nicht nehmen lässt, mit ihrem druckfrischen Heft vor Ort wieder mit dabei zu sein. Unseren Messestand teilen wir uns wie in den vergangenen Jahren in bewährter Manier mit der dahlemer verlagsanstalt, wandern diesmal aber gemeinsam an den Anfang der Halle 5 (E 101). Wir würden uns sehr freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen!

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«

Dienstag, März 9th, 2010

Familie ist ein immer aktuelles Thema. Kein Wunder, daß es auch in der Literatur eine große Rolle spielt. Schnell denkt man an Thomas Manns Roman Buddenbrooks, der bereits mit dem Untertitel Verfall einer Familie deutlich macht, daß Familie auch ein fragiles Gebilde sein kann. Jeder hat eine Familie, und schon wenn einer der Elternteile im Leben eines Menschen keine Rolle mehr spielt – oder nie gespielt hat –, geht etwas unersetzbar verloren …

In deutscher Tradition

Dienstag, März 9th, 2010

Ein Selbstportrait ist nicht zu verwechseln mit einer Autobiographie. Maxim Biller unternimmt in Der gebrauchte Jude einen sehr literarischen Versuch der Selbstdarstellung. Das Ergebnis ist ein sprachlich dichtes Werk bei dem es dem Leser egal sein sollte, ob die geschilderten Anekdoten tatsächlich so stattgefunden haben.

Der Bibliotheken-Engel

Freitag, März 5th, 2010

Engel und der Turm von Babel (Foto: Manfred Poser)In Bibliotheken ist es meist still, aber hört man nicht manchmal ein fernes Rauschen, ein leises Flügelschlagen? Das könnte der Bibliotheken-Engel sein. Wir stehen vor Büchern, vor vielen Büchern, einem Meer aus Büchern, in dem wir zuweilen verloren sind; sie kehren uns den Rücken zu, doch Welten stecken in diesen Körpern – nur welchen wählen? Es gibt ein Zitat von John Mitchell von 1978, und zu diesem Namen sagt LibraryThing: »John Mitchell is composed of at least 9 distinct authors.« Welchen wählen? Nach Konsultation der 57 Titel im Angebot der Universitätsbibliothek Freiburg blieben John D., John J. und John V. in der engeren Auswahl, und ich vermute, es war John V. Mitchell, der 1981 Ghosts of an Ancient City geschrieben hat. Das passt am ehesten zu seiner folgenden Aussage …

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In der K.A. plus

Das neue Denken
Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt
Schwarz und Weiß
Manfred Poser sitzt wie viele täglich vor schwarzen Buchstaben auf weißem Papier. Aber da ist mehr ...
Ordnung und Sprache
Manfred Poser wird wieder einmal vom Sortierengel heimgesucht, der Theorie einfordert – und Ordnung
Der Schein trügt
Warum das Leben ohne Tageszeitung ärmer wäre – am Beispiel der Berner Band Schöftland
Lookism oder die hässliche Seite der Schönheit
Einige Gedanken zur Rolle der Schönheit in Gesellschaft, Globalisierung und Arbeitswelt
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