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Crauss.

20 Jahre Mauerfall

»Der Herbst 1989 war wie Woodstock«

Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Jan Kuhlbrodt

Angela Gencarelli, 25. November 2009

Jan Kuhlbrodt (Foto: Marie-Luise Marchand/Plöttner Verlag, Leipzig)Im Jahr des 20. Jubiläums des Mauerfalls läuft die Erinnerungsindustrie auf Hochtouren. Dutzende Verlage haben den Buchmarkt mit schöner Literatur und einschlägigen Sachbüchern über die friedliche Revolution im Herbst 1989 geradezu überschwemmt. Dass viele Zeitzeugen in Interviews, Memoiren und autobiografischer Literatur über den Zusammenbruch der DDR berichten, ist aber keineswegs nur den Gesetzen des Marktes geschuldet. Oft liegt der schreibenden Erinnerungsarbeit ein ganz persönliches Erinnern-Wollen, ein Durcharbeiten der eigenen Rolle in der Vergangenheit, zu Grunde.

So auch bei dem 1966 in Karl-Marx-Stadt (seit 1. Juni 1990 wieder Chemnitz) geborenen Schriftsteller Jan Kuhlbrodt, für den das Schreiben einen »therapeutischen Effekt« hat, wie er selbst sagt.

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Zwischen allen Stühlen

Jan Kuhlbrodt erzählt in seinem Roman Schneckenparadies vom Verlust einer Utopie, von Heimatlosigkeit und Zerrissenheit

Angela Gencarelli, 25. November 2009

Symbol der friedlichen Revolution von 1989: Reste der Berliner Mauer (Foto: © Benedikt Viertelhaus)Jan Kuhlbrodt macht es uns nicht leicht mit seinem Roman Schneckenparadies – und sich selbst auch nicht. Gleich der erste Satz ist ein Stolperstein. Wie heißt es da? »Vergangenheit beginnt«? Aber: Ist es nicht die Zukunft, die in der nächsten Sekunde beginnt und wenn diese verstrichen ist, bereits der Vergangenheit angehört? Wie kann Vergangenes beginnen?

Und doch: Vergangenheit beginnt gleich auf der ersten Seite des Buches Schneckenparadies des in Leipzig lebenden Schriftstellers. Denn Vergangenheit, das ist bei Kuhlbrodt ein Netz vieler kleiner Geschichten und Episoden, die sich durch die Erinnerungsarbeit erst als solche konstituieren. Und so ist Schreiben Erinnerungsarbeit; die Vergangenheit beginnt mit dem ersten geschriebenen Satz …

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»Erst haben sie den Alkohol verboten, dann ist Tschernobyl explodiert.«

In seinem Roman Geheimnis erkundet Juri Andruchowytsch im Zwiegespräch mit sich selbst sein eigenes Leben, die fiktive Geographie Mitteleuropas und eine Ruine in Berlin

Fabian Thomas, 23. November 2009

Symbol der friedlichen Revolution von 1989: Reste der Berliner Mauer (Foto: © Benedikt Viertelhaus)Der Fall der Berliner Mauer war in Osteuropa bekanntlich nur der Auftakt in einer Reihe von politischen Umwälzungen, an deren Ende der Zerfall der Sowjetunion stand. Die Ukraine hat sich bereits 1991 aus dem Staatenverbund herausgelöst. Die Frage nach der Orientierung in Richtung Europa oder Russland bestimmte lange das politische Geschehen. Nachdem im Zuge der viel beachteten sogenannten »Orangen Revolution« im Jahr 2004 der westliche orientierte Wiktor Juschtschenko die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen hatte, sind die Augen Europas auch wieder verstärkt auf die äußerst lebendige ukrainische Literaturszene gerichtet. Im deutschen Sprachraum hat sich vor allem der Suhrkamp Verlag um die Bekanntheit jüngerer Autoren wie Ljubko Deresch und Serhij Zhadan verdient gemacht. Eine Generation älter ist Juri Andruchowytsch, der heute als einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes gilt. Seine Romane und Essays liegen – ebenfalls bei Suhrkamp – nun schon zu einem guten Teil auf Deutsch vor …

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Von der Aufsteiger- zur Aussteiger-Generation

Die Generationen-Forschung hat auf die Frage, warum die DDR zusammengebrochen ist, neue Antworten gefunden

Angela Gencarelli, 19. November 2009

Symbol der friedlichen Revolution von 1989: Reste der Berliner Mauer (Foto: © Benedikt Viertelhaus)Generation Golf, Generation X, Generation Krisenkinder, Generation Praktikum … In der medialen Selbstbeschreibung unserer Gesellschaft ist der beliebig gepaarte Begriff der Generation längst nicht mehr wegzudenken. Sein Potential zur Analyse komplexer gesellschaftlicher Phänomene hat dieser Terminus trotz seines inflationären Gebrauchs nicht eingebüßt. In der sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Forschung gehört er längst zum etablierten historiografischen Analyseinstrumentarium. Auch die noch junge Generationen-Forschung zur Geschichte der DDR hat diesen Ansatz für sich entdeckt und neue Antworten auf die Frage gefunden, warum sich so viele Menschen von der SED-Regierung distanzierten, wie sich spätestens im Jahr 1989 offenkundig zeigte …

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Der Herbst 1989 – eine Revolution?

Eine Antwort auf die Frage, wie eine Revolution ohne Gewalt einen Staat umstürzte

Alexander Klaehr, 17. November 2009

Symbol der friedlichen Revolution von 1989: Reste der Berliner Mauer (Foto: © Benedikt Viertelhaus)Nur wer mit wachsamen Augen durch Berlin geht, kann sie sehen. Eine in den Straßenboden eingelassene Doppelreihe Kopfsteinpflaster, die sich quer durch die Stadt zieht. Heute überwinden die Menschen sie ohne große Mühe; das wäre zwanzig Jahre zuvor noch undenkbar gewesen. Diese Kopfsteinpflaster zeichnen den Weg der Berliner Mauer nach, die in voller Größe heute nur noch an wenigen Plätzen wie an der Bernauer Straße und der East Side Gallery an der Spree zu sehen ist.

Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer feiern unzählige Dokumentarfilme, Bücher und Feuilletons das Wunder der friedlichen Revolution, die den Deutschen die Wiedervereinigung beschert habe. Doch war der Umbruch 1989 wirklich eine Revolution? Zwar hat der Herbst 1989 tatsächlich tiefgreifende politische Veränderungen quasi über Nacht, vom 9. auf den 10. November, gebracht, aber ist das bereits als Revolution zu bezeichnen? Denkt man bei diesem Begriff nicht unweigerlich an Robespierre, jakobinische Schreckensherrschaft, an enthauptete Monarchen, also kurzum an die Gewalt, die alle klassischen Revolutionen bisher begleitete, von der Französischen (1789) über die März- (1848/49) bis zur Novemberrevolution (1918)?

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Die Revolution befreit ihre Kinder

K.A. plus-Serie zum 20. Jubiläum des Mauerfalls

Redaktion, 16. November 2009

Symbol der friedlichen Revolution von 1989: Reste der Berliner Mauer (Foto: © Benedikt Viertelhaus)Damit die Hoffnung am spätesten stirbt lautete der Titel eines Dokumentarfilms, den das DDR Fernsehen am 16.11.1989 um 22:55 Uhr zeigte. Das war eine Woche nach dem Tag, an dem die Mauer fiel, heute vor 20 Jahren. In dem Film erinnerte der Regisseur Carlos Faria an den 17.11.1939, als die Nationalsozialisten in Prag tausende tschechische Studenten verhafteten und in Konzentrationslager deportierten. Die Zuschauer konnten sich an jenem Abend, eine Woche nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze, ins Gedächtnis rufen, wie es zur deutschen Zweistaatlichkeit kommen konnte: Die über vierzig Jahre andauernde Teilung war Ergebnis eines von Nazi-Deutschland ausgehenden Weltkrieges – und des sich daran anschließenden Kalten Krieges.

Der Fall der Mauer, dem sich die Kritische Ausgabe in einer kleinen Artikelserie widmen wird, ist eine Errungenschaft jener Menschen, die 1989 auf die Straße gingen und gegen die DDR-Regierung demonstrierten.

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In der K.A. plus

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Manfred Poser sitzt wie viele täglich vor schwarzen Buchstaben auf weißem Papier. Aber da ist mehr ...
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Manfred Poser wird wieder einmal vom Sortierengel heimgesucht, der Theorie einfordert – und Ordnung
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