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	<title>Kritische Ausgabe &#187; Auf die Ohren!</title>
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	<description>Zeitschrift für Germanistik &#38; Literatur</description>
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		<title>Der Schein trügt</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 06:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benedikt Viertelhaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2010/06/schoeftland2.jpg" alt="Die Band Schöftland (Foto: © Schöftland, Bern)" title="Die Band Schöftland (Foto: © Schöftland, Bern)" width="150" height="100" class=right />Die Informationsfülle im Internet bietet nur wenig orientierenden Überblick über das gesamte Tagesgeschehen. Schnell geht dabei etwas unter, das einen im Grunde auch interessiert hätte. Die Alternative heißt bis heute Tageszeitung, in deren Feuilleton man zum Beispiel auf eine Rezension des Albums <em>Der Schein trügt</em> der Berner Band Schöftland stoßen konnte …<br />&#160;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl style="width:300px; float:left; padding:2px 6px 6px 6px; margin:2px 6px 6px 6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2010/06/NZZ2.JPG" alt="Titel der »Neue Zürcher Zeitung« (Foto: © Benedikt Viertelhaus)" title="Titel der »Neue Zürcher Zeitung« (Foto: © Benedikt Viertelhaus)" width="300" height="209" /></dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Start in einen gelungenen Tag:<br />
Der Blick in die Tageszeitung<br />
(Foto: © Benedikt Viertelhaus)</dd>
</dl>
<p>Seit das Internet zu einem allgemein zugänglichen Medium geworden ist, leidet die Tageszeitung weltweit eine Absatzkrise. Es ist in den letzten Jahren viel darüber spekuliert worden, wo die Antworten liegen könnten, um dieses alte Medium zu retten. Schnell geht es dann um Möglichkeiten des ›paid content‹, bezahlten Inhalten, um im Internet, ergänzend zum gedruckten Blatt, Geld zu verdienen. Das Internet aber hat, daran darf man nicht vorbeireden, eine Kostenlosmentalität gefördert, auf die es zu antworten gilt und der Internetnutzer hat ein anderes Verhalten als der Leser einer Tageszeitung. Solange der User seine Informationen kostenlos bekommen kann, ist zu erwarten, daß er dafür nicht zahlen wird. Das gilt neben den Nachrichten, die früher unter anderen Medien die Zeitung lieferte, für Musik, Filme, Lexikonartikel und vieles mehr. Eine Lösung sucht man in Begriffen wie dem <a href="http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1480/">»Qualitätsjournalismus«</a>. Darin steckt der Gedanke, daß ich bei bezahlten Medien Informationen bekomme, deren Richtigkeit ich mir sicher sein kann, bzw. daß Fehler, die immer mal passieren, in einer der nächsten Ausgaben korrigiert werden. Redakteure werden für ihre Arbeit bezahlt, der Blogger oder der Autor eines Wikipedia-Artikels nicht, ist aber womöglich ein richtiger Experte in seinem Gebiet. Der Vorteil, den ich mir mit einer Tageszeitung ins Haus hole muß also ein anderer sein, wenn ich an alle Informationen auch kostenlos komme. Oder ist es reine Nostalgie, die einige noch zum Zahlen für Journalismus veranlaßt?</p>
<h5>»Alle geben gerne Auskunft – aber niemand kann richtig Auskunft geben«</h5>
<p>Vielleicht, dachte ich lange, bin ich einer dieser hoffnungslosen Nostalgiker, die täglich ihre Zeitung brauchen, weil es zu einem gelungenen Tag gehört, sich morgens einen Überblick über die Geschehnisse in der Welt zu machen. Aber was würde ich über Frankreich erfahren, wenn nicht gerade Präsidentenwahlkampf ist, was über Iran, wenn nicht gerade ein allgemeines Interesse an den Entwicklungen bestünde? Mit der Tageszeitung bekommen wir einen Überblick geboten, den uns das Internet trotz, oder wegen, der Fülle an Informationen kaum bietet. Die Breite an Information, die das Internet bietet, ist unendlich groß, aber schnell verliert man beim Surfen die Sicht auf das Relevante. Eine Tageszeitung ist einen Tag aktuell und hat eine letzte Seite. Das Internet ist immer aktuell und kennt keine letzte Seite. Schnell bleibt man daher orientierungslos im Informationsüberfluß stecken, besucht nur die ersten 20 Googletreffer, schaut für die Tagesnachrichten nur noch bei <em>Spiegel Online</em> über die Startseite, liest, wo einen die interessanten Überschriften hinleiten, weiter aber selten. Und genau da liegt eines der größten Probleme, die das Internet hat. Es hilft der Vertiefung, vereinfacht die Recherche, verhindert aber mitunter die Teilhabe am »ganzen Leben«. Die Tageszeitung liefert täglich einen Ausschnitt dessen, was die Redakteure für relevant halten. Ich bin ihnen zwar diesbezüglich ausgeliefert, finde aber eine Orientierung über das Tagesgeschehen. Nur dem Radio bin ich, solange es läuft, in ähnlicher Weise ausgeliefert. Eine Ergänzung liefert mir das Internet je danach, wenn ich Informationen vertiefen will oder Zweifel an der Interpretation habe.</p>
<p>Die Tages- oder Wochenzeitung und das Radio verleiten dazu, an Dingen hängenzubleiben, nach denen man im Internet nicht gesucht hätte. Man kann hier Entdeckungen machen, ohne Link, ohne Referenz, die von Themen ausgeht, über die man sich gerade eh informierte, und daher mindestens in einem ähnlichen Spektrum verortet sind. Sich über Tageszeitungen informiert zu halten, ermöglicht viel stärker, an gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, als das im Internet der Fall ist. Die Selektion der Themen ist breiter und nur übers Internet informiert läuft man Gefahr, sich z.B. nur über die aktuelle Kultur zu informieren. Man könnte sagen, es wäre wie wenn ein SPD-Mitglied nur den <em>Vorwärts</em> lesen würde und denken, er sei informiert. Bei einer Tageszeitung, die den Versuch unternimmt unparteiisch zu sein, sollten Ansätze aller Parteien kritisch betrachtet werden. </p>
<p>Beim Lesen der Zeitung wird der Leser verleitet, von einer Überschrift schneller in Artikel rein zu lesen, als auf Onlineplattformen einem Überschriftenlink zu folgen. Zwar kann sich im Internet jeder äußern, aber die Wahrscheinlichkeit, gelesen und wahrgenommen zu werden, ist gering. Wer meint, das Internet sei aufgrund der breiten Äußerungsmöglichkeiten demokratischer, der muß auch die Frage stellen, ob Demokratie grundsätzlich die Separation in einzelne Interessensgebiete bedeutet oder ob die Willensbildung nicht vor allem auch einen Allgemeinbildungsprozeß erfordert. Im Internet ist jedoch vor allem ein breites Nebeneinanderher zu beobachten. </p>
<dl style="width:300px; float:right; padding:2px 0px 6px 6px; margin:2px 0px 6px 6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2010/06/schoeftland2.jpg" alt="Die Band Schöftland (Foto: © Schöftland, Bern)" title="Die Band Schöftland (Foto: © Schöftland, Bern)" width="300" height="200" /></dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Die Berner Band Schöftland<br />
(Foto: © <a href="http://www.schoeftland.com/fuer">Schöftland</a>)</dd>
</dl>
<p>Daß dies ein Problem des Internets ist, ist mir anhand eines Beispiels aufgefallen, das verdeutlicht hat, wie sehr die Zeitung diesen allgemeinbildenden Vorteil hat. Auf die Berner Band <a href="http://www.schoeftland.com/">Schöftland</a> wäre ich im Internet so schnell nicht gestoßen, auch wenn es jene Verweise gibt, die da hätten nachhelfen können: Verstärkung bekommen die Schweizer auf ihrem phantastischen Album Der Schein trügt von zwei Gastsängern, die viele Musikinteressierte auf das Debut aufmerksam machen könnten: <a href="http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/210/">Nils Koppruch</a> und <a href="http://www.gisbertzuknyphausen.de/">Gisbert zu Knyphausen</a>. Verdanken muß ich die musikalische Entdeckung des Frühjahrs aber der <em>Neuen Zürcher Zeitung</em>, die auf ihren »Kultur Zürich«-Seiten immer wieder Platten der Bands vorstellt, die in ein paar Tagen in der Gegend spielen werden. »Hochdeutsch zu singen, ist in der Schweiz nicht nur aussergewöhnlich, sondern auch mutig, denn Englisch ist die Sprache der Rockmusik geblieben, Mundart der Schlüssel zum Erfolg im Pop«, heißt es in <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/pop_und_jazz/gluecklich_machende_melancholie_1.4457797.html">dem Artikel </a>direkt zu Anfang. Den Verweis auf die Band lieferte also die Zeitung, die starke These als Einstieg in den Artikel das Interesse zu einem Weiterlesen.</p>
<div align=right>[<a href="http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/2992/2/">weiterlesen</a>]</div>
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		<title>Kein Ende in Sicht</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 06:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>N. N.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist Popmusik am Ende? Eine Frage, die mehr und mehr Statement-Charakter annahm, beschäftigte gegen Ende des letzten Jahres mal wieder so manchen Feuilletonisten, der mit dem Tod Michael Jacksons gleich noch ein historisches Ereignis bei der Hand hatte. So titelte beispielsweise das SZ-Magazin: »Verfallsdatum abgelaufen. Die Ära des Pop ist vorbei«. Das ist der Stoff, aus dem Schubladen- und Epochendenken gemacht ist. Kaum endet ein Jahr/Jahrzehnt/Jahrhundert, wird zusammengefasst, abgeschlossen, resümiert, totgesagt …]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist Popmusik am Ende? Eine Frage, die mehr und mehr Statement-Charakter annahm, beschäftigte gegen Ende des letzten Jahres mal wieder so manchen Feuilletonisten, der mit dem Tod Michael Jacksons gleich noch ein historisches Ereignis bei der Hand hatte. So titelte beispielsweise das SZ-Magazin: »Verfallsdatum abgelaufen. Die Ära des Pop ist vorbei«. Das ist der Stoff, aus dem Schubladen- und Epochendenken gemacht ist. Kaum endet ein Jahr/Jahrzehnt/Jahrhundert, wird zusammengefasst, abgeschlossen, resümiert, totgesagt.</p>
<dl style="width: 200px; float: right; padding: 2px 0px 6px 6px; margin: 2px 0px 6px 6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;"> <img title="Tocotronic: »Schall &amp; Wahn« (Cover)" src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2010/03/schallundwahn.jpg" alt="Tocotronic: »Schall &amp; Wahn« (Cover)" width="200" height="200" /> </dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Tocotronic: <em>Schall &amp; Wahn</em><br />
(Cover)</dd>
</dl>
<p>Paradox irgendwie, dass gerade das deutsche Popjahr(zehnt) mit dem Erscheinen zweier Platten beginnt, die gleichermaßen Abschluss, Rückblende und Fortschritt symbolisieren. Mit dem Album <em>Schall &amp;Wahn</em> nahmen Tocotronic den letzten Teil ihrer »Berlin-Trilogie« auf, die mit <em>Pure Vernunft Darf Niemals Siegen</em> und <em>Kapitulation </em>ihren Anfang nahm. Mit dem Abschlusswerk liefern sie gleichzeitig auch das (zumindest vorzeitige) Ende einer Entwicklung, die sich von coolen Sprüchen für das Federmäppchen (»Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein«, »Digital Ist Besser«) hin zu einer ausgereiften Kunstsprache mauserte.</p>
<p>Anders die Band Fehlfarben, die exakt 30 Jahre nach dem Konsensalbum <em>Monarchie und Alltag</em>, mit <em>Glücksmaschinen</em> ein Album veröffentlichen, das genauso auch vor 3 Dekaden hätte aufgenommen werden können und gleichzeitig heute dennoch bitter nötig scheint. Dass die politischen und gesellschaftlichen Reibungspunkte, die Peter Hein und seine Düsseldorfer Bandkollegen 1980 umgaben, auch im Jahr 2010 noch in ähnlichem Maße existieren, ist nicht unbedingt neu. Nennenswert hingegen ist der künstlerische (musikalische, wie textliche) Rückbezug, der einen Aspekt von Popmusik zu manifestieren weiß, der in Zeiten immer enger werdender Hosen und immer größer werdender Brillen, ad absurdum geführt wurde: die Zeitlosigkeit. Bereits im Opener und Titelsong des Albums verweist Hein auf damals und erörtert gleichzeitig augenzwinkernd die eigene Rolle, die sich selbstredend in den ganzen Jahren verändert hat:</p>
<blockquote><p>Du stellst die Musik so leise<br />
seit ich bei dir bin<br />
Früher sagtest du ›mach lauter‹<br />
danach war alles drin<br />
Hören wir auch heute wenig<br />
können uns doch gut verstehen<br />
Und wird das Grau auch mehr<br />
wir brauchen keinen Neubeginn</p></blockquote>
<p>Es muss irgendwann im Jahr 1979 gewesen sein, als sich die Fehlfarben vom Spaß- und Krawallpunk englischer Vorbilder wie den Sex Pistols entfernten, um ernsthafte, beizeiten romantische Punkmusik zu machen. Dieser Entscheidung standen Bands Pate wie die Buzzcocks, The Clash oder The Jam und so entstand eines der unbestrittensten Konsensalben der deutschen Popmusik. Sozusagen als Nebeneffekt leiteten die Fehlfarben die Neue Deutsche Welle ein, die später mit Nena und ihren »99 Luftballons« in die Belanglosigkeit abhob, und brachten das, was auf der Insel als Post-Punk oder New Wave firmierte, nach Deutschland.</p>
<p>Nach Jahren der Absenz (Peter Hein verließ nach dem Album die Fehlfarben und stieß 1989 wieder hinzu) und Belanglosigkeit, war das 2002 erschienene <em>Knietief im Dispo</em> zumindest ein kleiner Lichtblick. Doch erst das Album <em>Glücksmaschinen</em> vermag die Band aus dem stillen Vorwurf, ein One-Hit-Wonder zu sein, zu befreien. Nach Jahren des Post-Punk-Revivals brechen die Protagonisten der deutschen Szene mitten hinein in den fröhlichen neonfarbenen Retroschick, der dieser Tage den Status der Popmusik neu zu definieren versucht.</p>
<dl style="width: 200px; float: left; padding: 2px 0px 6px 6px; margin: 2px 0px 6px 6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;"> <img title="Fehlfarben: »Glücksmaschinen« (Cover)" src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2010/03/fehlfarben_gluecksmaschinen.jpg" alt="Fehlfarben: »Glücksmaschinen« (Cover)" width="200" height="200" /> </dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Fehlfarben: <em>Glücksmaschinen</em><br />
(Cover)</dd>
</dl>
<p>Musikalisch nimmt uns die Band mit auf eine Zeitreise und beweist, dass die Kopie vom Original immer noch am authentischsten klingt. 1980 hätten an dieser Stelle Bands wie Joy Division und Gang Of Four referentielle Erwähnung gefunden – drei Dekaden nach dem Debütmeilenstein <em>Monarchie und Alltag</em> reicht als Bezugspunkt die ausführende Band selbst. Textlich scheint die Wut und Destruktivität der Anfangstage konserviert und für das 21. Jahrhundert frisch aufgetischt worden zu sein. Zwischen den Zeilen liest man aber eine latente layed-back-Mentalität in Heins Gesellschaftsbeobachtungen heraus, die wohl dem Alter geschuldet sein dürfte. »Gebrauchte Fußballspiele«, die den ganzen Tag laufen und Werbepartner, die im »Pleitegrab» liegen werden da besungen und obschon die Wortwahl eine äußerst prägnante ist, erkennt man doch in den Klagen über Eventkultur und den Seitenhieb gegen die Opfer der Finanzkrise eine gewisse Distanz. Verhältnisse werden nicht mehr angeklagt, sie werden lokalisiert und benannt. »Aktiv sein, das sollen jetzt mal Andere«, so der Tenor, der uns entgegenschlägt, »aber zu sagen haben wir auch noch etwas«.</p>
<p>Tocotronic dagegen sind in den letzten Jahren durchgängig aktiv gewesen – und das ziemlich erfolgreich. Und auch wenn die Wahlberliner um Dirk von Lowtzow nicht mehr zur ganz jungen Garde gehören (wie beispielsweise die grandiosen Ja, Panik), so ist der Werdegang  der Band ein Indiz dafür, dass Popmusik immer auch diachron stattfindet. Durch Abgrenzung wie durch Aneignung entwickelt sie sich von Jahr zu Jahr, von Band zu Band und vor allem (im Falle von Tocotronic ganz besonders) von Platte zu Platte weiter und liefert gleichsam Rückblick wie Ausblick.</p>
<p>Im Gegensatz zu der vergleichsweise brachialen und direkten Sprache mit der Peter Hein alltägliche Beobachtungen vergegenwärtigt, entwickelte Dirk von Lowtzow in mittlerweile 17 Jahren Tocotronic seine eigene Kunstsprache. Maßgeblich beeinflusst von Beatliteraten wie Borroughs und Kerouac, sowie dem Cut-Up-Prinzip, wie es auch Hubert Fichte prägte, entwickelte von Lowtzow eine Art Open-Source-Lyrik, die weiten Spielraum für Assoziationen lässt. Dabei arbeitet er vor allem mit Signalwörtern, die eine Art Leitfaden bilden.</p>
<p>Von <em>Kapitulation</em> und einigen Songs auf <em>Schall &amp; Wahn</em> abgesehen werden aggressive und offensive Schlagworte wie »Verschwörung«, »Festung« oder »Terror« mit romantischer, verträumter und meist zurückhaltender Popmusik gekoppelt, wodurch ein geplanter Widerspruch entsteht, der sich nicht sofort aufdrängt.</p>
<p><em>Schall &amp; Wahn</em> schließt nun die Berlin-Trilogie ab und mit ihr den Eskapismus von <em>Pure Vernunft Darf Niemals Siegen</em> sowie die passive Verweigerungshaltung von <em>Kapitulation</em>. Gleichzeitig manifestiert die Platte die Entwicklung, die die Band vom ungestümen  Indie-Rock und dem im Nachhinein als ironisch klassifizierten modischen Gestus auf <em>Digital Ist Besser</em> hin zu Tocotronic im Jahr 2010 vollzog.</p>
<p>Dass die Popmusik tot sei, kann behaupten wer will. Wer jedoch ganz genau beobachtet, die Umstände der Zeit und die natürliche Fluktuation der Popmusik in die Betrachtungen mit einbezieht, wird sehen, dass es anders ist. Die Oberfläche mag abgegraben sein und vieles mag innovationslos wirken, doch dieser Umstand ist einer seit jeher auf Kopie und Repetition ausgelegten populären Musik inhärent. Alleine <em>Glücksmaschinen</em> und <em>Schall &amp;Wahn</em> legen tapfer  Zeugnis davon ab, dass die deutschsprachige Popmusik (stellvertretend für die globale Entwicklung) noch lange nicht am Tropf hängt. Dieser Gedanke kann auf die letztjährig erschienenen Platten von Ja, Panik (<em>The Taste And The Money</em>) und den Goldenen Zitronen (<em>Die Entstehung der Nacht</em>), sowie auf die vor kurzem erschienene Veröffentlichung von den Aeronauten (<em>Hallo Leidenschaft</em>) ausgeweitet werden, um nur die zeitnächsten Beispiele zu nennen. Interessant ist dabei, dass es in der deutschsprachigen Szene vor allem Bands der alten Garde sind, die die These der dahinsiechenden Popmusik anfechten.</p>
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		<title>Perfektionierte Langeweile</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 08:38:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benedikt Viertelhaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2009/08/Revolver_Cover.jpg" width=100 height=100 class= right alt="Revolver: Music for a while (Cover)" title="Revolver: Music for a while (Cover)"/>Irgendwie kann man über viele Platten sagen: »Alles schonmal dagewesen«. Doch selten zeigt es sich so extrem und störend, wie bei dem ersten Album der französischen Band Revolver, Music for a while. Die Arrangements, die Harmonien, selbst den Bandnamen, gab es schonmal. Revolver war und ist eben auch eine deutsche Hard-Rock Band, die in den 80-ern in der Scene zu gewisser Bekanntheit kam und Ozzy Osbourne 1982 auf seiner Europatour begleitete. Die Band aus Paris gründete sich 2006 und hat gerade ihr erstes Album veröffentlicht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie kann man über viele Platten sagen: »Alles schonmal dagewesen«. Doch selten zeigt es sich so extrem und störend, wie bei dem ersten Album der französischen Band <a href="http://www.revolvermusic.tv/">Revolver</a>, <em>Music for a while</em>. Die Arrangements, die Harmonien, selbst den Bandnamen, gab es schonmal. <a href="http://www.revolver.a2k.de/">Revolver</a> war und ist eben auch eine deutsche Hard-Rock Band, die in den 80-ern in der Scene zu gewisser Bekanntheit kam und <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/o/osbourne_ozzy/index.htm">Ozzy Osbourne</a> 1982 auf seiner Europatour begleitete. Die Band aus Paris gründete sich 2006 und hat gerade ihr erstes Album veröffentlicht. </p>
<dl style="width:175px; float:right; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2009/08/Revolver_Cover.jpg" width=175 height=175 class= right alt="Revolver: Music for a while (Cover)" title="Revolver: Music for a while (Cover)"/>
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Revolver: <em>Music for a while</em><br />
(Cover)
</dd>
</dl>
<p>Sicherlich paßt zu beiden Bands der Name. Als Heavy-Metal-Band kann man versuchen, in die Waffe Härte zu interpretieren, und bei der Aufmachung von Music for a while weiß man direkt, womit man es zu tun hat. Der Versuch eines 60-er/70-er Jahre-Klons mit einer Referenz an das Beatlesalbum <em>Revolver</em>. Das Coverphoto erinnert an <em>With the Beatles</em>, die farbliche Gestaltung an <em>Aftermath</em> von den Rolling Stones, das wahrscheinlich damals schon an das Beatlesalbum erinnern sollte. Das Vorgängeralbum von Revolver, <em>Rubber Soul</em>, hat die Beach Boys zu <em>Pet Sounds</em> inspiriert. Dieses, noch einmal über den Teich gewandert, inspirierte die Beatles zu <em>Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band</em> und mit diesem Album als Anstoß wiederum produzierten die Rolling Stones <em>Their Satanic Majesties Request</em>; die Idee, Popmusik aus dem reinen Songwriting herauszuheben, war manifestiert, also der Versuch, den Reigen der jährlich erscheinenden Songsammlungen, Alben aus Einzelstücken, zu durchbrechen.</p>
<p>Nun, Jahre später, gibt es Revolver, die harmoniesüchtig (was nur in der Musik immer als Vorwurf aufgefaßt werden darf) das alles zusammenwerfen. Sie klingen ein bißchen nach Beatles, ein bißchen nach Beach Boys, und der Titel des Albums könnte ein Zitat aus Don McLeans »American Pie«, sein, das sich in einer Coverversion der drei auf dem Album sicher nicht auffällig herausgehoben hätte. Den Gedanken der Zeit, an die sie sich so offensichtlich anlehnen, die einfachen Liedersammelalben hinter sich zu lassen, vermißt man gänzlich. Zu der Zeit, in der all das entstand, was hier sicherlich nicht freiwillig Pate gestanden hätte, waren in Frankreich noch Jaques Brel, Georges Brassens oder Serge Gainsbourg aktiv. Sicherlich wird es auch damals im Nachbarland Bands gegeben haben, die den Stil der Beatles und Co. kopierten, Relevanz scheinen sie aber nicht mehr zu haben. Einzig der französische Star Johnny Halliday hat sich längst zu einem eigenen Phänomen entwickelt. De Bläck Fööss zum Beispiel, die ihre ersten Gehversuche durch die Beatles inspiriert sehen, haben bis heute vor allem auch durch Wandelbarkeit überlebt und haben in der 5. Jahreszeit ihre Nischenepoche gefunden. </p>
<p class="zentriert"><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/wp-content/uploads/2009/08/Revolver_Band.jpg" alt="Die Band: Revolver (Foto: verstärker medienmarketing, Berlin)" title="Die Band: Revolver (Foto: verstärker medienmarketing, Berlin)" class="frei" /><br />
<font size="-1">Die Band: Revolver aus Paris<br />
(Foto: verstärker medienmarketing, Berlin)</font></p>
<p>Aber wer Revolver hört, weiß sofort, warum eine lange Karriere nur funktionieren kann, wenn auch sie Wandelbarkeit entwickeln, wie die Black Fööss. Doch eine mögliche Voraussetzung fehlt Revolver: die eigene Sprache, die sie gegen ein langweiliges, charakterloses Englisch austauschen. Zudem strotzt das Debut musikalisch vor Ideenlosigkeit. Einzig bei der Beherrschung ihrer Instrumente und dem produzieren von Harmonien kann man Ambroise Williaume (Gesang, Gitarre, Klavier), Christophe Musset (Gesang, Gitarre) und Jérémie Arcache (Cello und Gesang) nicht vorwerfen. Das klingt jedoch, trotz all der Anleihen, derer sie sich bedienen, erschreckend eintönig. Der mehrstimmige Gesang zieht sich durch alle zwölf Lieder. Das Schlagzeug ist zudem viel zu weit in den Hintergrund geraten, und nicht nur deswegen ist es die reinste Weichspülermusik, die uns die EMI da aus Frankreich verkaufen will. Warum tut sie das? Warum versucht man uns damit zu ködern? Denn das Erschreckende ist, daß Platten der Musiker, die in Frankreich mit brillanter Popmusik erfolgreich sind, wie etwa Calogero oder Mademoiselle K, in Deutschland Großteils nur zu untragbaren Importpreisen zu bekommen sind. So wirkt Revolver wie ein Beweis, daß die Musikindustrie die Verantwortung an ihrem Untergang zu Teilen selber trägt. Wer ewig Gestriges weiterhin als neu verkaufen will, nur weil es andere Musiker sind, die an den Instrumenten herumhampeln, hat ausverkauft. Geld in das Marketing zu investieren bei Bands, die die eigene Note und damit auch die Entwicklungsfähigkeit bezweifeln lassen, ist letztlich schwer einzuspielendes Geld. Für Folgeplatten von Bands wie Radiohead ist nur noch wenig Marketing nötig. Für junge Bands wie Revolver jedoch schon. Wenn da die Entwicklung nicht wahrscheinlich ist, wird der Interessierte die zweite Platte aber nicht unbedingt kaufen wollen. Die Veröffentlichung wird zu keinem erwarteten Event und somit für die zweite Platte auch wieder großes Marketing vonnöten sein. Auch wenn die Stücke auf Music for a while teilweise nett sind, sie verlangen nach keiner Fortsetzung und auch nach keiner weiteren Beschreibung, die letztlich auch nur langweilen würde.<br />
<em><br />
<a href="http://www.revolvermusic.tv/">Revolver</a>: Music for a while. EMI France 2009. Ca. 14 Euro.</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Ein Stück des Wegs gehen alle gemeinsam</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1483/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1483/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 06:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benedikt Viertelhaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1483</guid>
		<description><![CDATA[<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/halma_band.jpg" height=100 width=77 alt="Die Band: Halma (Foto: Gianni Occhipinti" />Wissen Sie, über welche Ecken Element of Crime mit Velvet Underground zu tun hat? Oder The Black Heart Procession mit Pinback. Nein? Gut – brauchen Sie auch nicht. Es sind auch nur zwei Beispiele, wie verschiedene Bands miteinander personell verbunden sind. Mehr wissen Sie sicherlich zu den ganzen Projekten, die sich nach Auflösung der Beatles um die vier Musiker entwickelten. Die Musikgeschichte läßt sich mitunter wie ein Stammbaum lesen, der zeigt, daß jeder Musiker mit jedem indirekt etwas zu tun hatte. Eindeutig und direkt z.B. sind die Bezüge zwischen Fink und Halma.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl style="width:230px; float:right; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/halma_band.jpg" alt="Die Band: Halma (Foto: Gianni Occhipinti" />
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Die Band: Halma<br />
(Foto: <a href="http://www.gianni-occhipinti.de/">Gianni Occhipinti</a>)
</dd>
</dl>
<p>Wissen Sie, über welche Ecken <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/e/element_of_crime/index.htm">Element of Crime</a> mit <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/v/velvet_underground/index.htm">Velvet Underground</a> zu tun hat? Oder <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/b/black_heart_procession/index.htm">The Black Heart Procession</a> mit <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/p/pinback/index.htm">Pinback</a>? Nein? Gut – brauchen Sie auch nicht. Es sind auch nur zwei Beispiele, wie verschiedene Bands miteinander personell verbunden sind. Mehr wissen Sie sicherlich zu den ganzen Projekten, die sich nach Auflösung der Beatles um die vier Musiker entwickelten. Die Musikgeschichte läßt sich mitunter wie ein Stammbaum lesen, der zeigt, daß jeder Musiker mit jedem indirekt etwas zu tun hatte. Eindeutig und direkt z.B. sind die Bezüge zwischen <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/f/fink/index.htm">Fink</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Halma_(Band)">Halma</a>. Kein Wunder, daß die Bands sich kannten, ist doch ihr Ursprungsort Hamburg und so groß sind die Musikszenen einzelner Städte nicht, als daß man sich nicht über den Weg laufen würde. Aber diese Bands verbindet mehr: Bassist Andreas Voß und Gitarrist Thorsten Carstens, die mit Halma kürzlich das Album <em>Broad Peak</em> veröffentlichten, waren einst eine Hälfte von Fink. Voß, bis die Band sich nach der Tour zu dem grandiosen Album <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/178/"><em>Bam Bam Bam</em></a> (2005) auflöste, Carstens, bis nach dem Album <em>Loch in der Welt</em> (1998). Fast unbemerkt erschien letzten Herbst das bereits vierte Album der, mit Fiona McKenzie (Schlagzeug, Percussion) und Anna Bertermann (Synthesizer, Baß, Gesang), vierköpfigen Band. Wurde <em><a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/923/">Den Teufel tun</a></em>, das Solodebut des Sängers von Fink, Nils Koppruch, von einem gewissen Medienecho begleitet, ist das Interesse an der Musik von Halma enttäuschend gering. </p>
<p>Das mag auch daran liegen, daß die Beschreibung ihrer Musik nicht einfach ist. Nils Koppruchs Solodebut bewegte sich klar auf den Pfaden des Vorgängerprojektes. Halma, schon als Nebenprojekt zu Fink begonnen, beschreiten musikalisch völlig andere Wege. Allein, daß die meisten Lieder keine Texte haben, macht sie schwerer greifbar. Dafür jedoch bietet die Platte einen wunderbaren Soundtrack für den Alltag: Die Musik auf <em>Broad Peak</em> kann man wunderbar beim Schreiben, zum Essen oder in einem Café hören. Dem Anspruch der Band, die von sich selber als »vier gleichberechtigten Akteuren« spricht, wird sie locker gerecht. Unaufdringlich und doch verspielt schieben sich die Instrumente und Melodien ineinander. Hier zeigt sich, wie jedes Instrument seinen individuellen Teil beiträgt, einen Klangteppich frei von Wall of Sound zu gestalten. Vergleichbar sind gleichfalls eher unbekannte Bands wie Tijuana mon Amour, deren Musik mehr groovt, oder <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Aspects_of_Physics">Aspects of Physics</a>, die im Rechner ein wichtiges Instrument für ihre Musik gefunden haben. </p>
<dl style="width:200px; float:right; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/halma_cover.jpg" width=200 height=200 alt="Das Album: »Broad Peak« (Cover)" />
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Das Album: <em>Broad Peak</em><br />
(Cover)
</dd>
</dl>
<p>Gerade Aspects of Physics verbindet mit Halma jedoch, daß ihre meist unaufdringlichen Lieder eigentlich das sind, was eine ideale Hintergrundmusik ist: Man kann mit großer Freude hinhören, man muß es aber nicht. Und läßt es einen aufhorchen, unterbricht es eine Beschäftigung jedoch nicht. Mit Halma wäre eine gute Wahl für die uns überall begleitende Musik getroffen. Die Musik von Halma ist massen-, aber nicht radiokompatibel, was in keinem Fall abwertend gemeint ist. <em>Broad Peak</em> liefert Musik, in der man gerade beim Wiederhören etwas zu verstehen beginnt. Da hier nichts auf den Radiohit angelegt ist, keine schnelleingängige Melodie im Vordergrund steht, die einen Refrain braucht, muß man dieser Musik mehr als eine erste Chance geben, wenn man sie verstehen will. Eben keine Dreiminutenhäppchen für den Fastfoodhörer.</p>
<p>»Formed in a Vacuum«, das als einziges Stück mit Gesang gestaltet ist, erklärt sich dem Hörer vielleicht als erstes, da es den Hörgewohnheiten am ehesten entspricht. Das verspielte Einsampeln von Applaus in »Montreux« erinnert ironisch an die Publikumsgewohnheit, bei Liveauftritten nach Soli Beifall zu geben, dabei gibt es in dem Klangteppich, den Halma so kunstvoll weben, kaum Soli im herkömmlichen Sinne. Hier tanzt nur die gesamte Band angenehm aus der Reihe, keiner der Musiker allein. »Pacific Telegram« bringt uns mit dem Ertönen schwerer Gitarren Westernsoundtracks in Erinnerung. Ähnlich wie bei diesem Lied unterlegt die Musik Bilder der Phantasie und das kann bei dieser Untermalung wie eine achtteilige, 44-minütige Fahrt ins Glück sein.</p>
<p><em><strong>Halma: Broad Peak.</strong> Sunday Service. Hamburg. Ca. 44 Min. Spielzeit. Ca. 14,– Euro.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="-1">Foto: © <a href="http://www.gianni-occhipinti.de/">Gianni Occhipinti</a></font></p>
]]></content:encoded>
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		<title>»Just singing a song won’t save the world«</title>
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		<pubDate>Tue, 12 May 2009 17:30:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benedikt Viertelhaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[»Weggabelung« als Übersetzung würde nicht ganz das Bildmotiv ergeben, das der Titel von Neil Young kürzlich erschienenem Album im englischen Original ausdrückt: Fork in the road. Zwar sind die USA, das Land, um das es in seinen politischen Songs immer geht, mit dem Sieg Obamas und seinen schnellen Handlungen nach seiner Machtübernahme an einer Weggabelung angekommen. »Maybe it's Obama/ But he thinks that he's too young« sang er 2006 in »Lookin’ for a leader« auf dem Album Living with war. Jetzt aber, wo diese Möglichkeit eines Nach-Bush-Präsidenten wahr geworden ist, ist es Zeit, sich neuen Themen zu stellen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Weggabelung« als Übersetzung würde nicht ganz das Bildmotiv ergeben, das der Titel von <a href="http://neilyoung.com/">Neil Young</a> kürzlich erschienenem Album im englischen Original ausdrückt: <em>Fork in the road</em>. Zwar sind die USA, das Land, um das es in seinen politischen Songs immer geht, mit dem Sieg Obamas und seinen schnellen Handlungen nach seiner Machtübernahme an einer Weggabelung angekommen. »Maybe it's Obama/ But he thinks that he's too young« sang er 2006 in »Lookin’ for a leader« auf dem Album <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/661/"><em>Living with war</em></a>. Jetzt aber, wo diese Möglichkeit eines Nach-Bush-Präsidenten wahr geworden ist, ist es Zeit, sich neuen Themen zu stellen. Und so ist die »road« des Albumtitels nicht nur der Weg des Wandels, der beschritten wird, sondern auch der Ort, auf dem der Wandel noch zu vollziehen ist: die Straße. Zu einem großen Teil geht es Neil Young in Fork in the Road denn auch um einen Inbegriff amerikanischen Lebensgefühls – um Autos. »Fuel line«, »Get behind the Wheel« oder »Off the road« heißen die Songs, aber auch kaum ein anderer Song auf dem Album kommt ohne autobezogene Textzeilen aus. </p>
<p>Young weiß genau: »Just singing a song won’t change the world«, dazu bedarf es mehr. Und so hat er sich eine seiner Vorlieben zur Mission gemacht. Er will zeigen, daß man auch mit schweren Autos weniger Treibstoff braucht als bisher üblich. 2,5 Tonnen wiegt sein Lincoln Continental Baujahr 1959, der entsprechend umgebaut wurde und mit dem er auf Werbetour durch die USA ziehen will. Dabei geht es weniger um sein neues Album, sondern um die notwendige Veränderung in der Welt, ohne die Symbole des amerikanischen Traums aufgeben zu müssen. Doch sein Ziel, der Verbrauch von 2,4 Litern auf 100 Kilometer, hat er noch nicht ganz erreicht. Road-Feeling mit gutem Gewissen. </p>
<p>Auch im Falle von Living with war auch es ein amerikanisches Lebensgefühl, das die Platte zu einer seiner frischesten der letzten Jahre machte, doch im Vergleich dazu wirkt <em>Fork in the Road</em> emotional leer. Als Konzeptalbum fehlt der Platte aufs Ganze gesehen das Herzblut. Zwar ist das Album nach seinem Vorgänger Crome Dreams wieder rockiger und die Produktion im Ganzen sehr viel rauher, aber die Energie, die gerade seine Rock-Alben oftmals ausmacht, fehlt. Das könnte daran liegen, daß seine Texte wenig erzählen. Am interessantesten ist der Titel »Cough up the Bucks«, der neben der Wiederholung der Titelzeile wiederholt die Frage stellt »Where did all the money go« und mit wenigen weiteren Textzeilen auskommt:</p>
<blockquote><p>It’s all about my Car<br />
It’s all about my Girl<br />
It’s all about my World<br />
Cough the Bucks</p></blockquote>
<p>Das ist dann vielleicht doch ein wenig eintönig für einen Song von viereinhalb Minuten. Mit ähnlich wenig Text experimentierte er bereits 1981 auf Re ac tor, mit dem Titel »T-Bone«. Hier kam er bei einer Spieldauer von neun Minuten auf nur zwei Zeilen Text – jedoch auch zu energiegeladener, wenn auch musikalischer Eintönigkeit.</p>
<blockquote><p>Ain’t got no T-Bone<br />
Got mashed Potatoes </p></blockquote>
<p>Die rhythmische Wiederholung der Zeile »Cough up the Bucks« ist das spannend, verschmelzen Gitarren und Gesang hier sehr gut und Neil Young erweitert einmal mehr, seinen Stil ein wenig, der auf dem Album selbst ansonsten eher eng ist. Daher ist es gut, daß er mit »Light a candle« einen ruhigeren Akzent setzen kann. Wobei auch das letztlich nicht reicht, das Album als Ganzes zu einem wichtigen Werk des Amerikaners zu machen, bleibt es doch zu konventionell und dabei zu unemotional.</p>
<p><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/nyoungcover.jpg" class=right alt="Neil Young: »Fork in the Road« (Cover)" title="Neil Young: »Fork in the Road« (Cover)" /><em>Living with war</em> wirkte wie ein Befreiungsschlag und ein Blick in Richtung Zukunft – auch, wenn es fast schon wahrscheinlich war, daß Neil Young den späteren Präsidenten als möglichen Kandidaten seiner längeren Liste mit aufzählte. <em>Fork in the road</em> wirkt dagegen teilweise wie der fade Kommentar eines Mannes, der gemerkt hat, daß politische Songs wichtig sein können und man damit den Menschen auch viel geben kann. Aber Neil Young läuft mit seinem musikalischen Kommentar der Realität hinterher: Daß beispielsweise die Verkehrspolitik seitens der Autohersteller nicht aufgeht, sehen wir allein schon an den schlechten Umsatzzahlen der amerikanischen Hersteller und den daraus entstehenden Konsequenzen. Die geplante Förderung zum Kauf neuer Autos wird nach den zeitweilig hohen Spritkosten auch in Amerika nicht zu einer Renaissance der Spritschlucker führen, die die Krise der Autoindustrie dort sicher mit ausgelöst hat. Neil Youngs Kommentar wirkt hier wie ein Hinterherhecheln, die visionäre Kraft vermißt man in den Songs. So ist Fork in the Road nur ein weiteres Neil Young Album – nicht weniger, aber auch nicht mehr!</p>
<p><em>Neil Young: Fork in the Road. Reprise/Warner Brothers 2009. Ca. 39 Min. Spielzeit. Ca. 17,– Euro.</em></p>
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		<title>Moskau – eine europäische Stadt nach dem Atomschlag</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 09:59:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Crauss</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1474</guid>
		<description><![CDATA[<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/crauss_glukhovsky0.jpg" alt="Dmitry Glukhovsky und Robert Stadlober bei ihrer Lesung in Berlin (Foto: Crauss.)" title="Dmitry Glukhovsky und Robert Stadlober bei ihrer Lesung in Berlin (Foto: Crauss.)" /><em>»Stellen Sie sich vor, Sie betreten wie jeden Tag die U-Bahn – und sehen erst 25 Jahre später das Tageslicht wieder!«</em> – So empfängt einen die Website zu Dmitry Glukhovskys Roman <em>Metro 2033</em>, den es seit einem Jahr auf Deutsch gibt und der in der Übersetzung mit rund 780 Seiten mehr als doppelt so umfangreich ist wie das russische Original. K.A.-Redakteur Crauss war dabei, als der Autor zusammen mit Schauspieler Robert Stadlober sein Buch in Berlin vorstellte, und lässt uns einen Ausschnitt daraus mithören ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Stellen Sie sich vor, Sie betreten wie jeden Tag die U-Bahn – und sehen erst 25 Jahre später das Tageslicht wieder!</p>
<p>Die Zukunft. Ein verheerender Krieg hat weite Teile der Welt in Schutt und Asche gelegt. Nur in den gigantischen U-Bahn-Netzen der Städte haben die Menschen überlebt. Dort unten, in der Tiefe, haben sie eine neue Zivilisation errichtet. Eine Zivilisation, wie es sie noch nie zuvor gegeben hat. Die Zeit: Das Jahr 2033. Der Ort: Moskau.</p></blockquote>
<p>So empfängt einen die <a href="http://www.metro2033.org/">Website zu Dmitry Glukhovskys Roman <em>Metro 2033</em></a>, den es seit einem Jahr auf Deutsch gibt und der in der Übersetzung mit rund 780 Seiten mehr als doppelt so umfangreich ist wie das russische Original. Das verhindert keineswegs einen soliden Erfolg, denn der Autor tourt gemeinsam mit Schauspieler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Stadlober">Robert Stadlober</a> durch die Republik, das Publikum interessiert sich fürs Buch genauso wie für das nach dem Buch entstandene Computerspiel und fragt bei Lesungen bereits nach einer Verfilmung. Der Autor gibt sich unbescheiden, behauptet, kleinere Angebote bereits abgelehnt zu haben und lieber auf eines aus den USA zu warten. <em>Metro 2033</em> soll ein Blockbuster werden.</p>
<p><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/glukhovsky_metro2033.jpg" class="right" alt="Dmitry Glukhovsky: Metro 2033" />Dmitry Glukhovsky, 1979 in Moskau geboren, hat Internationale Beziehungen studiert und arbeitete als Kreml-akkreditierter Journalist für Russia Today und die Deutsche Welle. Gegen die Bezeichnung »Science-Fiction-Autor« wehrt er sich mit dem Hinweis darauf, dass seine Texte ohne Weltall-Monster-Topoi auskommen und, wichtiger, die Wirklichkeit technologische Phantasien schneller einholt als man sie aufschreiben könne. So hält er zwar Russland und Amerika nicht für die politischen Hauptantagonisten, einen Atomschlag infolge von Konflikten unter Schwellenländern aber für wahrscheinlicher denn je.</p>
<p>Daher spielt sein Erstling <em>Metro 2033</em> auch nach einem verheerenden Atomkrieg. Die Moskauer Metro ist der letzte Zufluchtsort weniger Überlebender, die Tunnelzivilisation ist in Fraktionen zerfallen. Es gibt das Handelsimperium der Hanse, arme Schlucker, Faschisten, Kommunisten, Wilde, die dem technikfeindlichen Kult des »Großen Wurms« huldigen, und einiges mehr. Man ernährt sich vor allem von Pilzen und Tee. Zum Teetrinken jedoch bleibt dem jugendlichen Helden Artjom wenig Zeit, da seine Heimatstation von Invasoren attackiert wird. So bricht er zu einer Odyssee durch die Unterwelt auf: Jede Station kann eine dramatische Wende bereithalten …</p>
<p>»Auch wenn man die Blaupause solcher Geschichten kennt«, schreibt Ulrich Baron in seiner <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,594248,00.html"><em>Spiegel</em>-Besprechung</a>, »gelingt es dem Autor, bekannte Fantasy-Muster originell und spannend zu variieren. Zudem entführt der von David Drevs kongenial übersetzte Roman nicht nach Mittelerde, sondern in eine Welt, deren ursprünglichen Plan man in jeder Moskauer Metrostation betrachten könnte.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zentriert"><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/crauss_glukhovsky1.jpg" class="frei" alt="Dmitry Glukhovsky und Robert Stadlober bei ihrer Lesung in Berlin (Foto: Crauss.)" title="Dmitry Glukhovsky und Robert Stadlober bei ihrer Lesung in Berlin (Foto: Crauss.)" /></p>
<p><strong>Dmitry Glukhovsky stellte sein Buch am 11. März 2009 im Russischen Theater in der Berliner Kulturbrauerei vor. K.A.-Redakteur Crauss war vor Ort, um die Lesung aufzuzeichnen. Die ausschnittsweise Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Heyne Verlags.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>[Der Audioclip kann auf der Website angehört werden]<br />
<font size="-1">Einführung: Dmitry Glukhovsky über die Idee zu seinem Roman, Handlungsorte und Figuren und die Faszination der Moskauer Metro (auf Englisch; ca. 7 min.)</font></p>
<p>[Der Audioclip kann auf der Website angehört werden]<br />
<font size="-1">Lesung: Dmitry Glukhovsky liest eine kurze Passage aus dem russischen Original, anschließend Robert Stadlober ein Kapitel aus der deutschen Übersetzung (ca. 20 min.)</font></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine ausführliche Leseprobe gibt es <a href="http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?serviceAvailable=true&#038;mid=4&#038;showpdf=false&#038;edi=281516#tabbox">auf der Verlagsseite</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="-1">(Foto: Crauss.)</font></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Von der Reibung der Lautung: Tondehnung, Pathos und die Dekonstruktion des Gesangs</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1467/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1467/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 19:37:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Jüngling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1467</guid>
		<description><![CDATA[Was für Ereignisse überschlagen sich doch augenblicklich, denke man nur an die himmelstürzende Aufregung, in die die Wohlmeinenden und Wohlgesinnten Papst und Vatikan stürzten. Bereits frühzeitig wurde der Exkommunikationstermin, also kurz vor dem Ausschwitztag 27. Januar, als zumindest geschmacklos beklagt. Nun, was sollten dann jene datumsschwitzenden Zeitgenossen gerade vom 30. Jänner halten, an dem nun die Berliner Band Klez.e ihr neues und drittes Album ausgerechnet unter dem Titel <em>Vom Feuer der Gaben</em> im Zentrum der Hauptstadt (allerdings ohne Fackelmarsch) in die Ohren trug.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was für Ereignisse überschlagen sich doch augenblicklich, denke man nur an die himmelstürzende Aufregung, in die die Wohlmeinenden und Wohlgesinnten Papst und Vatikan stürzten. Bereits frühzeitig wurde der Exkommunikationstermin, also kurz vor dem Ausschwitztag 27. Januar, als zumindest geschmacklos beklagt. Nun, was sollten dann jene datumsschwitzenden Zeitgenossen gerade vom 30. Jänner halten, an dem nun die Berliner Band <a href="http://www.klez-e.de/">Klez.e</a> ihr neues und drittes Album ausgerechnet unter dem Titel <em>Vom Feuer der Gaben</em> im Zentrum der Hauptstadt (allerdings ohne Fackelmarsch) in die Ohren trug.</p>
<p><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/kleze_vfdg.jpg" alt="Klez.e: Vom Feuer der Gaben (Cover)" title="Klez.e: Vom Feuer der Gaben (Cover)" />Um bei diesem Bild zu bleiben: Die Band um das zündelnde Zentrum Tobias Siebert reicht sich stringent steigernd die musikalischen Brandsätze mit sprühendem Funkenfluge von Platte zu Platte weiter. Zugegeben, mit dem Vorgängeralbum <em>Flimmern</em> warb Klez.e optisch für den wäßrigen Untergang, doch die hitzigen und lichternen Grundelemente, die schon mit <em>Leben daneben</em> Eingang in die deutschsprachige Musikszenerie fand, wurden hier bereits fest gegründet. Vielmehr wurde es nach <em>Flimmern</em> besonders spannend, wie und welcher Art eine Fortsetzung errungen würde, die ein Auffangen des Bisherigen ebenso böte wie eine Entwicklung, die den erreichten Stil weiter präzisierte und vertiefte.</p>
<p>Sagen wir vertiefte, so reicht dieses Attribut bei weitem nicht aus. Sagen muß man eher noch überdies verbreiterte, ausfächerte, ja fast schon die dritte musikalische Dimension übersteigerte. Die Grenze haltend ohne zu verschwinden, eröffnet sich eine Dichte aus einem zwar bereits bekannten doch noch verflochtenerem Gitternetz der Gitarrenlinien, in das wie dunkle Lichtknoten Baß und Schlagzeug eingewebt sind. Jene Linien erinnern überdeutlich an die Laser- und Neonschwingen aus den Discotheken der achtziger Jahre, zuckend, unruhig, sanft und rauh – eine sich forttreibende Spannung zwischen offenem Drang und Melancholie. Neugewinn und Erfahrung treten nicht als oppositionelle Pole gegeneinander an, sondern bilden ein ähnlich kongruentes Verhältnis wie die Geburt der Athene aus dem Kopfe des Zeus und auch umgekehrt. Das Titellied <em>Vom Feuer der Gaben</em>, »Wir ziehen die Zeit«, steht für die gesamte Platte in seiner Art stellvertretend für die zurückgeholte Tradition, Popmusik und Klassik interagieren zu lassen. Á la Kurt Weills Arbeiten für Brechts Episches Theater oder ebenso wie Deep Purples erstes gleichnamiges Album oder Rockopern im Stile von The Who: Das Arrangement will jeweils mehr sein als reine Unterhaltungsparaphrase, sondern ist eine durchaus ernsthafte pathetische Vibration der Lebensnerven. Diese Ernsthaftigkeit des Dramatischen ist jenseits jedes Ironieverdachtes bereits eine singuläre Erscheinung. Es ist fast unglaublich, daß heutzutage noch jemand den Mut zeigt, ungebrochen, aufrecht und spielerisch gleich einem Kinde seine Empfindungen von Wahrhaftigkeit und Verletzlichkeit auf einen Tonträger zu brennen.</p>
<p>Dabei vergißt man manchmal schon, wie wenig Siebert tatsächlich zu singen befähigt ist, vermittelt doch jene unausgereifte, tonschwankende und farbblasse Stimme eine fast notwendige Inbrunst, die Worte wie »beten« mit dem Kirchengehäuse nicht einen Augenblick assoziieren läßt, bindet sie sie doch unmittelbar an die düster-flehende Traumverlorenheit der Romantik. Programmatisch und typisch für diese Renaissance heißt es dazu im Eröffnungsstück: </p>
<blockquote><p>Ist das alles /<br />
der schönste Moment /<br />
beginnt und gleich wieder trennt /<br />
wir ziehen an der Zeit /<br />
der Augenblick wird zur Ewigkeit</p></blockquote>
<p>Hier wird Raum erschaffen, einfach Raum, ohne Kleinigkeiten, und doch fein ziseliert, bis in den äußersten Schwung einer Arabeske ausgefühlt, kompositorisch gedacht und als Inszenierung ausgeführt. Denn Raum ist der letzte Luxus, den wir uns nicht mehr leisten, der der ungearteten und fixierten Sinngebung sich selbst entgegenbaut. Gut, die Tatsache, daß auch die Spieldauer des Albums selbst Zeit ist, scheint dem zu widersprechen, aber zwischen dem ersten und dem letzten Ton heben sich Sinnlichkeit und Körper als greifende Ausdehnung zu eigener Gestalt. Nicht ohne Grund ist »Zeit« eines der häufigsten mittelbar oder unmittelbar benannten Begriffe, der als Aufhebung ebensowenig nutzt wie als Klagesee eines wild umsichschlagenden Ertrinkenden. Seit langem wird von Klez.e der Versuch gewagt, die gewohnten Zeichen aus dem gewohnten System der Antinomien zu befreien. Mit <em>Feuer der Gaben</em> wurde dieses Werk weitgehend vollbracht. Kaum schlichte Präsenz ergießt sich aus dem Raffinement der Noten in die in sich verschachtelten Klang- und Instrumentenwänden. Was ursprüngliche Subjektivität ist, verdeckt und enthüllt sich in den Formen des faßlich Objektivierten. Die Tülle Romantik wird mit einem Blick auf die Titelliste offenbar, die als die Sprache der Zittrigkeit und Beschwörung mit »Im Raum mit Toten«, »Die große Einfachheit«, »Gebet für mehr« oder steigernd nach »Madonna« auftritt.</p>
<p>Trotzdem bleibt der Gesang Sieberts das große Problem von Klez.e. Viel zu häufig sucht man an der Anlage den von der Industrie noch nicht erfundenen Knopf, mit dem man auf einer CD die Tonspuren einzeln zu- und abschalten kann. Eben nur gelegentlich harmoniert die Stimme mit dem Text, mit der Melodie, mit dem Sound. Ja harmoniert, denn offenhörbar ist die Zerschneidung dieser Einheit aus Musik, Idee und Psyche nicht gewollt, unterläuft vielleicht, weil der Rektor Siebert nicht immer nur eine graue tüftelnde, komponierende, spielende und produzierende Eminenz sein möchte. Doch wer findet schon Gefallen an den akustischen Folgen des Liebesspiels von Katzen? Eine Stellenausschreibung für den Gesang wäre sicherlich der größte Zugewinn.</p>
<p>Und zudem muß man sich fragen, ob jenes Bestiarium der Instrumente von der »Heidelberger Schnellduckpresse« bis zu »Schuh« und »Zeitung« wirklich notwendig war? Wozu mag es taugen, wenn Musiker sich ähnlich geben wie die Handwerker der Molekularküche? Gestus – Zeichen der Bezeichnung, Selbstspiel und Selbstbespielung – es scheint fast, als gelte die Produktion des summierten Artefakts als wohlgeratenes und wohlfeiles Kunstwerk. Das heißt, es scheint nicht, es ist bereits gesetzt als solches. Hierin verbirgt sich der Arbeitsbegriff der juvenil-freiberuflichen Hobbywelt, in der die Mühsal der Kreativität als ebenso erlernbar berufen wird, wie jedes Einfache nie so erkennbar sein darf. Klez.e macht dazu die Syndrommusik: im Rückwärtsgang auf der Überholspur. Wie jede Zeit ihre Formen sucht, die ihren Gehalten Halt geben sollen, entwickeln sich aus jenen Formen je spezifische Ausdrucksweisen, die kaum so wiederholbar sind. Sehnsüchte, Hoffnungen, Ängste um Entgangenes, Verlorenes und Vermißtes und Ängste auch davor bilden die Textur, die nicht gefunden werden will. Was man noch in der Romantik Ahndung nannte, ist denn auch dieses, was Siebert mit Klez.e stärker probt als mit all seinen anderen Projekten (<a href="http://delbomat.de/">Delbo</a> eingeschlossen). Zur Romantik zählt also auch zum Abbild des Neuen die Schichtung, die Projektabgeschiedenheit, die Separation. Als wäre es Weltraumschrott, kreisen diese Projektsatelliten auf ihren Umlaufbahnen, offenbar abgesandt, wenn alles Glück holt sein sollte, zurück ins Zentrum zu stürzen, um zu verglühen. So wird aus dem Feuer der Gaben das Feuer der Garben, der rotgelbe Glitzerschweif letzter, versessener Vernichtung.</p>
<p>Wir wollen gar nicht soweit gehen, diesem Album das Höhlengleichnis als Interpretationsmuster zu unterstellen, dazu sind die Texte bis auf einige Ausnahmeverse auch zu überhörbar, zuweilen wie im Refrain von »Der Garten« (In deinem Garten / machen wir kaputt / was wir erwarten) gar ärgerliches kalauerndes Cliché. Andeutungen, dieses Gleichnis zumindest musikalisch durchaus umgesetzt zu haben, lassen sich erlauschen, erkennt man darin eine Melange aus DDR-Memorabilien (Karat, Silly und die Singebewegung) und sinnlich gemachter phänomenologischer Sackgasse. Ein über das bloße romantizistische Innehalten, ja Starren auf das Abbild der Urkräfte, die die Gefühlsbildung bewirken, hätte der in barocke Breite geratenen Tonsetzung intensivere Stringenz verliehen: Der Albumtitel verrät eben deutlich das Programm. Indessen sich überhaupt an diesen Ort im musikalischen Wirkungsraum begeben zu haben, kann angesichts der allerorts aufgelösten Begrifflichkeiten und differenzierenden Zuschreibungen im Kosmos des Independent hoch genug gelobt werden. Ein wesentliches Merkmal des neuen Albums <em>Vom Feuer der Gaben</em> sind die Zeichen des Wiedererscheinens frühkindlich inhalierter Formen, die der Post-Musikbewegung in all ihren Genres gewiß eine innere festlegende Struktur verleihen. Das ist gar als ein Verdienst Klez.es mit ihrem neuen Album anzusehen – und vielleicht strahlt es auf andere Bands aus.</p>
<p><em>Vom Feuer der Gaben</em> ist eine erstaunliche Idiosynkrasie aus Eigenständigkeit, Erfahrung und Eklektizismus, und in diesem wahren Sinne ein olympischer Fackellauf –  kein Fackelmarsch. Klez.e, dieser Träger des Zeichens Helions, ist ganz offenbar in der Mitte des Weges hin zur großen Brandschale, deren Entzündung der Band vielleicht irgendwann gelingen wird.</p>
<p><em>Klez.e: Vom Feuer der Gaben. Loobmusik 2009. Ca. 52 min Spielzeit. Ca. 12,50 Euro.</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Showtime</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1418/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Mar 2009 06:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline Fuchs</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1418</guid>
		<description><![CDATA[Das Licht geht aus, eine schaurige Opernmelodie wabert aus den Lautsprechern. Pfiffe und Rufe werden aus der Menschenmasse nach vorne geworfen. Dann betreten Kings of Leon die Bühne und die Mädels fangen an zu schreien. Noch ist alles dunkel, doch als der erste Takt beginnt leuchten die Scheinwerfer auf, Bühne und Saal sind hell erleuchtet. Was für ein Auftritt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class=zentriert><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Kings1.JPG" alt="Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium (Foto: © Caroline Fuchs)" class="frei"/><br />
<font size="-1">Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium<br />
(Foto: © Caroline Fuchs)</font><br />&nbsp;</p>
<p>Das Licht geht aus, eine schaurige Opernmelodie wabert aus den Lautsprechern. Pfiffe und Rufe werden aus der Menschenmasse nach vorne geworfen. Dann betreten Kings of Leon die Bühne und die Mädels fangen an zu schreien. Noch ist alles dunkel, doch als der erste Takt beginnt leuchten die Scheinwerfer auf, das Innere des Kölner <a href="http://www.palladium-koeln.de/">Palladiums</a> ist hell erleuchtet. Was für ein Auftritt.</p>
<p><a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/k/kings_of_leon/index.htm">Kings of Leon</a>, das sind  die drei Brüder Nathan (Schlagzeug), Caleb (Gesang/E-Gitarre) und Jared Followill (Bass), sowie ihr Cousin Matthew Followill (E-Gitarre). Seit ihrer Kindheit machen sie zusammen Musik, eine Mischung aus Alternative und Independent Rock, Blues und leichten Country-Einflüssen. Zwischen 2003 und 2008 haben sie bereits vier Alben veröffentlicht. Ein ziemlich hohes Pensum. Doch anscheinend hat die Qualität ihrer Musik nicht darunter gelitten. Den Followill &#8211; Brüdern bescherten die beiden letzten Alben (<em>Because of the times</em> und <em>Only by the night</em>) den bisher größten Erfolg ihrer Karriere. Inklusive ausschweifender Lobeshymnen von Oasis Mitgliedern und der britischen Musikpresse. </p>
<blockquote><p>All of London sing | ’Cause England swing and they sure love the tales I bring | Those raining days they ain’t so bad when you’re the king | The king they want to be.</p>
<div align=right>»Fans«</div>
</blockquote>
<dl style="width:300px; float:right; padding:6px; margin:6px;">
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">&nbsp;<br />&nbsp;<br />&nbsp;
</dd>
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Kingsofleon.jpg" alt="Kings of Leon (Foto: © Dean Chalkley)" />
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Kings of Leon<br />(Foto: © Dean Chalkley)<br />&nbsp;<br />&nbsp;<br />&nbsp;
</dd>
</dl>
<p>Alle vier Band-Mitglieder sind in ihren Zwanzigern, der Jüngste, Jared, ist erst 22. Die Musiker haben ihre Jugend nach der Bandgründung im Jahr 2000 damit verbracht, zu touren und Alben aufzunehmen. Vielleicht ist das die Ursache, weshalb man während des Konzerts den Eindruck nicht los wurde, dass die vier sehr ausgelaugt sind. Noch Ende letzten Jahres war es fraglich, ob die Tour der Kings of Leon überhaupt stattfinden würde. Caleb, der 27 jährige Sänger, hatte mit Alkoholproblemen zu kämpfen, was innerhalb der Band für Unruhen sorgte. Auf der Bühne in Köln machten alle vier einen erschöpften Eindruck. Während der ersten Lieder hatte Caleb immer wieder mit seiner Stimme zu kämpfen, die nicht allen Tonlagen stand hielt. </p>
<p>Caleb genoss das Bad in der Menge offensichtlich, jedoch schien er ein wenig zu sehr abgetaucht in die Rolle des Rockstars. Nach jedem zweiten Lied schmiss er großzügig sein Plektrum ins Publikum und am Ende des Konzerts sogar sein Schweißtuch. Sein älterer Bruder Nathan, der muskelbepackt auf das Schlagzeug einhämmerte, immer voll konzentriert, fast immer Kaugummi kauend, übertrumpfte Calebs Aufritt noch: Als die Band zur Zugabe wieder auf die Bühne kam, hatte er eine Bierflasche in der Hand. Er stellte sich breitbeinig hinter sein Schlagzeug, welches auf einem Podest auf der Bühne stand, und exte das Bier innerhalb einiger Sekunden um sich dann hinzusetzen und die Flasche im hohen Bogen hinter sich gegen die Lichtinstallation zu werfen. Eine reife Aufführung des Rock’n’Roll-Einmaleins.</p>
<blockquote><p>I’ll be that person ’til my dyin’ day. | I try so awful hard | But I can’t change.</p>
<div align=right>»Black Thumbnail«</div>
</blockquote>
<p>Ein Tritt gegen das Mikrofon beendete die Show der vier Amerikaner. Als Dank an die Fans haben sie 21 abwechslungsreiche Songs gespielt. Nur in wenigen Stücken, zum Beispiel »Cold Desert«, war die Musik stärker als die Show um sie herum. Mehr von dieser Intensität hätte dem Konzert gut getan. Calebs Stimme ist einzigartig und die Songs der Kings of Leon sind eindeutig dazu gemacht live und in großen Hallen gespielt zu werden. Vielleicht kommt beides wieder besser zur Geltung, wenn sich die Followill-Familie eine Auszeit genommen hat. Denn, sie haben ihr Bestes gegeben. Alle vier spielten ihre Instrumente mit wilder Passion, und spätestens nach dem fünften Song Closer ging diese Stimmung auch auf das Publikum über. Weitere Höhepunkte waren »Milk«, »Wasted Time« und natürlich der aktuelle Hit »Sex on Fire«. Aber was sie auch anstellten, irgendwie wirkten sie immer wie vier Jungs, die mit ihren Gedanken schon wieder zu Hause in Nashville waren. </p>
<blockquote><p>Got a notion to say what doesn’t feel right | I just wanted to know if I could go home.</p>
<div align=right>»Notion«</div>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p class=zentriert><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Kings2.JPG" alt="Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium (Foto: © Caroline Fuchs)" class="frei"/><br />
<font size="-1">Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium<br />
(Foto: © Caroline Fuchs)</font></p>
<p><font size="-1">&nbsp;<br />
Fotos: © Dean Chalkley (1) | Caroline Fuchs (2)</font></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Abkehr von Klaviermelodien und Melancholie – ein Versuch!</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Mar 2009 15:04:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariola Szumilas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1413</guid>
		<description><![CDATA[Die Musikwelt hat sich zwei Jahre gedulden müssen, bis das neue Album der Brit-Pop-Band aus East-Sussex überhaupt erschienen ist: Trennungsgerüchte und vor allem Drogenprobleme des Sängers Tom Chaplin kündigten ohnehin eine noch längere Wartezeit an. Aber nein, das neue Album ist kein Befreiungsschlag von dem bisherigen gewohnten piano-dominanten und melodiösen Klängen, die für <em>Keane</em> so charakteristisch sind. Aber er ist zumindest ein bemerkenswerter Versuch, wie die überraschend neue Orientierung an absolut oppositionellem Einfluss – nämlich an elektronischem Pop-Sound – beweist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Musikwelt hat sich zwei Jahre gedulden müssen, bis das neue Album der Brit-Pop-Band aus East-Sussex überhaupt erschienen ist: Trennungsgerüchte und vor allem Drogenprobleme des Sängers Tom Chaplin kündigten ohnehin eine noch längere Wartezeit an. Aber nein, das neue Album ist kein Befreiungsschlag von den bisherigen gewohnten piano-dominanten und melodiösen Klängen, die für <em>Keane</em> so charakteristisch sind. Aber er ist zumindest ein bemerkenswerter Versuch, wie die überraschend neue Orientierung an absolut oppositionellem Einfluss – nämlich an elektronischem Pop-Sound – beweist.</p>
<dl style="width:250px; float:left; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Keane-Platte.jpg" width="220" height="220" alt="" title="" />
</dt>
</dl>
<p>
Überzeugte <em>Keane</em>-Anhänger mussten sich bislang mit den Neuerscheinungen anderer, stilähnlicher Gruppen des Brit-Pop-, Rock- und Indie-Himmels beglücken. 2007 versuchte die schottische Band <em>Travis</em> an ihre frühen Erfolge anzuknüpfen, doch Indie-Rockbands wie die <em>Kaiser Chiefs</em> oder vor allem Größen wie <em>The Verve</em> oder <em>Coldplay</em>, mit denen <em>Keane</em> oft verglichen werden, stellten mit ihren Neuerscheinungen 2008 eine harte Konkurrenz dar. Fest steht: Genres wie der Brit-Pop, Rock(-pop) und sämtliche Indievariationen aus Pop und Rock florieren.</p>
<p>Die 1997 gegründeten <em>Keane</em> lassen sich vor allem als Brit-Pop-Band kennzeichnen. Zum Entstehungszeitpunkt der Band hatten Rockgruppen wie <em>Radiohead</em>, <em>Blur</em> und <em>Oasis</em>, die mit ihren musikalischen Werken den Zeitgeist der 90er Jahre mitprägten, ihren Zenit bereits erreicht. Sie wurden von neuen Bands verdrängt, die mit der neuen Brit-Pop-Welle um die Jahrtausendwende auftauchten. Von dieser neuen Welle mitgetragen, fanden auch <em>Keane</em>, trotz der massenhaften Konkurrenz, die mediale Aufmerksamkeit des ausgehungerten Musikmarktes. Die neuen Gruppen konnten sich vor allem dank ihres Melodiereichtums und melancholischer Texte etablieren. Elemente, die auch <em>Keane</em> stark prägen. Die Indiebewegung, die sich mit markanterem Alternative-Rocksound vom Brit-Pop absetzt, folgte nur wenige Jahre später mit Bands wie <em>Franz Ferdinand</em> oder <em>The Artic Monkeys</em>.</p>
<p>Im ersten Album von <em>Keane</em>, »Hopes and Fears« (2004), krönte die berührende Stimmgewalt des Sängers Tom Chaplin tiefmelancholische Texte über Liebesgeschehen, begleitet von einer bewegenden Klaviermelodie. Damit profilierten sie sich und übertrumpften viele Gruppen, die im Brit-Pop-Strom mit geschwommen waren. Bei <em>Keane</em> ist nämlich einiges anders. Bekannt sind sie als »Band ohne Gitarre«, denn den Ton dieser Band gibt das Klavier an. Das macht ihren verträumt-melodischen Stil so besonders, und durch diesen waren sie bis jetzt erfolgsverwöhnt: Allein »Hopes and Fears« wurde mit zwei Brit-Awards ausgezeichnet und bewies, dass sie sich auf dem Markt und in der Szene durchgesetzt haben. Das zweite <em>Keane</em>-Album wies wiederum mit Liedern wie »Is it any wonder?« einige energischere Tendenzen auf, bleibt sich dem dynamisch-traurigem Stil der Ersterscheinung jedoch treu.</p>
<p>Wer den Titel des neun Albums »Perfect Symmetry« spontan mit dem Symmetrie-Grundmotiv der achtziger Jahre assoziiert, liegt mit dieser Ahnung völlig richtig. Das Warten auf das dritte Album hat sich zumindest insofern gelohnt, als dass es keine einfallslose Fortsetzung des bisherigen Stils ist. Eine ständige, gewaltige Traurigkeitsdosis, die mit Piano-Gewitter aufgeladen wird, macht schließlich auch den hartgesottensten Melancholiker einfach nur müde. Offensichtlich war dieser Form der Musikalität selbst <em>Keane</em> zu langweilig; denn anders lassen sich die neuen dynamischen Töne nicht erklären.</p>
<p>»Spirraling«, der erste Track auf dem Album, der gleichzeitig auch die erste Singleauskopplung ist, bildet die Exposition der Platte und zugleich eine Einführung in die neue Stilebene. Den treuen <em>Keane</em>-Hörer wird wahrscheinlich der scharfkantige Achtziger-Jahre-Sound irritieren, der durch die Dominanz von Synthezisern geprägt ist. Auch der Background-Gesang ist überraschend anders. Er begleitet den Hauptgesang auf eine herausstechende Art durch markante Flüge auf Sopran-Höhen. In diesem Album ist das insgesamt keine Seltenheit. Man muss diesem Stück die Tendenz zum Dance-Potential zugestehen, auch wenn man dies bislang <em>Keane</em> kaum hat zubilligen wollen. Doch die Veränderungsambitionen der Band sind nicht nur durch den wesentlich energischeren Sound in allen Songs zu erkennen, sondern erklären sich auch bei der genaueren Betrachtung der musikalischen Mitwirkung. Um die Dynamik zu verstärken, wurde ein zusätzlicher Musiker (Jesse Quin) hinzugenommen, der für Bass, Gitarre und Schlagzeug zusätzlich verantwortlich war. Damit wird dem Ruf von der »Band ohne Gitarre« der Todesstoß versetzt. Das Besondere dieses Albums ist jedoch vor allem die Co-Produktion von Stuart-Price, der bereits für <em>Gwen Stefani</em>, <em>Depeche Mode</em>, <em>Goldfrapp</em> und <em>Madonna</em> gearbeitet hat.</p>
<p>Zeigt sich aber mit »Perfect Symmetry« tatsächlich ein endgültiger Paradigmenwechsel? Bei Stücken wie »Better than this« oder »Pretend that you’re alone« beeinträchtigt der nicht völlig entfaltete und penetrant mitklingende Sound die Wirkung der Texte. Deren Qualität hat die vorherige ausschließlich emotional-amourösen Ebene um gesellschaftskritische Aspekte ausgeweitet und ereichen damit eine neue Dimension und Tiefe. Die Texte erzählen oftmals von Individuen, die Teile einer oberflächlichen Gesellschaft sind oder ihr begegnen. Diese Gesellschaft ist eine unreflektierte, nur automatisch funktionierende und durch die Fixierung auf äußerliche Merkmale sich selbst verblendete Masse von  »beautiful dolls«, wie es in »You don’t see me« heißt. Die Spannbreite der Art und Weise ist weit, wie die Ablehnung der gesellschaftlichen Haltung musikalisch in Szene gesetzt wird. Mal wird der auf der Oberfläche schwimmende Mensch auf den Boden der evolutionären Tatsachen geholt, wenn <em>Keane</em> in »Pretend that you’re alone« daran erinnert: »We are just the monkeys who fell out of the trees«. Andere Male werden die Zuhörer wie im Lied »Perfect Symmetry« mit existentielle Fragen wie »Who are you? What are you fighting for?/ Holy truth? Brother I choose this mortal life« direkt konfrontiert. Oft steht aber das Individuum selbst aufgrund seiner Banalität im Zentrum der Kritik, und es wird unmittelbar angesprochen, was Passagen aus »Better than this« veranschaulichen:</p>
<blockquote><p>Because the photographs show the wrong man<br />
Because there is no soap star holding your hand<br />
You don’t see yourself in the freeze frame<br />
Must be someone else using your name</p></blockquote>
<p>Die Gesellschaftskritik bewegt sich nicht auf einer abstrakten Ebene, die fernab von jeglicher Lebensrealität ist. Die Texte thematisieren leichtfertige Handlungen, in denen sich der Zuhörer selbst wieder finden kann. Beispielhaft dafür stehen Passagen aus »Playing along«:</p>
<blockquote><p>At the start of the news day<br />
The fires begin<br />
In words and in pictures<br />
But I’m not listening<br />
I’m not taking it in</p></blockquote>
<p>Trotz aller Gesellschaftskritik überragt die Band mit einem harmonischen Gewebe aus Musik und Text, um Geborgenheit und Vertrautheit zu erzeugen. In ihnen erreicht der gewohnte und vertraute <em>Keane</em>-Sound durch großartige Breaks wie in »I’m going to turn up the volume« pathetisch-explosive Höhepunkte. Auch »Black burning heart« berauscht und erinnert an frühere tiefsinnige, wunderbare klaviermelodische Lieder des ersten Albums wie »Somewhere only we know« und bricht damit die angelockte Erwartung des Zuhörers auf eine völlige musikalische Veränderung. Ganz im Gegenteil untermauern Tracks wie »Love ist the end« die melancholisch-stillen Facetten der Musik von <em>Keane</em>.</p>
<p>Es hat sich einiges bei <em>Keane</em> verändert, vor allem die Orientierung am Achtziger-Sound. Damit findet <em>Keane</em> den Anschluss an die Indieszene, die ebenfalls mit Klangelementen dieser Epoche spielt. Doch die Eigenschaft als klavier- und melancholieliebende Brit-Pop-Band konnte <em>Keane</em> mit diesem Album nicht abschütteln. Und das ist auch besser so, da diese Band sonst im Retro-Strom der Indieszene untergehen und sich lösen würde von dem, worin sie wirklich groß ist: klangvolle Melancholie.</p>
<p><em>Keane: Perfect Symmetry. Universal Island Records. Ca. 51 min. Spielzeit. Ca. 18,- Euro.</em></p>
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		<title>Heilung durch Mu[sic] und andere Diamanten</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Dec 2008 07:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Crauss</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Aachener Elektro-Label <em>modul8</em> macht vor allem eines: Spaß. Neben melancholischen Projekten wie <em>Alphawezen</em> mit Musik für die Großstadt-Loneliness und Titeln wie „Me Opti-mized“ und „heimat.de“ (auf dem 2007 erschienenen Album „Comme Vous Voulez“) produziert und vermittelt das Unternehmen von Ernst Wawra vor allem Tanzbarkeit. Nicht allzu schnelle, aber fordernde Beats, in die hin und wieder Wah-Wahs (man möchte sagen: Waw-ras) und andere Effekte hart reingrätschen. Aber auch irrwitzige Textpassagen, die einen auf dem Dancefloor stocken und überlegen lassen: Ist das ernst gemeint? Darf man das heutzutage überhaupt noch? Während <em>Alphawezens</em> englischsprachige Lyrics per se seriös klingen, machen einen Zeilen wie „Ich zeig dir ma’ mein’ neuen Buch“ (in „Deborah“ von <em>Elektro Willi und Sohn</em>) doch stutzig. Oder etwa nicht?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Aachener Elektro-Label <a href="http://www.modul8.de"><em>modul8</em></a> macht vor allem eines: Spaß. Neben melancholischen Projekten wie <em>Alphawezen</em> mit Musik für die Großstadt-Loneliness und Titeln wie „Me Opti-mized“ und „heimat.de“ (auf dem 2007 erschienenen Album „Comme Vous Voulez“) produziert und vermittelt das Unternehmen von Ernst Wawra vor allem Tanzbarkeit. Nicht allzu schnelle, aber fordernde Beats, in die hin und wieder Wah-Wahs (man möchte sagen: Waw-ras) und andere Effekte hart reingrätschen. Aber auch irrwitzige Textpassagen, die einen auf dem Dancefloor stocken und überlegen lassen: Ist das ernst gemeint? Darf man das heutzutage überhaupt noch? Während <em>Alphawezens</em> englischsprachige Lyrics per se seriös klingen, machen einen Zeilen wie „Ich zeig dir ma’ mein’ neuen Buch“ (in „Deborah“ von <a href="http://www.elektrowilli.com"><em>Elektro Willi und Sohn</em></a>) doch stutzig. Oder etwa nicht?<br />
Ehrlich gesprochen, sieht die Wirklichkeit in etwa so aus, dass die Tanzenden richtig euphorisch werden, wenn <em>modul8</em>-Artisten live auftreten. Im Falle von <em>Elektro Willi und Sohn</em> rockt Willi die Synthesizer, während Sohn (meist in einer ulkigen Verkleidung) sich selber rockt. Alle anderen hüpfen, johlen und kennen die kultigsten Passagen eh auswendig – egal ob in Bielefeld, Amsterdam oder Helsinki. Hier sind zweieinhalb Begeisterungen für <em>modul8</em>-Releases zum Parallel- und Weiterhören:<br />&nbsp;</p>
<h5>
<div align=center><strong>1. Various Artists: Heilung durch Mu[sic]. modul8 music Aachen (2006)</strong></div>
</h5>
<p>Der <em>Bierbeben</em>-Opener „Im Kreis“ ist so etwas wie die softe Alternative zur letzten Single „Autoscooter“ von <em>Elektro Willi und Sohn</em>: „Die Welt ist betäubt/ und narkotisiert,/ erstarrt und paralysiert./ Die ganze Kugel ist ein Brocken/ Pech/ – und sie fliegt im Kreis,/ ohne Ziel&#8230;“ So geht es gleich zu Anfang round and around like a record – obwohl es doch bloß eine CD ist. Man ahnt also, worauf man sich bei dieser Kompilation aus Fun-Elektro und Space-Irgendwas einlässt. Von <a href="http://www.bierbeben.de">www.bierbeben.de</a> wird man zudem, wenn man schon dabei ist, sich auf etwas einzulassen, auf den großartigen Dichter Paul Scheerbart verwiesen. Vielen Dank!</p>
<dl style="width:250px; float:right; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Modul8%20Geschenk1%20CDkleiner.jpg" width=250 height=250 alt="" />
</dt>
</dl>
<p>Viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht, denn die genannten <em>Elektro Willi und Sohn</em> besingen gleich auf Platz 2 „Das Knacken in der Rille,“ gefolgt von einem die Vinyl-Nostalgie bedingungslos zunichtemachenden „Digital“-Track von <em>Holz</em>: Musik, die klingt, als hätten ein paar Daddelautomaten ihrer Pommesbude adé gesagt und eine Band gegründet. „Sequenced on Game Boy“, heißt es dazu im Kleingedruckten. Über <em>Holz</em> &#038; Co. erfährt man aber wenig genug, um jetzt erst recht neugierig sein. Er (bei <em>Holz</em> muss es sich um einen Er handeln, oder?) gehört genauso wie <em>Willi</em> und das auf dieser Platte vertretene <em>Alphawezen</em> (chillige Cpt.-Future-Sounds) zu den <em>modul8</em>-eigenen Artists. Einige andere stammen aus oder werken in Berlin, der Mann auf dem Hidden Track führt sogar eine Kneipe namens Burger. Kaffee Burger.</p>
<p>Man muss ja gar nicht alles aufzählen, auch wenn <em>Kidnaps</em> „Messy Household“ ganz klasse nach Plastic Bertrand und „Ça Plane pour Moi“ klingt. Auch wenn es gradios ist, dass <em>Apparat</em> vom shitkatapult-Label einen seiner hypnotisierenden und doch immer zu kurzen Titel („Montreal“) beigesteuert hat. Auch wenn es da noch <em>Granufunk</em> mit „Das Klavier &#038; ich“ gibt, ein Two-Step, bei dem man den Mund schon mal aufmacht um mitzusingen – schließlich erwartet man ähnliches wie eine sich im Kreis drehende Weltkugel oder Autoscooter-Schlagzeilen – aber einfach nichts anderes kommt als ein langes, zerhacktes „Aaaah“. Herrlich antreibende Musik alles in allem, und was <em>Granufunk</em> von sich selbst behaupten, nämlich „gegen Tanzschwäche“ wirksam zu sein, muss man der ganzen, vom <em>modul8</em>-Kompilator Ernst Wawra intelligent zusammengestellten Platte zugestehen!<br />
Die CD ist – nicht von ungefähr – als Supplement der zweiten Ausgabe der Literaturzeitschrift <a href="http://www.siconline.de"><em>[sic]</em></a> oder bei <em>modul8</em> zu haben. Daniel Ketteler nämlich, einer der <em>[sic]</em>-Herausgeber, ist in Personalunion der ausgeflippte <em>Sohn</em> von <em>Elektro Willi</em>&#8230;<br />&nbsp;</p>
<h5>
<div align=center><strong>1 ½. Various Artists: Geschenk 1. modul8 music Aachen (2007)</strong></div>
</h5>
<p>Kein Scherz, sondern tatsächlich geschenkt ist dieser Sampler, den <em>modul8</em> anlässlich einer gemeinsamen Weihnachtsfeier mit <em>[sic]</em> 2007 unters Volk gebracht hat. Gute dreißig Minuten elektrifiziertes Tonkekse-Essen mit <em>Charles Trancepur</em>, <em>Wärmetauscher</em>, <em>Diskus</em> und anderen. <em>Alphawezen</em> hat den auf „Comme Vous Voulez“ enthaltenen „Gun Song“ in der „Weekend Version“ beigesteuert. Zum Probieren und „Speichern unter&#8230;“ bereitgestellt auf der Label-Homepage.<br />
<br />&nbsp;</p>
<h5>
<div align=center><strong>2. Elektro Willi und Sohn: Diamanten. modul8 music Aachen (2008)</strong></div>
</h5>
<dl style="width:250px; float:left; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/elektro%20diamanten1kleiner.jpg" width=250 height=250 alt="" />
</dt>
</dl>
<p>Das Cover: ein Kirmesbudenmann und ein erschreckter Teenager. Die Musiker etwa? Sie  versprechen jedenfalls nichts Falsches. Gleich der erste Track des <em>Elektro Willi und Sohn</em>-Debuts („Das Knacken in der Rille“) ist vorzüglichste Kirmesmusik. „Nun halt dich fest,“ singspricht der für Lyrics/ Vocals verantwortliche Daniel Ketteler (<em>Sohn</em>), und die Fahrt geht in einem derart flottem Stampf ab, dass Bumpin’ Jack Flash und andere 70er-Jahre Protagonisten neidisch geworden wären. Dass Stampf nicht dumpf ist, beweist der Text: „Du bist das Knacken in der Rille/ das Organum meiner Planung/ bist der Knopf an meinem Kittel/ bist mein Verbum – ich Artikel.“ Intellektuell und technoid die ganze Scheibe, nie aber bloß plump, wofür dem Produzenten Ernst Wawra (<em>Willi</em>) zu danken ist. Programmatisch und treibend mein Favorit „Autoscooter“ („Ohne Helm geh ich nie aus dem Haus/ geradeaus/ gerade-aus/ wie mir die Sinne stehen“), mit großen Kopfhörereigenschaften andererseits „Alle Fitzen rein“ und der Titeltrack „Diamanten“. Und wenn der <em>Sohn</em> „du hast mir Töne in mein Haar geschmiert/ doch meine Kopfhaut ist rasiert“ singt, macht <em>Willi</em> aus der Musik eine lauthalse Gummizelle, in der man sich vor lauter Vergnügen hin und her werfen möchte. Zum Entspannen gibt’s danach einen „Duftbüttel“. Das Aachen/Zürcher Duo zaubert garantiert jedem kühlen Kopf einen Sommer zwischen die Ohren und hat beileibe keine „Luft in den Zehen“, son-dern hoffentlich eine enorme Spaßkarriere vor sich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h5>
<div align=center><strong>2 ½. Elektro Willi und Sohn: Autoscooter. (EP). modul8 music Aachen (2008)</strong></div>
</h5>
<p>Bleibt nicht viel zu sagen als dass, wer von <em>Elektro Willi und Sohn</em> nicht genug kriegen kann, mit der ersten gepressten Auskopplung aus „Diamanten“ (andere Tracks gabs hier und dort auf Kompilationen oder zum Download) gut bedient ist. Immer und immer wieder heißt es „Geradeaus&#8230; geradeaus&#8230; geradeaus&#8230;“, insbesondere im „Mittekill Miximix“. Fast vierzig Minuten „Autoscooter“ – auf welchem Rummel gibt’s schon sowas! Neben dem Original hat die EP sechs weitere schwungvolle und schlag-, das heißt: beatkräftige Versionen, etwa den „Freakatronic Remix“. Und es scheint, als sei Daniel Ketteler in einigen Fassungen ganz besonders schwindelig geworden: „Ähm&#8230; ne, &#8230;ich sach’ immer&#8230; ähm&#8230;“ Ich jedenfalls geh ohne Helm nicht mehr aus dem Haus.</p>
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		<item>
		<title>Ein Soundtrack für Berlin</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 22:05:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eboa Songa Itondo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1342</guid>
		<description><![CDATA[Nach drei erfolgreichen Alben mit seiner Band Seeed lädt Peter Fox zu einer kommentierten, musikalisch untermalten und teilweise sehr persönlichen Führung durch die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl style="width:300px; float:left; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Peter_Fox_Stadtaffe_Album_Cover.jpg" alt="Peter Fox: »Stadtaffe« (Cover)" />
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Peter Fox: <em>Stadtaffe</em><br />
(Cover)
</dd>
</dl>
<p>»Guten Morgen, Berlin! Für Sie am Mikrofon: <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/f/fox_peter/index.htm">Peter Fox</a>.« So oder so ähnlich könnte sich das nicht vorhandene Intro von seinem neuen Album anhören. Nach drei erfolgreichen Alben mit seiner Band <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/s/seeed/index.htm">Seeed</a> lädt er nun zu einer kommentierten, musikalisch untermalten und teilweise sehr persönlichen Führung durch die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ein. Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Berlin durch <em>Stadtaffe</em>, das Solo-Debüt des Seeed-Sängers.  »Ich kaufe mir Baumaschinen, Bagger und Walzen und Kräne. Stürze mich auf Berlin und drück auf die Sirene.« Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? »Dickes B, oben an der Spree«?  Der neue Sound, fernab von Seeed, verzichtet weitestgehend auf Rootsreggae und setzt stattdessen auf groß inszenierte Streicherszenarien, die die 12 abwechslungsreichen Songs des Albums unterlegen. Und auf dem ersten Blick scheint es wirklich als wäre <em>Alles neu</em>, wie bereits der erste Titel des Albums heißt.</p>
<p>Peter Fox, bürgerlicher Name Pierre Baigorry, fängt mit sechs Jahren an Blockflöte zu spielen. Wenig später besinnt sich der gebürtige Berliner eines besseren und steigt auf Klavier um. Ob solche frühkindlichen Klassik-Anwandlungen wohl Spuren hinterlassen? Im Fall von Peter Fox scheint es so. Dass er nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung als Klavierbauer beginnt, ist dabei nur der Anfang. Die erfreulichen Spätfolgen zeigen sich beim Hören von <em>Stadtaffe</em>. »Filmmusik zum Tanzen« – so der Kommentar des Reggae-Artisten über seine neue CD. <em>Stadtaffe</em> wurde mit dem Babelsberger Filmorchester eingespielt, dessen imposanter Streichersound sich durch das ganze Album zieht. »Auf E-Gitarren steh ich nicht so, denn zu dem Thema ist irgendwie schon alles gesagt. Schlagzeug und Orchester liefern die komplette Musik und damit einen ganz eigenen Sound, der intensiv, fett und dabei gleichzeitig filigran ist.«  </p>
<p><em>Stadtaffe</em> ist ein Konzeptalbum im weitesten Sinne, da die Musik schon vor den Texten entstand. Herr Fox war hier eher Produzent als Artist, ursprünglich sollten die Gesangsparts von <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/c/cee_lo/index.htm">Cee-Lo Green</a> beigesteuert werden, der bereits aus dem Lied <em>Aufstehen</em> von Seeed mit Fox zusammengearbeitet hatte. Ein Glück, dass diesem der Erfolg seines Projektes <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/g/gnarls_barkley/index.htm">Gnarls Barkley</a> dazwischen kam, sonst müssten wir bei Stadtaffe auf wunderbare deutsche Reimkunst verzichten. Wer sonst, außer Peter Fox, könnte so herrlich zum Ausflippen auffordern, indem er »Gepäck« auf »Bug und Heck« reimt und diese dann schüttelnd sehen will?  Nicht nur das allgegenwärtige Orchester legt den Bezug zur Filmmusik nahe, <em>Stadtaffe</em> ist ein Soundtrack über das Leben, Lieben und Feiern des Peter F. in der Hauptstadt Berlin. <em>Schwarz zu blau</em> ist eine wunderbare Hommage an seine Stadt und beschreibt »müde Gestalten im Neonlicht mit hässlichen Falten im Gesicht« und Berlin, wie es nach einer durchzechten Nacht, langsam wieder aufwacht. Eine Szenerie, die der Seeed Sänger schon des öfteren erlebt haben muss, <em>Schwarz zu blau</em> ist sein Liebeslied an eine dreckige Stadt, die er trotz allem zum Atmen braucht. Über das, was vor dem melancholischen Erwachen geschieht, vermitteln die Songs Der letzte Tag, Fieber und Lok auf zwei Beinen einen sehr guten Eindruck. Fox lässt es ordentlich krachen und ist »gut drauf wie ne Horde Kinder ohne Aufsicht«. Hier strömen partytaugliche Beats aus den Lautsprechern – frei nach dem Motto: »Reich mir dein Glas, es könnte voller sein!«</p>
<p>Aber es war nicht nur die Musik allein, die dazu beitrug, dass Peter Fox schlussendlich Blockflöte und Klavier verbannte und stattdessen zum Mikro griff: »Männer wollen immer Schlagzeug, Gitarre oder Bass spielen. Zumindest bei uns war das so. Später merkte ich, dass Singen bei den Bräuten sehr gut ankommt und dann fand ich’s natürlich auch geil!« Die Bräute also! Dass es mit ihnen – auch für einen Sänger – nicht immer einfach ist und dass Peter Fox auch ruhigere Töne anschlagen kann, zeigt der Song <em>Ich Steine, du Steine</em>, der trotz Cee-Lo's einfühlsamer Stimme, auf englisch sicherlich nicht halb so gut funktioniert hätte. Sätze wie »Du hast gekocht, es gab Steine. Die liegen jetzt in meinem Bauch«, wirken auf deutsch einfach viel stärker. Ein schönes Debüt, das beim ersten Durchskippen der Lieder bei einem ungeduldigen Hörer vielleicht noch nicht überzeugen kann, wer sich aber ein weinig Zeit nimmt, wird mit einem herrlichen Soundtrack zum Leben des Peter Fox' und seiner Stadt belohnt.  </p>
<p><em><strong><a href="http://www.peterfox.de/">Peter Fox</a>: Stadtaffe</strong>. Warner Music Group Germany, 2008. Ca. 43 Min. Spielzeit. Ca. 15,– Euro.<br />
</em></p>
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		<title>Fragwürdiger Lehrinhalt – lohnende Beats</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Nov 2008 13:17:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lena Sundheimer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ganz anders als die beiden Vorgänger <em>Employment</em> und <em>Yours Truly, Angry Mob</em> präsentiert sich das dritte Album der Kaiser Chiefs, <em>Off with their heads</em>. Instrumentation und Lyrics scheinen reifer und bedeutend variationsreicher als man dies bisher von den Herren aus Leeds gewohnt war. Dieses Verdienst mag nicht nur der eigentlichen Band als vielmehr den zahlreichen und namhaften Produzenten des neuen Albums geschuldet sein ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ganz anders als die beiden Vorgänger <em>Employment</em> und <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/913/"><em>Yours Truly, Angry Mob</em></a> präsentiert sich das dritte Album der <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/k/kaiser_chiefs/index.htm">Kaiser Chiefs</a>, <em>Off with their heads</em>. Instrumentation und Lyrics scheinen reifer und bedeutend variationsreicher als man dies bisher von den Herren aus Leeds gewohnt war. Dieses Verdienst mag nicht nur der eigentlichen Band als vielmehr den zahlreichen und namhaften Produzenten des neuen Albums geschuldet sein. Zu Anfang des Jahres nämlich konnten die Kaiser Chiefs gerade mal mit drei neuen Songs aufwarten. Mark Ronson jedoch schien ganz versessen darauf das neue Album der Band zu produzieren und fand tatkräftige Mithelfer in Eliot James, Andy Wallace (u.a. Nirvana, Foo Fighters) und Cenzo Townshed (u.a. Snow Patrol, New Order). Ort des Geschehens waren die RAK und Eastcote Studios in London, der englischen Musikmetropole schlechthin.</p>
<dl style="width:200px; float:left; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/KaiserChiefsCover.jpg" width=200 height=200 alt="Kaiser Chiefs: »Off With Their Heads« (Cover)" />
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Das Album: <em>Off With Their Heads</em><br />
(Cover)
</dd>
</dl>
<p>Die Arbeiten an den Aufnahmen waren der Band zufolge sehr spaßbringend und in aller Bescheidenheit nicht weniger erfolgreich, so die Band. Stolz verkünden die Indie-Rocker: »Mark Ronson hat schon in etlichen Interviews betont, wie sehr er auf unser neues Album steht; und natürlich klingt es cooler, wenn jemand die Platte lobt, der nicht zur Band gehört – aber ehrlich gesagt glauben auch wir, dass wir unser bis dato bestes Album aufgenommen haben.« Am Rande jedoch vergessen die Jungs dabei zu erwähnen, dass der Produzent die Werbetrommel vielleicht nicht bloß aus reiner Begeisterung, sondern durchaus auch aus Eigennutz rühren mag.</p>
<p>Der zur ersten Single auserkorene Song »Never miss a beat« ist gewohnt eingängig, kritisch und zudem doppeldeutig. Mit Textzeilen wie »It's cool to know nothing« und »Take a look at the kids on the street, no they never miss a beat« (engl. sowohl Schlag als auch Beat im musikalischen Sinne) verstehen es die Kaiser Chiefs nach wie vor zu provozieren und auf Missstände aufmerksam zu machen, jedoch auf musikalisch höherem Niveau als dies bisher der Fall war. Viele der Songs zeichnen sich nämlich unter anderem durch den Einsatz einer breiter gefächerten Instrumentierung, etwa in Form von Trompete oder Streichern, aus. Zudem wechselt der Stil innerhalb des Albums, sodass die Songs sich nicht allzusehr ähneln, wie das bei den früheren Alben leider der Fall war.</p>
<dl style="width:300px; float:right; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/KaiserChiefs.jpg" alt="Kaiser Chiefs – Foto: © Jocelyn Bain Hogg" />
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Die Band: Kaiser Chiefs<br />
(Foto: Jocelyn Bain Hogg)
</dd>
</dl>
<p>Ungewohnt ruhig und melodisch mutet vor allem die letzte Single von <em>Off with their heads</em>, »Remember you're a girl«, an. Wenn auch textlich wenig greifbar, da von zahlreichen Wiedersprüchen geprägt (»Remember you're a girl [...] forget that you're a girl«), so scheint dies einer der Songs zu sein die sich an früheren Größen à la John Lennon orientieren und dem Album die nötige Balance verleihen. Wirkte das erste Album <em>Employment</em> beim erstmaligen Hören zwar interessant, doch nach kurzer Zeit auch unerträglich nervenaufreibend, so bewirken Songs wie diese, dass sich <em>Off with their heads</em> dagegen auch nach mehrfachem Lauschen noch lohnt. Das neue Album der Kaiser Chiefs ist en somme nämlich eine Mischung verschiedener Einflüsse vergangener Zeiten, wobei es der eigentlichen Musikrichtung der Briten, dem englischen Indie-Rock, durchaus treu bleibt. Eine Kombination, welche die Fans mit Sicherheit zu schätzen wissen werden und der Band zu länger währendem Erfolg verhelfen könnte.</p>
<p><em><strong>Kaiser Chiefs: Off With Their Heads</strong>. Polydor (Universal) London 2008. 36 Min. Spielzeit. Ca. 15,- Euro.</em></p>
<p><font size="-1">Foto: © Jocelyn Bain Hogg</font></p>
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		<title>Typisch unitalienisch italienisch</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 17:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Ritter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Begriff Indie-Rock wird hierzulande gerne Musik beschrieben, die nicht den Sprung in die Charts schafft und nur von wenigen Menschen gehört wird. Oft handelt es sich dabei um Garagenrockbands, die kaum jemand kennt und die nur in kleinen Läden auftreten. Doch wie weit dieser Begriff gefächert ist, zeigt sich im Land des »dolce vita« und des guten Kaffees ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Begriff Indie-Rock wird hierzulande gerne Musik beschrieben, die nicht den Sprung in die Charts schafft und nur von wenigen Menschen gehört wird. Oft handelt es sich dabei um Garagenrockbands, die kaum jemand kennt und die nur in kleinen Läden auftreten. Doch wie weit dieser Begriff gefächert ist, zeigt sich im Land des »dolce vita« und des guten Kaffees. </p>
<p><a href="http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&#038;friendid=106829381">Raretracce</a> (zu deutsch: seltene Spuren) nennt sich die aus Rom stammende siebenköpfige Band, die in Italien in die Kategorie des Indie-Rock eingeordnet wird. Ihr Stil ist anders als die allgemeine Definition des Begriffes erwarten ließe.  Beeinflusst vom Blues, Reggae, Swing, Funk und der Musik der 70er Jahre hat sie im Mai ihr erstes Studioalbum veröffentlicht. Und genau wegen dieser Vielseitigkeit passt sie in diese Musiksparte. Auch die Musikinstrumente sind vielfältig gewählt. So werden Gitarre, Rhythmusgitarre, Bass, Schlagzeug, Piano, Syntheziser und Saxophon in den Liedern musikalisch eingesetzt.</p>
<p><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Raretracce.jpg" class=right alt="Raretracce: »Voume 1« (Cover)" title="Raretracce: »Voume 1« (Cover)"/>Die Anfänge der Band gehen auf das Jahr 2001 zurück, wie sie auf ihrer Myspaceseite beschreiben. Wie bei jeder neugeborenen Gruppe waren am Anfang viele Ideen, Wörter und einzelne Stücke in den Köpfen, die nur eine Band brauchten, die diese Fetzen zu einem Ganzen machte und dieses dann veröffentliche. Inspiriert wurden Raretracce von einflussreichen Künstlern der italienischen Musikszene. Dabei zu nennen sind Singersongwriter wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lucio_Battisti">Lucio Battisti</a>, Ivan Graziani oder auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rino_Gaetano">Rino Gaetano</a>. Letzterer ist für die Musikszene in Rom unentbehrlich, da der gebürtige Römer durch seine sarkastischen Texte und extravaganten Auftritte (meist mit Zylinder) der italienischen Musikwelt neue Perspektiven bot. Aber auch internationale Gruppen  namens <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/s/supertramp/index.htm">Supertramp</a> und <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/b/band/index.htm">The Band</a> boten dem Septett reichlich Nährboden für ihre Inspirationen. Lange dauerte es, bis das erste Album gepresst und von einer Plattenfirma veröffentlicht wurde. Vorher gab es diverse Eigenproduktionen und jede Menge Liveauftritte. So machte sich Raretracce bereits einen Namen und zeigte dem geneigten Publikum ihr musikalisches Aufgebot. </p>
<p>Mit <em>Volume 1</em>, so der Titel ihres ersten Albums, führen sie vor, wie sie ihre musikalischen Inspirationen zu einer wunderbaren Mischung aus allem verbanden. Beim Hören der CD ist primär die italienische Leichtigkeit zu spüren, indem die Band  mit ihren Liedern vor allem Geschichten erzählt, die das Leben schreibt. In ihrem ersten Stück »Campeggio in Calabria« (Camping in Kalabrien) erzählen sie von einem Aufenthalt in Kalabrien, einer Region im  Süden des Landes, die scheinbar an Langweile nicht zu übertreffen ist. Durch Ironie und Wortwitz, gemischt mit einer Salsa-Funk Melodie, präsentiert sich damit ein leichter Einstieg in ihr Debüt:<br />
»Ti insegno a suonare, poi vado a dormire, ma tu mi svegli nel sonno,poi sparisci per ore, io non so più di fare« (»ich bringe dir spielen (Musik machen) bei, dann gehe ich schlafen, aber du weckst mich auf im Schlaf, dann verschwindest du für Stunden, ich weiß nicht, was ich tun soll.«)</p>
<p>Weiter geht es mit dem eher melancholischen »corri fratello« (lauf bruder) und »Matteo«.<br />
Ein unübertroffenes Highlight ist »Il mago e lo stregone« (»Der Zauberer und die Hexe«). Durch einen anfänglich genutzten Reggaerhythmus der mit Offbeats durchzogen wird und der sehr angenehmen Stimme von Dario Marigliano hebt dieses Lied vor allem die Laune. Gleich dem Kinderfilm »die Hexe und der Zauberer« zeigt dieses Lied den Konflikt zwischen den beiden Streithähnen. Und da es sich in fast keiner anderen Sprache schöner beleidigen lässt als auf Italienisch und der nachträglichen hoch emotionalen Versöhnung, passt der Refrain wie die Faust aufs Auge:</p>
<blockquote><p>Dimmilo: »Sei un cretino, comportarti ancora come un bel bambino« ;<br />
Dimmi: »Sei una frana, pensare a me per un’altra settimana« ;<br />
Dimmi: »Sei un illusion, non pensavo tu fossi da me deluso«;<br />
Dimmilo: »Sei un coglione, ma sei il mio mago il mio stregone«</p>
<p><font size="-1">(Sag es mir: Du bist ein Trottel, du benimmst dich immer noch wie ein kleines Kind,<br />
Sag mir: Du bist eine Flasche, wenn du an mich noch eine andere Woche denkst.<br />
Sag mir: Du bist eine Illusion, ich dachte nicht, dass du von mir enttäuscht wärest.<br />
Sag es mir: Du bist ein Sack, aber du bist mein Magier, mein großer Zauberer.)</font></p></blockquote>
<p>Was dem gesamten Album noch viel mehr Charme verleiht, sind einige englische Textzeilen in »La battaglia«: »Wanna make you understand, I just want to be your man, I just try to know the truth, why you make me feel so blue.«<br />
Das Charmante ist nicht der Text, sondern eher die Aussprache, denn bei genauem Hinhören vernimmt man das italienisch ausgesprochene »r«, das aber später kaum noch hörbar ist, aber doch zu einem Schmunzeln anregt, da es so typisch italienisch klingt. Übel nimmt man diesen sprachlichen Schnitzer der Band in Angesicht dieses sympathischen Albums nicht.</p>
<p>Der Abschluss des Albums wird durch das Cover von »Singer in the rain« abgerundet. Die Band selbst sieht das Stück auch eher als Scherz an, weil Musik eben einfach Spaß machen soll.<br />
Das alles klingt typisch italienisch und könnte auch für eine Eros-Ramazotti-CD gelten, aber so einfach ist das nicht. Durch ihr typisches unitalienisches Italienisch sticht das Album aus der breiten Masse heraus. Während Schmusebarden in ihrem klischeehaften Geplänkel der Welt ein Bild von »grande Amore « und » Herzschmerz « vorgaukeln, spiegeln die sieben Römer eher das Leben wieder, wie es ist. Durch ihren Wortwitz, Sarkasmus und die unbeschwerte Leichtigkeit der Melodien ist das Album ein einziger Genuss. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass es in Italien in die Sparte » Indie-Rock « gerutscht ist. Denn typisch italienisch hört sich eben anders an. Durch die Vermischung der Elemente von Blues, Funk und Soul entdeckt Raretracce alte musikalische Elemente neu und setzt diese zu ihrem eigenen Stil zusammen. Damit gelingt es ihnen, dem Album ein einfach wunderbares Wesen zu verleihen. Denn schließlich müssen ja nicht immer nur die Schattenseiten des Lebens besungen werden.</p>
<p><em><strong><a href="http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&#038;friendid=106829381">Raretracce</a>: Volume 1</strong>. Rom 2008. Ca. 10 Euro. Länge: 41,45 min. – Das Album ist in Deutschland bei i-tunes oder über www.ibs.it erhältlich.</em></p>
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		<title>»Mache ich das nur für mich? Es ist eher ein Teil von mir.«</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Oct 2008 07:30:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Jüngling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Katalysator, so wird Peer Göbel im Bandinfo seiner Berliner Formation <em>Le Mobilé</em> beschrieben. Als Texter und Sänger hat er auch zwei Solo-CDs herausgebracht, moderiert den Internetpodcast <em>undertube</em>, hat die nun nicht mehr erscheinende Zeitschrift <em>Soma</em> mitgegründet und arbeitet als Journalist in Berlin. Wie das alles zusammenpaßt und was dahintersteht, hat er mit uns diskutiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Katalysator, so wird Peer Göbel im Bandinfo seiner Berliner Formation <a href="http://www.lemobile.de/"><em>Le Mobilé</em></a> beschrieben. Als Texter und Sänger hat er auch zwei <a href="http://www.myspace.com/peeripherie">Solo-CDs</a> herausgebracht, moderiert den Internetpodcast <a href="http://www.undertube.de/"><em>undertube</em></a>, hat die nun nicht mehr erscheinende Zeitschrift <a href="http://www.somasoma.de/"><em>Soma</em></a> mitgegründet und arbeitet als Journalist in Berlin. Wie das alles zusammenpaßt und was dahintersteht, hat er mit uns diskutiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kritische Ausgabe:</strong> Fangen wir mit dem musikalischen Teil Deiner Aktivitäten an: Klavier und Gitarre hast Du Dir autodidaktisch beigebracht. Kann man sagen, daß in Dir ein Zug zur Selbsterfindung liegt?</p>
<p><strong>Peer Göbel:</strong> Vielleicht war es auch eine Reaktion auf den Geigenunterricht, weil da eben sehr strikt vorgegeben ist, was und wie man zu spielen hat. Weil es da eine Art objektive Skala gibt, was richtig und was falsch ist und wie gut es gespielt ist. Meine Erfahrung ist eben, daß Musik nicht viel braucht, um zu wirken. Sie muß nicht kompliziert sein, um zu berühren, um gut zu sein.</p>
<p><strong>K.A.:</strong> Ist es Deine Absicht, auf einfache Weise musikalisch zu berühren?</p>
<p><strong>P.G.:</strong> Da gehe ich von einer eigenen Erfahrung aus, daß Musik für mich dann am wertvollsten war, an den Punkten, an denen ich dachte, daß sie mir weiterhilft. Das sind dann eben auch keine Unterhaltungslieder, sondern traurige Songs, die das verhandeln. Und insofern ist es sicher ein Ziel, Leute zu berühren. Wenn man auf Tour ist, spielt es sicher auch eine Rolle, daß man Leute unterhalten will. Aber nur dafür mache ich keine Musik.</p>
<h5>»Darüber, wie meine Musik dann von den Leuten gehört wird, habe ich aber keine Deutungshoheit.«</h5>
<dl style="width:225px; float:left; padding:6px; margin:6px;">
<dt style="text-align:center; margin:0px; padding:0px;">
<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Peer_Goebel1.jpg" alt="Peer Göbel (Photo: © privat)" />
</dt>
<dd style="text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;">Peer Göbel<br />
(Photo: © privat)
</dd>
</dl>
<p><strong>K.A.:</strong> Bei Deinen Texten fällt auf, daß sie sehr innerlich wirken. Wie würdest Du auch vor dem Hintergrund der Dir bekannten deutschen musikalischen und Musiker-Szenerie die Art und Weise beschreiben, wie Du Musik begreifst?</p>
<p><strong>P.G.:</strong> Eine große Frage. Also, ich schreibe die Texte schon auch für mich selbst, wobei an sich der Authentizitätsgedanke ein Mythos ist. Natürlich habe ich im Hinterkopf, daß ich eine Band habe – und Musik wird vor Menschen aufgeführt. Andererseits sind es für mich auch keine Zwecktexte. Es liegt auch vielleicht im Kern von Popmusik, die Text anschlußfähig zu machen. Darüber, wie meine Musik dann von den Leuten gehört wird, habe ich aber keine Deutungshoheit. Das ist ein aktiver Prozeß, und ihre Sache. Klar interessiert es mich auch, was die Leute darüber denken. Natürlich ist es auch eins der Ziele, wenn man sich kreativ äußert, zu hören, ob es auch betrifft. </p>
<p><strong>K.A.:</strong> Gerade auch, weil Du Dich ja sehr mit dem Pop nicht nur im musikalischen, sondern auch im literarischen Sinne beschäftigst. Würdest Du Dich auch im literarischen Sinne, wenn man Dich als Texter nehmen würde, als Popautor betrachten – auch wenn Popliteratur in dem Sinne bereits tot ist?</p>
<p><strong>P.G.:</strong> Wahrscheinlich schon, das heißt, eher. Aber an längeren Formen habe ich mich noch nicht versucht. An Artikeln, Kurzgeschichten. Songtexte sind eine eigene Gattung, etwas anderes als Lyrik, etwas anderes als Prosa. Ich würde auch zustimmen, daß es eher eine suchende Art zu Schreiben ist. Also eine Art, die durch Auslassungen funktioniert. Ich versuche, Abstand zu nehmen zu eindeutigen Zuschreibungen, die in Popmusiktexten häufig vorkommen – so was wie Liebe oder Eifersucht. Ich versuche eher nach Zwischenstadien, also was dazwischenliegt, zu fragen.</p>
<p><strong>K.A.:</strong> Wie kann man sich denn Deinen Arbeitsprozeß vorstellen? Gehst Du von Beobachtungen aus?</p>
<p><strong>P.G.:</strong> Es dauert sehr lange. Eigentlich geht es meist von Notizen aus, die ich mir am Computer aufschreibe oder wenn ich unterwegs bin, zwei Sätze niederkritzle. Meist sind es Selbstbeobachtungen. Die sammle ich dann und ich setze sie so zusammen, daß sie für mich ein Thema ergeben für einen Song, den ich irgendwie rundkriegen kann. Meistens laß ich ihn dann auch noch mal liegen, schau es mir nach einigen Wochen wieder an. Ich glaube, dieser Prozeß hat sich auch verändert; ich bin kritischer mir selbst gegenüber geworden und will nicht mehr alles rausgeben.</p>
<p><strong>K.A.:</strong> Was hältst Du von Pathos?</p>
<p><strong>P.G.:</strong> Schwierig. Es kommt darauf an, worauf es abhebt. Zumeist steht da ja dahinter eine bestimmte Ideologie – dann würde ich es ablehnen. Aber manchmal versuche ich es schon zu genießen.</p>
<p><strong>K.A.:</strong> Es gibt im Deutschen eine beschwichtigende Redewendung: Jetzt mal pathetisch gesprochen. Der Bedeutung nach bezeichnet Pathos das Leiden, also Reizen durch Berührung. Du hast eingangs gesagt, daß es Dir wichtig ist, zu berühren. Oder ist Dir das so zu fremd?</p>
<p><strong>P.G.:</strong> Ich habe da mehrere Gedankengänge. Im Englischen bedeutet pathetic auf der einen Seite soviel wie »es ist doch albern, kitschig«. Im Schwedischen hat es beide Bedeutungen. Dort habe ich in einer Band gespielt und ein schwedischer Freund schrieb ein Lied »Ich bin pathetisch ohne Dich«, also im Sinne von theatralisch. Im Deutschen mißtraue ich der Sprache. Ich finde es schwer, darin Pathos auszudrücken ohne das Unwahre zu sagen, ohne auf Prinzipien anzuspielen, die sich auch in Ideologien wiederfinden lassen. Pathos als Leiden oder Freude am Leiden – wenn ich traurige Musik höre, z.B. Nick Cave, der sehr pathetisch ist, kann ich das sehr gut hören. Bei Dramen oder Filmen werde ich auch mitgenommen. Ich glaube, das funktioniert über Anspielungen auf sehr klar definierte Gefühle, die vielmehr fremd wurden, oder Werte wie Familie: Vater und Sohn treffen sich wieder, oder wie bei Nick Cave Tod und Liebe. Das rechtfertigt aber oft politisch wenig sinnvolle Dinge. </p>
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		<title>Das Geheimnis der 16 Geheimnisse</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Sep 2008 10:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benedikt Viertelhaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf die Ohren!]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Kunst und Kunstfertigkeit sind, wortfamiliär, eng verwandte Begriffe – und mitunter doch sehr verschieden. Dieser Unterschied ließe sich zum Beispiel daran erklären, daß es zwar von hoher Kunstfertigkeit zeugt, ein Lied der Vorlage gleich nachzuspielen, ihm keine aber eigene Note zu verpassen. Kunst dagegen wäre dann, ein Lied zu covern, indem ihm die Musizierenden neues Leben einhauchen. Wie wenig das im Interesse der Plattenbosse ist, haben uns in den letzten Jahren etliche Radiofetzen, die uns in den Kaufhäusern rund um den Globus belästigten, bewiesen. Wer aber Musik macht und dies aus einer eigenen Passion heraus, kommt nicht umhin, gerade auch wenn Kunstfertigkeit vorhanden ist, seine eigene Note mit einfließen zu lassen und somit dem Originalitätsanspruch gerecht zu werden. Für den Hörer ist dabei das Endergebnis wichtig, und nicht, ob dies vielleicht gar nicht Ziel der Coverversion war ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kunst und Kunstfertigkeit sind, wortfamiliär, eng verwandte Begriffe – und mitunter doch sehr verschieden. Dieser Unterschied ließe sich zum Beispiel daran erklären, daß es zwar von hoher Kunstfertigkeit zeugt, ein Lied der Vorlage gleich nachzuspielen, ihm keine aber eigene Note zu verpassen. Kunst dagegen wäre dann, ein Lied zu covern, indem ihm die Musizierenden neues Leben einhauchen. Wie wenig das im Interesse der Plattenbosse ist, haben uns in den letzten Jahren etliche Radiofetzen, die uns in den Kaufhäusern rund um den Globus belästigten, bewiesen. Wer aber Musik macht und dies aus einer eigenen Passion heraus, kommt nicht umhin, gerade auch wenn Kunstfertigkeit vorhanden ist, seine eigene Note mit einfließen zu lassen und somit dem Originalitätsanspruch gerecht zu werden. Für den Hörer ist dabei das Endergebnis wichtig, und nicht, ob dies vielleicht gar nicht Ziel der Coverversion war. </p>
<p>Entscheidend für das Endergebnis ist natürlich auch die Instrumentierung. Ein wunderbares Beispiel für die Authentizität, die durch diese Faktoren entsteht, liefern die Sängerin Mara von Ferne und der Gitarrist David Sick mit ihrem Debütalbum <em>sixteen secrets</em>. Zwischen den Eigenkompositionen stehen hier, für den Nichtkenner der Vorlagen unfindbar, zwei Coverversionen: »Disarm« von den <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/s/smashing_pumpkins/index.htm">Smashing Pumpkins</a> und »Jukebox« von <a href="http://www.laut.de/wortlaut/artists/d/difranco_ani/index.htm">Ani DiFranco</a>.</p>
<p>Ist es vermessen, seine eigene Musik in die anerkannter Künstler einzuordnen? Sicherlich nicht, ist doch das Nachspielen von Liedern eine sehr alte Menschheitstradition und auch das Covern alter Volksweisen bringt oft erstaunliches zutage, wie Beispielsweise <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/895/">John Cale</a> mit »Streets of Lorado« in den 80ern bewiesen hat. Bei näherem Vergleich verschiedener Aufnahmen des gleichen Titels zeigt sich, daß und wie sehr jede Band nur mit Wasser kocht. Denn es ist eben die Instrumentierung und das individuelle Können, das hier je das Eigene ausmacht. Um so beachtlicher ist das Ergebnis, das Mara und David erzielen, »Disarm« und »Jukebox« auf diese Weise neben den eigenen Kompositionen zu hören. Deutlicher hätten sie ihre Virtuosität als Gitarrist und Sängerin kaum unter Beweis stellen können. </p>
<p><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/mara_david.jpg" class=right alt="Mara &#038; David: »sixteen secrets« (Cover)" title="Mara &#038; David: »sixteen secrets« (Cover)"/>Gute Melodien verlieren oft durch überbordende Arrangements ihre Wirkung. In der Einfachheit der Arrangements mit Gitarre und Gesang liegt auch die Stärke der eigenen Songs. Und David Sick zeigt besonders auf dem Instrumentalstück »Big Bang«, daß er das Instrument in Dresden nicht blutleer studiert hat, sondern auch seine Begeisterung an der Musik ausdrücken kann. Andere Eigenkompositionen können dagegen eigentlich nur abfallen, da Mara und David die Chance versäumt haben, das Deutsche in einem Musikstil auszuprobieren, der von Tuck &#038; Patti, Joni Mitchell und Jonatha Brooke zur Genüge zelebriert wurde. So bleibt bei einer kritischen Betrachtung ein leichtes Unbehagen nicht aus. Doch ist dies der fast schon der einzige Kritikpunkt, der beim Hören der Platte denn auch nicht in den Vordergrund rückt.</p>
<p>Für angenehme Abwechslung sorgen die etwas rockigeren Stücke wie »Just a Game« und »High«. Einige der ruhigeren Stücke wie »Someone who loves« und »Between the Walls« allerdings sind zu gekonnt, der Gesang zu typisch für diese Art Musik. Das Eigene, das sich bei den Coverversionen so gut zeigt, findet hier nicht den rechten Ausdruck. Schade ist das vor allem, weil das Potential, Neues zu schaffen, erkennbar vorhanden ist und Mara &#038; David mit etwas mehr Mut mehr als ein nur fast perfektes Album vorgelegt hätten. </p>
<p><em><a href="http://www.mara-david.de/">Mara &#038; David</a>: sixteen secrets. Song Ways. Borchen 2007. 49 Min. Spielzeit. Ca. 16,– Euro.<br />
</em></p>
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