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Crauss.

Portrait

Rückblickend scheint das Leben des Dichters Adolf Endler auf einzigartige Weise mit der Geschichte der DDR verwoben. Doch Endler war mehr als ›sein‹ Thema, das ihm nah und gleichzeitig so fremd erschien: ein Dichter witziger Lyrik in einer Zeit, in der kein Mensch mehr Lyrik liest; ein Satiriker, dessen Texte stets die Balance zwischen kluger Kritik und heiterer Komik finden, ein Dichter, der bewusst in keine Schublade passen wollte; ein rastlos Umherziehender, ein Wanderer zwischen allen Stühlen – und irgendwie auch das Beispiel einer deutschen Karriere. Am vergangenen Sonntag starb er 78-jährig in Berlin …

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Vom Gestus des Abbrechens

Abschied von Elfriede Gerstl

Matthias Fallenstein, 17. April 2009

Elfriede Gerstl zählt, zumal in Deutschland, zu den weitgehend Unbekannten. Das ist mehrfach, und mit Recht, beklagt worden. Geändert haben die Klagen nicht viel. Abseits vom Markt und vom Literaturbetrieb, der sich um sie nicht kümmerte und von dem sie sich immer weiter entfernte, schuf sie ihr schmales und fast wie dahingehauchtes Werk. Man musste es selbst entdecken …

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Einer, der »im Herzen barfuß« ging

Am 4. April starb der Kieler Dichter Klavki – ein Nachruf

Jörg Meyer, 13. April 2009

Klavki (1972–2009) (Foto: © Frank Peter)Im März 2005 sprach er mich an, bei einem der Poetry Slams in den »wilden Mit(t)-Nullern« in der Schaubude, wo er wieder mal auf Platz Eins gelandet war. Konspirativ flüsternd mitten im Kneipenlärm: Er wolle in die Zeitung, wie man das mache. Da war Klavki schon drin, als jemand, der mit seinen performativen Textaktionen Aufmerksamkeit erregte, mit seinen seltsam erhellenden Flüchen, die er durch die Mikros der Slams jagte, durch die er in Kiel und rasch darüber hinaus bekannt wurde. Jetzt ist er 36-jährig gestorben …

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Sie sei so gestorben, wie sie gelebt, wie sie geschrieben hat, schrieb uns an diesem Gründonnerstag Matthias Fallenstein aus der österreichischen Bundeshauptstadt: ganz still und ohne Aufhebens. Elfriede Gerstl, die vielfach ausgezeichnete Wiener Literatin, ist tot.

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»Was soll ich machen? Wo soll ich hin?« Mit diesen abschließenden Worten des berühmten Stückes The Caretaker wird ein wesentlicher Grundzug von Harold Pinters Arbeiten dargestellt: seine Figuren wissen oft selbst nicht, welchen Zielen und Motiven sie folgen sollen und stehen einer großen Ungewissheit gegenüber. Am Heiligen Abend verlor Harold Pinter nach vielen Operationen seinen langen Kampf gegen den Kehlkopfkrebs. Ein großer Mann des britischen Theaters ist tot.

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Ich kann mich noch gut an die regelrechte Hysterie erinnern, die damals in unserer Grundschule ausgebrochen ist. Plötzlich wollte niemand mehr Sticker tauschen oder Fangen spielen. Das Einzige, was noch zählte, waren Dinosaurier. Ob Tyrannosaurus rex oder Brachiosaurus, man kannte und besaß sie alle – natürlich in Miniaturform und aus Gummi. Michael Crichton, der Vater dieses Hypes, ist am Dienstag vergangener Woche verstorben.

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An ihm kam und kommt man einfach nicht vorbei. Ob als fleißiger Literaturstudent oder tratsch-verliebte Hausfrau, als geschichtlich Interessierter oder Tierfreund, als trotziger Teenager oder Liebesschmonzetten-Konsument – Helmut Kindler hat uns als Verleger wohl schon in den verschiedensten Lebenslagen begleitet. Nun ist er am vergangenen Montag im Alter von 95 Jahren in Küsnacht bei Zürich gestorben.

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»Jedenfalls sind Sie ein Mensch / der Augen und Ohren offen hat / und der nichts verschweigt / das ist seine Natur«, heißt es in Thomas Bernhards Jagdgesellschaft. Dieses Zitat Bernhards beschreibt sehr treffend die Lebens- und Arbeitsweise des kürzlich verstorbenen Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler. Der österreichische Literaturpapst erlag am vorvergangenen Sonntag, den 7. September 2008, nach kurzer Krankheit einer Lungenembolie …

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Romantiker in fremdem Land

Zum fünften Todestag von Professor Claus Sommerhage (9.12.1950–16.07.2003)

Rolf Stolz, 16. Juli 2008

Claus Sommerhage begegnete mir 1994 in Estland. Ich war zum ersten Mal dort. Mein Gastgeber Matti Sirkel, Präsident des Estnischen Schriftstellerverbandes, hatte ihn gebeten, in Tartu (Dorpat, ein baltendeutsches Klein-Athen des Nordens) im »Deutschen Haus« eine Lesung für mich zu organisieren. Sommerhage, damals Gastprofessor am Germanistischen Institut der dortigen Universität, sagte sofort zu. Schon nach unserem ersten Gespräch wußte ich: Hier stand mir kein abgebrühter Gedichtezerleger und ausgekochter Prosasezierer gegenüber, sondern jemand, der mit der lebendigen Wortkunst lebte und nicht von ihren Ruinen und Exkrementen …

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Ein Mäeut im besten sokratischen Sinne

Zum fünften Todestag von Professor Peter Pütz

Markus Lorenz, 30. Juni 2008

Vor fünf Jahren, am 17. Juni 2003, ist Professor Dr. Peter Pütz im Alter von 68 Jahren verstorben. In den über dreißig Jahren seiner literaturwissenschaftlichen Tätigkeit am Germanistischen Seminar der Universität Bonn hat er das Gesicht der neueren germanistischen Abteilung in einer Weise geprägt, die es mehr als angebracht erscheinen läßt, ihn in eine Reihe mit den prominentesten Vertretern seiner Disziplin, die wie er hier gelehrt und geforscht haben, zu stellen. Seine schriftlichen Publikationen über Lessing, Nietzsche, Thomas Mann oder über die Techniken dramatischer Spannungserzeugung – um nur einige Beispiele zu nennen – behaupten ihren Platz als Meilensteine germanistischer Forschungsliteratur …

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Wenige Tage nach seinem 91. Geburtstag ist Gerhard Meier am vergangenen Sonntag nach langer Krankheit im schweizerischen Langenthal verstorben. Die Welt der Literatur trauert um einen ihrer überzeugtesten Provinzler, der zugleich ein Weltbürger im Reich der Poesie war …

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Seine Vorliebe für Reime und Wortspiele jeglicher Art dürfte sich für Peter Rühmkorf bereits in seiner Kindheit manifestiert haben, denn seine Mutter war in der kleinen Dorfgemeinschaft seines nordniedersächsischen Geburtsortes Warstade berühmt für ihre Verse und Reime, die sie dann auch regelmäßig auf Festlichkeiten vorzutragen pflegte. Auch Rühmkorf selbst, am 25.10.1929 als Sohn einer Pastorentochter und eines fahrenden Puppenspielers geboren und als Patenkind des berühmten Theologen Karl Barth sehr fromm erzogen, fing schon früh an, eigene Gedichte zu notieren, die er allerdings allesamt wieder verbrannte. In seiner Jugend wurde der angehende Poet, Essayist und Dramatiker von einer Art Pubertätsmagersucht geplagt, die er durch Tagebuchschreiben versuchte zu bewältigen. Diese Angewohnheit sollte ihn nie wieder loslassen, bis ins hohe Alter hinein widmete er sich dem täglichen Ritual …

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Beißender Witz und philosophischer Tiefsinn finden sich selten auf so gekonnte und virtuose Weise wie in Luigi Malerbas Werk vereinigt. Es zeugt von großem Gespür für die Fragilität der menschlichen Existenz, ohne dabei in Depression und Schwermut abzudriften. Am vergangenen Donnerstag ist Luigi Bonardi, wie sein Schöpfer eigentlich hieß, im Alter von 81 Jahren in Rom gestorben.

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Vom Vater für einen Nichtsnutz gehalten werden, dafür Schläge bekommen. Und ein Leben lang versuchen, ihn und sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Die Erfahrungen dieser unheilvollen Vater-Sohn-Konstellation kulminieren in Werner Dürrsons Roman Lohmann oder die Kunst, sich das Leben zu nehmen. Eine romaneske Biographie, den der Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer als das größte Projekt seines Lebens bezeichnet hat. Nun ist Werner Dürrson, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten und einzigen Romans, am vergangenen Donnerstag im Alter von 75 Jahren gestorben.

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Witz, Ironie, Verknappung, Skurrilität, Vertracktheit: dies sind die immer wiederkehrenden Schlagwörter, die im Zusammenhang mit Horst Bingels Werken stehen. Seine ganz eigene, oft experimentelle Art mit Worten umzugehen erinnert fast ein wenig an Größen wie Ernst Jandl oder August Stramm. Vergangenen Montag nun verstarb der Lyriker, Erzähler und Grafiker im Alter von 74 Jahren in Frankfurt am Main.

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Aktuell

In der K.A. plus

Eine »essentielle und essentialistisch gesellschaftliche Grundlage«
Die neue Kritische Ausgabe widmet sich dem Thema Familie in der Literatur
Der Bibliotheken-Engel
Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade
Erleuchtete Dichter
Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern
Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.
Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«
Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen
Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris
Aus der Redaktion

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