<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Kritische Ausgabe &#187; Portrait</title>
	<atom:link href="http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/ressort/kaplus/portrait/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.kritische-ausgabe.de</link>
	<description>Zeitschrift für Germanistik &#38; Literatur</description>
	<lastBuildDate>Tue, 27 Jul 2010 06:55:51 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.4</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Just left the building: Adolf Endler</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1537/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1537/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 07:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Walbrühl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kritische-ausgabe.de/?p=1537</guid>
		<description><![CDATA[Rückblickend scheint das Leben des Dichters <strong>Adolf Endler</strong> auf einzigartige Weise mit der Geschichte der DDR verwoben. Doch Endler war mehr als ›sein‹ Thema, das ihm nah und gleichzeitig so fremd erschien: ein Dichter witziger Lyrik in einer Zeit, in der kein Mensch mehr Lyrik liest; ein Satiriker, dessen Texte stets die Balance zwischen kluger Kritik und heiterer Komik finden, ein Dichter, der bewusst in keine Schublade passen wollte; ein rastlos Umherziehender, ein Wanderer zwischen allen Stühlen – und irgendwie auch das Beispiel einer deutschen Karriere. Am vergangenen Sonntag starb er 78-jährig in Berlin …]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rückblickend scheint das Leben des Dichters <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Endler"><strong>Adolf Endler</strong></a> auf einzigartige Weise mit der Geschichte der DDR verwoben. Ein Leben, das allerdings 1930 in Westdeutschland begann: In Düsseldorf geboren, wurde Endler bereits durch das Elternhaus antifaschistisch gestimmt. Nach dem Krieg besuchte er kommunistische Versammlungen, engagierte sich in der Friedensbewegung und geriet schließlich in den Fokus des Verfassungsschutzes. Aus Überzeugung siedelte Endler 1955 in die DDR über und träumte eine Weile den Traum vom wahren Sozialismus. Ein Jahr vor dem Mauerbau schrieb er <em>Erwacht ohne Furcht</em>, einen Lyrikband, den er später nicht gerne gelten lassen wollte:</p>
<blockquote><p>Füll im Klassenstreit<br />
Deine Seele auf.</p></blockquote>
<p>Sein ›radikalinskihaftes‹ Verhalten hielt keine drei Jahre. Anstatt innere oder wirkliche Republikflucht zu betreiben, schärfte sich sein Blick – seine Texte gewannen an Klugheit und satirischer Schärfe; die Stasi begann seine Lesungen zu beobachten, und Endler wiederum die Stasi und ihren »Gaunerstaat«. In Collagen aus Gebrauchstexten und Zeitungsartikeln dokumentierte er die Absurditäten des DDR-Alltags, pflegte fiktive Alter Egos wie »Bubi Blazezak« und ging in den literarischen Untergrund; las in Hinterhöfen und Wohnzimmern gegen den ihn umgebenden Ernst. Ausgeschlossen aus dem Schriftstellerverband wurde er zur Leitfigur einer alternativen Literatur. Er blieb Teil der DDR und hielt ihr doch den Narrenspiegel vor.</p>
<p>Auch nach dem Mauerfall ließ ihn die DDR nicht los. Mit <em>Tarzan am Prenzlauer Berg</em> publizierte er einen ganz persönlichen, autobiographischen Nachruf auf die Jahre 1981–83, der ihm auch im Westen Aufmerksamkeit bescherte. Doch Endler war mehr als ›sein‹ Thema, das ihm nah und gleichzeitig so fremd erschien: ein Dichter witziger Lyrik in einer Zeit, in der kein Mensch mehr Lyrik liest; ein Satiriker, dessen Texte stets die Balance zwischen kluger Kritik und heiterer Komik finden, ein Dichter, der bewusst in keine Schublade passen wollte; ein rastlos Umherziehender, ein Wanderer zwischen allen Stühlen – und doch Beispiel einer deutschen Karriere.</p>
<p>Adolf Endler starb am vergangenen Sonntag im Alter von 78 Jahren, bezeichnenderweise in Berlin.</p>
<p><font size="-1"><strong>Notabene:</strong> Weitere Würdigungen des vielfach ausgezeichneten Literaten finden sich in nahezu allen deutschsprachigen Feuilletons, hier eine kleine Auswahl: In der <a href="http://bazonline.ch/kultur/buecher/Die-DDR-war-fuer-ihn-die-Absurditaet-in-der-Nussschale/story/24191754"><em>Basler Zeitung</em></a> schreibt Martin Ebel zum Tode des »Paten der subversiven Dichterszene am Prenzlauer Berg«, in der <a href="http://www.faz.net/s/RubBE163169B4324E24BA92AAEB5BDEF0DA/Doc~EEDDDF011B67E4B4493F1C9FEDF2788A4~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><em>F.A.Z.</em></a> Falko Hennig, in der <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1863195_Zum-Tode-Adolf-Endlers-Im-ueberlebensbunker.html"><em>Frankfurter Rundschau</em></a> Cornelia Jentzsch, im <a href="http://www.freitag.de/kultur/0931-endler-nachruf"><em>Freitag</em></a> Peter Geist, in der <a href="http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11573798/63369/Zum-Tode-des-Dichters-Adolf-Endler-der-sich.html"><em>Märkischen Allgemeinen</em></a> Karim Saab und in der <a href="http://www.sueddeutsche.de/Q5L388/2993963/Ueberleben-im-Kuriosum.html"><em>Süddeutschen</em></a> Jens Bisky.</font></p>
<p><font size="-1"><strong>Addendum:</strong> In K.A. 1/2001 beschäftigen sich gleich zwei Beiträge mit dem Werk Adolf Endlers und der Literaturszene am Prenzlauer Berg: »<a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1032/">Lern, Bruder, zuzustechen mit der Silbe</a>« von Cornelia Jentzsch und »<a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1031/">Endstation Vinetastraße</a>« von Crauss. Beide Artikel stehen als PDFs zur Verfügung.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1537/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vom Gestus des Abbrechens</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1475/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1475/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2009 22:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Fallenstein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1475</guid>
		<description><![CDATA[Elfriede Gerstl zählt, zumal in Deutschland, zu den weitgehend Unbekannten. Das ist mehrfach, und mit Recht, beklagt worden. Geändert haben die Klagen nicht viel. Abseits vom Markt und vom Literaturbetrieb, der sich um sie nicht kümmerte und von dem sie sich immer weiter entfernte, schuf sie ihr schmales und fast wie dahingehauchtes Werk. Man musste es selbst entdecken ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elfriede_Gerstl">Elfriede Gerstl</a> zählt, zumal in Deutschland, zu den weitgehend Unbekannten. Das ist mehrfach, und mit Recht, beklagt worden. Geändert haben die Klagen nicht viel. Abseits vom Markt und vom Literaturbetrieb, der sich um sie nicht kümmerte und von dem sie sich immer weiter entfernte, schuf sie ihr schmales und fast wie dahingehauchtes Werk. Man musste es selbst entdecken. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zentriert"><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/wimmer_gerstl.jpg" class="frei" alt="Elfriede Gerstl im Sommer 2004 (Foto: Herbert J. Wimmer)" /><br />
<font size="-1">Elfriede Gerstl im Sommer 2004<br />
(Foto: &copy; Herbert J. Wimmer)</font></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das erste Buch, das mir von Elfriede Gerstl in die Hände fiel, war der Gedicht- und Essayband <em>Unter einem Hut</em>. Als ich ihn aufschlug, nahm mich sofort der Titel des ersten Stücks gefangen, selbst ein geschliffener Aphorismus: »Frauen(arbeit) = Dreck(arbeit)«. Das musste ich gleich lesen, es hatte mit Erfahrungen zu tun, die ich selbst gemacht hatte. Zunächst jedoch, muss ich gestehen, war ich irritiert. Der Aufsatz spitzt Thesen zum Geschlechterverhältnis zu, die, wie ich meinte, einer Rechtfertigung bedurft hätten, stattdessen aber bricht die Autorin ihre Argumentation ganz plötzlich ab. Später erkannte ich diesen Gestus des Abbrechens als eine Eigenart vieler ihrer Arbeiten. Elfriede Gerstl behauptete nie, etwas Abschließendes vortragen zu können, und deshalb liebte sie die unabgeschlossene Form. Ich habe das nur langsam begriffen; in der deutschen Essayistik ist diese Form eher ungebräuchlich, hier fasst man gern in einer Kadenz zusammen, wovon man den Leser überzeugt zu haben wünscht. Aber Elfriede Gerstl wollte nicht überzeugen. Sie war darauf aus, dem eigenen Denken des Lesers Raum zu geben, ihm und natürlich auch ihr, der Leserin, selbst zu verantwortende Entscheidungen möglich zu machen. Ihre Arbeiten beschreiben immer wieder Ansätze zu einem sokratischen Gespräch.</p>
<p>Ich spreche hier zunächst von einem männlichen Leser, weil ich mich selbst, meine eigene Erfahrung mit Elfriede Gerstls Werk meine. Und gerade für den Leser ist der Feminismus von Bedeutung, der in Gerstls Arbeiten eine so wesentliche Rolle spielt; denn Gerstl hat streng darauf geachtet, dass der feministische Diskurs, an dem sie leidenschaftlich teilhat, den Leser nicht ausschließt. Dass Frauen die besseren Menschen seien: diese These war ihr bekannt; sie verwarf sie nicht, stimmte ihr aber auch nicht bei, sie stellte sie infrage. Reale Unterdrückung der Frauen und ideologische Inferiorisierung des Weiblichen waren für sie weniger dem Unwesen eines ursprünglichen Geschlechterkampfes geschuldet, sondern Ausdruck einer strukturell im Patriarchat verankerten Menschenverachtung. Was Menschenverachtung bedeutet und dass sie zu fürchten ist, wusste Elfriede Gerstl seit ihrer verlorenen Kindheit im täglich bedrohten Versteck vor den Nazis, die Angst hat sie immer begleitet, und sie kämpfte dagegen mit ihrem nicht nachlassenden Einsatz für die Menschenwürde. Ihr Feminismus war ein wichtiger Teil dieses Kampfes.</p>
<p>Ihre Freundinnen und Freunde bedeuteten ihr sehr viel. Freundlich war sie zu jedem, der ihr begegnete; wenn sie einen Menschen begrüßte, dann schenkte sie ihm ein helles Lächeln und einen aufmerksamen Blick, sie überging keinen. Vielleicht lag am Boden ihrer Freundlichkeit, die sie selbst manchmal als geradezu beschämend empfand, die alte Angst und der Versuch, sie durch gewinnende Aufmerksamkeit zu bewältigen. Jedenfalls hielt Elfriede Gerstl vorsichtig Distanz, wenn man sich ihr näherte, es war nicht leicht, ihr Vertrauen zu gewinnen, sie prüfte Menschen wie Meinungen: sie verwarf nicht, sie fragte nach und forschte. Wer freilich die Prüfung bestanden hatte, dem hielt sie unverbrüchliche Treue. Ich hätte mich ihrer Prüfung gern unterzogen, es gab viel, was ich mit ihr zu besprechen hatte: Persönliches, Politisches, Poetisches. Das hat sich nicht mehr gefügt. Als Elfriede Gerstl zuletzt schwer krank war und wusste, dass ihr Leben dem Ende zuging, bereitete sie ihren Freundeskreis bewusst auf ihren kommenden Tod vor. Sie hat sich von allen verabschiedet und für diesen Abschied einen großen Teil ihrer letzten Kräfte verbraucht. Einmal hatte sie geschrieben: </p>
<blockquote><p>mitunter hab ich diesen körper nicht im griff<br />
er kommt mir aus – ich schau verwundert zu<br />
wie ich mich stoss – verbrenn – und wie s mi hinstraat</p></blockquote>
<p>Nun ist ihr dieser so zierliche, kleine Körper ganz entglitten. Am 9. April 2009 ist sie in ihrer Wohnung in Wien im Alter von 76 Jahren <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1470/">gestorben</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="-1"><strong>Anm. d. Red.:</strong> Ein Portrait über Leben und Werk Elfriede Gerstls von Matthias Fallenstein ist in der aktuellen <em><a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/hefte/europa/">Kritischen Ausgabe</a></em> erschienen und <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1439/">hier im Volltext</a> verfügbar.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1475/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Einer, der »im Herzen barfuß« ging</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1471/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1471/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2009 19:15:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>N. N.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1471</guid>
		<description><![CDATA[<img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Klavki.jpg" width=150 height=100 align=left alt="Klavki (1972–2009) (Foto: © Frank Peter)" title="Klavki (1972–2009) (Foto: © Frank Peter)" />Im März 2005 sprach er mich an, bei einem der Poetry Slams in den »wilden Mit(t)-Nullern« in der Schaubude, wo er wieder mal auf Platz Eins gelandet war. Konspirativ flüsternd mitten im Kneipenlärm: Er wolle in die Zeitung, wie man das mache. Da war <strong>Klavki</strong> schon drin, als jemand, der mit seinen performativen Textaktionen Aufmerksamkeit erregte, mit seinen seltsam erhellenden Flüchen, die er durch die Mikros der Slams jagte, durch die er in Kiel und rasch darüber hinaus bekannt wurde. Jetzt ist er 36-jährig gestorben …]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im März 2005 sprach er mich an, bei einem der Poetry Slams in den »wilden Mit(t)-Nullern« in der Schaubude, wo er wieder mal auf Platz Eins gelandet war. Konspirativ flüsternd mitten im Kneipenlärm: Er wolle in die Zeitung, wie man das mache. Da war <strong><a href="http://www.klavki.de">Klavki</a></strong> schon drin, als jemand, der mit seinen performativen Textaktionen Aufmerksamkeit erregte, mit seinen seltsam erhellenden Flüchen, die er durch die Mikros der Slams jagte, durch die er in Kiel und rasch darüber hinaus bekannt wurde. Jetzt ist er 36-jährig gestorben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zentriert"><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/Klavki.jpg" class="frei" alt="Klavki (1972–2009) (Foto: © Frank Peter)" title="Klavki (1972–2009) (Foto: © Frank Peter)" /><br />
<font size="-1"><strong>Klavki (1972–2009)</strong><br />
(Foto: © Frank Peter)</font></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sein Markenzeichen aus dieser Zeit, die grüne Trainingsjacke, sein »Slam-Kostüm«, legte er bald darauf ab, aber das Mikro nicht aus der Hand. Seine ersten Bücher waren folgerichtig zwei Hörbücher (erschienen bei <a href="http://www.assembleart.com/">assembleART.com</a>) sowie immer wieder Klangmontagen aus seinem stetig wachsenden, ja wuchernden Fundus hunderter Gedichte und lyrischer Prosa. Er blieb einer, der die Sprache aus der Schrift befreien wollte, vom bloß geschriebenen zum geschrienen Wort.</p>
<p>Sprache aus den Buchdeckeln in die alltägliche Öffentlichkeit zu bringen, durchzieht sein Werk als roter Faden. Zusammen mit dem Künstler Marcus Meyer erfand er <em>Schrift im Land</em>, riesige Leuchtbuchstaben, die an der Autobahn nach Kiel, dann auch im Rahmen der Kulturaktionen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm die Nacht buchstäblich poetisch erhellten. Es folgten die Projekte <em>Take a Poem</em>, aphoristische Gedichte und Wortsplitter auf kleinen Kärtchen, zum Mitnehmen ausgelegt in Kneipen oder einfach irgendwo »liegen gelassen«, und <em>Poesie im Alltag</em>, rund 300 Texttafeln, mit denen er im Oktober 2008 die Kiel-Linie zur Lesemeile machte.</p>
<p>Mit dem Manuskript <em>Der Traumzeuge</em> gewann Klavki Stipendien der Länder Schleswig-Holstein (Kloster Cismar) und Mecklenburg-Vorpommern (Schleswig-Holstein-Haus Rostock). So groß, wie der Roman als Weltentwurf geplant war, blieb er wohl bewusst unvollendet, als Protest der großen Poesie gegen die kleine Prosa, als eine Sprache, die den Menschen im Herzen ansprechen wollte, aus dem Augenblick des Sprechens heraus, nicht aus der Ewigkeit von Folianten. Bei einer Leseperformance in der Hansa48 ließ er seine Gedichte von den Zuhörern selbst vortragen – ein Experiment, das nicht nur das klassische Konzept »Autor« hinterfragen, sondern auch die Schrift aus ihrem Zeilenschlaf zu neuer gesprochener Lebendigkeit erwecken sollte.</p>
<p>»Die undichte Stelle in der Zeit« suchen, nannte Klavki diese Art des Dichtens und bezog das auch auf den Krebs, den er als »die Wunde Text« in ihm begriff. Gerade dort könne Poesie wieder die von lebendigen Menschen statt von toten Dichtern sein. Er kenne noch einen, schrieb er in einem Gedicht, »der im Herzen barfuß geht«. Er war und ist es selbst.</p>
<p><em>Texte von Klavki finden sich unter <a href="http://www.klavki.de/">www.klavki.de</a>, <a href="http://klavki.podspot.de/">klavki.podspot.de</a> und im <a href="http://www.forum-der-13.de/">Forum der 13</a>.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anmerkung der Redaktion</strong>: Sechs <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1238/"><em>Gedichte (wie falsch abgeschrieben von der Wirklichkeit)</em></a> aus der Feder Klavkis erschienen im vergangenen Sommer im Literaturteil unseres <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/hefte/abenteuer/">»Abenteuer«</a>-Heftes. Die letzten Verse stellten eine Frage in den Raum:</p>
<blockquote><p>Aber was liegt am Ende unter dem Stein?<br />
Oder wer?</p></blockquote>
<p>Traurigerweise gibt es darauf nunmehr eine Antwort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div align=center><font size="-1">Aus Anlass des Todes von Klavki stellen wir seine in der <em>Kritischen Ausgabe</em> veröffentlichten Gedichte hier im Volltext zum Download bereit.<br />
[&rarr; <a href="http://www.kritische-ausgabe.de/hefte/abenteuer/klavki.pdf">Klavkis Gedichte als PDF</a>]</font></div>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="-1">Foto: © Frank Peter.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1471/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Elfriede Gerstl</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1470/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1470/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 11:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fabian Beer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionelles]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1470</guid>
		<description><![CDATA[Sie sei so gestorben, wie sie gelebt, wie sie geschrieben hat, schrieb uns an diesem Gründonnerstag Matthias Fallenstein aus der österreichischen Bundeshauptstadt: ganz still und ohne Aufhebens. <strong>Elfriede Gerstl</strong>, die vielfach ausgezeichnete Wiener Literatin, ist tot.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie sei so gestorben, wie sie gelebt, wie sie geschrieben hat, schrieb uns an diesem Gründonnerstag Matthias Fallenstein aus der österreichischen Bundeshauptstadt: ganz still und ohne Aufhebens. <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elfriede_Gerstl">Elfriede Gerstl</a></strong>, die vielfach ausgezeichnete Wiener Literatin, erlag in der Nacht zum 9. April 2009 ihrem schweren Leiden. Einer Erkrankung, die die 76-Jährige schon merklich zeichnete, als das ausführliche Werkportrait entstand, das in der aktuellen <em><a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/hefte/europa/">Kritischen Ausgabe</a></em> und <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1439/">hier</a> als Leseprobe im Volltext nachzulesen ist. Elfriede Gerstl selbst hatte sich sehr auf diesen Beitrag gefreut – lesen konnte sie ihn nicht mehr. Heute hätte ihr ein Exemplar des Heftes überreicht werden sollen. Es kam zu spät.</p>
<p>Und so bitten wir, den Beitrag nun auch als das zu lesen, als das er in dieser Form nicht konzipiert war: als eine persönliche Reminiszenz und einen letzten Gruß an eine Grande Dame der österreichischen Gegenwartsliteratur.</p>
<p><font size="-1"><strong>Notabene:</strong> Erste Reaktionen aus dem Literaturbetrieb finden sich <a href="http://www.live-pr.com/mailath-zu-gerstl-stille-poetin-und-r1048268762.htm">hier</a>, <a href="http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20090409_OTS0140&#038;ch=politik">da</a> und <a href="http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20090409_OTS0142&#038;ch=politik">dort</a>. Ein <a href="http://www.kurier.at/kultur/309889.php">Nachruf</a> der österreichischen Nachrichtenagentur ist u.a. im Wiener <em>Kurier</em> nachzulesen.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1470/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Harold Pinter</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1377/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1377/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2008 13:28:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sarah Monreal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1377</guid>
		<description><![CDATA[»Was soll ich machen? Wo soll ich hin?« Mit diesen abschließenden Worten des berühmten Stückes <em>The Caretaker</em> wird ein wesentlicher Grundzug von <strong>Harold Pinters</strong> Arbeiten dargestellt: seine Figuren wissen oft selbst nicht, welchen Zielen und Motiven sie folgen sollen und stehen einer großen Ungewissheit gegenüber. Am Heiligen Abend verlor Harold Pinter nach vielen Operationen seinen langen Kampf gegen den Kehlkopfkrebs. Ein großer Mann des britischen Theaters ist tot.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Was soll ich machen? Wo soll ich hin?« Mit diesen abschließenden Worten des berühmten Stückes <em>The Caretaker</em> wird ein wesentlicher Grundzug von <strong>Harold Pinters</strong> Arbeiten dargestellt: seine Figuren wissen oft selbst nicht, welchen Zielen und Motiven sie folgen sollen und stehen einer großen Ungewissheit gegenüber. </p>
<p>Der Sohn eines jüdischen Schneiders wurde am 10. Oktober 1930 in Hackney geboren, einem Arbeiterviertel im Londoner East End. Es war die Zeit des zweiten Weltkriegs, die auch viele seiner Werke ebenso nachhaltig wie maßgeblich beeinflusste. Nachdem er sein Studium an der Royal Academie of Dramatic Art bereits nach kurzer Zeit wieder abgebrochen hatte, begann er am Theater zu spielen, seiner wirklichen Leidenschaft. Mit 76 Jahren stand er zum letzten Mal auf der Bühne – beziehungsweise: saß, denn gehen konnte der an Krebs erkrankte Dramatiker zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. 1957 veröffentlichte er sein erstes Stück mit dem Titel The Room, dem insgesamt noch 28 weitere Dramen folgen sollten. Außerdem schrieb er zahlreiche Drehbücher und war als Fernseh-Regisseur tätig, übernahm sogar manchmal selbst die ein oder andere kleine Rolle.</p>
<p>»Seine Charaktere handeln nach undurchschaubaren Motiven, sind unerklärlichen Bedrohungen ausgesetzt und verschleiern in alogischen Dialogen ihre Identität«, beschreibt Harenbergs Lexikon der Weltliteratur die Werke des Militärdienst-Verweigerers Pinter. Sein ganz eigener Stil, der gerne als ›pinteresk‹ bezeichnet wird, ist vor allem durch »sparsame Dialoge« und ein »Gefühl des leichten Unbehagens« gekennzeichnet, wie die <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,598361,00.html">Spiegel Online</a>-Redaktion es ausdrückt. Pinter knüpft an die Tradition des absurden Theaters an, seine großen Vorbilder waren Samuel Beckett und Franz Kafka. </p>
<p>In den letzten Jahren sorgte der passionierte Cricket-Spieler aber weniger mit seinen Stücken für Furore, als mit seinen politischen Ansichten. In seiner Dankesrede bei der Verleihung des Literatur-Nobelpreises im Jahre 2005 löste er durch seinen verbalen Angriff auf Präsident Bush eine weltweite Debatte aus. </p>
<p>Am Heiligen Abend verlor Harold Pinter nach vielen Operationen seinen langen Kampf gegen den Kehlkopfkrebs. Ein großer Mann des britischen Theaters ist tot.</p>
<p><font size="-1"><strong>Notabene</strong>: Die F.A.Z. würdigt Harold Pinter als <a href="http://www.faz.net/s/Rub4D7EDEFA6BB3438E85981C05ED63D788/Doc~E960C484F5A8D4E0DB9B7BC852B202597~ATpl~Ecommon~Scontent.html">»Poet der Ungewissheit«</a>, die Süddeutsche als <a href="http://www.sueddeutsche.de/450387/733/2692848/Der-Fremde-hinter-der-T-uer.html">»Hausmeister des sanften Grusels«</a>. Die Berliner Morgenpost nimmt Abschied vom <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/kultur/article1005269/Dramatiker_mit_politischem_Biss.html">»Dramatiker mit politischem Biss«</a> und die Kölnische Rundschau sieht nach dem Tode Pinters <a href="http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1229432322790.shtml">»Fragezeichen statt Botschaften«</a>. – Weitere Nachrufe auf und Erinnerungen an den Literatur-Nobelpreisträger von 2005 finden sich in unter anderem in der <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/die_schlachtfelder_der_sprache_1.1601863.html">NZZ</a>, der Frankfurter Rundschau (<a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1651429_Zur-Erinnerung.html?sid=e0cec58f066642887dadfc2a9c94a61c">hier</a> und <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1650954_Der-leise-Schmerz-wird-grell-und-laut.html">da</a>), der <a href="http://www.jungewelt.de/2008/12-29/014.php">Jungen Welt</a>, ihrem älteren <a href="http://www.welt.de/kultur/article2931001/Harold-Pinter-musste-Zorn-und-Wut-nicht-erst-lernen.html">Namensvetter</a> und bei <a href="http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12633">literaturkritik.de</a>.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1377/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Michael Crichton</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1327/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1327/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2008 17:20:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sarah Monreal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1327</guid>
		<description><![CDATA[Ich kann mich noch gut an die regelrechte Hysterie erinnern, die damals in unserer Grundschule ausgebrochen ist. Plötzlich wollte niemand mehr Sticker tauschen oder Fangen spielen. Das Einzige, was noch zählte, waren Dinosaurier. Ob Tyrannosaurus rex oder Brachiosaurus, man kannte und besaß sie alle – natürlich in Miniaturform und aus Gummi. <strong>Michael Crichton</strong>, der Vater dieses Hypes, ist am Dienstag vergangener Woche verstorben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut an die regelrechte Hysterie erinnern, die damals in unserer Grundschule ausgebrochen ist. Plötzlich wollte niemand mehr Sticker tauschen oder Fangen spielen. Das Einzige, was noch zählte, waren Dinosaurier. Ob Tyrannosaurus rex oder Brachiosaurus, man kannte und besaß sie alle – natürlich in Miniaturform und aus Gummi.</p>
<p>Dieser Hype, der Anfang der 90er eine ganze Generation von Kindern, aber auch zahlreiche Erwachsenen erfasste, war <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jurassic_Park">»Jurassic Park«</a>, der Verfilmung des gleichnamigen Buches von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Crichton">Michael Crichton</a>, zu verdanken. In diesem Science-Fiction-Thriller beschrieb der Bestsellerautor ein Szenario, das zugleich fasziniert, aber auch warnt: Wissenschaftlern ist es gelungen, aus einer in Baumharz konservierten Mücke DNS von Dinosauriern zu extrahieren und diese so zu rekonstruieren, dass die Urzeitjäger wie der Velociraptor zu neuem Leben erweckt werden können. Doch das Experiment gerät außer Kontrolle – und plötzlich werden die Wissenschaftler zu den Gejagten.</p>
<p>Viele von Crichtons Romanen unterliegen einer ähnlichen Struktur. Es geht um Möglichkeiten und Missbrauch moderner Technologien und die oftmals verheerenden Folgen, welche sich für den Menschen daraus ergeben. Dank »akribischer Recherche«, so die Kollegen von <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,588758,00.html"><em>Spiegel online</em></a>, habe Chrichton seinen Romanen »einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich« verschafft, durch den die Leser immer wieder in den Bann seiner Werke gezogen, zugleich aber auch unterhaltsam vor einem falschen Umgang mit Wissenschaft gewarnt werden.</p>
<p>Michael Crichton wurde am 23. Oktober 1942 in Chicago geboren und wuchs als eines von vier Kindern in Roslyn, New York auf. Er studierte Anthropologie und Medizin am Harvard College und an der Harvard Medical School, wollte eigentlich Arzt werden. Doch schon als Student schrieb er seine ersten Thriller, zunächst noch unter Pseudonymen wie John Lange oder Jeffrey Hudson. Im Verlauf seiner Karriere veröffentlichte der vielseitig begabte Mann 26 Romane, von denen fast die Hälfte verfilmt wurde. Doch Crichton war nicht nur verfilmter Autor, er führte auch mehrmals Regie und produzierte erfolgreiche Kinofilme, darunter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Twister_(Film)">»Twister«</a> (1996), <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enth%C3%BCllung">»Enthüllung«</a> (1994) und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_Eisenbahnraub_(1979)">»Der große Eisenbahnraub«</a> (1979). Als einer seiner größten Erfolge gilt die die von ihm konzipierte TV-Krankenhausserie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Emergency_Room_%E2%80%93_Die_Notaufnahme">»Emergency Room«</a>, für die man ihm 1995 den Emmy verlieh. </p>
<p>Am Dienstag vergangener Woche erlag das mediale Multitalent Crichton kurz nach seinem 66. Geburtstag einem Krebsleiden, das er weitgehend vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hatte.</p>
<p>&nbsp;<br /><font size="-1"><strong>Addendum:</strong> In der <em>Welt</em> betrauert Winfried Freund den Tod des <a href="http://www.welt.de/kultur/article2681504/Crichton-ein-Schamane-aus-dem-20-Jahrhundert.html">»Schamanen aus dem 20. Jahrhunderts«</a> und <a href="http://www.welt.de/kultur/article2687096/Herr-der-Dinosaurier.html">»Herrn der Dinosaurier«</a>, der – so Steffen Könau in der <em>Mitteldeutschen Zeitung</em> – <a href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&#038;atype=ksArtikel&#038;aid=1225954580167">»die Formel für den Welterfolg gefunden«</a> hatte. Crichton sei, erklärt Norbert Meyer in der <em>Presse</em>, <a href="http://diepresse.com/home/kultur/literatur/428351/index.do">»der König Midas der Populärkultur«</a> gewesen, dessen Metier laut Dirk Knipphals (<em>taz</em>) <a href="http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/us-bestsellerautor-crichton-ist-tot/">»die menschliche Hybris«</a> war. Und nach einer in der <em>Wiener Zeitung</em> abgedruckten <a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3908&#038;Alias=wzo&#038;cob=380973&#038;currentpage=0">Stellungnahme</a> Steven Spielbergs war Michael Crichton »eine sanfte Seele, die ihre extravagante Seite für die Romane aufhob. Es ist niemand in Sicht, der jemals seinen Platz einnehmen könnte.«</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1327/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Helmut Kindler</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1304/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1304/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 19 Sep 2008 15:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Petersen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1304</guid>
		<description><![CDATA[An ihm kam und kommt man einfach nicht vorbei. Ob als fleißiger Literaturstudent oder tratsch-verliebte Hausfrau, als geschichtlich Interessierter oder Tierfreund, als trotziger Teenager oder Liebesschmonzetten-Konsument – Helmut Kindler hat uns als Verleger wohl schon in den verschiedensten Lebenslagen begleitet. Nun ist er am vergangenen Montag im Alter von 95 Jahren in Küsnacht bei Zürich gestorben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An ihm kam und kommt man einfach nicht vorbei. Ob als fleißiger Literaturstudent oder tratsch-verliebte Hausfrau, als geschichtlich Interessierter oder Tierfreund, als trotziger Teenager oder Liebesschmonzetten-Konsument – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Kindler">Helmut Kindler</a> hat uns als Verleger wohl schon in den verschiedensten Lebenslagen begleitet. Nun ist er am vergangenen Montag im Alter von 95 Jahren in Küsnacht bei Zürich gestorben. </p>
<p>Kindler wurde am 3. Dezember 1912 als Sohn eines preußischen Kriminalbeamten in Berlin geboren. Eigentlich wollte er Regisseur werden, und verließ für diesen Traum mit 16 Jahren das Gymnasium, um in Erwin Piscators <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Schauspielhaus">Theater am Nollendorfplatz</a> im Stadtteil Schöneberg zu arbeiten. Anfang der 30er Jahre wechselte er das Fach und wurde Journalist – so arbeitete er etwa als Feuilletonist für das <em>Berliner Tageblatt</em> oder die <em>Frankfurter Zeitung</em>. Stets wandelte er auf einem schmalen Grat – so auch in der Zeit des Nationalsozialismus, als Chefredakteur der <em>Erika</em>, einer »frohen Zeitung für Front und Heimat«, während er gleichzeitig ein Waffenlager für eine polnische Widerstandsgruppe unterhielt. Er wurde von der Gestapo festgenommen und kam ins Gefängnis, wurde aber nach anderthalb Jahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen und kam mit »Frontbewährung« anstelle einer KZ-Haft davon. </p>
<p>Nach dem Krieg war er an der Gründung des <a href="http://www.tagesspiegel.de/"><em>Tagesspiegels</em></a> und der <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/"><em>Berliner Zeitung</em></a> beteiligt. Nachdem er eine Verlegerlizenz erhalten hatte, wandte er sich der Regenbogenpresse zu, gründete die Frauenzeitschrift <em>Sie</em>, die erst <a href="http://www.zeit.de/2008/35/A-BuntePresse">vor kurzem eingestellte</a> <em>Revue</em>, die zunächst als Kunstzeitschrift konzipiert war, und die <a href="http://www.bravo.de/"><em>Bravo</em></a>, die wohl schon jeder von uns wenigstens ein Mal in den Händen gehalten hat. Kindler wurde durch sein Talent, dem Zeitgeist nachzuspüren, ein ausgesprochen reicher Mann, verlor aber nie seinen Idealismus. Er war Besitzer mehrerer Cadillacs, und stellte in der Zeit der 68er-Bewegung er seine Mitarbeiter für Demonstrationen frei und marschierte gelegentlich selbst mit. Helmut Kindler verlegte neben den bunten Illustrierten auch Sebastian Haffners <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anmerkungen_zu_Hitler"><em>Anmerkungen zu Hitler</em></a>, außerdem Werke Stefan Heyms, Heinz G. Konsaliks und Willy Brandts. Er investierte seine Gewinne aus der »Bravo« in ein Nachschlagewerk, das jeder von uns ebenfalls wenigstens ein Mal zur Hand nahm – nämlich dann, wenn es für Schule oder Uni-Seminar knapp wurde mit der Lektüre von Goethe, Tieck oder Dürrenmatt: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kindlers_Literaturlexikon"><em>Kindlers Literaturlexikon</em></a>. Diesem Standardwerk des literarischen Wissens folgten Enzyklopädien anderer Wissenschaftsgebiete, etwa <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grzimeks_Tierleben"><em>Grzimeks Tierleben</em></a>, die den 1951 gegründeten Kindler Verlag jedoch bald an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit trieben. In den späten 70er Jahren musste Kindler seine Verlage wegen der hohen Verschuldung an den Medien-Gigantomanen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verlagsgruppe_Holtzbrinck">Holtzbrinck</a> verkaufen.</p>
<p>Als er in den Ruhestand trat, zog er in die Schweiz, in die Society-Kleinstadt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCsnacht">Küsnacht</a> am Zürichsee. Die Entwicklung in der Verlegerbranche verfolgte Kindler auch weiterhin – <a href="http://www.zeit.de/dpa/2008/9/17/iptc-bdt-20080917-361-dpa_18961984.xml">durchaus mit Sorge</a>: Die Büchermacher von heute seien keine Büchermenschen mehr, sondern vor allem Managern und Ökonomen. »Aber ein Autor muss sich geborgen fühlen in Verlag, und das gibt es kaum mehr.« </p>
<p>Helmut Kindler war ein streitbarer Mann, einer, der den Widerspruch lebte. Der manchmal von seinen Kollegen missgünstig beäugte »Illustriertenverleger« hat aber durch eben diese lebenslange Gratwanderung den deutschen Buchmarkt wirklich bereichert.</p>
<p><font size="-1">
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Addendum:</strong> Weitere Würdigungen des »leidenschaftlichen Büchermachers« und »unbremsbaren Enthusiasten« Kindler finden sich unter anderem in der <a href="http://www.bazonline.ch/kultur/Zwischen-laquoBravoraquo-und-Literaturlexikon/story/22132154"><em>Basler Zeitung</em></a>, der <a href="http://fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/?em_cnt=1595810&#038;"><em>Frankfurter Rundschau</em></a>, der <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/leidenschaftlicher_buechermacher_1.843980.html"><em>NZZ</em></a>, der <a href="http://www.welt.de/kultur/article2459644/Das-Geld-von-Bravo-gab-er-fuer-die-Literatur.html"><em>Welt</em></a> und im <a href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,2616908#"><em>Tagesspiegel</em></a>.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1304/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Wendelin Schmidt-Dengler</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1302/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1302/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2008 16:30:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sarah Monreal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1302</guid>
		<description><![CDATA[»Jedenfalls sind Sie ein Mensch / der Augen und Ohren offen hat / und der nichts verschweigt / das ist seine Natur«, heißt es in Thomas Bernhards <em>Jagdgesellschaft</em>. Dieses Zitat Bernhards beschreibt sehr treffend die Lebens- und Arbeitsweise des kürzlich verstorbenen Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler. Der österreichische Literaturpapst erlag am vorvergangenen Sonntag, den 7. September 2008, nach kurzer Krankheit einer Lungenembolie ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size=-1>
<div align=right>»Jedenfalls sind Sie ein Mensch<br />
der Augen und Ohren offen hat<br />
und der nichts verschweigt<br />
das ist seine Natur«<br />
&nbsp;</div>
<div align=right><strong>(Thomas Bernhard: <em>Die Jagdgesellschaft</em>)</strong></div>
<p></font></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieses Zitat Bernhards beschreibt sehr treffend die Lebens- und Arbeitsweise des kürzlich verstorbenen Germanisten <a href="http://germanistik.univie.ac.at/personen/schmidt-dengler-wendelin/">Wendelin Schmidt-Dengler</a>. Der österreichische Literaturpapst erlag am vorvergangenen Sonntag, den 7. September 2008, nach kurzer Krankheit einer Lungenembolie.</p>
<p>Der österreichische Literatur- und Sprachwissenschaftler wurde am 20. Mai 1942 als Sohn eines kroatischen Fleischfabrikanten in Zagreb geboren. Nach seiner Schulzeit in Weiz studierte er klassische Philologie und Germanistik an der Universität Wien. Sein ursprüngliches Ziel war es, Lehrer für Latein und Deutsch zu werden – an die Forschung hatte er anfänglich nicht gedacht. Begründet hat er seine Entscheidung für den Lehrberuf damit, dass seine Liebe zur Literatur so groß sei, dass er Angst habe sie zu zerstören, indem er seine Leidenschaft zum Beruf mache: »Ich dachte, das ist ein Bereich, den ich für mich behalte.« </p>
<p>Für die vielen hundert Studenten und Studentinnen, die er im Laufe der folgenden Jahre an seinem Wissen teilnehmen ließ, war es ein wahrer Segen, dass er sich doch noch einmal anders entschied und eine Laufbahn an der Universität eingeschlagen hat. 1965 promovierte er, seine Habilitation folgte 1974 zu dem Thema »Genius. Zur Wirkungsgeschichte antiker Mythologeme in der Goethezeit«. Neben der Antike spezialisierte er sich jedoch auch auf die Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, war außerdem Herausgeber der Werke Fritz von Herzmanovsky-Orlandos, Albert Drachs, Heimito von Doderers und des eingangs zitierten Thomas Bernhard. </p>
<p>Schmidt-Dengler, der auch Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek war, wird den Studenten der Universität Wien vor allem wegen seiner beeindruckenden Vorlesungen in Erinnerung bleiben. »Seine Darstellung der Literatur war so lebendig, dass er viele Leute aus anderen Fächern angezogen hat, die sonst eigentlich der Literatur indifferent gegenüberstanden«, <a href="http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/wendelin-schmidt-dengler-verstorben/10.html">würdigte ihn Werner Welzig</a>, ebenfalls Professor für Germanistik in Wien. Aber nicht nur die Universität trauert um Schmidt-Dengler, auch <a href="http://oe1.orf.at/inforadio/95749.html?filter=5">berühmte österreichische Autoren</a> bekunden ihren schmerzlichen Verlust. So ist sich Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek der sicher, dass es »eine solche Persönlichkeit, was die Arbeit an der österreichischen Literatur betrifft, nicht so bald wieder geben wird«. Und Robert Menasse, der bei einst bei Schmidt-Dengler promovierte, war buchstäblich sprachlos: »Ich fühle mich buchstäblich verwaist, seitdem ich von seinem Tod erfahren habe. […] Es ist so seltsam, dass man als Mann des Wortes über einen Mann des Wortes plötzlich nur mehr stammeln kann.«</p>
<p><font size="-1">
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Addendum:</strong> Eine Sammlung diverser Stimmen, Würdigungen und Nachrufe zum Tode Wendelin Schmidt-Denglers haben die Kollegen von <a href="http://www.kakanien.ac.at/weblogs/senior_editor/2008/09/wendelin+schmidt+dengler++1942-2008++nachrufe/"><em>Kakanien revisited</em></a> zusammengestellt.</font></p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="color: #777;"><strong>Anm. der Red.:</strong> Am gleichen Tage wie Wendelin Schmidt-Dengler verstarb auch der Gründungsdirektor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar, <a href="http://www.dla-marbach.de/aktuelles/pressemitteilungen/2008/index.html?tx_ttnews[tt_news]=5605&#038;tx_ttnews[backPid]=54685&#038;cHash=b8cb64fff4"><strong>Bernhard Zeller</strong></a>, im Alter von fast 90 Jahren. Eine Würdigung des »Schatzwächters der Literatur« findet sich zum Beispiel in der <a href="http://www.welt.de/welt_print/article2416980/Schatzwaechter-der-Literatur-Zum-Tod-von-Bernhard-Zeller.htm"><em>Welt</em></a>.</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1302/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Romantiker in fremdem Land</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1284/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1284/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 22:01:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>N. N.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1284</guid>
		<description><![CDATA[Claus Sommerhage begegnete mir 1994 in Estland. Ich war zum ersten Mal dort. Mein Gastgeber Matti Sirkel, Präsident des Estnischen Schriftstellerverbandes, hatte ihn gebeten, in Tartu (Dorpat, ein baltendeutsches Klein-Athen des Nordens) im »Deutschen Haus« eine Lesung für mich zu organisieren. Sommerhage, damals Gastprofessor am Germanistischen Institut der dortigen Universität, sagte sofort zu. Schon nach unserem ersten Gespräch wußte ich: Hier stand mir kein abgebrühter Gedichtezerleger und ausgekochter Prosasezierer gegenüber, sondern jemand, der mit der lebendigen Wortkunst lebte und nicht von ihren Ruinen und Exkrementen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Claus Sommerhage begegnete mir 1994 in Estland. Ich war zum ersten Mal dort. Mein Gastgeber Matti Sirkel, Präsident des Estnischen Schriftstellerverbandes, hatte ihn gebeten, in Tartu (Dorpat, ein baltendeutsches Klein-Athen des Nordens) im »Deutschen Haus« eine Lesung für mich zu organisieren. Sommerhage, damals Gastprofessor am Germanistischen Institut der dortigen <a href="http://www.ut.ee/index.aw/set_lang_id=2">Universität</a>, sagte sofort zu. Schon nach unserem ersten Gespräch wußte ich: Hier stand mir kein abgebrühter Gedichtezerleger und ausgekochter Prosasezierer gegenüber, sondern jemand, der mit der lebendigen Wortkunst lebte und nicht von ihren Ruinen und Exkrementen.</p>
<p>Ich lernte Claus Sommerhage schätzen als einen sensiblen, vielseitig interessierten, gedankenfunkelnden, stets allem Unbekannten gegenüber aufgeschlossenen Menschen. Der Nachruf der Universität Tartu nennt ihn zu Recht eine »strahlende, energische, geistreiche und kompetente Lehrkraft« und einen »lebensfrohen und herzlichen Menschen«. Als beschämend empfand ich, daß die Bonner Universität keinerlei Gedenkveranstaltung organisierte, da der Tote dort ja nur außerplanmäßiger Professor gewesen war – und dies, obwohl er der Universität »nach seiner Promotion 20 Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Privatdozent und Lehrstuhlvertreter eng verbunden« gewesen war, wie es in der Traueranzeige des <a href="http://www.germanistik.uni-bonn.de/">Germanistischen Seminars</a> hieß, die ihn darüber hinaus als »inspirierenden jüngeren Kollegen« bezeichnete. Ein 52-Jähriger, der als eine Art Hilfsprofessor jahrelang verschlissen wurde, ist ein »jüngerer Kollege«? </p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zentriert"><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/sommerhage_nachruf.jpg" class="frei" alt="Todesanzeige für Claus Sommerhage in estnischer Sprache" /><br />
<font size="-1">Todesanzeige für Claus Sommerhage in estnischer Sprache</font></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1982 hatte Claus Sommerhage bei <a href="http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1269/">Peter Pütz</a>, dem er zeitlebens verbunden blieb (Pütz starb ebenfalls 2003), zum Thema »Eros und Poesis. Über das Erotische im Werk Thomas Manns« promoviert. Seine Habilitationsschrift »Romantische Aporien. Zur Kontinuität des Romantischen bei Novalis, Eichendorff, Hofmannsthal und Handke« erschien 1993 bei Schöningh – nicht allein ihrem Umfang von 420 Seiten nach, sondern vor allem in ihrem geistigen Zuschnitt, ihrem unkonventionellen Stil und ihren eigenwilligen Überlegungen ein großes Buch. Dennoch blieben dem dauerhaft außerplanmäßigen Professor Claus Sommerhage in seiner Bonner Zeit Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre die höheren akademischen Weihen versagt, war er wie so viele hochbegabte junge Geisteswissenschaftler in eine berufliche und persönliche Sackgasse geraten. In den beiden besonders produktiven Jahrzehnten zwischen Anfang dreißig und Ende vierzig schlug er sich mit Gastprofessuren und Lehrstuhlvertretungen durch, ohne daß er je die Chance erhielt, sich von dem festen Fundament eines deutschen Lehrstuhlinhabers aus einen Namen in der Germanistik zu machen. </p>
<p>Claus Sommerhage und ich blieben einander halb unbekannte nähere Bekannte. Wir wurden keine Freunde – Unterschiede und Gegensätze hielten uns wechselseitig auf Distanz. Bei aller Wertschätzung für den anderen, wie sie sich etwa in der von Claus Sommerhage verfaßten <a href="http://www.rolfstolz.de/BegruessungVorwort.htm">Einleitung zu meinem philosophisch-aphoristischen Buch »Begrüßung eines Endes«</a> (2003) ausdrückte, bei aller Übereinstimmung in politischen und literarischen Positionen kamen wir über die Duz-Bekanntschaft nicht hinaus. Kennzeichnend dafür war, daß ich erst mit Verspätung von seinem Tod erfuhr. Mein Buch mit seinem Vorwort war gerade gedruckt, als ich die Nachricht erhielt – bei einem Anruf in Estland von seinem kleinen Sohn: »Kann ich Deinen Vater sprechen?« – »Mein Vater ist tot.« </p>
<p>Als ich das letzte Mal mit Claus telefonierte, wußte er schon von seiner Nierenkrebs-Erkrankung. Er sagte, der Titel meines Buches passe nun voll und ganz auf ihn – jetzt müsse er wohl sein Ende begrüßen. Bekanntlich haben Bücher ihre Schicksale, aber dies ist ein besonders schwarzes. Als ich Jahre zuvor den Titel auswählte, hatte ich an das Ende einer geschichtlichen Epoche gedacht – und nun wurde daraus das Ende eines Menschen, der noch so weit entfernt war von seinen Lebenszielen. </p>
<p>1992 war Claus Sommerhage nach Estland gegangen – noch einmal ein Neuanfang, noch einmal ein Aufbruch zu unbekannten Horizonten. Alles begann gut. Schon bald hatte er seine Frau, eine estnische Ärztin, gefunden, hatte einen Freundeskreis um sich geschart, dann die Heirat, die Einrichtung des Hauses, die Geburt des Sohnes. Vielfältige positive Resonanzen von Studenten und den einheimischen Kulturinstitutionen erreichten ihn, er initiierte und organisierte erfolgreiche wissenschaftliche Projekte wie die seit 1995 jährlich durchgeführte »Estnisch-Deutsche Akademische Woche« (<a href="http://www.ut.ee/academica/deutsch.html">letztmals 2002</a>), das internationale Edzard-Schaper-Symposium 1998 oder (von 1994 bis 2000) die Herausgabe des Jahrbuchs »Triangulum«, weiterhin das zentrale Organ für die Germanisten der drei baltischen Republiken. </p>
<p>Claus setzte sich mit allen Kräften für die Belange Estlands ein – und glaubte in seiner geradezu unschuldigen Sicht der Dinge, er sei voll und ganz akzeptiert und integriert. Um so schlimmer traf es ihn, daß manche estnischen Freunde sich gegen ihn stellten. Auch mit solchen Enttäuschungen hatte es zu tun, daß Claus Sommerhage im Jahr 2000 nach Bonn zurückkehrte, dort eine außerplanmäßige Professur für Neuere deutsche Literatur annahm und die Familie nachholte. Aber erneut erfüllte die Bundesprovinzstadt seine durchaus bescheidenen Träume und Hoffnungen nicht, und so kehrte er im Sommer 2002 an die Universität Tartu zurück, um sein dortiges wissenschaftlich-pädagogisches Aufbauwerk durch neue Krisen und Bedrohungen hindurchzuführen. Im Herbst 2002 erfuhr er von seiner Krankheit, von den Metastasen. Seit dem November konnte er nicht mehr schreiben. Noch über ein halbes Jahr kämpfte er gegen den Tod an, litt fürchterliche Schmerzen, wollte zeitweise alles Schriftliche – vor allem seine Tagebücher – vernichten und entschied sich dann doch dafür, daß alles erhalten bleiben sollte, für wen auch immer. </p>
<p>Claus Sommerhage war schon in Physiognomie und Erscheinungsbild, erst recht aber in den Schwerpunkten und der Methodik seines Denkens ein Romantiker – kein naturwissenschaftlich-technisch orientierter Realist, kein auf Harmonie und ordnende Gesetze bedachter Klassizist. Seine besten Texte haben direkt mit der deutschen Romantik zu tun, jedoch ohne diese sklavisch zu referieren und zu repetieren. Im Umfang eher kleine, in ihrer Tiefe, Dichte und Formvollendung aber große und großartige Meisterwerke sind sein Buch »Caspar David Friedrich. Zum Portrait des Malers als Romantiker« (1993) und »Kleist in Estland«, 1993 in der Zeitschrift »Akadeemia« auf deutsch und in estnischer Übersetzung (von Mari Tarvas) erschienen: halb Erzählung, halb Essay, halb Rückblick auf den Herrn K. und seine Zeit, halb Bericht über die Jetztzeit eines Fremden in einem fremden kleinen Land. Novalis, die Brüder Schlegel, Caspar David Friedrich – das waren für ihn Vorbilder und Zentralgestirne, aber auch der verschämte Neuromantiker Thomas Mann, dem das quasi-realistische Erzählen und der großbürgerliche Gestus eines <em>Goethe redivivus</em> stets nur ein löchriger Schutzvorhang waren, um dahinter das kreative Chaos und die romantische Wagnersche Mythenwelt zu verstecken. </p>
<p>Gerade weil er so tief begeistert war für die große Zeit der Frühromantik, jene »wunderliche ahndungsvolle Zeit« (Henrik Steffens), hatte er deren tiefste Sehnsucht, den Kern ihres Lebensgefühls, in sich aufgenommen, die »Apotheose der Zukunft« (Novalis), das Zu-sich-finden und Erlöst-werden der Menschheit. Seine Hoffnung auf erneute, erneuerte »schöne glänzende Zeiten« (Novalis) hatte nicht den geradezu gewollt naiven Zug der Jenaer Frühromantik – sie war geläutert durch die kritischen Scheidestoffe der Aufklärung und der Psychoanalyse, aber sie blieb ihm bis zuletzt und sie ist nicht mit ihm begraben worden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/rolf_stolz.jpg" alt="Rolf Stolz (Foto: privat)" title="Rolf Stolz (Foto: privat)" /><strong>Rolf Stolz:</strong> Geboren in Mülheim a. d. Ruhr. Diplom in Psychologie. Als Schriftsteller bisher 15 Bücher (Roman, Erzählungen, Kurzprosa, Gedichte, Essays), als Photograph seit 2001 Photo-Ausstellungen in Deutschland und Rumänien. Verschiedene literarische Stipendien. Beiträge in Sammelbänden, Zeitschriften und Zeitungen, u. a. in »neue deutsche literatur«, »Sterz« (Graz), »Die Welt«, »Neue Zürcher Zeitung«. In Zeitschriften und Sammelbänden Übersetzungen ins Französische, Englische, Rumänische und Dänische. Zuletzt erschien im Frühjahr 2008 sein Buch »<a href="http://www.rolfstolz.de/Haus.htm">Das Haus auf der anderen Seite. Eine phantastische Kindheitsgeschichte</a>« – mit einem Essay über Claus Sommerhage – in der Edition Bärenklau (ISBN 978-3-931164-28-7).<br />
Nähere Informationen zum Autor unter <a href="http://www.rolfstolz.de/">www.rolfstolz.de</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="color: #777;"><strong><em>Eine Auswahlbibliographie der Werke von und über Claus Sommerhage finden Sie auf der folgenden Seite.</em></strong></div>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1284/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein Mäeut im besten sokratischen Sinne</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1269/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1269/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Jun 2008 06:40:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>N. N.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1269</guid>
		<description><![CDATA[Vor fünf Jahren, am 17. Juni 2003, ist Professor Dr. Peter Pütz im Alter von 68 Jahren verstorben. In den über dreißig Jahren seiner literaturwissenschaftlichen Tätigkeit am Germanistischen Seminar der Universität Bonn hat er das Gesicht der neueren germanistischen Abteilung in einer Weise geprägt, die es mehr als angebracht erscheinen läßt, ihn in eine Reihe mit den prominentesten Vertretern seiner Disziplin, die wie er hier gelehrt und geforscht haben, zu stellen. Seine schriftlichen Publikationen über Lessing, Nietzsche, Thomas Mann oder über die Techniken dramatischer Spannungserzeugung – um nur einige Beispiele zu nennen – behaupten ihren Platz als Meilensteine germanistischer Forschungsliteratur ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor fünf Jahren, am 17. Juni 2003, ist Professor Dr. Peter Pütz im Alter von 68 Jahren verstorben. In den über dreißig Jahren seiner literaturwissenschaftlichen Tätigkeit am Germanistischen Seminar der Universität Bonn hat er das Gesicht der neueren germanistischen Abteilung in einer Weise geprägt, die es mehr als angebracht erscheinen läßt, ihn in eine Reihe mit den prominentesten Vertretern seiner Disziplin, die wie er hier gelehrt und geforscht haben, zu stellen. Seine schriftlichen Publikationen über Lessing, Nietzsche, Thomas Mann oder über die Techniken dramatischer Spannungserzeugung – um nur einige Beispiele zu nennen – behaupten ihren Platz als Meilensteine germanistischer Forschungsliteratur.</p>
<p>Doch weniger von den Forschungsergebnissen, deren gewinnbringende Lektüre nach wie vor allen Interessierten offensteht, soll hier die Rede sein. Vielmehr wollen die folgenden Bemerkungen einen bescheidenen Beitrag zur Würdigung des Lehrers und des Menschen Peter Pütz leisten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zentriert"><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/peter_puetz.jpg" class="frei" alt="Peter Pütz (Foto: Institut für Geranistik an der Universität Bonn)" /><br />
<font size="-1">Peter Pütz in seinem Arbeitszimmer<br />
(Foto: Institut für Germanistik an der Universität Bonn)</font></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Thomas Mann, zu dessen poetisch-philosophischem Kosmos Peter Pütz wie wenige andere Zugang besaß, hat den Tod einmal mit der Metapher des ›hohlen Schweigens‹ umkreist. Literarisch interessierte Menschen pflegen, sich über den Wirkungsspielraum und insbesondere die Wirkungsgrenzen geschriebener und gesprochener Worte intensiv Gedanken zu machen. Angemessen zu sprechen, ist fast unmöglich, weil einem der Tod als Inbegriff des Maßlosen vorkommen kann. Darum ist eine absolute Schwierigkeit die, daß jemand eine Grenze überschritten hat, in deren Horizont jede Eloquenz, jeder verbale Sinn nur als gut gemeintes, aber hilfloses Spiel mit Worten erscheint, die nur ihr eigenes Echo sind und am hohlen Schweigen jenseits der Grenze verpuffen. Eine relative Schwierigkeit des angemessenen Sprechens bezieht sich auf die individuelle Person Peter Pütz, und nur mit ihr als Mittelpunkt lassen sich doch einige Worte finden. Diese freilich müssen sich auf Gedächtnis und Erinnerung beziehen, also eine Anwesenheit in der Abwesenheit, die das schmerzliche Bewußtsein der Abwesenheit nicht zu beschönigen vermag. </p>
<p>Das Gedächtnis will erzählen, darum sei mir erlaubt, wenige eigene Erinnerungen anzuführen. Vorausschicken will ich, daß ich Peter Pütz als Lehrer und geistige Vaterfigur sehr verehrt habe; wie viel ich ihm zu verdanken habe, vermag ich kaum einzuschätzen. Als ich vor fünfzehn Jahren mein Germanistik-Studium an der Universität Bonn aufnahm, hatte ich bereits Publikationen von Peter Pütz gelesen. Gezielt habe ich seine Vorlesungen besucht; meine hochgesteckten Erwartungen wurden durch die Lebendigkeit seines Vortrags noch übertroffen. Sein intellektueller Reichtum und sein ästhetischer Scharfblick begeisterten mich und führten oft dazu, daß ich nach 45 Minuten das Gefühl hatte, weiter vorangeschritten zu sein, als es mir ohne seine Anleitung in Monaten mühseligen Bücherstudiums möglich gewesen wäre. Daß er dennoch nie zur Ikone, nie zum schwärmerisch entkörperlichten Idol einer Vaterfigur wurde, lag vor allem daran, daß bei ihm stets der wissenschaftliche Gegenstand um seiner selbst willen im Mittelpunkt eines kompromißlos kritischen und intellektuell aufrichtigen Denkens stand, daß Peter Pütz sich als Redner und Analytiker in den Dienst dieses Gegenstands stellte und seine distinkte und luzide Dialektik nie zum rhetorischen Selbstzweck wurde. Seine Fähigkeit, den Studierenden komplexe Zusammenhänge in faßlichen und übersichtlich strukturierten Argumentationsschritten einsichtig zu machen, verband sich mit der schwer nachzuahmenden Kunst, eben dieser Komplexität der Sachverhalte nicht durch irgendwelche Verkürzungen Abbruch zu tun. Professor Pütz war, selbst im frontalen Vortrag, ein Mäeut im besten sokratischen Sinne des Wortes.</p>
<p>Ich habe bei Professor Pütz regelmäßig Haupt- und Oberseminare besucht. Was ich dort im kleineren Rahmen und auch im geselligen Beieinandersein und in persönlichen Gesprächen außerhalb der Seminare kennen lernen durfte, waren einige Facetten des Privatmanns Peter Pütz, der keinen geringeren Eindruck auf mich machte als die wissenschaftliche Persönlichkeit. Im Oberseminar bezeichnete er sich selbst als <em>einen</em> – nicht etwa als primus – inter pares, was wir Teilnehmer als Untertreibung empfanden. Seine Bescheidenheit und Höflichkeit waren so natürlich, wie ich es so gänzlich uneitel bei keinem anderen Menschen je kennen gelernt habe. Ein Charakterzug, der mir schon als Würze seines akademischen Vortrags aufgefallen war, zeigte sich auch im näheren Umgang mit ihm: Ich meine seinen Humor, ein anekdotischer Humor. In ihm drückte sich ein außerordentliches Interesse für das Ungewöhnliche aus, nicht weil es aufsehenerregend und großartig wäre, sondern weil es im Individuellen, Skurrilen und Unerwarteten, im Originellen und doch Unspektakulären das allgemein Menschliche, bisweilen Allzumenschliche aufleuchten ließ. An seiner persönlichen Vorliebe für die Anekdote läßt sich erkennen, daß eine vorwiegend ästhetisch-kontemplative Lebensform keineswegs Abkehr vom Leben bedeuten muß, sondern als Steigerung des Lebens begriffen und erlernt werden kann. Vielleicht blitzt im Unspektakulären und zugleich Originellen die Intensität des Lebens und Erlebens am deutlichsten auf. Ich bin in diesem Sinne davon überzeugt, daß Peter Pütz außerordentlich intensiv gelebt hat. </p>
<p>Eindringlichkeit und Intensität des Lebens beziehen ihre Kraft aber auch von jener Scheidelinie, von der uns das Schweigen blicklos anblickt. Und so muß ich doch noch einmal zurückkehren zu der absoluten Schwierigkeit, Worte zu finden im Horizont des Maßlosen. Dasjenige, was die innere Berufung von Peter Pütz, seine Passion und Profession war, die Literatur, die Sprachkunst, existiert und lebt nur im Eingedenken jener Grenze, welche eine der ursprünglichsten Motivationen für ein sprachlich reflektiertes Leben darstellt. In allem, was Peter Pütz literaturwissenschaftlich, lebensphilosophisch, ästhetisch und intellektuell zum Gewinn seiner Studierenden, Doktoranden und Kollegen leistete, war der ernste Gedanke der individuellen Vergänglichkeit ein produktiver Impetus. Er war es aber nicht als Bollwerk indifferenter Lähmung, sondern als Motor einer theoretisch verteidigten und konkret gelebten, unspektakulären und gerade darum so sympathischen Humanität. Das Bewußtsein von Tod und Vergänglichkeit gehörte zum unpathetischen Credo von Peter Pütz’ vorbildhafter intellektueller Aufrichtigkeit. Sein Eingedenken jener Grenze war wie sein Wesen als Mensch und als Wissenschaftler: unsentimental und unprätentiös, und dabei doch tief durchdrungen vom humoristischen Ernst des menschlichen Daseins im Angesicht einer unhintergehbaren Schwelle. Peter Pütz entging der Versuchung, in einem skeptizistischen oder unpolitischen Agnostizismus zu verharren. Er transformierte stets die drohende Lähmung in eine positive humanistische Liberalität des vorurteilsfreien kritischen Denkens, womit er sich als brillanter Fortführer der besten Traditionen neuzeitlicher Aufklärung erwies, deren inhärente Dialektik er stets unerschrocken mitreflektierte. Nichts legt hiervon ein beredteres Zeugnis ab als seine eigenwillige und unideologische lebenslange Beschäftigung mit der Gedankenwelt Nietzsches. In einem Zeitalter des vermeintlich multiplen und unhierarchischen, im Grunde aber uniformierenden Sauerstoffentzugs des Denkens durch tausendfache sekundäre und tertiäre Informationspartikel hielt er am kindlichen Staunen und der produktiven Muße der Kontemplation fest. Peter Pütz konnte und kann uns aufzeigen, daß selbstkritisch reflektiertes Denken eine perspektivische intellektuelle und ästhetische Fülle eröffnet, deren Wesen präzise und zugleich offene <em>Vermittlung</em> bedeutet, welche gegenwärtig allzu leichtfertig und oberflächlich durch den Terminus »Vernetzung« ersetzt wird, um den sich eine verkürzte dogmatische Begriffs-Scholastik zu ranken droht, die ihrerseits zum Um- und Rückschlag in einen prä-transzendentalen, naiven Empirismus tendiert.   </p>
<p>Für den Verlust des Menschen Peter Pütz gibt es keine Euphemismen. Nirgends muß die auftrumpfende Geste der Kraft der Worte so klein beigeben wie in der Konfrontation mit dem Tod und besonders dem singulären Verlust eines geschätzten Menschen. Für uns, die wir uns in einem über ein durchschnittliches Lehrer-Schüler-Verhältnis hinausgehenden Maße ihm verbunden fühlten, riß sein Tod eine nie zu füllende Lücke auf, ganz besonders im menschlich-persönlichen Sinne. Auch hier wären alle glättenden Worte fehl am Platze. Aber analog zur traditionsstiftenden Kraft des Wortes liegt die Unvergänglichkeit eines Menschen in den Spuren, die er in seinem Leben – und das heißt auch in anderen Menschen – hinterlassen hat. Ich glaube, daß Peter Pütz mit den Spuren, die er hinterlassen hat, mit Recht ein Ausnahmemensch genannt werden kann. Im Gedächtnis und in der Erinnerung, in deren besonderer Variante der artistischen Ausformung er zu Lebzeiten wie kaum ein zweiter zu Hause war – im Gedächtnis und in der Erinnerung wird er für uns lebendig bleiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.kritische-ausgabe.de/signale/files/markus_lorenz.jpg" title="Markus Lorenz (Foto: privat)" alt="Markus Lorenz (Foto: privat)" /><strong>Markus Lorenz</strong>, Jahrgang 1972, studierte Germanistik und Philosophie in Bonn. 1999 legte er sein Magisterexamen bei Professor Peter Pütz ab, 2005/06 promovierte er bei Professor Helmut Schneider über Thomas Mann. Derzeit ist er Lehrbeauftragter am <a href="http://www.germanistik.uni-bonn.de/">Institut für Germanistik der Universität Bonn</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="color: #777;"><strong><em>Mehr zum Werk und zur akademischen Vita von Professor Peter Pütz auf den folgenden Seiten.</em></strong></div>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1269/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Gerhard Meier</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1273/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1273/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Jun 2008 09:30:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>N. N.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1273</guid>
		<description><![CDATA[Wenige Tage nach seinem 91. Geburtstag ist Gerhard Meier am vergangenen Sonntag nach langer Krankheit im schweizerischen Langenthal verstorben. Die Welt der Literatur trauert um einen ihrer überzeugtesten Provinzler, der zugleich ein Weltbürger im Reich der Poesie war …]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
<div align=right><font size="-1">Ich glaube, dass man nur Weltbürger wird über den Provinzler.<br />
Man muss den Dienstweg einhalten: erst Provinzler, dann Weltbürger.</font></div>
</p>
<p>
<div align=right><font size="-1"><strong><em>Gerhard Meier</em></strong></font></div>
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Man stelle sich ein idyllisches, ruhiges und beschauliches Örtchen in der Schweiz vor. Von Bergen und Wiesen umgeben scheint hier die Zeit noch einem anderen Rhythmus zu gehorchen als in den schnelllebigen Städten dieser Welt. In eben einem solchen Dorf wurde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Meier">Gerhard Meier</a> am 20. Juni 1917 geboren. Genauer gesagt: In der heute knapp 3900 Seelen zählenden Gemeinde Niederbipp im Kanton Bern. Dieser Ort, den Meier stets nur unter äußersten Umständen verließ, spielte eine ganz besondere Rolle in seinem Leben und diente ihm oft als Schauplatz seiner Werke, dann jedoch unter dem Pseudonym »Amrain«.</p>
<p>Der »Dienstweg« Meiers vom Provinzler zum Weltbürger hat ihn, so könnte man meinen, nur auf Umwegen zur Literatur geführt: Der Sohn eines Krankenpflegers begann zunächst ein Hochbau-Studium am Technikum in Burgdorf, das er aber bald abbricht und von 1938 an in einer Lampenfabrik in seinem Heimatdorf arbeitete, zuerst als Designer, später als technischer Leiter. Ganze 33 Jahre lebte er dieses gutbürgerliche Leben, kaum etwas deutete auf seine spätere Karriere als Schriftsteller hin.</p>
<p>Zwar hatte Meier bereits als Student erste literarische Versuche unternommen, die zuweilen sogar ernsthafter schienen als sein Interesse am eigentlichen Studiengegenstand. Mit dem Abschied von der Akademie allerdings nahm er auch Abschied von der Literatur. Annähernd zwanzig Jahre, <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/echo-der-zeit/77117.gerhard-meier-zum-tod-des-schweizer-schriftstellers.html">heißt es</a>, habe er kein Buch auch nur angerührt – »aus Angst, an der Literatur zu zerschellen«.</p>
<p>Erst eine Tuberkulose-Erkrankung und ein mit ihr einhergehender Sanatoriumsaufenthalt führten Gerhard Meier 1957 auf den Pfad der Literatur zurück. Sieben Jahre später veröffentlichte er seine erste Gedichtanthologie <em>Das Gras grünt</em> und sogleich mit einem Förderpreis seines Heimatkantons bedacht. Weitere sieben Jahre und bereits einige Auszeichnungen später war der Entschluss gefallen, fortan nur noch als freier Schriftsteller tätig sein zu wollen. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen in Vers und Prosa folgten, von Kritikern und Literaturpreisrichtern durchaus aufmerksam verfolgt und gewürdigt. Meiers Art zu schreiben verglich man gern mit den Schreibstilen Robert Walsers, Arthur Schnitzlers oder Thomas Bernhards. Peter Handkes Anerkennung für seinen Kollegen ging sogar so weit, dass er den ihm 1979 verliehenen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Kafka-Preis">Franz-Kafka-Preis</a> zur Hälfte Gerhard Meier zusprach. Trotz dieser Geste, die ihn auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte sollte, blieb Meier auch in den folgenden Jahren eher scheu und zurückhaltend, zog die ländliche Ruhe seines Heimatdorfes dem Rummel der Literaturwelt vor.</p>
<p>Wenige Tage nach seinem 91. Geburtstag ist Gerhard Meier am 22. Juni 2008 nach langer Krankheit verstorben. Ob der lange Weg zu den der Mannes, den Peter Hamm einmal als den »bekannteste Unbekannte der deutschsprachigen Literatur« bezeichnete, zu seiner Kunst beschritt, tatsächlich ein »Umweg« war, darf mit einigem Recht bezweifelt werden. Man sollte es eher als eine Bereicherung ansehen – denn, wie so oft: »Was lange währt, wird endlich gut.« Und so trauert die Welt der Literatur um einen ihrer überzeugtesten Provinzler, der zugleich ein Weltbürger im Reich der Poesie war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="-1"><strong>Addendum:</strong> Weitere Würdigungen und Stimmen zum Tode Gerhard Meiers finden sich unter anderem in der <a href="http://www.espace.ch/artikel_536623.html"><em>Berner Zeitung</em></a>, der <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E878DF7FBFC874351B46E4168859B1FC0~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><em>F.A.Z.</em></a>, der <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/_zum_tod_von_gerhard_meier__1.766202.html"><em>NZZ</em></a> und dem Züricher <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/buecher/894818.html"><em>Tages-Anzeiger</em></a>.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1273/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Sprachvirtuose mit Neigung zum Protest und Anderssein</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1257/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1257/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 Jun 2008 08:40:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sarah Monreal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1257</guid>
		<description><![CDATA[Seine Vorliebe für Reime und Wortspiele jeglicher Art dürfte sich für Peter Rühmkorf bereits in seiner Kindheit manifestiert haben, denn seine Mutter war in der kleinen Dorfgemeinschaft seines nordniedersächsischen Geburtsortes Warstade berühmt für ihre Verse und Reime, die sie dann auch regelmäßig auf Festlichkeiten vorzutragen pflegte. Auch Rühmkorf selbst, am 25.10.1929 als Sohn einer Pastorentochter und eines fahrenden Puppenspielers geboren und als Patenkind des berühmten Theologen Karl Barth sehr fromm erzogen, fing schon früh an, eigene Gedichte zu notieren, die er allerdings allesamt wieder verbrannte. In seiner Jugend wurde der angehende Poet, Essayist und Dramatiker von einer Art Pubertätsmagersucht geplagt, die er durch Tagebuchschreiben versuchte zu bewältigen. Diese Angewohnheit sollte ihn nie wieder loslassen, bis ins hohe Alter hinein widmete er sich dem täglichen Ritual ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
<div align=right><font size="-1">Schaut nicht so bedeppert in diese Grube.<br />
Nur immer rein in die gute Stube.<br />
Paar Schaufeln Erde und wir haben<br />
ein Jammertal hinter uns zugegraben.</font></div>
</p>
<p>
<div align=right><font size="-1"><strong><em>Peter Rühmkorf</em></strong></font></div>
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Seine Vorliebe für Reime und Wortspiele jeglicher Art dürfte sich für <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_R%C3%BChmkorf">Peter Rühmkorf</a> bereits in seiner Kindheit manifestiert haben, denn seine Mutter war in der kleinen Dorfgemeinschaft seines nordniedersächsischen Geburtsortes <a href="http://www.warstade.de/">Warstade</a> berühmt für ihre Verse und Reime, die sie dann auch regelmäßig auf Festlichkeiten vorzutragen pflegte. Auch Rühmkorf selbst, am 25.10.1929 als Sohn einer Pastorentochter und eines fahrenden Puppenspielers geboren und als Patenkind des berühmten Theologen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Barth">Karl Barth</a> sehr fromm erzogen, fing schon früh an, eigene Gedichte zu notieren, die er allerdings allesamt wieder verbrannte. In seiner Jugend wurde der angehende Poet, Essayist und Dramatiker von einer Art Pubertätsmagersucht geplagt, die er durch Tagebuchschreiben versuchte zu bewältigen. Diese Angewohnheit sollte ihn nie wieder loslassen, bis ins hohe Alter hinein widmete er sich dem täglichen Ritual:</p>
<blockquote><p>Das Tagebuch ist eine ganz archaische literarische Praxis. Es ist eine sehr subjektive Literaturform, eine Gattung für sich, eine sehr ehrenwerte, nahe am Subjekt wie keine andere.</p></blockquote>
<p>Auch seine beiden Werke <a href="http://www.rowohlt.de/buch/Peter_Ruehmkorf_TABU_I.14062008.651414.html"><em>Tabu I</em></a> und <a href="http://www.rowohlt.de/buch/Peter_Ruehmkorf_Tabu_II.14062008.27825.html"><em>Tabu II</em></a> sind veröffentlichte Tagebücher, die einen sehr intimen Blick auf den Autor geben. Manche sehen diese Texte sogar als den nie geschriebenen, aber lange erhofften Roman Rühmkorfs an. Sein literarisches Werk umfasst unzählige von Gedichten und Schriften, die mit ebenso vielen Preisen geradezu überhäuft wurden. Besonders herausragend und immer wieder bewundert ist Rühmkorfs ganz eigene und besondere Art mit Worten umzugehen, bei <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,558614,00.html"><em>Spiegel online</em></a> treffend auf den Punkt gebracht:</p>
<blockquote><p>Gerühmt wird die Virtuosität seiner Wortkunst: Er parodiert, persifliert vorgegebene Gedichtformen, kombiniert Hochsprache mit Slang und saloppem Umgangsdeutsch, reißt Wörter aus dem gewöhnlichen Kontext und stellt sie in neue Zusammenhänge.</p></blockquote>
<p>Diese Fähigkeiten stellt er unter anderem in dem Gedicht <em>Variation auf »Abendlied« von Matthias Claudius</em> unter Beweis, dessen erste Strophe lautet:</p>
<blockquote><p>Der Mond ist aufgegangen.<br />
Ich, zwischen Hoff- und Hangen,<br />
rühr an den Himmel nicht.<br />
Was Jagen oder Yoga?<br />
Ich zieh die Tintentoga<br />
des Abends vor mein Angesicht.</p></blockquote>
<p>Thematisch kreisen die Werke des ehemaligen Rowohlt Lektors Rühmkorf oft um Vanitas, Tod und Liebe, allerdings stets mit einer gehörigen Prise Sarkasmus und Witz gewürzt. Eigenwillig wie Inhalt und Themen seiner Gedichte war auch Rühmkorfs Art, diese zu produzieren – sie entstanden stets aus zusammengefügten »Einfällen«:</p>
<blockquote><p>Ein Gedicht besteht aus mehreren Grundeinfällen, Aha-Erlebnissen, die ich mir notiert habe, weshalb ich auch ewig Papier und Stift bei mir trage.</p></blockquote>
<p>Peter Rühmkorf sammelte eifrig alle möglichen Sprach- oder Wortfetzen, die er meinte für seine Gedichte gebrauchen zu können. So legte er sich über die Jahre eine »Vorrats- oder Trickkiste« an, auf die er immer wieder zurückgreifen konnte.</p>
<p>Sein zum Protest und Anderssein neigendes Wesen zeigte sich erstmals wärend Rühmkorfs Schulzeit auf dem Stader <a href="http://www.athenaeum-stade.de/">Athenäum</a>, als er heimlich antinazistische Propagandazettel verteilte und einem Antinaziclub beitrat. Konsequent weigerte sich Rühmkorf der Einberufung zur Wehrmacht zu folgen und setzte stattdessen seine schulische Laufbahn fort, nachdem er sich zwischenzeitlich einer Ausbildung unterzogen hatte. 1950 erhielt sein Abiturzeugnis, ein Jahr später begann er in Hamburg ein Studium der Pädagogik und Kunstgeschichte, wechselte aber bald zu Germanistik und Psychologie. Auch an der Uni ließ sich Rühmkorf nicht bevormunden und eckte nicht selten bei seinen Professoren an:</p>
<blockquote><p>Bekenntnisnazis. Zwei von ihnen, Professoren, so autoritäre Knacker, haben mich aus dem Seminar geworfen und meine Universitätskarrieren praktisch kaputt gemacht.</p></blockquote>
<p>1956/57 brach Rühmkorf sein Studium ab und beschloss als freier Schriftsteller zu leben. Von nun an widmete er sich sehr intensiv seinem künstlerisch und vor allem lyrischen Schaffen. Durch den Beitritt zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_47">Gruppe 47</a> lernte er unter anderem auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Grass">Günther Grass</a> kennen, mit dem er seither freundschaftlich verbunden war. Bereits 1948 hatte Rühmkorf die Bekanntschaft mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Rainer_R%C3%B6hl">Klaus Rainer Röhl</a>, dem späteren Ehemann <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Meinhof">Ulrike Meinhofs</a>, gemacht, mit dem er die gemeinsam Zeitschrift <em>Studentenkurier</em> herausbrachte und für die er unter dem Pseudonym »Leslie Meier« schrieb. Auch nach der Umbenennung des »Studentenkuriers« in den weitaus bekannteren Namen <a href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/kvv.php"><em>konkret</em></a> blieb Rühmkorf der Zeitschrift treu und demonstrierte damit einmal mehr, dass der linksorientierte Lyriker auch immer wieder gerne eine »spitze politisch-polemische Feder« führte, wie die <a href="http://www.zeit.de/online/2008/24/ruehmkorf-portraet?page=all"><em>Zeit</em></a> es nannte. </p>
<p>Zuletzt war Rühmkorf, von der <a href="http://www.welt.de/kultur/article2083818/Der_grosse_Dichter_Peter_Ruehmkorf_ist_tot.html"><em>Welt</em></a> als »schlacksiger Mensch mit einem schlendernden Gang und einem kecken, durchaus frechen Lächeln« beschrieben, für seinen erst im März dieses Jahres erschienenen Gedichtband <a href="http://www.rowohlt.de/buch/Peter_Ruehmkorf_Paradiesvogelschiss.14062008.2461885.html"><em>Paradiesvogelschiß</em></a> gelobt und ausgezeichnet. Am vergangenen Sonntag, den 8. Juni, erlag Peter Rühmkorf im Alter von 78 Jahren seinem Krebsleiden. Dass aber selbst die Gewissheit des immer näher rückenden Todes diesem Mann seine Lebensfreude und den einzigartigen Humor nicht nehmen konnte, illustrieren beispielhaft die eingangs zitierten Verse des von der <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E17922A4CEA104D8A8A6EDF547F1CEDBE~ATpl~Ecommon~Sspezial.html"><em>F.A.Z.</em></a> als »Nationaldichter« bezeichneten Sprachvirtuosen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1257/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Luigi Malerba</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1204/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1204/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 May 2008 15:05:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marion Acker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1204</guid>
		<description><![CDATA[Beißender Witz und philosophischer Tiefsinn finden sich selten auf so gekonnte und virtuose Weise wie in Luigi Malerbas Werk vereinigt. Es zeugt von großem Gespür für die Fragilität der menschlichen Existenz, ohne dabei in Depression und Schwermut abzudriften. Am vergangenen Donnerstag ist Luigi Bonardi, wie sein Schöpfer eigentlich hieß, im Alter von 81 Jahren in Rom gestorben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beißender Witz und philosophischer Tiefsinn finden sich selten auf so gekonnte und virtuose Weise wie in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luigi_Malerba">Luigi Malerbas</a> Werk vereinigt. Es zeugt von großem Gespür für die Fragilität der menschlichen Existenz, ohne dabei in Depression und Schwermut abzudriften. In der Nacht zum vergangenen Donnerstag ist Luigi Bonardi, wie sein Schöpfer eigentlich hieß, im Alter von 81 Jahren in Rom gestorben.</p>
<p>Der italienische Schriftsteller entdecke, meinte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Italo_Calvino">Italo Calvino</a> einmal, »die menschliche Seele in all ihren hühnerhaften Aspekten«. So weisen Malerbas <em>Galline pensierose</em> (deutsch 1984) allesamt menschliche Charakteristika auf: sie sind größenwahnsinnig, geschwätzig und neurotisch, ihr Tun scheint illusionär und vergeblich. Aber nicht nur <em><a href="http://wagenbach.txt.de/Wagenbach/TXTSIArtikel/3-8031-1149-8">Die nachdenklichen Hühner</a></em>, sondern auch Malerbas literarisches Debüt <em><a href="http://www.justbooks.de/search/?ac=sl&#038;st=sl&#038;qi=WHzVZfLZ7UFc9RJlTafoHQSUBeA_8021366444_1:11:161&#038;bq=author%3Dluigi%2520malerba%26title%3Dentdeckung%2520des%2520alphabets">Die Entdeckung des Alphabets</a></em> (erstmals italienisch 1963), zeugen von seiner Vorliebe für erzählerische Kleinformen.</p>
<p>Luigi Malerba hinterlässt ein facettenreiches und umfassendes Oeuvre, das die geradezu unbändige Produktivität des Künstlers nachdrücklich belegt. Sein Pseudonym, das übersetzt »Unkraut« bedeutet, verweist auf die avantgardistischen und gesellschaftskritischen Ambitionen des Schriftstellers. Als Mitglied der italienischen Literaturbewegung <a href="http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_721550729/Gruppo_%E2%80%9963.html">»gruppo 63«</a> trat er für die Erneuerung erzählerischer Formen in Abwendung vom Neorealismus der Nachkriegszeit ein. Seine Experimentierfreude zeigt sich vor allem in Romanen wie <em>Salto mortale</em> (1968), <em><a href="http://www2.txt.de/cgi-bin/WebObjects/TXTSVWagenbach.woa/35/wo/QK8XW0JsPNQwxAUZx6/5.5.7.0.0.13.10.1">Elianes Glanz</a></em> (2000) oder <em><a href="http://www2.txt.de/cgi-bin/WebObjects/TXTSVWagenbach.woa/35/wo/QK8XW0JsPNQwxAUZx6/5.5.7.0.0.13.13.1">Römische Gespenster</a></em> (2006). Doppelte Böden, Spiegelungen und sich vervielfachende Figuren sind typische Merkmale seiner Kunst, die ihre eigene Künstlichkeit reflektiert. Die literarische Fiktion wird immer wieder gebrochen, das dahinter stehende Konstrukt freigelegt, der Leser tief verunsichert.</p>
<p>Zweifelsohne war Luigi Malerba neben Italo Calvino, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Tabucchi">Antonio Tabucchi</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Umberto_Eco">Umberto Eco</a> oder auch <a href="http://www.literaturfestival.com/bios1_1_6_784.html">Daniele del Giudice</a> einer der Großen der italienischen Gegenwartsliteratur. Das junge Publikum hat Malerba spätestens durch seine moderne Vision des Kinderbuchklassikers  <em>Pinocchio</em> (als nunmehr »gestiefelten«) gewonnen, das erwachsene vor allem durch seine historischen Romane. Italien und Europa haben einen kritischen Freigeist verloren, dessen Gednken und Ideen in seinen Werken fortwirken wird. Wie schrieb Dirk Schümer in der <em><a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E67D531AF66FC4FDCA02549C74058E1E4~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed">F.A.Z.</a></em>? »Das köstliche Omelette seiner Werke wird ihn lange überdauern.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="-1"><strong>Notabene:</strong> Weitere Würdigungen Luigi Malerbas finden sich unter anderem bei <em><a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/782539/">Deutschlandradio Kultur</a></em> (als MP3 <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/05/08/drk_20080508_2308_4deb4b8b.mp3">hier</a>), in der <em><a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?sid=08cf7ef2aa03b8117b636bba9812b637&#038;em_cnt=1331745">Frankfurter Rundschau</a></em>, in der <em><a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/huehner_haben_keine_zaehne_1.729365.html">NZZ</a></em>, der <em><a href="http://www.welt.de/welt_print/article1979281/Satirisches_Unkraut.html">Welt</a></em> und der <em><a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3908&#038;Alias=wzo&#038;cob=344865">Wiener Zeitung</a></em>. Außerdem sprach der <em>Deutschlandfunk</em> aus Anlass des Todes Malerbas mit dessen deutschem Verleger Klaus Wagenbach; das Interview kann <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/782923/">hier</a> nachgelesen und <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/05/08/dlf_20080508_1736_ad8737b8.mp3">dort</a> nachgehört werden.</font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1204/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Werner Dürrson</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1198/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1198/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2008 07:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Petersen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1198</guid>
		<description><![CDATA[Vom Vater für einen Nichtsnutz gehalten werden, dafür Schläge bekommen. Und ein Leben lang versuchen, ihn und sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Die Erfahrungen dieser unheilvollen Vater-Sohn-Konstellation kulminieren in Werner Dürrsons Roman <em>Lohmann oder die Kunst, sich das Leben zu nehmen. Eine romaneske Biographie</em>, den der Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer als das größte Projekt seines Lebens bezeichnet hat. Nun ist Werner Dürrson, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten und einzigen Romans, am vergangenen Donnerstag im Alter von 75 Jahren gestorben. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Vater für einen Nichtsnutz gehalten werden, dafür Schläge bekommen. Und ein Leben lang versuchen, ihn und sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Die Erfahrungen dieser unheilvollen Vater-Sohn-Konstellation kulminieren in Werner Dürrsons Roman <em><a href="http://www.kloepfer-meyer.de/default.asp?Menue=31&#038;Buch=12">Lohmann oder die Kunst, sich das Leben zu nehmen. Eine romaneske Biographie</a></em>, den der Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer als das größte Projekt seines Lebens bezeichnet hat. Nun ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_D%C3%BCrrson">Werner Dürrson</a>, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten und einzigen Romans, am vergangenen Donnerstag im Alter von 75 Jahren gestorben. </p>
<p>1932 in Schwenningen am Neckar geboren, absolvierte Dürrson nach der Mittleren Reife eine handwerkliche Lehre; von 1953 bis 1955 studierte er mit einem Stipendium Musik und holte anschließend das Abitur nach. Lange hielt es ihn nicht ausschließlich bei der Musik, es zog ihn hin zu den Worten: 1957 begann er, Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaften zu studieren; die Promotion folgte 1962. Als Dozent lehrte er in Poitiers (Frankreich) und als Gastdozent sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Immer wieder lockte es ihn in die Ferne: Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Südafrika, Amerika und durch Europa. </p>
<p>Seine künstlerische Tätigkeit begann schon während seiner Ausbildungszeit, die er selbst als äußerst bedrückend empfand – schließlich hatte er sich wieder einmal dem elterlichen Wunsch gebeugt, etwas »Ernsthaftes« zu lernen. In dieser Phase seines Lebens schrieb Dürrson seine ersten Gedichte, für die er 1951 einen Lyrikpreis der Südwestpresse erhielt. 1956 begegnete er zum ersten Mal <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Hesse">Hermann Hesse</a> und widmete ihm den umfangreichen Essay <em>Hermann Hesse – Vom Wesen der Musik in der Dichtung</em>. Er beeinflusste Dürrson als Vorbild, Förderer und Freund. 1959 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband <em>Blätter im Wind</em>, dem noch viele weitere folgen sollten. Für sein lyrisches und erzählerisches Werk erhielt Dürrson zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, etwa den Deutschen Kurzgeschichtenpreis (1973 und 1983), den Literaturpreis der Stadt Stuttgart (1978) und den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eichendorff-Literaturpreis">Eichendorff-Literaturpreis</a> (2001).</p>
<p>Dürrsons Poesie ist abwechslungsreich und analytisch, politisch und kulturkritisch und beweist dabei den hohen ästhetischen Anspruch des vielseitigen Künstlers, der übrigens ein ausgezeichneter Mundharmonikaspieler war und dessen Sprache einmal als »hoch musikalisch« gelobt wurde. Seine Akribie und sein Perfektionismus werden auch in seinem Roman und dessen Entstehungsgeschichte deutlich: Für den <em>Lohmann</em> hat Dürrson gesammelt, seit er zwanzig war. Immer wieder hat es ihn gedrängt, die dominante Vaterfigur literarisch aufzuarbeiten und »gegen sie anzuschreiben«, wie er es selbst einmal formulierte. Gleichzeitig aber fragte er sich: »Hat er mich denn zum Dichter geschlagen?«</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1198/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Just left the building: Horst Bingel</title>
		<link>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1195/</link>
		<comments>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1195/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Apr 2008 15:45:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sarah Monreal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kritische-ausgabe.de/?p=1195</guid>
		<description><![CDATA[Witz, Ironie, Verknappung, Skurrilität, Vertracktheit: dies sind die immer wiederkehrenden Schlagwörter, die im Zusammenhang mit Horst Bingels Werken stehen. Seine ganz eigene, oft experimentelle Art mit Worten umzugehen erinnert fast ein wenig an Größen wie Ernst Jandl oder August Stramm. Vergangenen Montag nun verstarb der Lyriker, Erzähler und Grafiker im Alter von 74 Jahren in Frankfurt am Main.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Witz, Ironie, Verknappung, Skurrilität, Vertracktheit: dies sind die immer wiederkehrenden Schlagwörter, die im Zusammenhang mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Bingel">Horst Bingels</a> Werken stehen. Seine ganz eigene, oft experimentelle Art mit Worten umzugehen erinnert fast ein wenig an Größen wie Ernst Jandl oder August Stramm. Vergangenen Montag nun verstarb der Lyriker, Erzähler und Grafiker im Alter von 74 Jahren in Frankfurt am Main.</p>
<p>Der gelernte Buchhändler Bingel wurde 1933 in Korbach geboren und studierte von 1954 bis 1956 an der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau Malerei und Bildhauerei. Zu dieser Zeit begann der Vater eines Sohnes, nebenher auch als freier Schriftsteller zu arbeiten, bevor er 1956 seinen ersten Gedichtband unter dem Titel <em>Kleiner Napoleon</em> veröffentlichte. In den Folgejahren wandte sich Bingel dann vermehrt der Literatur zu, unter anderem als langjähriger leitender Redakteur und Herausgeber der <em>Streit-Zeit-Schrift</em>. </p>
<p>Im Jahr 1965 gründete der mit zahlreichen Preisen geehrte Nordhesse – darunter 1984 die hessische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm-Leuschner-Medaille">Wilhelm-Leuschner-Medaille</a> für sein Lebenswerk und zweimal, 2001 und 2006, der Lyrikpreis der »Weltbilder Kosmopolitania« der <a href="http://www.bruecke-saarbruecken.de/">Brücke</a>, Saarbrücken – das <a href="http://www.zeit.de/1966/46/Literatur-im-Schaukasten?page=all">Frankfurter Forum für Literatur</a>, das deutsche und europäische Schriftsteller zu Kongressen, Tagungen und Lesungen mit »Impuls zu revolutionären Veränderungen« vereinigt habe, wie es einmal im <a href="http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=8800&#038;key=standard_document_1644366"><em>Hessischen Rundfunk</em></a> hieß. Doch auch ansonsten setzte sich Bingel aktiv für die Belange der Literatur und der Literaten ein, etwa im Verband Deutscher Schriftsteller (VS), jener (so die <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?sid=b44952392d9b74b23b58bcc6b3774193&#038;em_cnt=1319538"><em>Frankfurter Rundschau</em></a>) »damals hochpolitisierten Standesorganisation«, deren Vorsitz er in den Jahren von 1974 bis 1976 inne hatte, dann allerdings aufgrund interner Querelen aufgab. </p>
<p>»Bis in die späten siebziger Jahre« habe Bingel, würdigt ihn Martin Lüdke in seinem <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?sid=b44952392d9b74b23b58bcc6b3774193&#038;em_cnt=1319538">heutigen Nachruf</a>, »weit über den Frankfurter Raum hinaus, eine bedeutende Rolle im Literaturbetrieb gespielt«. Danach aber wurde es ruhig um den ehemaligen Stadtschreiber von Offenbach, der in den letzen Jahren seines Daseins persönlich und literarisch mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1195/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
