Versuch über die Verzauberung
Zumindest Kinder dürfen in unseren kulturellen Breitengraden noch fantasieren, ohne schief angesehen zu werden; aber dass sie die Dingwelt als belebt und magische Kräfte als real erfahren, beweist eben ihre ›kindliche Unreife‹. Wer noch als Erwachsener fantastische Gegenwelten als andere Wirklichkeiten wahrnimmt, kann allenfalls mit seelenheilkundlichem Interesse rechnen. Das war nicht immer so, im Gegenteil. Die Einbildungskraft galt während des größten Teils der Menschheitsgeschichte als Passage zu anderen Welt- und Wirklichkeitsdimensionen. Schamanen und Seher unternahmen ›Seelenflüge‹ in ›jenseitige‹ Sphären und kehrten mit Botschaften vermeintlicher Götter oder Ahnengeister zurück. Doch nicht allein diese frühzeitlichen Fantasiereisenden, die ihre Einbildungskraft oftmals noch mit Trancetechniken, speziellen Rauschmitteln und Meditationsformen befeuerten, sondern die meisten ihrer Zeitgenossen verfügten über Sensorien, die der heutige ›gesunde Menschenverstand‹ eher bei Geisteskranken vermutet

Unter dem Begriff ›Schönheit‹ verstand man einmal »interessenloses Wohlgefallen«, aber das ist inzwischen lange her. Die gesellschaftliche Bedeutung des äußeren Erscheinungsbildes, des Stylings, des Gewichts und der Körpergröße, hat längst die Grenzen der Pathologie durchbrochen. Ob Essstörungen, plastische Chirurgie oder Diskriminierung. Ignorierbar sind die verheerenden Folgen des Schönheitswahns eigentlich schon lange nicht mehr – auch nicht für die Politik. Doch der Druck zur Anpassung an das Ideal sichert der Kosmetikindustrie jährlich Gewinne in Milliardenhöhe.
Am Samstag, 28. November 2009, ging es im Hörsaal 9 der Universität Bonn emotionsgeladen her. Das bereits seit zwei Jahren in Diskussion stehende Projekt eines neuen/alten Festspielhauses ließ das Kolloquium »brennpunkt beethovenhalle« zu einem - wie es der Titel schon richtig traf - ›Brennpunkt‹ hitziger Diskussionen und empörter Gemüter werden. Anlass dieses Kolloquium war der in Diskussion stehende Abriss der Beethovenhalle, die einem neuen Festspielhaus, das zum größten Teil von den Firmen Post, Postbank und Telekom gesponsert wird, weichen soll. Veranstalter war die Initiative Beethovenhalle, die am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn entstand und ein studentisches Projekt ist.
Wieviele Blogs (= Web-logs, Tagebücher im Netz) in deutscher Sprache gibt es? Das ist die erste Frage, an der man schon scheitern kann. In den Suchmaschinen findet man Zahlen zwischen 27.000 und 750.000, sogar die Zahl eine Million wird genannt, und bei genauerer Betrachtung findet man die abenteuerlichsten Berechnungen auf der Basis geringfügigster Grundgesamtheiten. Ein Analytiker geht von 1 Prozent deutschsprachigen unter den 75 Millionen weltweiten Blogs aus, ein anderer rechnet munter die Ergebnisse der »Thüringer Blogzentrale« hoch auf ganz Deutschland, und ein Dritter peilt über den Daumen und kommt auf 400.000 bis 600.000 Blogs. Schon da tritt einem die ganze Konfusion und Zersplitterung entgegen, die die Blogszene kennzeichnet.