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Der Stephen King-Roman in der Hegel-Gesamtausgabe, Band drei

Eine Betrachtung Bonner Bücherregale

Dass mit dem Besitz von Büchern ein Distinktionsgewinn verbunden ist, weiß jeder – zumindest jeder, der Bücher hat. Wenn man sich gerade durch einen Gedichtband von Celan oder den neuen Danielewski hindurchgequält hat, dann hat es etwas überaus Befriedigendes, sich von anderen gebildeten Mitmenschen die eigene Leseerfahrung gewissermaßen zertifizieren zu lassen, indem man beiläufig das gelesene Buch aus der Umhängetasche herausschimmern oder es noch eine Weile auf dem Küchentisch oder anderswo liegen lässt, wo seine Existenz früher oder später auffällt. Die physische Präsenz des Buchs spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.


Versuch über die Verzauberung

Fünftausend Jahre ›Reisen in die Tiefe‹ der Fantasie

Der Maya-Codex Tro-CortesianusZumindest Kinder dürfen in unseren kulturellen Breitengraden noch fantasieren, ohne schief angesehen zu werden; aber dass sie die Dingwelt als belebt und magische Kräfte als real erfahren, beweist eben ihre ›kindliche Unreife‹. Wer noch als Erwachsener fantastische Gegenwelten als andere Wirklichkeiten wahrnimmt, kann allenfalls mit seelenheilkundlichem Interesse rechnen. Das war nicht immer so, im Gegenteil. Die Einbildungskraft galt während des größten Teils der Menschheitsgeschichte als Passage zu anderen Welt- und Wirklichkeitsdimensionen. Schamanen und Seher unternahmen ›Seelenflüge‹ in ›jenseitige‹ Sphären und kehrten mit Botschaften vermeintlicher Götter oder Ahnengeister zurück. Doch nicht allein diese frühzeitlichen Fantasiereisenden, die ihre Einbildungskraft oftmals noch mit Trancetechniken, speziellen Rauschmitteln und Meditationsformen befeuerten, sondern die meisten ihrer Zeitgenossen verfügten über Sensorien, die der heutige ›gesunde Menschenverstand‹ eher bei Geisteskranken vermutet


»Heute ist sein Werk Gegenstand globaler Diskussion«

Oder: Strategie der Exkulpierung und Apologie in biografischem Gewand – Zu Reinhard Mehrings Carl-Schmitt-Biographie

Es erfordert allerhöchste Sorgfalt der recht schwierigen Problematik ›Carl Schmitt‹ mit biografischen Mitteln gerecht zu werden. Die Belobigung mancher Rezensenten, Reinhard Mehring habe die bisher beste Biografie Schmitts geliefert, scheint dieses Kriterium außen vor gelassen zu haben. Die zweigleisige Verfahrensweise des Biografen erweckt jedoch ernsthafte Zweifel, dass diese Biografie es schafft, Schmitt und sein Werk ins rechte Licht zu rücken.


Lookism oder die hässliche Seite der Schönheit

Einige Gedanken zur Rolle der Schönheit in Gesellschaft, Globalisierung und Arbeitswelt

Unter dem Begriff ›Schönheit‹ verstand man einmal »interessenloses Wohlgefallen«, aber das ist inzwischen lange her. Die gesellschaftliche Bedeutung des äußeren Erscheinungsbildes, des Stylings, des Gewichts und der Körpergröße, hat längst die Grenzen der Pathologie durchbrochen. Ob Essstörungen, plastische Chirurgie oder Diskriminierung. Ignorierbar sind die verheerenden Folgen des Schönheitswahns eigentlich schon lange nicht mehr – auch nicht für die Politik. Doch der Druck zur Anpassung an das Ideal sichert der Kosmetikindustrie jährlich Gewinne in Milliardenhöhe.

 


Beethovenhalle: ja oder nein?

Ein Kolloquium in der Bonner Uni widmete sich dem »brennpunkt beethovenhalle«

Am Samstag, 28. November 2009, ging es im Hörsaal 9 der Universität Bonn emotionsgeladen her. Das bereits seit zwei Jahren in Diskussion stehende Projekt eines neuen/alten Festspielhauses ließ das Kolloquium »brennpunkt beethovenhalle« zu einem - wie es der Titel schon richtig traf - ›Brennpunkt‹ hitziger Diskussionen und empörter Gemüter werden. Anlass dieses Kolloquium war der in Diskussion stehende Abriss der Beethovenhalle, die einem neuen Festspielhaus, das zum größten Teil von den Firmen Post, Postbank und Telekom gesponsert wird, weichen soll. Veranstalter war die Initiative Beethovenhalle, die am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn entstand und ein studentisches Projekt ist.


Am Rande der Sprachlosigkeit

Spaziergang in phantastischen Dichterlandschaften: Zu den Poetikvorlesungen Urs Widmers

Vom Leben, vom Tod und vom Übrigen auch dies und das – die Vorlesungen über Poetik, die Urs Widmer im Januar und Februar 2007 an der Universität Frankfurt hält, sind eine Spurensuche. Eine Suche nach den Spuren, die Sprache in der Literatur hinterlässt – bei dem, dem sie entrinnt, bei dem, dem sie entgegeneilt. Die Suche wird zur Sehnsucht. Sehnsucht: tief und klar in gleicher Weise.


Die Blog-Monologe

Nachrichten aus der elektronischen Kneipe

Wieviele Blogs (= Web-logs, Tagebücher im Netz) in deutscher Sprache gibt es? Das ist die erste Frage, an der man schon scheitern kann. In den Suchmaschinen findet man Zahlen zwischen 27.000 und 750.000, sogar die Zahl eine Million wird genannt, und bei genauerer Betrachtung findet man die abenteuerlichsten Berechnungen auf der Basis geringfügigster Grundgesamtheiten. Ein Analytiker geht von 1 Prozent deutschsprachigen unter den 75 Millionen weltweiten Blogs aus, ein anderer rechnet munter die Ergebnisse der »Thüringer Blogzentrale« hoch auf ganz Deutschland, und ein Dritter peilt über den Daumen und kommt auf 400.000 bis 600.000 Blogs. Schon da tritt einem die ganze Konfusion und Zersplitterung entgegen, die die Blogszene kennzeichnet.


Platos Höhle

Manfred Poser über die Wirklichkeiten des »Qualitätsjournalismus«

Am 11. Mai erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Beitrag von Miriam Meckel, Professorin in St. Gallen, der »In der Grotte der Erinnerung« betitelt ist und den »Qualitätsjournalismus« preist.


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tokyo – superdichte stadtbeschleunigung

es gibt nicht viele bücher, die japan, insbesondere tokyo zu beschreiben vermögen, ohne in gegensatzpaaren zu verharren. der architekt Wolfgang Koelbl befand sich 1996/97 im rahmen eines projektstipendiums in tokyo, ein phänomen zu umreissen, das er als »superdichte« bezeichnet: die grösstmögliche konzentration urbaner situationen. in seinem lustvoll geschriebenen, halbtheoretischen buch tokyo superdichte erklärt er die stadt als nicht abgrenzbar und streicht den begriff des innen und aussen (in einer stadt / im zentrum oder davor; vor oder in einem gebäude) zugunsten angemessenerer kategorien, nämlich des glatten raums versus der räumlichen insel.


Selbstauslöser

Was war und was sein wird – Günter Grass’ Die Box

Bei der Box, die Günter Grass’ neuestem Buch zum Titel verhalf, handelt es sich um eine Kastenkamera der Firma Agfa, die in den 1930er Jahren auf den Markt kam. Soweit die Fakten, der Rest ist märchenhaft.


 

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