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Wie vermeintliche Terroristen zu Freunden werden

Auf dem Flug nach Beirut kämpft Michael Kleeberg nicht nur gegen seine immense Flugangst. Viel stärker als seine Befürchtung, durch bloßes Zur–Seite-Lehnen zum Verursacher eines Flugzeugabsturzes zu werden, ist das »weiße Rauschen der Furcht vor Al-Qaida-Terroristen«, das sich in misstrauisch-diskreten Spähen nach Verdächtigen ausdrückt. Doch was treibt ihn in das Flugzeug nach Beirut?


Mannigfaltiges Miteinander

Die Kritische Ausgabe mit den Jungen Magazinen auf der Frankfurter Buchmesse 2008

Frankfurter Buchmesse (Logo)Integration und Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede und Vielfalt von Literatur und Ländern – das ist ein grundlegendes Motiv der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vom 15.10.–19.10.2008. Ehrengast ist ein Land, das den Bonnern bereits von der Biennale recht vertraut ist: Unter dem Motto »Türkei – Faszinierend farbig« lädt das Land am Bosporus zu zahlreichen bunte Inspirationen ein ...


Glanzlichter und Schwächeanfälle

Alle zwei Jahre, immer pünktlich zur Fußballeuropa- oder -weltmeisterschaft, wird der Buchmarkt überschwemmt von einer Fülle an Büchern über die schönste Nebensache der Welt. Diese tragen so illustre Titel wie »Fußball Unser«, »Sprechen Sie Fußball?« oder »Ersatzbankknigge – Der Fußball-Survivalführer für Frauen«. Nach dem jeweiligen Turnier erscheinen dann jene Bücher, in denen man jede Schwalbe von Cristiano Ronaldo, jedes Foul von Zinedine Zidane und jeden gelaufenen Kilometer von Michael Ballack genau nachlesen kann. Wer jedoch abseits von Statistiken und konventioneller Sportberichterstattung die Europameisterschaft 2008 noch einmal Revue passieren lassen möchte, für den ist »Der lange Weg nach Wien« aus dem kleinen ambitionierten Dresdner Verlag Voland & Quist eine positive Alternative.


Die ungeheuerlichen Treffen der Leute aus Seesen am Harz

Andreas aus Freiburg erzählte mir, sein Vater habe einmal den gestrengen Schuldirektor seines städtischen Gymnasiums auf einem Markt in Istanbul getroffen. Was für ein Zufall! Wäre es auch ein Zufall, hätte er ihn im Ehebett mit seiner Frau angetroffen? »Sie hier – was für ein Zufall!« Im deutschen Fernsehspiel würde der Direktor antworten: »Den Zufall gibt es nicht. Davon bin ich überzeugt.« Der Germanist zitiert Max Frisch: »Es ist immer das Fälligste, was einem zufällt.«

Auf meinen Artikel »Quanten-Fußball« meldete sich ein Autor und wies mich auf sein jüngstes Buch hin. Sein Buch, das zu rezensieren mir zufiel, heißt Die geheime Physik des Zufalls.


Stimmen von jenseits des Grabes

Wie kaum ein anderer deutscher Autor steht er für die literarische Verarbeitung historischer und politischer Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Sein Romanerstling Heißer Sommer von 1974 erzählt die Geschichte der 68er, Die Entdeckung der Currywurst thematisiert den zweiten Weltkrieg und speziell die letzten Kriegstage, seine Erzählung Am Beispiel meines Bruders – vielleicht sein eindringlichstes Buch – setzt sich mit seinem älteren Bruder auseinander, der sich freiwillig zur SS meldete, an der Front schwer verwundet wurde und kurze Zeit später an seinen Verletzungen starb. In Der Freund und der Fremde schließlich erzählt er von seiner Freundschaft mit Benno Ohnesorg, der 1967 während einer Demonstration von der Polizei erschossen wurde.


Grenzgänger in der kroatischen Inselwelt

»Wir wissen nichts, nicht einmal über uns selbst. Wir fangen gerade erst an zu verstehen.« Dieses Zitat von Virginia Woolf ist den Erzählungen in Marica Bodrožićs neustem Buch Der Windsammler vorangestellt. Es wirkt wie eine Art Motto, das über den elf Geschichten steht und eine Verbindung schafft zwischen den einzelnen Erzählungen, die Menschen zeigen, die auf der Suche sind, die hoffen und sich sehnen. Die Protagonisten der Geschichten sind allesamt Grenzgänger zwischen zwei Welten, sie sind »hier und da«, sie begeben sich auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit, nach Identität und »fangen gerade erst an zu verstehen«.


Sechs Jahre, vier Monate, zwei Wochen und ein Tag

Große grüne Wassermelonen, als Erfrischung aus dem Kühlschrank, man schätzt sie besonders im Sommer. Wassermelonen kommen zum Beispiel aus Mexiko und werden von dort mit dem LKW in die USA transportiert. Auf diesem Wege gelangten auch Arnon Grünbergs Helden Paul und Tito Andino in die Vereinigten Staaten.


Einer der Guten

Früher, vor dem Mauerfall, als ich selbst noch schrieb und Freunde hatte, die auch schrieben; als wir alle natürlich Germanistik studierten und uns zumindest gelegentlich in der ›Rostlaube‹ der FU Berlin aufhielten – damals gab es unter uns ein Dogma: Einen Roman, der in der ›Rostlaube‹ spielt, kann man nicht schreiben. Nun spielt Ulrich Peltzers Roman Teil der Lösung nicht in der ›Rostlaube‹ und nur angelegentlich in der Germanistik der Humboldt-Universität, aber natürlich war das damals sinnbildlich gemeint: Ein Roman, der zu dicht an der eigenen Lebenswelt dran ist, übernimmt, was er an vermutlich eben doch zufälligen Realien der eigenen Umgebung kriegen kann – so ein Roman kann nicht funktionieren, denn er wird immer diesen unangenehmen Beigeschmack von Banalem, von Überdruss und Luxushaftem unserer angeblichen Probleme haben. Wenn der literarische Anspruch der eigenen Erfahrung untergeordnet wird, entsteht in aller Regel vor allem Anspruchsloses.


Da wird ein Buch werden

Die Situation des Buchmarktes ist bestens bekannt. Vom Verdrängungswettbewerb gezeichnet, streichen immer mehr Verlage die Segel und lassen sich schlucken – zu einem nicht nur finanziell hohen Preis. Denn während viele Traditionshäuser nach wie vor darauf beharren, zwar monetäre nicht aber programmatische Rechenschaft an die Mutterkonzerne ablegen zu müssen, findet sich in den gut ausgeleuchteten Bücherregalen der Hugendubels und Thalias eine andere Realität vor.


Fremde Stadt

Eine Bar, zwei Bier, man kommt ins Gespräch. Der eine weiß (fast) alles, der andere fragt, zweifelt, gibt Stichworte. In einem langen platonischen Dialog entfaltet Christoph W. Bauer in seinem Roman »Im Alphabet der Häuser« ein historisches Panorama der Stadt Innsbruck.


 

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