Inhalt abgleichen

»Skandale und erfundene Geschichten sind in der Filmwelt keine Kuchen«

Ben Hechts Erinnerungen an Hollywood

Hollywood-Schriftzug (Foto: © Alexandra Bucurescu/PIXELIO)Ben Hecht. Ein Name, der vielleicht nicht jedem bekannt ist, aber hinter dem sich eine Erfolgsgeschichte verbirgt, die den amerikanischen Traum beschreibt, wie er in den Köpfen der Menschen verankert ist. In der Folge seines Lebens arbeitete er an sechzig Filmen, u.a. an Howard Hawks' Scarface, Alfred Hitchcocks Spellbound und Notorious, sowie an Billy Wilders Extrablatt und lieferte Ideen für fünfzig Hollywood-Produktionen in denen sein Name nicht auftaucht. Der, im Gegensatz zu Deutschland, in Amerika deutlich bekanntere Drehbuchautor hat nach Jahren in Hollywood ein zweiseitiges Verhältnis zu der gigantischen Filmfabrik, wie in dem Buch Von Chicago nach Hollywood deutlich wird.


Mindestens gut geklaut

Helene Hegemanns Axolotl Roadkill hält einige Überraschungen bereit

Gerade noch wurde Helene Hegemann mit ihrem neuen Roman in den Feuilletons durchgejubelt, dann wurden vor allem die nicht deklarierten Leihnahmen aus anderen Texten diskutiert. Bei all dem übertönt die lärmende Zustimmung wie auch Ablehnung Ratloses.Gerade noch wurde Helene Hegemann mit ihrem neuen Roman in den Feuilletons durchgejubelt, dann wurden vor allem die nicht deklarierten Leihnahmen aus anderen Texten diskutiert. Bei all dem übertönt die lärmende Zustimmung wie auch Ablehnung Ratloses: »Was man heraushört, ist weniger die Stimme irgendeiner Generation als vielmehr das Grundgeräusch unserer Gegenwart« schreibt Ursula März in der ZEIT, »Sie kippt uns eine ganze Wagenladung brennender Intensität vor die Füße, einen großen Haufen von dem, was man gleichermaßen als ihr Innerstes oder das Rauschen der Gegenwart verstehen kann« – Peter Michalzik in der Frankfurter Rundschau.


Pssst! – Gedenkminute an einen großen Schriftsteller

Raymond Federmans Geschichte einer Kindheit bildet den krönenden Abschluss eines Lebenswerkes

Raymond Federman (Foto: © Weidle Verlag)Raymond Federman wurde am 15. Mai des Jahres 1928 im beschaulichen Montrouge geboren. Die ersten Jahre seines Lebens jedoch spielten sich weitgehend in der französischen Metropole schlechthin ab. Schon als Kind lebte er mit seinen Eltern in Paris, von wo er aufgrund eines furchtbaren Kriegserlebnisses jedoch bald fliehen sollte.


Von Tieren, Champignons und Tieren

In Laima Muktupavelas Roman Das Champignonvermächtnis verliert der Leser schnell den Überblick

Laima Muktupavela (Foto: © Weidle Verlag)In Das Champignonvermächtnis erzählt Autorin Laima Muktupavela uns vom Leben und Leiden der lettischen Gastarbeiterin Iva. Man kann dieses Werk als Rezeptbuch für das Leben sehen, zu jeder Situation gibt es ein Rezept, zu jedem Problem einen Lösungsvorschlag. Doch man braucht viel Durchhaltevermögen, um sich all diese Vorschläge bis zum Schluss durchzulesen.


Von der erträglichen Schwere, geliebt zu werden, aber nicht selbst zu lieben

Peter Stamms neuer Roman Sieben Jahre

Peter Stamm (© Stefan Kubli)Die »große« Literatur kennt mehrere Konstanten. Eine davon lautet: »Große« Literatur erzählt stets davon, wie (un)glücklich Liebende ihr Leben ihrer Liebe und der Hoffnung auf die Erfüllung dieser Liebe widmen. Mit dieser Konstante bricht Peter Stamm. Alexander, Protagonist und Ich-Erzähler von Sieben Jahre, fühlt sich von zwei gänzlich unterschiedlichen Frauen angezogen, die er beide nicht liebt. Sein Leben als Architekt, Vater, Ehemann, Geliebter wird dabei zur Parabel auf die Konstruktion von Liebe in Zeiten sich auflösender Familien.


»Ein fucking Event«

Sarah Kuttner versucht sich in ihrem Debut Mängelexemplar an den Depressionen einer Generation

In der Populärpsychologie spricht man von einer Quarterlife Crisis, wenn junge Menschen zwischen Zwanzig und Dreißig in eine Identitätskrise fallen. Vermutlich lässt sich darüber streiten, ob es sich hierbei um eine ernsthafte oder medial herbei geredete Krise handelt. Allein die Präsenz des Begriffs der Zwanziger-Krise offenbart, dass junge Erwachsene sich heute viel stärker in einem Zustand der Unsicherheit befinden. Der Leistungsdruck ist gestiegen, die Wirtschaftslage unsicher und gleichzeitig wird der Generation »Zwanzig plus« fehlende soziale Intelligenz, mangelnde Aufmerksamkeit und ein zu schnelles Konsumverhalten vorgeworfen. Unsicher und vor allem schnell ist auch Karo Herrmann, die Protagonistin in Sarah Kuttners Debütroman Mängelexemplar. Karo ist 27 Jahre alt und sitzt beim Psychiater. Dieser ist sehr modern, nicht nur auf äußerlicher, sondern auch auf sprachlicher Ebene und begrüßt Karo und den Leser mit dem Spruch »Eine Depression ist ein fucking Event!«


Cricket verbindet

In Joseph O’Neills Roman Niederland wird Sport einmal mehr Brückenschlag zwischen Teilen der Gesellschaft

Cricket ist das rahmenstiftende Element in Netherland (dt. Niederland), Joseph O’Neills 2008 erschienenem Roman. Das langsame, undurchsichtigen Regeln folgende Spiel aus der längst vergangenen Zeit des British Empire verbindet hier den holländischstämmigen Banker Hans van den Broek aus der New Yorker Upperclass mit anderen, sehr verschiedenen Einwanderern im Big Apple. Zwar sind die Menschen aus den ehemaligen Kolonien in Amerika präsent, dringen dabei jedoch nur selten an das Bewusstsein der weißen Bevölkerung vor. Sie spielen Cricket, das Spiel, mit dem sie als Kinder auf den West Indies aufwuchsen, im Moloch New York immer dann, wenn ihnen die Baseball-Teams, die amerikanisierte Variante des Sports, das Feld überlassen.


Raven im (großen) Kontext

Tobias Rapp nähert sich in Lost And Sound – Berlin, Techno und der Easyjetset einer lebendigen Szene

Techno ist tot. Diesen Eindruck könnte man haben, wenn man die fast völlige Abwesenheit technoider Musik in den Hitparaden, ebenso wie die nachlassende Berichterstattung über die Love Parade anschaut, die auch vor ihrem Umzug von Berlin ins Ruhrgebiet und dem infrastrukturell bedingten Aussetzen in diesem Jahr rapide abnahm. Im Untergrund jedoch brodelt es. Die Clubkultur, die das Berlin in der Zeit nach dem Mauerfall prägte, diese autonomen Gruppen, die sich mit illegalen Raves in den Nischen einnisteten, die die Strukturschwäche, die als Folge der Wende logischerweise vorhanden war, entstehen ließ und die ebenso schnell verschwanden, wie es im allgemeinen Popdiskurs die Regel ist, befindet sich auf einem neuen Höhepunkt. Die Spuren der illegalen Raves und zur Zwischenmiete genutzten Clubs sind verwischt, kaum noch zu erkennen. Und schon bewegt sich im Untergrund eine Clubkultur, die sich der Schnelllebigkeit nur deswegen zu entziehen vermag, weil sie im Schatten der großen Gesten und des Boulevardjournalismus stattfindet.


Mit Ruhm bekleckert?

Mit seinem neuen Roman Ruhm bleibt Daniel Kehlmann hinter den Erwartungen zurück

Jeder Mensch hat etwas, gegen das er von Natur aus eine gewisse Abneigung hegt. So hat auch Elisabeth, die Protagonistin der zweiten und der letzten Episode aus Daniel Kehlmanns neuem Roman Ruhm eine Abneigung dagegen, als literarische Figur in einer Geschichte ihres neuen Freundes, des Schriftstellers Leo Richter, aufzutauchen. Elisabeth ist Ärztin und oft in Krisengebieten im Einsatz und eigentlich weiß sie gar nicht richtig, warum sie mit Leo zusammen ist. Er ist nämlich so ziemlich genau das Gegenteil von ihr.


Germanistikstudierende wagen die Praxis

Es ist die alte Frage, die allen Geisteswissenschaftlern immer wieder gestellt wird: »Und was macht man hinterher damit?«. Zu wenig Praxisbezug, lautet ein gängiger Vorwurf auch in Richtung Germanistik. Doch die Beschäftigungsmöglichkeiten, die einem Geisteswissenschaftler nach dem Studium offen stehen, sind vielfältig, wie zum Beispiel die Vortragsreihe »Zu Ihnen spricht die Praxis«, die im vergangenen Semester an der Bonner Universität angeboten wurde, gezeigt hat. Vier in einem Seminar des Instituts für Germanistik veröffentlicht die Kritische Ausgabe in den kommenden Wochen. Sie zeigen, in welcher Breite sich Germanisten an verschiedene Themen der Zeit heranwagen und sind so auch ein Beweis gegen das gängige Urteil mangelnden Praxisbezugs im Studium.


 

Spendenaufruf

Die "Kritische Ausgabe - Zeitschrift für Germanistik & Literatur" sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.