»und ich male mir aus, was vorher noch dastand«
Ein unbeschriebenes Blatt oder – um auf die Texte von Floh von Grüningen anzuspielen – eine unbemalte Leinwand, sind Schöftland nicht mehr, auch wenn viele das denken können, da sie die Band bislang noch nicht wahrgenommen haben. Doch ihre vielgelobte erste Langspielplatte Der Schein trügt hat einige Erwartungen geweckt. Allein die Vielseitigkeit dieser Platte aus dem Jahr 2010 hat die Latte sehr hochgehängt und ein wenig stellte sich die Frage, was kann danach noch kommen?

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie Musik in ihren Bann ziehen kann und man die Welt um sich herum vergisst. Jüngstes Beispiel ist das Konzert der Indiepopgruppe Wintersleep vom 6. September in Köln. Die Band aus Halifax, Nova Scotia in Kanada besteht aus fünf Mitgliedern. Am Schlagzeug: Loel Campbell, E-Bass: Mike Bigelow, Gitarre und Gesang: Paul Murphy, Keyboard und Gitarre: Jon Samuel (seit 2006) und Tim D’Eon. Ihre Musik ist ein Mix verschiedener Elemente von Bands wie den Editors, Joy Divsion, und auch ein wenig von Arcade Fire oder der amerikanischen Folkrock-Band Blitzen Trapper. Während sie vor vier Jahren bei ihrer ersten Europatour noch als Geheimtipp galten, konnten sie sich durch ihre beiden neuen Alben Welcome to the Night Sky (2007) und New Inheritors (2010) ein breiteres Publikum gewinnen und begeisterten das Luxor in Köln. Dabei hat die Band in den letzten Jahren eine hörbare Entwicklung durchgemacht.
Die Informationsfülle im Internet bietet nur wenig orientierenden Überblick über das gesamte Tagesgeschehen. Schnell geht dabei etwas unter, das einen im Grunde auch interessiert hätte. Die Alternative heißt bis heute Tageszeitung, in deren Feuilleton man zum Beispiel auf eine Rezension des Albums Der Schein trügt der Berner Band Schöftland stoßen konnte
Irgendwie kann man über viele Platten sagen: »Alles schonmal dagewesen«. Doch selten zeigt es sich so extrem und störend, wie bei dem ersten Album der französischen Band Revolver, Music for a while. Die Arrangements, die Harmonien, selbst den Bandnamen, gab es schonmal. Revolver war und ist eben auch eine deutsche Hard-Rock Band, die in den 80-ern in der Scene zu gewisser Bekanntheit kam und Ozzy Osbourne 1982 auf seiner Europatour begleitete. Die Band aus Paris gründete sich 2006 und hat gerade ihr erstes Album veröffentlicht.
Wissen Sie, über welche Ecken Element of Crime mit Velvet Underground zu tun hat? Oder The Black Heart Procession mit Pinback. Nein? Gut – brauchen Sie auch nicht. Es sind auch nur zwei Beispiele, wie verschiedene Bands miteinander personell verbunden sind. Mehr wissen Sie sicherlich zu den ganzen Projekten, die sich nach Auflösung der Beatles um die vier Musiker entwickelten. Die Musikgeschichte läßt sich mitunter wie ein Stammbaum lesen, der zeigt, daß jeder Musiker mit jedem indirekt etwas zu tun hatte. Eindeutig und direkt z.B. sind die Bezüge zwischen Fink und Halma.