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Religiöser Terror als fanatisches Theater

Der Skandal war groß: Hans Neuenfels’ Inszenierung von Mozarts »Idomeneo«, an der Deutschen Oper in Berlin wurde im September 2006 aus Angst vor Terroranschlägen kurzfristig vom Spielplan gestrichen. Nun inszeniert Neuenfels im Schauspiel Köln Frederico García Lorcas »Bernarda Albas Haus«. Und wieder wird ein Religionsstifter auf die Bühne gebracht, sogar in seine einzelnen Gliedmaßen zerlegt.


Der Witz des Gärtners

Wer von Klassikern spricht, redet von Grabsteinen! Doch wer so etwas heutzutage noch immer behauptet, der sollte sich anscheinend selbst um einen derartigen bemühen. Denn dass fast auf den Tag genau binnen eines knappen Jahres sowohl am Kölner Schauspiel als auch in den Bonner Kammerspielen eine Inszenierung von Gotthold Ephraim Lessings »Emilia Galotti« uraufgeführt wird, drängt die Vermutung auf, irgend etwas an diesem Stück sei einfach nicht tot zu kriegen.


Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Denver ist ein Aussteiger. Im Norden Kanadas, am Rande eines Gletschers mitten im Nirgendwo, betreibt er mit seiner Freundin Marjorie einen Videoladen. Ab und zu kommt der einsame, junge Jude vorbei, um sich mit ihnen Pornos anzusehen. Als Jude eines Tages eine Leiche im Eis findet und die attraktive Archäologin Kim anreist, wird die Monotonie ihres Alltags gestört ...


Wenn das Glück, am Leben geblieben zu sein, zur Hölle wird

»Krieg tötet. Immer. Er besteht darin, zu töten und getötet zu werden. Das Problem der Überlebenden wiederum liegt darin, dass sie getötet haben. Aber nicht getötet worden sind.« Mit barmherzig-milder Stimme, aber merkwürdiger Sachlichkeit schildert Ordensschwester »Mama« Zara (Zoé Kovacs) das grausame Dilemma der Patienten in dem von ihr geleiteten Hospiz Sainte Jeanne. Kriegsversehrte Kreuzritter sollen hier ihre Traumata aufarbeiten. Mit der Unterstützung der Kranken- und Mitschwestern Klara (Katja Wiefel) und Violetta (Viola Streicher) zieht die Ordensmutter mit ihren sechs zerrütteten Patienten durch die Lande, um Geld für ihr Hospiz zu sammeln, und gewährt den Spendern dafür Einblick in die neuesten Therapiemethoden. Das Ziel der barmherzigen Schwestern besteht darin, die kriegsversehrten Männer zu heilen und ihren Glauben zu stärken, so dass sie wieder als Gotteskrieger losziehen können – in einen neuen Kreuzzug ...


Für eine Handvoll Kopeken

Was ist das Leben ohne Alkohol? Was aber ist Alkohol ohne Leben? Absurde Fragen scheinbar, doch beileibe nicht so absurd, wenn es, wie dem Reisenden in Wenedikt Jerofejews prosaischem Poem, darum geht, den leblosen Dingen einen Sinn zu verleihen, damit die Fragwürdigkeit des Daseins lebbar wird. Die »Reise nach Petuschki«, auf die sich der ewig torkelnde Held aufmacht, ist ein Absaufen in einer unstofflichen Welt. Nicht zwischen flüssig und fest, sondern zwischen Phantasie und Wirklichkeit, Diesseits und Jenseits spannt sich die Brücke seiner seelischen Zumutungen ...


Die Liebe zur Menschlichkeit

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Es ist das Jahr 1810. Indien steht unter britischer Besatzung, die allgemeine Lage ist schlecht: Armut und Hunger haben sich ausgebreitet. Auf einem ärmlichen, bunt gemischten Basar eilen Menschen umher und preisen Händler laut ihre Waren an. Ein älterer, in Lumpen gekleideter Herr bietet Gurken feil, jedoch vergeblich, daneben sitzt ein Melonenverkäufer. Ein anderer Händler hat Tontöpfe vor seinem Stand ausgebreitet, nebenan versucht ein Gelehrter, Bücher zu verkaufen. Drei Sänger künden, gleich einer moralischen Instanz, davon, wohin der Hunger und die Gier nach Essen und Geld führt. Die Menschen fühlen sich allein gelassen und hilflos einer Welt ausgesetzt, in der es immer schwieriger wird, die eigene Identität und Kultur zu wahren. Doch langsam wandelt sich die Stimmung auf dem Basar. Es sind die einfachen Lieder und Verse, kleine Gedichte über den ganz normalen Alltag, des verkannten Poeten Nazir, die Lebensfreude wecken und den Menschen das Gefühl geben, verstanden zu werden – eine wahre Stimme des Volkes ...


Den Sprachlosen eine Stimme geben

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Zwei Männer mit zwei außergewöhnlichen Biographien: Der eine, Sir Richard Francis Burton, war britischer Kolonialoffizier und reiste im 19. Jahrhundert um die Welt. Der andere, Ilija Trojanow, ist in Sofia geboren und floh als Sechsjähriger mit seiner Familie zuerst nach Deutschland, dann nach Kenia. Er ist ein Weltenbummler, der unter »kultureller Klaustrophobie« leidet und den Heimat nur im Plural interessiert. Nun hat der andere über den einen einen Roman geschrieben, der zugleich ein überzeugendes Plädoyer für Vielfältigkeit und Toleranz ist ...


Mekka der Kleinkunstwelt

Prix PantheonWas hat Bonn, das es auch in Post-Hauptstadtzeiten noch bedeutend erscheinen lässt? Die Post? Gut, wir haben die Post. Die Telekom? Auch die. Rheinisches Landesmuseum, Bundeskunsthalle, einige Ministerien? Yep. Den Rhein? Jaja, schon gut, Bonn hat wirklich einiges zu bieten, auch wenn das die breite bundesdeutsche Öffentlichkeit nicht mehr so recht wahrnehmen will. Die kleine Stadt am Rhein ist noch immer bedeutend, wenn auch zugegebenermaßen nicht mehr so laut und medienpräsent wie früher. Doch was Post, Telekom und Pantheon hier in der einstigen Metropole zu Füßen des Siebengebirges auf die Beine stellen, ist heute von größerem Belang als je zuvor. Ja, Sie lesen richtig: das Pantheon! Denn zum einen ist und bleibt das Pantheon eine der führenden Kleinkunstbühnen der Republik, zum anderen, richtet es seit 1995 den einzig wahren »German-Spaß-und-Satire-Open-Wettbewerb« aus, den Prix Pantheon!


Theater für die Sinne

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Der Bühnenraum hüllt sich in undurchsichtiges Dunkel. Ein Gong ertönt, schwillt an, wie das Rauschen des Windes; der Raum vibriert. Beinah meditativ beginnt das Stück. In einem Lichtkegel im Zentrum der Bühne wird ein Mensch sichtbar – doch nicht in Gänze, vielmehr spaltet das Licht seinen Körper. Zunächst ist nur die linke Körperhälfte zu erkennen. In sanften, minimalen, zarten Gesten gerät sie in Bewegung – Lichtwechsel, die rechte Körperhälfte wird sichtbar. Männlich und stark produziert sich die Gestalt ...


Der Tod kommt aus dem Äther

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Alle Jahre wieder berichten die hiesigen Nachrichten von der Fahrt eines mit gelben Blumengirlanden seltsam feierlich geschmückten Busses über die indisch-paktistanische Grenze. Zu dieser Zeremonie scheinen notwendigerweise die lächelnden Gesichter und die Beschwörungen der führenden Politiker beider Länder zu gehören, dass diese Zeichen der Entspannung eine jeweils neue Ära der Friedlichkeit bereiten werden. Erst in solchen Momenten wird hier im Schoße der Europa ausschnittartig der Konflikt bloßgelegt, der beide Länder, Indien und Pakistan, seit ihrer Gründung vor nunmehr über fünfzig Jahren trennt oder vielmehr in eigentümlicher Hassliebe verbindet. Der auch symbolische Zankapfel beider Staaten ist jene Provinz Kaschmir, die hier als Wolllieferant bekannt, dort eher als Trennmasse die Sehnsüchte religiöser, nationalistischer und machtpolitischer Kreise befördert ...


 

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