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Everywhere but home

Blökende Schafe, brodelnde Geysire, märchenhafte Elfen, Trolle und Björk. Viel mehr bringt der durchschnittliche Westeuropäer wohl kaum mit diesem kleinen, in unseren Augen etwas verschrobenen, mystisch-idyllischen Fleckchen namens Island in Verbindung. Kristof Magnusson macht es sich in seinem Romandebüt zur Aufgabe, den Feenstaub der letzten Jahrhunderte von der Insel wegzufegen, um unter den Klischees das moderne Reykjavik zum Vorschein zu bringen. Dabei bricht der Autor jedoch nicht völlig mit der Geschichte, sondern situiert seine Erzählung vielmehr im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.


Das Elend liegt im Märchenwald

„Mein Leben ist ein schönes Märchen, so reich und glücklich. Wäre mir als Knabe, als ich arm und allein in die Welt hinausging, eine mächtige Fee begegnet und hätte gesagt: Wähle deine Laufbahn und dein Ziel, und dann, je nach deiner Geistesentwicklung und wie es der Vernunft gemäß in dieser Welt sein muss, beschütze und führe ich dich!“ – mein Schicksal hätte nicht glücklicher, klüger und besser geleitet werden können. Meine Lebensgeschichte wird der Welt sagen, was sie mir sagte: Es gibt einen liebevollen Gott, der alles zum besten führt.“ – Mit diesen Worten aus der Feder Hans Christian Andersens beginnt Johann Kresnik seine getanzte Biographie des vor rund 200 Jahren geborenen Märchenerzählers.


Klicken, Klackern und Blut

Wie schon 1993 zum Amtsantritt als Tanzleiter der Berliner Volksbühne, brachte Johann Kresnik, das künstlerisch keineswegs angegraute enfant terrible der internationalen Tanzszene, jüngst seine Journalistenbiographie aus dem Wendejahr, Ulrike Meinhof (Uraufführung 1990 in Bremen), in Bonn erneut auf die Bühne – und beweist Erstaunliches: Auch nach so langer Zeit funktioniert sein Alptraum vom freien Geist in einer zerrütteten Gesellschaft. Manches mag angestaubt wirken, einiges kontrovers, insgesamt jedoch bleibt seine Vision eindringlich und bewegend.


Ein Menschenversuch

„Der Mensch ist frei, in dem Menschen verklärt sich die Individualität zur Freiheit“, belehrt Frau Doktor den Soldaten Franz Woyzeck. Doch ist der Mensch wirklich frei oder wird er getrieben von seiner Umwelt? – Stefan Otteni versucht dieser Frage in seiner Woyzeck-Inszenierung durch eine Versuchsanordnung auf den Grund zu gehen: ein Menschenversuch. Eingesperrt in eine Box lässt er den Soldaten Franz Woyzeck und sieben weitere Figuren aus Georg Büchners Dramenfragment aufeinander los ...


Die gerechte Revolution?

»Am ersten Tag der Revolution ist er einfach unbezahlbar, doch am nächsten Tag muss man ihn erschießen.« Louis Marc Caussidières Erkenntnis über Michail Bakunin ist sicher nicht ganz die neueste, aber wohl wahr: Politik ist ein schmutziges Geschäft. Trotz allem müssen sich Revolutionäre keine Sorgen machen, gibt es doch immer junge Menschen, die sich begeistert, bereits an allen Enden brennend, doch noch vor irgendeinen Karren spannen lassen und sich die Hände schmutzig machen. Sartres Hugo in Die schmutzigen Hände ist so ein Kandidat ...


Spieltrieb

Es gibt unterschiedliche Wege, Literatur wahrzunehmen, ihr bewusst zu begegnen und ihre Ideen facettenreich widerzuspiegeln. Eine der schönsten, spannendsten und intensivsten Arten, literarische Werke sich selbst und anderen begreiflich zu machen, ist es, sie dramaturgisch zu inszenieren.

Die studentische Theatergruppe „Gerüchteküche“ bringt jedes Semester ein gemeinschaftlich ausgesuchtes Theaterprojekt auf die Bühnen der ESG Bonn.


 

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