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Faith Under Fire

Willi Graf of the White Rose

Seid Gefolgschaft in der Tat, nicht nur im Hören des Wortes (Jak. 1, 22)

Hitler’s Germany presented a myriad of challenges for the individual who strove to be both a faithful German and faithful Christian. Willi Graf believed one had to choose but still considered himself a patriotic German when he acted on his favorite bible verse to become a »Doer of the Word.« He maintained that faith was »no simple matter« and that every individual bears full responsibility for one’s own choices and actions, as he wrote to his younger sister, Anneliese, in a letter dated June 6, 1942: »Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung.« Finding the moral fortitude to confront National Socialism, however, led to painful consequences for Graf and his family because of his faith and that of the innocent Nazi victims for whom he chose to resist.


Reine Geschmackssache

Ein Jahresrückblick unserer Redakteurin Ines Böckelmann

»Bon voyage das Leben ist ne Reise. Spring einfach auf und es zieht seine Kreise. [...] Wie verrückt das Ziel ist die Suche und wenn man was findet ist es das Glück.«
(Freakatronic, »Bon Voyage«, aus dem Album »Error«, 2010)

Ich habe dieses Jahr nicht bewusst nach neuen künstlerischen Einflüssen gesucht, sondern mich berieseln lassen und dadurch ganz ungezwungen zu Dingen gefunden, die ich vielleicht gar nicht vorhatte zu finden. Man hat ja immer Vorstellungen von dem was zu einem passt, da macht man bei der Kunst keine Ausnahme. Sie kleidet einen ebenso wie die Kleidung, die man tagtäglich am Körper trägt.


Das Buch »Deutsche Stilkunst« von Eduard Engel (1911) und Ludwig Reiners (1943)

Offener Brief an Herrn Rechtsanwalt Dr. Andreas Reiners, Sohn des Kaufmanns und Schriftstellers Ludwig Reiners

St. Gallen, März 2019

Sehr geehrter Herr Reiners,

vor geraumer Zeit haben Sie mir einen eingeschriebenen Brief zustellen lassen. Es geht Ihnen um das bekannte und erfolgreiche Buch Ihres Vaters, Ludwig Reiners, das dieser in den letzten Jahren des sogenannten Dritten Reiches unter dem Titel ›Deutsche Stilkunst‹ in München veröffentlichte. Seit langem steht der Vorwurf im Raum, daß das Buch Ihres Vaters im Verhältnis übergriffiger Abhängigkeit zur ›Deutschen Stilkunst‹ des jüdischen Autors Eduard Engel steht, das von 1911 bis 1931 in 31 Auflagen und 64.000 Stück erschienen ist und das im Verbrecherstaat der Nationalsozialisten verboten war. Auch ich habe mich zu diesem Fall geäußert, z.B. in der germanistischen Zeitschrift Kritische Ausgabe, in der NZZ und im Vorwort zur Neuausgabe der Engelschen ›Deutschen Stilkunst‹, die vor zwei Jahren in der Anderen Bibliothek erschienen ist. Ich habe scharfe Kritik an Ludwig Reiners geübt.


Leben im Ausnahmezustand

Giorgio Agamben zeigt, dass es Zeit ist vom »Weltbürgerkrieg« zu sprechen

Dass die Themen Bürgerkrieg und Terrorismus nicht zu trennen sind, legte der italienische Philosoph Giorgio Agamben bereits kurz nach dem 11. September 2001 in zwei Vorträgen an der Universität von Princeton nahe. Nun sind seine Ausführungen in deutscher Übersetzung im Band Stasis. Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma erschienen. Sie zeigen den italienischen Philosophen nicht nur als brillanten Essayisten, sondern auch als wichtigen Denker der Gegenwart.


»Das Wort Krise ist nicht Ausdruck eines scheiternden Europas«

Bonner Nachwuchswissenschaftler wollen zeigen, wie sich Europa auch anders erzählen lässt

Europa steht nicht nur für Krieg und Krise, sondern auch für die versöhnliche Lösung von Konflikten in schwierigen Zeiten. Dass das nicht immer einfach ist, zeigt sich gerade dann, wenn über Grenzen – auch in den Köpfen – diskutiert wird. In einer Tagung an der Universität Bonn im Juni soll dies anhand von emotionalen Narrativen, die das Verhältnis von Freund- und Feindschaft exemplarisch verhandeln, und mit Blick auf die europäische Kulturgeschichte diskutiert werden. Im Interview erläutern die fünf Organisatoren nicht nur, weshalb diese Herangehensweise aktuell besonders interessant ist, sondern geben auch einen Eindruck davon, was sie dazu motiviert hat sich Europa auf diese Weise zu nähern.


»Freundschaft, Künstlerfreundschaft! dachte ich, mein Gott, was für ein Wahnsinn!«

(Geistes-)Freundschaft unter Männern in Thomas Bernhards Der Untergeher

Der erste Satz – nach dem auf den Freitod eines der Protagonisten Bezug nehmenden Motto – in Thomas Bernhards Künstlerroman Der Untergeher lautet: »Auch Glenn Gould, unser Freund und der wichtigste Klaviervirtuose des Jahrhunderts, ist nur einundfünfzig geworden […]« (U, 7). Die zentralen Themen des Romans – wie auch dieses Beitrags – sind darin bereits angesprochen: Freundschaft, Künstlertum und (früher) Tod. Die Spezifik der »Dreiecksgeschichte zwischen dem genialen Klaviervirtuosen Glenn Gould, dem gescheiterten Untergeher Wertheimer und dem sich selbstbehauptenden Ich-Erzähler« liegt zum einen im (erreichten/angestrebten/aufgegebenen) Künstler- bzw. Virtuosentum der Freunde, zum anderen in der von klassischen, dyadisch strukturierten Freundschaftskonzepten abweichenden triadischen bzw. triangularen Konstellation. Dieser diskursiven Konstellation möchte der Beitrag nachgehen und die in den frühen 1980er Jahren beobachtbare Konjunktur von Männerfreundschaften als Gegenständen der Literatur und der Philosophie genauer beleuchten sowie das konzeptionelle Spezifikum dieser Freundschaften, ihre Situierung in Selbstsorgeprogrammen, herausarbeiten.


Wie wir wurden, was wir sind

Mit Spurensuche eines Kriegskindes reist Hartmut Radebold nicht nur in seine eigene Vergangenheit

Wie verändert die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs die Psyche eines Kindes und welche Folgen hat das Erleben von Krieg und Flucht im hohen Alter? Fragen wie diese scheinen ferner denn je, wenn man die aktuelle Weltlage betrachtet. Losgelöst von den Ereignissen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird aber deutlich, dass ihre Aktualität nicht von der Hand zu weisen ist. Auch deshalb ist Hartmut Radebold mit seiner Biographie ein lesenswertes Buch gelungen.


Auf der Nachtseite der Wissenschaft

Ernst Peter Fischer erkundet die Dunkelheit und verirrt sich

Ernst Peter Fischer, mehrfach ausgezeichneter Wissenschaftshistoriker und -publizist, schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung sowie den Focus und ist darüber hinaus Autor zahlreicher Bücher wie Die andere Bildung (2001) und Die Verzauberung der Welt (2014). In seinem neuesten Werk Durch die Nacht. Eine Naturgeschichte der Dunkelheit behandelt er in gewohnt populärwissenschaftlicher Manier die seit jeher faszinierende düstere Seite des Lebens – streckenweise informativ und unterhaltsam, insgesamt aber leider nicht überzeugend.


Die Bibel – Kein Zeitzeuge, sondern Zeugnis des Glaubens

Schlägt man die Bibel auf, stößt man schnell auf Vertrautes, und selbst wenn man sie nicht aufschlägt, meint man doch wenigstens ungefähr zu wissen, worum es geht. Schaut man aber genauer hin, so findet man Mehr, Anderes und Überraschendes.

In der abendländischen Kultur kennt fast jeder die Geschichte von Adam und Eva, den ersten Menschen auf der Erde, die von einer Schlange verführt den ersten Sündenfall begehen und daraufhin von Gott aus dem Paradies vertrieben werden. Oder von dem Patriarchen Noah, der von Gott erwählt wird, eine Arche zu bauen und sie mit seinen Familienmitgliedern und allen Tierarten zu beladen, um sie vor der drohenden Sintflut zu retten. Vor allem aber die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu in Bethlehem, das erfolglose Suchen nach Obdach, und das Kommen der Heiligen Drei Könige, die mit ihren Gaben das Neugeborene im Stall preisen, ist mit ihrer winterlichen und hoffnungsvollen Romantik den meisten ein Begriff. Viele aber zweifeln an der Authentizität dieser Erzählungen und tun sie als Ammenmärchen ab, die höchstens noch eine belehrend moralische Funktion haben sollen. Andere sind wiederum überzeugt von der Historizität der Texte und ihrer Darlegung der Menschheitsgeschichte.


Mehr als Familienkonflikte

In dem Film Die Fremde beleuchtet Feodora Aladag Probleme der Deutsch-Türken

Junge Deutsch-Türken, in der 3. oder 4. Generation haben es nicht leicht. Es scheint fast so, als ob sich die innere Zerrissenheit der Betroffenen immer weiterzuspitzt. Aber warum? Die Familien leben meist in ihren eigenen (patriarchalisch-orientalischen) Universen. Draußen vor der Tür beginnt für die Kinder der Gastarbeiterkinder der Krieg um Almanya - Deutschland.


 

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