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Und wieder wiederholt sich was!

Manfred Poser stimmt erneut seine Leier und das alte Lied der Wiederholung an, das er anscheinend seinen Lesern einbleuen (einbläuen) möchte

Blues ist Wiederholung (Foto: Manfred Poser)Wir kehren zurück zu dem österreichischen Biologen Paul Kammerer (1880–1925). Der exzentrische Wissenschaftler entdeckte an Kröten ein höchst interessantes Vererbungsmerkmal, was ihn berühmt machte wie vorher Darwin. Allerdings kamen Zweifel an der Stichhaltigkeit der Ergebnisse auf (der Fall ist noch immer ungeklärt; Arthur Koestler hat ihn 1971 in seinem Buch »The Case of the Midwife Toad« aufbereitet), die Kammerers Reputation zerstörten und ihn in den Selbstmord trieben ...


Das Evangelium nach Pasolini

Manfred Poser erinnert an zwei Leidensgeschichten, durch zweitausend Jahre getrennt

Szenenfoto aus Pasolinis »Il Vangelo secondo Matteo« (1964)Jedes Jahr, scheint mir, fällt die Kolumne auf den Karfreitag. Das zwingt mich dazu, einen Gedanken dem Christentum zu schenken, das neben dem Kriminalroman auf keinen Fall zu kurz kommen soll. Vor ein paar Jahren bat ich in Rom einmal Chiara, Giovannas Schwester, mir doch den Film »Il Vangelo secondo Matteo« (auf deutsch erschienen als »Das 1. Evangelium – Matthäus«) von Pier Paolo Pasolini aufzunehmen, ein Werk von 1964. Gewidmet ist es Johannes XXIII., dem »Papa buono« (dem »guten Vater« oder »guten Papst«), der am 3. Juni 1963 im Vatikan nach knapp fünf Jahren im Amt gestorben war. Chiara überreichte mir die Kassette, hatte wohl noch ein paar Minuten gesehen, verdrehte die Augen und sagte etwas wie »che palle« oder »che lagna« (wie nervig, wie öde!). Ich wusste, das war nichts für sie. Aber der Film war ja auch für mich ...


Der Engel hilft weiter

Manfred Poser glaubt an den Engel – und wer an ihn glaubt, dem hilft er auch

Grazien, Genien und Engel (Foto: Manfred Poser)Ich hatte es ja prophezeit. Mein Freund Helmut hörte vom Bibliotheken-Engel, suchte (bereits am 11. Februar) in einem 1000-Seiten-Werk eine Stelle über Displaced Persons, wusste, es war irgendwo weiter vorn, schlug zufällig Seite 40 auf – und da stand es. Der große Gelehrte Gershom Scholem wollte etwas über Paracelsus und die Kabbala herausfinden und stattete der »wunderbaren mystischen Bibliothek von Oskar Schlag in Zürich« einen Besuch ab ... »wo ich aufs ungefähre einen Band der Sudhoffschen Ausgabe des Paracelsus aus dem Schrank zog. Mein Auge fiel direkt auf einen Satz, der mit den Worten begann: ›Der Teufel, großer Cabalist, der er ist ...‹ War das nun, was man einen Zufall nennt?!«


Der Bibliotheken-Engel

Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade

Engel und der Turm von Babel (Foto: Manfred Poser)In Bibliotheken ist es meist still, aber hört man nicht manchmal ein fernes Rauschen, ein leises Flügelschlagen? Das könnte der Bibliotheken-Engel sein. Wir stehen vor Büchern, vor vielen Büchern, einem Meer aus Büchern, in dem wir zuweilen verloren sind; sie kehren uns den Rücken zu, doch Welten stecken in diesen Körpern – nur welchen wählen? Es gibt ein Zitat von John Mitchell von 1978, und zu diesem Namen sagt LibraryThing: »John Mitchell is composed of at least 9 distinct authors.« Welchen wählen? Nach Konsultation der 57 Titel im Angebot der Universitätsbibliothek Freiburg blieben John D., John J. und John V. in der engeren Auswahl, und ich vermute, es war John V. Mitchell, der 1981 Ghosts of an Ancient City geschrieben hat. Das passt am ehesten zu seiner folgenden Aussage ...

Engel und der Turm von Babel (Foto: Manfred Poser)
Engel und der Turm von Babel (Foto: Manfred Poser)

 


Erleuchtete Dichter

Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern

Die Erleuchtung ist eher eine Sache des Frühjahrs. Zumindest vollzieht sie sich gern im Lenz. Aber ein gewisses Datum bewog mich, sie schon jetzt zum Gegenstand einer Betrachtung zu machen. Also: Richard Maurice Bucke, 1837 in England geboren, praktizierte in Kanada als Arzt. 1872, als er 35 Jahre alt war, ereilte ihn die Erleuchtung (von der noch zu reden sein wird), 1877 lernte er Walt Whitman und dessen poetisches Werk kennen, vor allem die »Leaves of Grass«, und um 1895 fing er an, sein Buch »Cosmic Consciousness« zu schreiben. Es erschien in 500 Exemplaren bei Mssrs. Innes in Philadelphia ...


Raunende Dialoge am warm-wirren Strand.

Ein investigativer Sonntagsbesuch in der Ausstellung »James Cook – Die Entdeckung der Südsee«

Es ist Sonntag in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Noch drei Wochen läuft »James Cook« und wie immer lockt das nahende Ende einer Ausstellung viele Besucher. Zeit für einen Besuch und den Erlebnisbericht eines ganz persönlichen Museumstages.


Zwischen Klischee und Realität »sehen« lernen

Auslandserfahrungen unserer Korrespondentin aus Paris

Paris – eine Stadt voller Mythen und Klischees – kann an Frankophilie leidende Abenteurer schnell desillusionieren. Marion Acker berichtet, wie sie dort das richtige »Sehen« erst lernen musste und welche Strategien sie entwickelte, um der Reizüberflutung zwischen Eiffelturm und Sacré-Cœur Herr zu werden.


Schweine im Weltall

Manfred Poser ist heute mutig und lässt sich vom Trüffelschwein Leonardo durch Umbrien führen

Detail aus dem Cover der Pink-Floyd-Platte »Animals« (1977)Vergangenen Oktober trafen sich in einer Münchner Gaststätte ein paar Leute, die vor langer Zeit die dortige Journalistenschule absolviert hatten. 10 der 15 Anwesenden aus meiner ehemaligen Klasse waren noch im Journalismus tätig. Ein paar hatten auch Bücher geschrieben, darunter Ulla Hildebrandt, deren Roman »Ein freier Fall« einen schonungslosen Einblick in das Metier gibt. Sie war einmal Chefredakteurin, und auch Wolfgang Zdral hat einmal weit oben in einer Wirtschaftszeitschrift gearbeitet. Ich gab ihm meinen Roman und bekam dafür per Post seinen Krimi ...


Die Kunst der Melancholie

Ein Künstlerporträt zum 90. Todestag von Amedeo Modigliani

Gestern vor 90 Jahren starb einer der bedeutendsten Künstler der Moderne und des 20. Jahrhunderts: Amedeo Modigliani. Seine Porträts mit den überlangen Gesichtern sind zu seinem Markenzeichen geworden und begeistern bis heute. Doch wer war dieser Mann, der in einem einzigen Werk die Seele seines Gegenübers zu erfassen vermochte?


Der Latin Lover und das schöne Tier

Manfred Poser ruft Ava Gardner seine Verehrung nach und teilt ihr Marcello Mastroianni als Partner zu

Hereinspaziert ins Reich der Schatten! Der Film kann ein geisterhaftes Medium sein. Schauspieler leben nicht mehr, sprechen aber zu uns; wir sehen irreale Szenen und Szenerien aus der Vergangenheit, und die Bilder sind körperlos. Der Kritiker Mark Sanderson schrieb einmal: »Und was sind Filmstars – von denen man sagt, sie hätten ›Präsenz‹ – anderes als professionelle Geister?« Der Film »Die barfüßige Gräfin« (1954) beginnt mit einem Begräbnis. Groß im Bild die Marmorstatue einer schönen Frau. Humphrey Bogart steht abseits im regenfeuchten braunen Trenchcoat. Seine Stimme aus dem Off – dann ein Rückblick. Vier Leute aus Hollywood begutachten in einem Madrider Vorort eine junge Tänzerin, die sie engagieren wollen. Regisseur Joseph L. Mankiewicz (1909–1993) zeigt uns zu den Klängen des Flamenco nur die rasenden Zuschauer. Die Tänzerin bleibt verborgen.


 

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