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Das neue Denken

Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt

(Foto: Manfred Poser)Bei meinem netten Buchhändler Herrn Eberth in Heitersheim aus der Ramschkiste gefischt: »Das neue Denken«, dtv-Taschenbuch von Fritjof Capra, erschienen 1992. Das lesend, spürte ich wieder die Begeisterung, die mich in jenem meinem ersten Jahr in Freiburg am Institut (1992) bei der Lektüre der Bücher aus den 1980er Jahren beseelt hatte. Die Quanten waren Zen-Buddhismus, jüdische Mystik und Novalis in einem! Capra, der Innsbrucker, spricht in dem Buch mit Gregory Bateson, Krishnamurti, Werner Heisenberg, Stanislav Grof und Ronald D. Laing ...


Schwarz und Weiß

Manfred Poser sitzt wie viele täglich vor schwarzen Buchstaben auf weißem Papier. Aber da ist mehr ...

(Foto: Manfred Poser)

Esra ben Salomon aus Gerona schreibt in seinem Kommentar zum Hohelied, die Tora (die fünf Bücher Moses oder der Pentateuch) enthalte auch nicht einen überflüssigen Buchstaben oder Punkt, »weil sie in ihrer göttlichen Totalität einen Bau darstellt, der aus dem Namen des Heiligen, gelobt sei Er, ausgehauen ist«.

Und der Autor des Buches Sefer Jesirah (3. Jahrhundert) schildert, wie der Schöpfer aus der Urluft die 22 hebräischen Urbuchstaben herausholte...


Ordnung und Sprache

Manfred Poser wird wieder einmal vom Sortierengel heimgesucht, der Theorie einfordert – und Ordnung

(Foto: Manfred Poser)Der Sortier-Engel fühlte sich vernachlässigt, kam vorbei, half mir ein wenig, und im Wegfliegen flüsterte er mir ins Ohr, ich möge doch etwas zur Ordnung im Universum sagen; das hätten ihm deutsche Physiker aufgetragen ... und dann war er weg. Wo anfangen? Beim Anfang, beim Urknall. Danach war plötzlich Materie da. Sie besteht aus Protonen, Neutronen und Elektronen. Dann, 1932, spürte Carl Anderson in der Höhenstrahlung das Positron auf, das erste Beispiel eines Antiteilchens. Es lebt nicht lange und wird beim Zusammenstoß mit dem Elektron eliminiert. 1955 entdeckte man im Beschleunigerlabor das Antiproton. Jedes Teilchen hat sein Antiteilchen. Das weiß man theoretisch ...


Lookism oder die hässliche Seite der Schönheit

Einige Gedanken zur Rolle der Schönheit in Gesellschaft, Globalisierung und Arbeitswelt

Unter dem Begriff ›Schönheit‹ verstand man einmal »interessenloses Wohlgefallen«, aber das ist inzwischen lange her. Die gesellschaftliche Bedeutung des äußeren Erscheinungsbildes, des Stylings, des Gewichts und der Körpergröße, hat längst die Grenzen der Pathologie durchbrochen. Ob Essstörungen, plastische Chirurgie oder Diskriminierung. Ignorierbar sind die verheerenden Folgen des Schönheitswahns eigentlich schon lange nicht mehr – auch nicht für die Politik. Doch der Druck zur Anpassung an das Ideal sichert der Kosmetikindustrie jährlich Gewinne in Milliardenhöhe.

 


Fußball in Afrika

Manfred Poser kontrastiert das Bild der westlichen Medien vom »schwarzen Kontinent« mit seinen eigenen Reiseerlebnissen

(Foto: Manfred Poser)Das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft! Das war ja schon lange bekannt, also konnte ich meine Geschichte vorbereiten. Afrika bedeutet mir viel. Ich war 1978 in der Sahara und 1984 in Ostafrika, damals schrieb ich sogar einige Artikel darüber. Wäre ich mutiger gewesen, hätte ich mich in Nairobi niedergelassen und von dort als Stringer (freier Journalist) für deutsche Zeitungen geschrieben. Doch dann ging ich zur dpa in Hamburg, und im Großraum tauchte plötzlich ein Schweizer Journalist auf, den ich in Nairobi getroffen hatte und der wohl, da er Schweizer war, auch ein wenig auf Sicherheit aus war. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Meier hieß er ...


Zwischen den Flüssen

Eine wissenschaftliche Tagung am 4. und 5. Juni widmet sich der »Literatur an der Nahtstelle zwischen Ruhr und Rhein«

Der Rhein ist der Ort der Romantik, der hübschen kleinen Städte und eines beschaulichen Miteinanders von Natur und Kultur. Die Ruhr dagegen barg lange Zeit schon in der Artikulation ihres Namens Assoziationen von grauen, hässlichen Industrielandschaften, verschmutzter Luft und dem Triumph der Technik über die geschändete Natur. Dabei lag das Ruhrgebiet schon immer im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Diskursen – und zwischen diesen beiden Flüssen.


Gräfin Dracula

Auch Manfred Poser ist fasziniert vom Horror – aber nicht alle Monster sind welche

Spukgemäuer in Irland (Foto: Manfred Poser)Das klang packend: Countess Dracula – The Life and Times of Elisabeth Báthory, the Blood Countess. Dieses Buch des Engländers Tony Thorne erschien 1997, es stand am Institut und ich entlieh es mir. Schon die Einführung! »In den Jahren, bevor sie sich umbrachte, schrieb die argentinische Surrealistin Alejandra Pizarnik kleine Geschichten und Gedichte.« Eine Erzählung behandelte die Blutgräfin, »la Condesa Sangrienta« Elisabeth Báthory. Sie lebte von 1560 bis 1614 in Transsylvanien, das damals ungarisch war. Gerüchten zufolge soll sie 650 junge Mädchen gefoltert und getötet haben, nach anderen Angaben waren es 220, und Zeugen vor Gericht kamen auf 35 ...


Nachruf auf die Tabakspfeife

Viele große Autoren haben Pfeife geschmaucht, weiß Manfred Poser, der ebenfalls am Abend seinen Kocher nicht ausgehen lässt

Auch ein Pfeifenraucher: Vilém Flusser (Foto: orange-press)Ein heißer Sommertag an der Côte d’Azur. Der belgische Romancier Georges Simenon hat sich vier Pfeifen gestopft, die nun vorbereitet in einem Gestell neben der Schreibmaschine auf ihn warten. Dann zieht er die Vorhänge zu, schenkt sich einen Genever ein und fängt zu schreiben an, denn Kommissar Maigret soll an einem nebligen Abend in Belgien einem Fall nachgehen, der auf einem Schiff spielt. Der Autor hört, wie das Wasser an die Bordwand klatscht ...


Identität = Nationalität?

Ab dem 6. Mai sind in der Rheinlandhalle in Köln Werke aus allen Bereichen der bildenden Kunst zu sehen, die sich der Frage nach der Identifikation mit der eigenen Nationalität widmen

Du bist Deutschland – wer bin ich? Ausstellungsplakat, Copyright www.arts-and-lyrics.de»Du bist Deutschland« – so lautete vor ein paar Jahren der Slogan einer großen Werbekampagne, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, ein neues deutsches Nationalgefühl heraufzubeschwören. Sieben in Deutschland lebende Künstler nahmen diesen Slogan zum Anlass, sich die Frage »Wer bin ich?« zu stellen. Die individuellen Antworten werden vom 6. bis 24. Mai 2010 in einer Ausstellung in der Rheinlandhalle in Köln-Ehrenfeld präsentiert. Diese zeigt verschiedene Sichtweisen auf das Leben in Deutschland, die sich in ebenso vielfältiger Weise in allen Bereichen der bildenden Kunst manifestieren.


Short Stories

Manfred Poser wendet sich den Perlen einer überbordenden Literaturproduktion zu

(Foto: Manfred Poser)Seit dem Zauberer von Rom im Dezember 2009 keinen großen Roman mehr gelesen. Anderes war zu tun, ich pflügte kreuz und quer durch die Parapsychologie, und die Konzentration für einen Roman fehlte. Ein alter Freund, Englischlehrer an einem bayerischen Gymnasium, schwärmte mir von (Sir) Kingsley Amis (1922–1995) vor und empfahl dessen Collected Stories. Und dann legte mir Rolf Hannes aus Freiburg noch die Kanadierin Alice Munro (geboren 1931) ans Herz, die meist Geschichten von etwa 30 Seiten Länge schreibt. Ich war begeistert ...


 

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