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 <title>Kritische Ausgabe Plus - Musik - Porträt &amp; Interview</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/taxonomy/term/76/0</link>
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 <language>de</language>
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 <title>»Kein Rezept für die Zukunft dieser Republik.«</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/%C2%BBkein-rezept-f%C3%BCr-die-zukunft-dieser-republik%C2%AB</link>
 <description>&lt;p&gt;Samy Deluxe (*1977 in Hamburg als Samy Sorge) ist einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands. Das selbsternannte &amp;raquo;Rapgenie&amp;laquo;, auch unter den Namen Wickeda MC und Sam Semilia bekannt geworden, hat im Juli 2011 sein viertes Soloalbum &lt;em&gt;SchwarzWeiss &lt;/em&gt;herausgebracht, das auf Platz 1 der deutschen Album-Charts eingestiegen ist. Mit der Kritischen Ausgabe sprach Samy Deluxe unter anderem &amp;uuml;ber seinen Lieblingsautor, Weimar und sein soziales Engagement.&lt;/p&gt;
&lt;!--break--&gt;&lt;!--break--&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kritische Ausgabe (K.A.): &lt;/strong&gt;Samy, auf dem Track &lt;em&gt;Poesiealbum &lt;/em&gt;Deines aktuellen Albums kommen jede Menge deutscher Dichter von Schiller &amp;uuml;ber Morgenstern bis Brecht vor. Gibt es einen Autor aus der Vergangenheit, dessen Werk Du besonders sch&amp;auml;tzt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Samy Deluxe:&lt;/strong&gt; Ich bin ehrlich gesagt kein gro&amp;szlig;er Leser der Klassiker. Von den Inhalten her liegt mir Brecht am ehesten.&amp;nbsp; Kann sein, dass ich &amp;ndash; wenn ich &amp;auml;lter bin &amp;ndash; noch mal auf den Geschmack komme.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.: &lt;/strong&gt;Auf Deiner &amp;raquo;dis wo ich herkomm&amp;laquo;-Tour warst Du 2009 neben vielen anderen St&amp;auml;dten auch in der Stadt Deines, wenn man so sagen darf, &amp;sbquo;Amtsvorg&amp;auml;ngers&amp;rsquo;. Welchen pers&amp;ouml;nlichen Eindruck hattest Du von Weimar?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Samy Deluxe:&lt;/strong&gt; H&amp;uuml;bsche kleine ruhige Stadt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.: &lt;/strong&gt;Hast Du schon einmal mitbekommen, dass Literaturwissenschaftler sich f&amp;uuml;r Deine Texte interessieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Samy Deluxe:&lt;/strong&gt; Ja, einige Studierende haben Interviews mit mir gemacht zu verschiedenen Ans&amp;auml;tzen. Es gab welche, die sprachlich untersucht haben, andere zu den Themen&amp;nbsp; Rassismus und Identit&amp;auml;t.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.: &lt;/strong&gt;Gef&amp;auml;llt es Dir, dass man wissenschaftlich an Deine Texte herangeht?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Samy Deluxe:&lt;/strong&gt; Nat&amp;uuml;rlich finde ich das interessant und oft sind die Gespr&amp;auml;che auch gut gewesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;/sites/default/files/u156/Samy_Deluxe_Schwarz_Weiss1.jpg&quot; style=&quot;width: 400px; height: 396px;&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.: &lt;/strong&gt;Neben Deiner Arbeit als Musiker engagierst Du Dich bei beim Projekt &lt;em&gt;iChance &lt;/em&gt;vom Bundesverband f&amp;uuml;r Alphabetisierung und Grundbildung. Vor &amp;uuml;ber zehn Jahren hast Du gerappt, Du f&amp;uuml;hltest Dich selbst wie ein &amp;raquo;Analphabet, den keiner versteht&amp;laquo;. F&amp;uuml;hlst Du Dich heute verstandener? Und wer versteht Dich nach wie vor nicht?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Samy Deluxe:&lt;/strong&gt; Vor allem engagiere ich mich in meinem Verein Crossover e.V. (&lt;a href=&quot;http://www.crossover-ev.de/&quot;&gt;www.crossover-ev.de&lt;/a&gt;) f&amp;uuml;r die Integration von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergr&amp;uuml;nde. Ich selbst habe keine gute Schulzeit gehabt und m&amp;ouml;chte deshalb etwas dazu beitragen, dass die Kids in der Schule auch mal Menschen sehen, die sonst in der &amp;Ouml;ffentlichkeit stehen,&amp;nbsp; und erfahren, dass man sich f&amp;uuml;r sie interessiert. Wir machen da Workshops mit unterschiedlichsten&amp;nbsp; Mitteln und zu verschiedensten Themen. Und wer mich nicht versteht? Zum Beispiel Herr Sarrazin und seine Anh&amp;auml;nger, denke ich mal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.: &lt;/strong&gt;Kannst Du die Emp&amp;ouml;rung rund um die Verleihung des Integrationspreises an Bushido auf der diesj&amp;auml;hrigen Bambi-Verleihung nachvollziehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Samy Deluxe:&lt;/strong&gt; Ich hab da wenig von mitbekommen. Wenn er gute Sachen gemacht hat &amp;ndash; okay.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.: &lt;/strong&gt;Mal angenommen, gleich klingelt Dein Telefon. Angela Merkel ist dran und sagt Dir: &amp;raquo;Samy, ich kann nicht mehr, Du musst jetzt den Laden schmei&amp;szlig;en!&amp;laquo; Was w&amp;auml;re Deine erste Amtshandlung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Samy Deluxe:&lt;/strong&gt; Die Frage kommt mir so vor, wie man sie fr&amp;uuml;her Kindern gestellt hat: Was w&amp;uuml;rdest du machen, wenn du K&amp;ouml;nig w&amp;auml;rst? Es gibt ja immer Sachen, die einen pers&amp;ouml;nlich mehr bewegen als andere. Bei mir sind das die berechtigten Interessen von Kindern und Jugendlichen. Gute Schulen, engagierte Lehrer, Freizeitm&amp;ouml;glichkeiten, die den Kids gefallen und sie weiterbringen. Ich glaube, dass vieles besser gemacht werden sollte &amp;ndash; aber ich bin Musiker, will es bleiben und habe kein Rezept f&amp;uuml;r die Zukunft dieser Republik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.: &lt;/strong&gt;Samy, vielen Dank f&amp;uuml;r das Gespr&amp;auml;ch.&lt;/p&gt;
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 <comments>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/%C2%BBkein-rezept-f%C3%BCr-die-zukunft-dieser-republik%C2%AB#comments</comments>
 <category domain="http://www.kritische-ausgabe.de/kategorie/musik/musik-portr%C3%A4t-interview">Musik - Porträt &amp; Interview</category>
 <pubDate>Wed, 07 Dec 2011 22:18:49 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Grischka Grauert</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">4762 at http://www.kritische-ausgabe.de</guid>
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 <title>Zwischen Gestern und Heute</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/zwischen-gestern-und-heute</link>
 <description>&lt;!--break--&gt;&lt;!--break--&gt;&lt;blockquote&gt;
	&amp;raquo;We were close but we never made it home. We could see what we had and we let it go. Now it&amp;rsquo;s miles away and cast in stone.&amp;laquo;&lt;/blockquote&gt;
&lt;div align=&quot;right&quot;&gt;
	(aus &amp;raquo;Half-State&amp;laquo;, &lt;em&gt;Beat the Devils tattoo&lt;/em&gt;)&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte vieler Bands liest sich an der Oberfl&amp;auml;che oft wie ein mittelm&amp;auml;&amp;szlig;ig gut konzipierter Roman: Erfolge, Misserfolge, der Woge der Begeisterung folgt die Monotonie des Allt&amp;auml;glichen und wie bei jeder Kunst wird alles angetrieben durch die Leidenschaft, ohne die der Schriftsteller nie zum Stift und der Musiker nie zum Instrument gegriffen h&amp;auml;tte. Wie bei jeder Erfolgsgeschichte beginnt alles mit unreflektierter Euphorie der Adressaten, grenzenloser, &amp;uuml;berstilisierter Liebe zum scheinbar Neuen, das da so unverhofft daherkommt und dem tristen Leben eine Abwechslung gibt.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	Das Neue im Alten&lt;/h5&gt;
&lt;dl style=&quot;width:267px; float:left; padding:2px 6px 6px 6px; margin:2px 6px 6px 6px;&quot;&gt;
&lt;dt style=&quot;text-align:center; margin:0px; padding:0px;&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;(Foto: © Ines Böckelmann)&quot; height=&quot;200&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/Photo-3-Ines-Böckelmann.JPG&quot; title=&quot;(Foto: © Ines Böckelmann)&quot; width=&quot;267&quot; /&gt;&lt;/dt&gt;
&lt;dd style=&quot;text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;&quot;&gt;
		Foto: &amp;copy; Ines B&amp;ouml;ckelmann&lt;/dd&gt;
&lt;/dl&gt;
&lt;p&gt;Zu einer Zeit, als Rock&amp;rsquo;n&amp;rsquo;Roll zu einem abgedroschenen Fachterminus einer l&amp;auml;ngst &amp;uuml;berholten Musikweise verkommen war und dennoch jeder an ihm festhielt, traten Black Rebel Motorcycle Club auf die B&amp;uuml;hne und fragten, ohne &amp;uuml;bertrieben philosophisch zu werden, vielmehr mit einer fast provozierenden Einfachheit &amp;raquo;Whatever happened to my Rock&amp;rsquo;n&amp;rsquo;Roll&amp;laquo; und waren damit eben jenem n&amp;auml;her gekommen als die meisten dieser Tage. Daf&amp;uuml;r gab es Applaus, tosenden Beifall nicht nur im Heimatland, den USA, sondern auch in Europa von Musikkritikern und Moderatoren diverser Musiksender. Dem bejubelten Erstlingswerk &lt;em&gt;B.R.M.C&lt;/em&gt; (2002) folgte mit &lt;em&gt;Take them on, on your own &lt;/em&gt;(2003) ein nicht weniger beachteter Nachfolger, und weil das nicht unbedingt Usus ist, dachten viele, dass Black Rebel Motorcycle Club vielleicht f&amp;uuml;r Jahre in ihrem Bereich die Erfolgsliste anf&amp;uuml;hren w&amp;uuml;rden.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	Ein anderer Weg, oder &amp;raquo;there is no excuse for a wasted life&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;Doch dann folgte das dritte Album mit dem f&amp;uuml;r sich selbstsprechenden Titel &lt;em&gt;Howl&lt;/em&gt; (2005), welches v&amp;ouml;llig anders als erwartet. Der rote Faden, der sich durch die ersten beiden Alben gezogen hatte, verlor sich bis zur Unkenntlichkeit in einem Meer aus, f&amp;uuml;r den BRMC-H&amp;ouml;rer, bis dahin unbekannten Kl&amp;auml;ngen. Psychodelic Rock wurde eingetauscht in American Folk Rock. Beeinflusst durch Gedichte Allan Ginsbergs komponierten sie mit Howl ein Album, das fast vollkommen akustisch gehalten war und vergraulten damit das Gros ihrer Anh&amp;auml;ngerschaft, die sich einem Black Rebel Motorcycle Club nicht &amp;ouml;ffnen wollte, der keine verschrammelten, dreckigen E-Gitarren zum Einsatz brachte. Es ist symptomatisch, dass Robert Levon Been in dem Song &amp;raquo;Weight of the world&amp;laquo; beinahe resigniert feststellt: &amp;raquo;there is no excuse for a wasted life&amp;laquo;. Zu eben jener beschriebenen charakteristischen Mischung aus Rock&amp;rsquo;n&amp;rsquo;Roll und psychodelischen Kl&amp;auml;ngen der ersten beiden Alben kam nun also auch diese manchmal leise, manchmal fordernde Interpretation des American Folk Rock dazu. Das vierte Album &lt;em&gt;Baby 81&lt;/em&gt; (2007) lie&amp;szlig; Folk und Psychodelic weitestgehend hinter sich und konzentrierte sich wieder auf origin&amp;auml;ren Rock&amp;rsquo;n&amp;rsquo;Roll &amp;ndash; etwas kurzweilig, aber seine Spuren im musischen Ged&amp;auml;chtnis hinterlassend. Nur ein Jahr sp&amp;auml;ter ver&amp;ouml;ffentliche die Band ein weiteres Album mit dem Titel &lt;em&gt;The Effects of 333&lt;/em&gt;, das allerdings nur als digitaler Download erh&amp;auml;ltlich war und auch deshalb weniger in den Fokus der Aufmerksamkeit geriet. Effects of 333 ist das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Experiment des Black Rebel Motorcycle Club &amp;ndash; teilweise gelungen, an manchen Stellen vielleicht aber etwas &amp;uuml;berambitioniert. In zehn Liedern versuchen sie ohne Gesang das eigentlich Unerz&amp;auml;hlbare musikalisch erz&amp;auml;hlbar zu machen und dies die meiste Zeit &amp;uuml;ber ohne wirklich erkennbare Instrumente und Klangmuster. Es wird verzerrt und viel mit Effekten gearbeitet, so dass quasi ein vertontes St&amp;ouml;hnen und &amp;Auml;chzen entstanden ist. Der Reiz dieses Ziehens und Zehrens an allen Soundmaschinen dieser Welt bildet den Grundton, der geschickt zwischen albtraumhafter D&amp;uuml;sterheit und melancholischer Schwerelosigkeit zu balancieren wei&amp;szlig;.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	Der Kompromiss&lt;/h5&gt;
&lt;dl style=&quot;width:267px; float:right; padding:2px 0px 6px 6px; margin:2px 0px 6px 6px;&quot;&gt;
&lt;dt style=&quot;text-align:center; margin:0px; padding:0px;&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;(Foto: © Elias Bauer)&quot; height=&quot;200&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/Photo-2-Elias-Bauer.JPG&quot; title=&quot;(Foto: © Elias Bauer)&quot; width=&quot;267&quot; /&gt;&lt;/dt&gt;
&lt;dd style=&quot;text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;&quot;&gt;
		Foto: &amp;copy; Elias Bauer&lt;/dd&gt;
&lt;/dl&gt;
&lt;p&gt;Doch nun zu &lt;em&gt;Beat the Devils Tattoo&lt;/em&gt; (2010), das zuallererst einen personellen Wechsel markiert &amp;ndash; der alte Drummer Nick Jago verabschiedete sich und seitdem sitzt Leah Shapiro hinter dem Schlagzeug. Vielleicht ist dieses Album das am besten Durchdachte &amp;ndash; sicherlich ist die Zusammenstellung der Lieder gut gelungen, aber oder gerade deswegen fehlt ihm jener Geist der ersten Alben. BRMC versuchen das ihnen Spezifische fast rabiat gegl&amp;auml;ttet an den H&amp;ouml;rer zu bringen, so dass letztlich nur ein verk&amp;uuml;mmertes Etwas vom Damals &amp;uuml;brig geblieben ist. Das w&amp;auml;re nicht n&amp;ouml;tig gewesen, wenn man genug Vertrauen in die verbliebene H&amp;ouml;rerschaft gehabt h&amp;auml;tte. Es scheint, als seien nun auch Peter Hayes und Robert Levon Been in den Konflikt geraten f&amp;uuml;r immer in der Semibekanntheit herumzuwabern, die dem Erfolg der ersten Alben folgte, oder den Schritt ins ewig strahlende Licht zu schaffen. Dass dies allein kein Grund zur Verteufelung ist, versteht sich von selbst, aber es entt&amp;auml;uscht, dass eine Mittelm&amp;auml;&amp;szlig;igkeit als Konsens gew&amp;auml;hlt wird, die vielleicht neuen H&amp;ouml;rern nicht auffallen wird, den alten aber schon beim ersten Lied als l&amp;auml;stiges Hintergrundrauschen im Ohr haftet. Der Grundgedanke hinter diesem Album ist nicht schwer zu erraten, es soll f&amp;uuml;r jeden etwas dabei sein, gleichsam die Quintessenz ihres bisherigen Schaffens darstellen. Dass dies klanglich m&amp;ouml;glich ist, wei&amp;szlig; man durch die Konzerte, in denen die Band stets bem&amp;uuml;ht ist nicht nur das jeweils aktuelle Album vorzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Blick auf einige Betitelungen der Lieder des Albums wirkt zuerst einmal abschreckend. &amp;raquo;Bad Blood&amp;laquo;, &amp;raquo;War Machine&amp;laquo; und &amp;raquo;Conscience Killer&amp;laquo; sind zu gewollt aggressiv formuliert und erhalten zudem in Kombination mit weiteren Liedern wie &amp;raquo;River Styxs&amp;laquo; und &amp;raquo;Mama tought me better&amp;laquo; eine unfreiwillige Komik. Zufall oder nicht, die genannten Songs klingen so mittelm&amp;auml;&amp;szlig;ig wie ihre Benennung. Sie wollen besonders sein, sind es aber nicht. Das liegt daran, dass BRMC sich selbst zitieren, es wirkt fast so, als h&amp;auml;tten sie sich zwischen dem letzten und dem jetzigen Album ein st&amp;uuml;ckweit verloren und versuchten dies zu verbergen. &lt;em&gt;Beat the Devils Tattoo&lt;/em&gt; klingt streckenweise nach einer Band, die wie BRMC klingen m&amp;ouml;chte, es sich aber nicht ganz traut.&lt;/p&gt;
&lt;!--nextpage--&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;dl style=&quot;width:300px; float:right; padding:2px 0px 6px 6px; margin:2px 0px 6px 6px;&quot;&gt;
&lt;dt style=&quot;text-align:center; margin:0px; padding:0px;&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;(Foto: © Antje Ritter)&quot; height=&quot;200&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/Photo-4-Antje-Ritter.jpg&quot; title=&quot;(Foto: © Antje Ritter)&quot; width=&quot;300&quot; /&gt;&lt;/dt&gt;
&lt;dd style=&quot;text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;&quot;&gt;
		Foto: &amp;copy; Antje Ritter&lt;/dd&gt;
&lt;/dl&gt;
&lt;p&gt;Es sind gerade die Lieder, die an &lt;em&gt;Howl&lt;/em&gt; erinnern sollen (&amp;raquo;The Toll&amp;laquo;, &amp;raquo;Sweet Feeling&amp;laquo;, &amp;raquo;Beat the Devils Tattoo&amp;laquo;), die entt&amp;auml;uschen, weil ihnen jene charakteristische sp&amp;auml;tsommerliche Melancholie abhanden gekommen ist, die sie ausmachte. &lt;em&gt;Howl&lt;/em&gt; ist metaphorisch, fast sph&amp;auml;risch und klingt nach einem Heufeld im Wind, nach einsam herumstreunenden, heulenden Coyoten. Die Lieder auf Beat the Devils Tattoo sind so gew&amp;ouml;hnlich, dass sie gar keine Assoziation hervorrufen. Auch textlich er&amp;ouml;ffnet sich keine neue Ebene. So singt Peter Hayes in der Pianoballade &amp;raquo;Sweet Feeling&amp;laquo;: &amp;raquo;The sweet feeling&amp;rsquo;s gone, the sweet feeling&amp;rsquo;s gone. So they say with a pause it&amp;rsquo; s just moving on. But I can&amp;rsquo;t see no I can&amp;rsquo;t see. No I can&amp;rsquo;t see it at all.&amp;laquo; W&amp;uuml;rde sich parallel zur Wiederholung dieser Satzsequenz eine aufkommende Verzweiflung in seiner Stimme bemerkbar machen, w&amp;auml;re eben jene verzeihbar. Stattdessen einstimmige vokale und lyrische Monotonie. Auch die Erg&amp;auml;nzung am Ende des Liedes &amp;raquo;the sweet feeling&amp;rsquo;s gone , the sweet feeling&amp;rsquo;s gone with you&amp;laquo; erscheint eher fade.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wo sind die Textzeilen, die einen beim H&amp;ouml;ren inspirierten, weiter zu denken, ohne dabei abgehoben daherzukommen? Man denke nur an die Zeile &amp;raquo;all the wrong I&amp;rsquo;ve done I am sure I&amp;rsquo;ll live quite long, all the wrong I&amp;rsquo;ve done will be undone in song&amp;laquo; (aus &amp;raquo;Done all wrong&amp;laquo;) oder &amp;raquo;does it feel too real when everything you&amp;rsquo;ve learnt to love seems to change? Does it feel too real when everything you love to fear seems the same?&amp;laquo; (aus &amp;raquo;Too Real&amp;laquo;, B.R.M.C.).&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	Aussichten&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Beat the devils Tattoo&lt;/em&gt; ist sicherlich ein R&amp;uuml;ckschritt. Es kommt weder an die fordernden Versatzst&amp;uuml;cke des ersten Albums heran, noch erreicht es die Mystik des dritten Albums, auch Hymnen, wie man sie auf Baby 81, dem vierten Album findet, sind selten. Dennoch gibt es auch auf dieser Platte Momente, die sich einordnen lassen in jenes Spezifikum, das die Band fr&amp;uuml;her ausmachte. Dazu geh&amp;ouml;ren die St&amp;uuml;cke &amp;raquo;Aya&amp;laquo;, &amp;raquo;Evol&amp;laquo;, &amp;raquo;Half-State&amp;laquo;, &amp;raquo;1:51&amp;laquo; und &amp;raquo;Matyr&amp;laquo; (letzere nur auf der Limited Digital-Version zu finden). W&amp;auml;hrend sich &amp;raquo;Aya&amp;laquo; als ein erotisierender, unverzierter Rock&amp;rsquo;n&amp;rsquo;Roll- Song pr&amp;auml;sentiert, bei dem man sich nicht ganz sicher sein kann, ob Peter Hayes die stilisierte Liebe, die personifizierte Liebe oder doch die amour&amp;ouml;se Beziehung zum Tod besingt: &amp;raquo;She&amp;rsquo;s the broken shadows on the fallen walls. With no master there&amp;rsquo;s no call. She&amp;rsquo;s the faithful silence that visits all. With no mercy, no remorse&amp;laquo;, findet mit den vier anderen Songs eine R&amp;uuml;ckwendung zu den ausgepr&amp;auml;gten psychodelischen Kl&amp;auml;ngen des ersten Albums statt.&lt;/p&gt;
&lt;dl style=&quot;width:150px; float:right; padding:2px 6px 6px 6px; margin:2px 6px 6px 6px;&quot;&gt;
&lt;dt style=&quot;text-align:center; margin:0px; padding:0px;&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;(Foto: © Elias Bauer)&quot; height=&quot;200&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/Photo-1-Elias-Bauer.JPG&quot; title=&quot;(Foto: © Elias Bauer)&quot; width=&quot;150&quot; /&gt;&lt;/dt&gt;
&lt;dd style=&quot;text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;&quot;&gt;
		Foto: &amp;copy; Elias Bauer&lt;/dd&gt;
&lt;/dl&gt;
&lt;p&gt;&amp;raquo;Half-State&amp;laquo; ist ein zehnmin&amp;uuml;tiger Ausflug in die Zeit von Black Sabbaths &amp;raquo;Planet Caravan&amp;laquo; und lebt von seinen langen ausschweifenden Gitarrenparts, die dem einem oder anderen wieder zu lang sein m&amp;ouml;gen, aber in einer kurzen Variante h&amp;auml;tte das Lied sicher nicht gewirkt. Auch &amp;raquo;Half-State&amp;laquo; besteht aus minimalistischer Lyrik, anders als bei der Ballade &amp;raquo;The sweet Feeling&amp;laquo; funktionieren hier aber die Wiederholungen. Text und Instrumentarium erg&amp;auml;nzen sich, die Einfachheit hier wird durch die Komplexit&amp;auml;t dort ausgeglichen. &amp;raquo;Evol&amp;laquo; und &amp;raquo;1:51&amp;laquo; sind alte Bekannte &amp;ndash; schon lange existieren diese Lieder und geistern auf Konzerten oder auf alten Tonaufnahmen herum. &amp;Uuml;ber die Jahre wurden diese Songs geschliffen, bis sie es jetzt auf ein Album geschafft haben. So ist es selbsterkl&amp;auml;rend, dass sie viel Bezug zu den alten St&amp;uuml;cken der ersten beiden Platten aufweisen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Gesamtkunstwerk ist &lt;em&gt;Beat the Devils Tattoo&lt;/em&gt; sicherlich nicht &amp;ndash; viele St&amp;uuml;cke kann man ohne schlechtes Gewissen in Vergessenheit geraten lassen. Einige wenige St&amp;uuml;cke wird man dagegen nicht so schnell vergessen k&amp;ouml;nnen und d&amp;uuml;rfen. Musik hat es in dieser Hinsicht vielleicht leichter als Literatur &amp;ndash; sie muss nicht immer als Gesamtkunstwerk daherkommen, um gew&amp;uuml;rdigt zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/h4&gt;
&lt;h5&gt;
	Diskographie:&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;B.R.M.C. Virgin/Abstract Dragon, 2002. Take them on, on your own. Virgin/Abstract Dragon, 2003. Howl. RCA/Abstract Dragon, 2005. Baby 81. RCA/Abstract Dragon, 2007. Effects of 333. Abstract Dragon/Independent, 2008. Beat the devils Tattoo. Abstract Dragon/Vagrant, 2010.&lt;/p&gt;
</description>
 <comments>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/zwischen-gestern-und-heute#comments</comments>
 <category domain="http://www.kritische-ausgabe.de/kategorie/musik/musik-portr%C3%A4t-interview">Musik - Porträt &amp; Interview</category>
 <pubDate>Tue, 05 Oct 2010 05:00:29 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Ines Böckelmann</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">4465 at http://www.kritische-ausgabe.de</guid>
</item>
<item>
 <title>»Mache ich das nur für mich? Es ist eher ein Teil von mir.«</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/%C2%BBmache-ich-das-nur-f%C3%BCr-mich-es-ist-eher-ein-teil-von-mir%C2%AB</link>
 <description>&lt;!--break--&gt;&lt;!--break--&gt;&lt;p&gt;Ein Katalysator, so wird Peer G&amp;ouml;bel im Bandinfo seiner Berliner Formation &lt;a href=&quot;http://www.lemobile.de/&quot;&gt;&lt;em&gt;Le Mobil&amp;eacute;&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; beschrieben. Als Texter und S&amp;auml;nger hat er auch zwei &lt;a href=&quot;http://www.myspace.com/peeripherie&quot;&gt;Solo-CDs&lt;/a&gt; herausgebracht, moderiert den Internetpodcast &lt;a href=&quot;http://www.undertube.de/&quot;&gt;&lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, hat die nun nicht mehr erscheinende Zeitschrift &lt;a href=&quot;http://www.somasoma.de/&quot;&gt;&lt;em&gt;Soma&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; mitgegr&amp;uuml;ndet und arbeitet als Journalist in Berlin. Wie das alles zusammenpa&amp;szlig;t und was dahintersteht, hat er mit uns diskutiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kritische Ausgabe:&lt;/strong&gt; Fangen wir mit dem musikalischen Teil Deiner Aktivit&amp;auml;ten an: Klavier und Gitarre hast Du Dir autodidaktisch beigebracht. Kann man sagen, da&amp;szlig; in Dir ein Zug zur Selbsterfindung liegt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Peer G&amp;ouml;bel:&lt;/strong&gt; Vielleicht war es auch eine Reaktion auf den Geigenunterricht, weil da eben sehr strikt vorgegeben ist, was und wie man zu spielen hat. Weil es da eine Art objektive Skala gibt, was richtig und was falsch ist und wie gut es gespielt ist. Meine Erfahrung ist eben, da&amp;szlig; Musik nicht viel braucht, um zu wirken. Sie mu&amp;szlig; nicht kompliziert sein, um zu ber&amp;uuml;hren, um gut zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Ist es Deine Absicht, auf einfache Weise musikalisch zu ber&amp;uuml;hren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Da gehe ich von einer eigenen Erfahrung aus, da&amp;szlig; Musik f&amp;uuml;r mich dann am wertvollsten war, an den Punkten, an denen ich dachte, da&amp;szlig; sie mir weiterhilft. Das sind dann eben auch keine Unterhaltungslieder, sondern traurige Songs, die das verhandeln. Und insofern ist es sicher ein Ziel, Leute zu ber&amp;uuml;hren. Wenn man auf Tour ist, spielt es sicher auch eine Rolle, da&amp;szlig; man Leute unterhalten will. Aber nur daf&amp;uuml;r mache ich keine Musik.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Dar&amp;uuml;ber, wie meine Musik dann von den Leuten geh&amp;ouml;rt wird, habe ich aber keine Deutungshoheit.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;dl style=&quot;width:225px; float:left; padding:6px; margin:6px;&quot;&gt;
&lt;dt style=&quot;text-align:center; margin:0px; padding:0px;&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Peer Göbel (Photo: © privat)&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/Peer_Goebel1.jpg&quot; /&gt;&lt;/dt&gt;
&lt;dd style=&quot;text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;&quot;&gt;
		Peer G&amp;ouml;bel&lt;br /&gt;
		(Photo: &amp;copy; privat)&lt;/dd&gt;
&lt;/dl&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Bei Deinen Texten f&amp;auml;llt auf, da&amp;szlig; sie sehr innerlich wirken. Wie w&amp;uuml;rdest Du auch vor dem Hintergrund der Dir bekannten deutschen musikalischen und Musiker-Szenerie die Art und Weise beschreiben, wie Du Musik begreifst?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Eine gro&amp;szlig;e Frage. Also, ich schreibe die Texte schon auch f&amp;uuml;r mich selbst, wobei an sich der Authentizit&amp;auml;tsgedanke ein Mythos ist. Nat&amp;uuml;rlich habe ich im Hinterkopf, da&amp;szlig; ich eine Band habe &amp;ndash; und Musik wird vor Menschen aufgef&amp;uuml;hrt. Andererseits sind es f&amp;uuml;r mich auch keine Zwecktexte. Es liegt auch vielleicht im Kern von Popmusik, die Text anschlu&amp;szlig;f&amp;auml;hig zu machen. Dar&amp;uuml;ber, wie meine Musik dann von den Leuten geh&amp;ouml;rt wird, habe ich aber keine Deutungshoheit. Das ist ein aktiver Proze&amp;szlig;, und ihre Sache. Klar interessiert es mich auch, was die Leute dar&amp;uuml;ber denken. Nat&amp;uuml;rlich ist es auch eins der Ziele, wenn man sich kreativ &amp;auml;u&amp;szlig;ert, zu h&amp;ouml;ren, ob es auch betrifft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Gerade auch, weil Du Dich ja sehr mit dem Pop nicht nur im musikalischen, sondern auch im literarischen Sinne besch&amp;auml;ftigst. W&amp;uuml;rdest Du Dich auch im literarischen Sinne, wenn man Dich als Texter nehmen w&amp;uuml;rde, als Popautor betrachten &amp;ndash; auch wenn Popliteratur in dem Sinne bereits tot ist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Wahrscheinlich schon, das hei&amp;szlig;t, eher. Aber an l&amp;auml;ngeren Formen habe ich mich noch nicht versucht. An Artikeln, Kurzgeschichten. Songtexte sind eine eigene Gattung, etwas anderes als Lyrik, etwas anderes als Prosa. Ich w&amp;uuml;rde auch zustimmen, da&amp;szlig; es eher eine suchende Art zu Schreiben ist. Also eine Art, die durch Auslassungen funktioniert. Ich versuche, Abstand zu nehmen zu eindeutigen Zuschreibungen, die in Popmusiktexten h&amp;auml;ufig vorkommen &amp;ndash; so was wie Liebe oder Eifersucht. Ich versuche eher nach Zwischenstadien, also was dazwischenliegt, zu fragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie kann man sich denn Deinen Arbeitsproze&amp;szlig; vorstellen? Gehst Du von Beobachtungen aus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Es dauert sehr lange. Eigentlich geht es meist von Notizen aus, die ich mir am Computer aufschreibe oder wenn ich unterwegs bin, zwei S&amp;auml;tze niederkritzle. Meist sind es Selbstbeobachtungen. Die sammle ich dann und ich setze sie so zusammen, da&amp;szlig; sie f&amp;uuml;r mich ein Thema ergeben f&amp;uuml;r einen Song, den ich irgendwie rundkriegen kann. Meistens la&amp;szlig; ich ihn dann auch noch mal liegen, schau es mir nach einigen Wochen wieder an. Ich glaube, dieser Proze&amp;szlig; hat sich auch ver&amp;auml;ndert; ich bin kritischer mir selbst gegen&amp;uuml;ber geworden und will nicht mehr alles rausgeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Was h&amp;auml;ltst Du von Pathos?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Schwierig. Es kommt darauf an, worauf es abhebt. Zumeist steht da ja dahinter eine bestimmte Ideologie &amp;ndash; dann w&amp;uuml;rde ich es ablehnen. Aber manchmal versuche ich es schon zu genie&amp;szlig;en.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Es gibt im Deutschen eine beschwichtigende Redewendung: Jetzt mal pathetisch gesprochen. Der Bedeutung nach bezeichnet Pathos das Leiden, also Reizen durch Ber&amp;uuml;hrung. Du hast eingangs gesagt, da&amp;szlig; es Dir wichtig ist, zu ber&amp;uuml;hren. Oder ist Dir das so zu fremd?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ich habe da mehrere Gedankeng&amp;auml;nge. Im Englischen bedeutet pathetic auf der einen Seite soviel wie &amp;raquo;es ist doch albern, kitschig&amp;laquo;. Im Schwedischen hat es beide Bedeutungen. Dort habe ich in einer Band gespielt und ein schwedischer Freund schrieb ein Lied &amp;raquo;Ich bin pathetisch ohne Dich&amp;laquo;, also im Sinne von theatralisch. Im Deutschen mi&amp;szlig;traue ich der Sprache. Ich finde es schwer, darin Pathos auszudr&amp;uuml;cken ohne das Unwahre zu sagen, ohne auf Prinzipien anzuspielen, die sich auch in Ideologien wiederfinden lassen. Pathos als Leiden oder Freude am Leiden &amp;ndash; wenn ich traurige Musik h&amp;ouml;re, z.B. Nick Cave, der sehr pathetisch ist, kann ich das sehr gut h&amp;ouml;ren. Bei Dramen oder Filmen werde ich auch mitgenommen. Ich glaube, das funktioniert &amp;uuml;ber Anspielungen auf sehr klar definierte Gef&amp;uuml;hle, die vielmehr fremd wurden, oder Werte wie Familie: Vater und Sohn treffen sich wieder, oder wie bei Nick Cave Tod und Liebe. Das rechtfertigt aber oft politisch wenig sinnvolle Dinge.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Ich kann in Texten keine neue Sprache erschaffen.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Du sagtest eben, Du seiest mi&amp;szlig;trauisch gegen&amp;uuml;ber der deutschen Sprache. Was hei&amp;szlig;t das?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Harald Martenstein hat einmal in der &lt;em&gt;Zeit&lt;/em&gt; geschrieben, wenn ein Autor der Sprache mi&amp;szlig;traut, w&amp;auml;re das so, als ob ein Handwerker seinem Hammer mi&amp;szlig;traue. Da ist auch etwas Wahres dran. Aber insofern besteht mein Mi&amp;szlig;trauen im allgemeinen darin, da&amp;szlig; ich nie ganz eingrenzen kann, wenn ich einen Text schreibe, was auf der anderen Seite auch so wahrgenommen wird. Dar&amp;uuml;ber hat man keine Kontrolle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Glaubst Du, Dein Denken w&amp;auml;re in einer anderen Sprache anders?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ich glaube, es w&amp;auml;re anders. Im Englischen gibt es beispielsweise keine m&amp;auml;nnlichen und weiblichen Formen &amp;ndash; etwa bei Berufsbezeichnungen &amp;ndash; vielleicht w&amp;uuml;rde ich dann andere Bilder im Kopf haben. Ich kann in Texten keine neue Sprache erschaffen. Das w&amp;auml;re in keiner Sprache so, da&amp;szlig; ich mir aussuchen k&amp;ouml;nnte, wie die W&amp;ouml;rter besetzt sind und welche Bez&amp;uuml;ge sie haben. Mi&amp;szlig;trauen klingt so, als g&amp;auml;be es dahinter noch etwas Echteres. Ich glaube schon, da&amp;szlig; Sprache oder Begriffe Nuancen reduzieren k&amp;ouml;nnen auf einen engeren Sachverhalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Viele suchen in Musik situativ oder tempor&amp;auml;r Antworten oder Anst&amp;ouml;&amp;szlig;e zu Antworten oder zumindest Trost. Sind das auch f&amp;uuml;r Dich Motive?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ja, es gibt ja viele Gr&amp;uuml;nde, Musik zu h&amp;ouml;ren, aber Trost ist einer der intensivsten, den ich kenne. Bei den letzten beiden &lt;em&gt;Tomte&lt;/em&gt;-Platten steht ja ganz gro&amp;szlig; &amp;raquo;Trost&amp;laquo; dar&amp;uuml;ber, aber das kann ich auch nicht immer h&amp;ouml;ren. Bei mir funktioniert das auch oft &amp;uuml;ber den Text. Die letzten &lt;em&gt;Blumfeld&lt;/em&gt;-Platten haben mir auch deshalb nicht mehr so viel gesagt, denn das ist tats&amp;auml;chlich sehr schlagerhaft. Oder auch die letzten &lt;em&gt;Tocotronic&lt;/em&gt;-Platten, obgleich die fr&amp;uuml;hen Tocotronic ein gro&amp;szlig;er Einflu&amp;szlig; sind. Ich gestehe ihnen aber auch zu, da&amp;szlig; sie das heute nicht mehr machen. Ich glaube, da&amp;szlig; &lt;em&gt;Le Mobil&amp;eacute;&lt;/em&gt; auch nicht das machen, was &lt;em&gt;Tocotronic&lt;/em&gt; gemacht haben. Das war f&amp;uuml;r mich schon eine neue Art, mit Sprache in der deutschsprachigen Popmusik umzugehen, auch als Abgrenzung gegen&amp;uuml;ber dem Deutschrock aus den achtziger Jahren. Da denke ich, &lt;em&gt;Blumfeld&lt;/em&gt; sind wieder einen Schritt zur&amp;uuml;ckgegangen. Aber vielleicht haben sie sich auch selbst anders wahrgenommen. Obwohl ich auch denke, so manche junge Band haben &lt;em&gt;Tocotronic&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Blumfeld&lt;/em&gt; so wahrgenommen, wie ich in den Achtzigern Klaus Lage wahrgenommen habe, blo&amp;szlig; da&amp;szlig; es jetzt halt cool ist. Die mu&amp;szlig;ten keine Abgrenzung gegen&amp;uuml;ber Peter Maffey mehr machen.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Ein Popsong ist ja auch nicht nat&amp;uuml;rlicherweise drei Minuten lang.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Stichwort Konzeptalbum. Du gehst pers&amp;ouml;nlich ja verschiedene Wege. Einerseits mit der Band, und andererseits bist schon seit einigen Jahren als Solist aktiv. H&amp;auml;ttest Du denn mal als Solist Lust auf ein Konzeptalbum?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Das erste Peer-Album &amp;raquo;Lieder, um sie auf das Ende eines Mixtapes zu machen&amp;laquo; ist ja eine Art Konzeptalbum. F&amp;uuml;r reine Konzeptalben ist mein Schreiben zu wenig zielgerichtet. Dazu schreibe ich zu wenig bewu&amp;szlig;t Texte, konzeptuell, und wahrscheinlich nicht genug. Ich mag auch die Form des Albums. Ich werde davon erstmal nicht abr&amp;uuml;cken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Was sch&amp;auml;tzt Du am Album so sehr?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Dass man mehrere Facetten einer musikalischen Formation hat. Es ist wahrscheinlich das Gef&amp;uuml;hl, dann wirklich etwas geschafft zu haben. Es ist eine gelernte kulturelle Form. Wie hat die sich eigentlich ergeben? Wahrscheinlich durch die Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e der Vinylschallplatte. Ein Popsong ist ja auch nicht nat&amp;uuml;rlicherweise drei Minuten lang.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Welchen Grund gab es f&amp;uuml;r Dich, solo aufzutreten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ich hatte Lust, schneller etwas zu machen. Das erste Album wurde an einem Tag aufgenommen. Es hat auch eine Rolle gespielt, da&amp;szlig; ich allein etwas durchziehen wollte. Es hat beides Qualit&amp;auml;ten, denn es macht ja Spa&amp;szlig;, sich mit anderen auseinanderzusetzen und auch gemeinsam etwas zu erarbeiten. Dann entsteht auch noch mal etwas anderes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Die Rolle des Solisten behagt Dir auf die Dauer auch nicht, wenn man an die neue Band denkt. Hat die schon einen neuen Namen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Der Arbeitstitel ist erstmal die &lt;em&gt;Peer-Band&lt;/em&gt;. Aber wahrscheinlich wird es irgend etwas mit Peer, denn wenn ich schon mit einem dritten Namen ver&amp;ouml;ffentliche, macht es schon Sinn, irgendwo anzukn&amp;uuml;pfen. Es ist tats&amp;auml;chlich von der Konzertsituation her schon ein Grund, da&amp;szlig; man in einer Band noch mehr M&amp;ouml;glichkeiten hat, die Musik auszukleiden, zu arrangieren und eine gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Vielfalt zu bringen. Nat&amp;uuml;rlich geh&amp;ouml;rt auch dazu, die Leute zum Tanzen zu bringen, was allein mit der Gitarre schon schwierig ist. Eine Tour kann man auch auf mehrere Schultern verteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Hast Du Vorbilder f&amp;uuml;r die berlinerisch-volkst&amp;uuml;mliche Musik, die Du als Solist mit der nun zweiten Platte &amp;raquo;Gassenhauer-EP&amp;laquo; vorgelegt hast?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Konkrete Vorbilder gab es nicht. Es gibt von den &lt;em&gt;&amp;Auml;rzten&lt;/em&gt; ein, zwei Songs, die berlinert sind. Ein Einflu&amp;szlig; war auf jeden Fall Fil, der unter anderem als Comiczeichner f&amp;uuml;r das Berliner Magazin &lt;em&gt;Zitty&lt;/em&gt; &amp;raquo;Didi und Stulle&amp;laquo; zeichnet und solo als politischer Liedermacher auftritt. Die Nutzung des Berlinischen ist vielleicht auch zwischen mir und meinen Br&amp;uuml;dern entstanden, wo wir das manchmal als Verbindung nutzen, obwohl wir es nie im Alltag gesprochen haben. Es ist also f&amp;uuml;r mich eine Kunstsprache. Als ich am Gassenhauer schrieb, entdeckte ich auch Platten mit Berliner Kinderliedern wieder, mit Liedern wie &amp;raquo;Janz Berlin ist eene Wolke&amp;laquo;, &amp;raquo;Spreeathen&amp;laquo; und andere. Es war auch ein bi&amp;szlig;chen der irrationale Wunsch, sich auf ein regionales Zuhause zu beziehen. Ich finde es manchmal auch ganz witzig, &amp;uuml;ber Zugezogene Witze zu machen. Obwohl die ganze Stadt ja nat&amp;uuml;rlich davon lebt, da&amp;szlig; Menschen hierher kommen und sich verwirklichen.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Es ist nicht schwer, so etwas zu machen &amp;ndash; eine Band oder auch Medien.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie wichtig ist Dir Unabh&amp;auml;ngigkeit?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Sehr wichtig. Es ist wahrscheinlich das Grundprinzip f&amp;uuml;r freies Leben, als Prinzip zwischen den Menschen. Ich besetzte Unabh&amp;auml;ngigkeit schon positiv, nat&amp;uuml;rlich gibt es auch Grenzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wo siehst Du die Grenzen? Gibt es einen Punkt, an dem Du sagen w&amp;uuml;rdest, aus meiner Freiheit heraus gebe ich meine Unabh&amp;auml;ngigkeit auf?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Klar gibt es das. Immer wenn man Bindungen mit Menschen eingeht. Also politisch gesprochen, eine Form von Solidarit&amp;auml;t &amp;ndash; da&amp;szlig; wir nicht allein auf dieser Welt herumlaufen, oder tagt&amp;auml;glich durch die Stra&amp;szlig;en. Mir geht es um den Punkt, an dem wir die Freiheit, die Unabh&amp;auml;ngigkeit aufgeben, deutlich zu machen, da&amp;szlig; es wirklich eine Entscheidung ist, kein zwingender Weg. Ebenso wenn man einen Job annimmt...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Auf der &amp;raquo;Gassenhauer-EP&amp;laquo; hast Du ja in &amp;raquo;setzen/stellen/legen&amp;laquo; den passenden Vers: &amp;raquo;Seit ich eine Arbeit habe, wei&amp;szlig; ich nicht mehr, wof&amp;uuml;r.&amp;laquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Das ist ja kein neuer Gedanke. Beim Lesen der Magisterarbeit eines Freundes ist mir vor kurzem noch mal klargeworden, da&amp;szlig; die Analyse der protestantischen Arbeitsethik, die das Prinzip vom &amp;raquo;Arbeiten, um zu leben&amp;laquo; umkehrt, zum &amp;raquo;Leben, um zu arbeiten&amp;laquo;, schon fast hundert Jahre alt ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Gibt es denn f&amp;uuml;r Dich neben der Unabh&amp;auml;ngigkeit auch einen zweiten Gedanken? Was Du denkst mit Deiner Arbeit als Musiker und mit dem Internet-Podcast &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt; aufzufangen oder widerzuspiegeln?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Bei undertube, aber auch bei der Band ragt da sicher auch ein Do-It-Yourself-Hintergrund mit hinein. Es geht um eine Art Selbsterm&amp;auml;chtigung, da&amp;szlig; es nicht schwer ist, so etwas zu machen &amp;ndash; eine Band zu machen oder auch Medien zu machen. Wahrscheinlich auch als Grundhaltung, sein Leben in die Hand zu nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Bei &lt;em&gt;untertube&lt;/em&gt; gebt ihr vor laufender Kamera in der U-Bahn Konzertr&amp;uuml;ckblicke, macht Interviews mit Musikern, die meistens auch singen und spielen, und empfehlt kommende Konzerte. Warum macht Ihr etwas wie &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt; &amp;ndash; auch aus k&amp;uuml;nstlerischen Selbstverst&amp;auml;ndnis?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;Untertube&lt;/em&gt; ist im Prinzip ein Fanzine und daher f&amp;uuml;r eine bestimmte Szene gemacht. Es hat auch etwas mit dem eigenem Ego zu tun. Ich w&amp;uuml;rde es nie so sagen, da&amp;szlig; es ein K&amp;uuml;nstlerverst&amp;auml;ndnis ber&amp;uuml;hrt, aber ja. Es ist schwierig, weil es in dem Sinne kein Beruf ist &amp;ndash; das w&amp;uuml;rde hei&amp;szlig;en, damit verdiene ich mein Geld. Aber als wichtiger und gro&amp;szlig;er Teil meiner Pers&amp;ouml;nlichkeit ist das schon so.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;zentriert&quot;&gt;&lt;img alt=&quot;Das »undertube«-Team Berlin: Peer und Mila (Photo: »undertube«)&quot; class=&quot;frei&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/Peer_Goebel3.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;font size=&quot;-1&quot;&gt;Das &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt;-Team Berlin: Peer und Mila&lt;br /&gt;
	(Photo: &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt;)&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Verstehst Du Dich dar&amp;uuml;ber hinaus auch als Journalist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Bei &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt; begreife ich mich weniger als Journalist. Da verfolgt man aber schon solche Wege. Aber da gibt es auch manchmal den Ansatz, da&amp;szlig; wir erz&amp;auml;hlen, was uns gerade interessiert, und nicht, was ein potentielles Publikum interessiert. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber wie organisiert Ihr die Arbeit bei &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt;? Ihr seid jetzt in K&amp;ouml;ln, M&amp;uuml;nchen und Berlin. Gab es Vorbilder bzw. gibt es das noch in anderen St&amp;auml;dten oder L&amp;auml;ndern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Also nicht in der Form. Christoph Schlingensief hat mal in der U-Bahn was gemacht. Das habe ich aber auch nie gesehen. Wir sind mindestens zehn Leute. Es gibt neben der Moderation noch Kamerapersonen und die technische Seite. Und es gibt die Idee, bald in Hamburg zu starten. Zudem war die Expansion nach K&amp;ouml;ln eher notgedrungen. Das hat sich mehr so ergeben. Es ist nat&amp;uuml;rlich auch immer die Frage, wieviel Kontrolle gibt man ab, wenn man ein Projekt zu dritt oder zu viert gestartet hat. Wenn man noch mehr Leute reinholt, wei&amp;szlig; man nicht, wie das wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Hattet ihr Euch, bevor Ihr mit &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt; angefangen habt, ein Konzept ausgearbeitet? Man mu&amp;szlig; schlie&amp;szlig;lich die dramaturgischen und technischen Kenntnisse und die Ausstattung zum Filmen und Bearbeiten der Aufnahmen besitzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Das technische Equipment und Know-how hatten wir schon von den Comiclesungen der &lt;a href=&quot;http://www.kritkon.de/&quot;&gt;&lt;em&gt;Kritkon&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;-Produktionen. Da gab es eine B&amp;uuml;hnenshow, bei der wir Kurzfilme gemacht haben. Insofern hatten wir auch eine Kamera.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; In Euren Filmen sind relativ viele Schnitte. Liegt daran, da&amp;szlig; Ihr selbst aus dem Konzept kommt oder sind es Versprecher oder Reinrufe des Publikums?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Die kurzen Schnitte gehen einerseits darauf zur&amp;uuml;ck, da&amp;szlig; zum Teil Sachen herausgek&amp;uuml;rzt werden, weil es ansonsten zu lang w&amp;auml;re, zum Teil auch wegen den Versprechern. Andererseits liegt es eben auch am Internetformat, da die Leute schneller dazu tendieren wegzuschalten, wenn nicht immer etwas passiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Ihr rechnet also mit Kurzsehern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Und Gelegenheitssehern &amp;ndash; wenn Leute sich f&amp;uuml;r die Band interessieren, dann schauen sie mal rein. Wir haben nat&amp;uuml;rlich auch Zuschauer, die es regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig sehen. So viele Formate gibt es im Internet nicht, in denen &amp;auml;hnliches regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig gemacht wird. Wir haben uns an &lt;em&gt;Ehrensenf&lt;/em&gt; orientiert, was aber k&amp;uuml;rzer ist. Die Idee war auch, da&amp;szlig; Leute, was noch st&amp;auml;rker kommen wird, mobile Ger&amp;auml;te haben und es sich unterwegs, beispielsweise in der U-Bahn, anschauen, und daf&amp;uuml;r sollte es auch eine handliche L&amp;auml;nge haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wenn Du jetzt ein vorl&amp;auml;ufiges Res&amp;uuml;mee ziehen wolltest, &amp;uuml;ber Eure Arbeit, Euren Erfolg, aber auch &amp;uuml;ber das Gef&amp;uuml;hl, dies zu machen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Das geh&amp;ouml;rt auf jeden Fall zu den Pluspunkten des letzten Jahres, dies gestartet, durchgehalten zu haben. Es ist eine gro&amp;szlig;artige Sache, aber nach einem Jahr zieht langsam Routine ein, dann gibt es so Momente, in denen man es nur abarbeitet. Mit etwas Abstand kann man dann sagen, das war eine gute Folge, das eine schlechtere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Liegt das dann auch an den Bands, den Interviewpartnern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ja, zum Teil an den Bands, zum Teil denke ich auch, da war ich nicht in Form. J&amp;uuml;rgen Kuttner, der Radiomoderator, meinte einmal, so richtig gut f&amp;auml;nde er von sich nur drei Sendungen im Jahr. Ich kann das immer mehr verstehen. Ich bin noch jedesmal aufgeregt, da man nie wei&amp;szlig;, wie so alles wird. Aber ich glaube schon, da&amp;szlig; inhaltlich ein Qualit&amp;auml;tsstandard eingezogen ist. Was im R&amp;uuml;ckblick auf das Jahr ein wenig unsere Hoffnung war, da&amp;szlig; sich finanziell ein Sponsor findet, wobei wir dabei auch gemerkt haben, da&amp;szlig; wir auch nicht jeden nehmen w&amp;uuml;rden, weil wir inhaltlich unabh&amp;auml;ngig bleiben wollen. Aber auch ohne einen l&amp;auml;uft es weiter. Wir pr&amp;auml;sentieren damit auch Touren und Festivals, und vielleicht liest dar&amp;uuml;ber jemand von &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt;, und schaut dies dann auch mal an. &lt;/p&gt;
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&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Auch schlecht geschriebene Artikel k&amp;ouml;nnen dazu anregen, dass etwas passiert.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Es scheint so, da&amp;szlig; in allen Projekten, an denen Du beteiligt warst und bist, wie die Band &lt;em&gt;Le Mobil&amp;eacute;&lt;/em&gt;, die Zeitschrift &lt;em&gt;Soma&lt;/em&gt;, dann &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt;, die Unmittelbarkeit, die Authentizit&amp;auml;t im Vordergrund steht. Die &lt;em&gt;Soma&lt;/em&gt; beispielsweise zeichnete sich durch eine gro&amp;szlig;e innere qualitative Spannung in den Beitr&amp;auml;gen aus. Gab es eine feste Redaktion oder suchtet ihr noch weitere Autoren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ja, die Authentizit&amp;auml;t spielt eine gro&amp;szlig;e Rolle. Bei &lt;em&gt;Soma&lt;/em&gt; kam der Gro&amp;szlig;teil der Mitarbeiter von au&amp;szlig;en. Es war manchmal sehr proze&amp;szlig;haft, weil einigen Leuten in der Redaktion ein Text gefallen hat und anderen nicht. Wir haben uns dann darauf geeinigt, wir nehmen ihn rein und wir schauen mal, was die Leute daraus machen. Tats&amp;auml;chlich habe ich die eigene Erfahrung gemacht, da&amp;szlig; auch schlechte Artikel anregen k&amp;ouml;nnen, schlecht geschrieben aber stimmig, von denen ausgehend aber etwas passiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie wurde Eure Redaktionsarbeit gegliedert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Wir hatten eine kollektive Struktur &amp;ndash; einigerma&amp;szlig;en basisdemokratisch &amp;ndash;, die sich &amp;uuml;ber die Jahre mit Aufgabenteilungen etabliert hat. Aber wir waren auch weniger fest institutionalisiert. Die meisten Entscheidungen wurden im Team getroffen. Es war ein Bekannten- und Freundeskreis, der in dem Projekt zusammenkam, der sich aus einem heterogenen Personenkreis zusammensetzte. Die eine ist eine K&amp;uuml;nstlerin, der andere studierte Chemie...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie war die Zeitschrift damals entstanden? Aus einer Fachschaft oder hattet Ihr die Idee, eine f&amp;uuml;r Euch wichtige L&amp;uuml;cke zu schlie&amp;szlig;en? P.G.: Es ging vor allem von meinem Bruder und mir aus. Wir wollten versuchen, eine Zeitschrift zu machen, auch vor dem Hintergrund unserer Auslandserfahrungen, als mein Bruder in Kanada war und ich in Schweden. Dann kamen durch das internationale Umfeld Freundschaften und Bekanntschaften zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Ihr habt drei &lt;em&gt;Soma&lt;/em&gt;-Musiksampler ver&amp;ouml;ffentlicht. Und die &lt;em&gt;Soma&lt;/em&gt; wurde auch &amp;uuml;ber Solidarit&amp;auml;ts-Konzerte finanziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Fast ausschlie&amp;szlig;lich. Beim Gro&amp;szlig;teil der Konzerte gab es auch keinen Eintritt, sondern es gab nur einen Getr&amp;auml;nkeverkauf. Das lief dann mit den Bands auf der Ebene, da&amp;szlig; wir die Leute dahinbringen. Es hat tats&amp;auml;chlich funktioniert. Und so war es auch bei den Samplern, da&amp;szlig; die Bands die Songs zur Verf&amp;uuml;gung gestellt haben und wir haben sie dann verkauft. Von Bandseite w&amp;auml;re ich jetzt aber an dem Punkt, da&amp;szlig; man das nicht immer machen kann. Ich tue mich mittlerweile schwer, f&amp;uuml;r die gesamte Energie, die man da hineinsteckt, umsonst zu spielen.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Es w&amp;auml;re manchmal einfacher, wenn man weniger zweifeln w&amp;uuml;rde, aber nicht besser.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Musikbesprechungen m&amp;uuml;ssen notwendigerweise auch eine bestimmte Sprache gebrauchen, die die Musik beschreibt und zugleich erkl&amp;auml;rt. Bei &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt; beispielsweise seid ihr damit grunds&amp;auml;tzlich konfrontiert, doch wie geht Ihr damit um?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Man geht immer zwischen der pers&amp;ouml;nlichen Wirkung und dem Versuch einer objektiven Beschreibung hin und her. Das ist immer das Problem bei Musikkritik, ob das &amp;uuml;ber Verweise funktioniert, dann mu&amp;szlig; man davon ausgehen, da&amp;szlig; ein Gro&amp;szlig;teil der Leute die Verweise kennt. Aber damit wird man selten der Musik gerecht. Oder es gibt den Versuch, es musikalisch zu beschreiben, doch da kommt man meist auch nicht weiter. Es h&amp;auml;ngt immer vom Vorwissen des Publikums ab. Wenn ich an au&amp;szlig;erhalb stehende Personen schreibe, wir spielen da und da und das ist solche Musik, dann schreibe ich es anders, als wenn ich es bei &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt; sage. Es ist immer eine Ann&amp;auml;herung. In der &lt;em&gt;Soma&lt;/em&gt; schrieb ich einmal eine Kritik zu &lt;em&gt;Sofaplanet&lt;/em&gt;, bei der im letzten Satz steht: &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig; auch nicht, ob euch die Musik trifft, h&amp;ouml;rt es euch selbst an.&amp;laquo; Es geschieht schon mit dem Wissen, nicht alles beschreiben zu k&amp;ouml;nnen, sondern nur eine Richtung vorgeben zu k&amp;ouml;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Hast Du manchmal Bedenken, Deine Kriterien zu verlieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ich glaube, es ist schwieriger geworden, bei &amp;auml;sthetischen Fragen zu kritisieren. Urteile sind recht fragile Gebilde, aber das Gegenbeispiel hie&amp;szlig;e, alles nur schlecht zu reden, auch wenn man es nur halb geh&amp;ouml;rt hat. Das ist eben immer sehr einfach und erscheint anfangs souver&amp;auml;n, zum Beispiel zu sagen: Bob Dylan ist &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzt! Mit der Zeit habe ich auch mehr Respekt vor der historischen Arbeit anderer gewonnen. Aber das ist wahrscheinlich nicht die beste journalistische Einstellung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Hat Dich Deine Arbeit ver&amp;auml;ndert? &lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ja, ich glaube schon. Vielleicht hat mich die Auseinandersetzung, sei es journalistisch oder mit der Popkultur, schon verdorben, noch sehr klare Standpunkte verteidigen zu k&amp;ouml;nnen. Ich glaube, es w&amp;auml;re manchmal einfacher, wenn man weniger zweifeln w&amp;uuml;rde, aber nicht besser. &lt;/p&gt;
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&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Es ist eine Illusion, Musik in einem Raum machen zu k&amp;ouml;nnen, der v&amp;ouml;llig unbeeinflu&amp;szlig;t ist von kommerziellen Mechanismen.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Verh&amp;auml;lt es sich mit &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt; im existentiellen Sinne wie mit den Indie-Labels, wie z.B. mit &lt;em&gt;Hausmusik&lt;/em&gt; aus M&amp;uuml;nchen, das gerade aufgeben mu&amp;szlig;te?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Es ist schade, aber wie es sich abzeichnet, denke ich eher, da&amp;szlig; es einen gro&amp;szlig;en Bereich geben wird, in dem Musik als Hobby funktioniert, und einen kleinen Bereich, in dem es professionell funktioniert, und der wird bei den Major-Labels liegen, die zu allen Zeiten Indie-Labels aufgekauft haben. F&amp;uuml;r Bands gibt es auch nicht mehr den gro&amp;szlig;en Indie-Major-Gegensatz, dieses: Wir gehen auf keinen Fall zu einem Major. Das ist ja nicht verwerflich, wenn es auch darum geht, davon leben zu k&amp;ouml;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Meinst Du damit, die Zeit der ideologischen Auseinandersetzung ist vorbei?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ja, ich glaube, das ist vorbei. Es gibt mehr graduelle Abstufungen als in den Achtzigern, als der Gegensatz favorisiert wurde. J&amp;uuml;ngere Bands haben damit geringere Probleme als &amp;auml;ltere. Wobei beispielsweise die Band &lt;em&gt;I might be wrong&lt;/em&gt; meinte, sie wollten nie zu einem Major-Label gehen. Ich glaube, es ist allgemein schwieriger geworden, Musik zu verkaufen, und das trifft die Major-Labels sowieso, ebenso wie die Indie-Labels.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Kann man aber &amp;uuml;berhaupt noch von Indie reden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Es kommt darauf an, wie man es fa&amp;szlig;t. Als Do-It-Yourself-Prinzip gibt es das sicher noch und das w&amp;uuml;rde ich auch immer verteidigen. Aber musik&amp;auml;sthetisch l&amp;auml;&amp;szlig;t sich das seit den neunziger Jahren nicht mehr klar trennen. Trotz der Verweigerung waren &lt;em&gt;Nirvana&lt;/em&gt; super kommerziell. Ganz abgefahrene Avantgardemusik verkauft sich einfach nicht. Aber es ist eine Illusion, Musik in einem Raum machen zu k&amp;ouml;nnen, der v&amp;ouml;llig unbeeinflu&amp;szlig;t ist von kommerziellen Mechanismen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Bedauerst Du manchmal, so gel&amp;auml;utert, von der Realit&amp;auml;t und ihren Mechanismen eingeholt zu sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Reduziert w&amp;uuml;rde ich sagen. Ich bedaure keinen Erkenntniszugewinn. Es bleiben ja trotzdem Sachen, die wichtig sind. Es ist eher ein Proze&amp;szlig;, zu sehen, genauer hinzuschauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Siehst Du dabei und beim Prinzip Indie einen Unterschied zwischen Deutschland und den anderen L&amp;auml;ndern Europas?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; England ist die gro&amp;szlig;e Ausnahme in Europa, da dort Popmusik durch alle Altersschichten anerkannt ist. Au&amp;szlig;erdem gibt es dort auch eine andere Independent-Label-Struktur. &amp;raquo;Hausmusik&amp;laquo; hatten als Begr&amp;uuml;ndung auch angef&amp;uuml;hrt, da&amp;szlig; die kleinen Plattenl&amp;auml;den in Italien und Frankreich dichtgemacht werden. Ich glaube, das ist schon ein Proze&amp;szlig;, der in den meisten L&amp;auml;ndern einsetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; In anderen Sektoren finden sich auch Vereinheitlichungen, die gleichen Gesch&amp;auml;fte, die gleichen Ketten &amp;uuml;berall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Im &amp;raquo;Saturn&amp;laquo; am Alexanderplatz finden sich viele Berliner Indie-Produktionen, aber das Gros ist nat&amp;uuml;rlich auch in der jeder Stadt das gleiche. Aber ich w&amp;uuml;rde nicht darauf zur&amp;uuml;ckschlie&amp;szlig;en, da&amp;szlig; die Vielfalt der Musik verschwindet, sondern die Vielfalt der kommerziell verkauften Musik.&lt;/p&gt;
&lt;h5&gt;
	&amp;raquo;Wenn wir alle verkaufen, gehen wir vielleicht mit hundert Euro heraus. Aber das ist nicht der prim&amp;auml;re Grund, weshalb wir das machen.&amp;laquo;&lt;/h5&gt;
&lt;dl style=&quot;width:225px; float:right; padding:6px; margin:6px;&quot;&gt;
&lt;dt style=&quot;text-align:center; margin:0px; padding:0px;&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;»Le Mobilé« im Untergrund (Photo: © Harald Herbich)&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/Peer_Goebel2.jpg&quot; /&gt;&lt;/dt&gt;
&lt;dd style=&quot;text-align:center; font-size:75%; margin:3px; padding:3px;&quot;&gt;
		&lt;em&gt;Le Mobil&amp;eacute;&lt;/em&gt; im Untergrund&lt;br /&gt;
		(Photo: &amp;copy; Harald Herbich)&lt;/dd&gt;
&lt;/dl&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie werden die Platten von &lt;em&gt;Le Mobil&amp;eacute;&lt;/em&gt; finanziert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Durch private Auslagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Verh&amp;auml;lt es sich mit der Finanzierung so auch bei &lt;em&gt;undertube&lt;/em&gt;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ja, aber da mu&amp;szlig; man keine Platten pressen oder einen Proberaum bezahlen. Nur die Domain und die laufenden Kosten, ansonsten nehmen wir die benutzte Kassette wieder. Bei &lt;em&gt;Le Mobil&amp;eacute;&lt;/em&gt; hat unser Label &lt;em&gt;Sitzer-records&lt;/em&gt; Geld hineingesteckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie kamt Ihr zu &lt;em&gt;Sitzer-records&lt;/em&gt;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Es war zum einen eine pers&amp;ouml;nliche Empfehlung &amp;uuml;ber &lt;em&gt;Locas in Love&lt;/em&gt;, die schon vorher bei dem Label waren. Und zum anderen haben wir in K&amp;ouml;ln bei einem Festival gespielt, und dort haben die sich uns angeschaut. &lt;em&gt;Sitzer-records&lt;/em&gt; machen vor allem zwei Leute, und es hat alles eine sehr freundschaftliche Note. Und das ist viel wert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Eine neue band&amp;uuml;bergreifende Zusammenstellung, an der auch &lt;em&gt;Le Mobil&amp;eacute;&lt;/em&gt; beteiligt ist, hei&amp;szlig;t &amp;raquo;Herz statt Kommerz&amp;laquo;. Ist der Name Programm?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Ich habe ihn mir nicht ausgedacht. Die Bands tragen alle Kosten und wenn sie genug verkaufen, k&amp;ouml;nnen sie auch etwas daran verdienen. Im Grunde ist das ein Indie-Projekt, das die Bands selbst organisiert haben. Es klingt ja erstmal etwas anheimelnd. Am Anfang hie&amp;szlig; das Projekt sinngem&amp;auml;&amp;szlig; &amp;raquo;Es ist egal, wo wir herkommen&amp;laquo;. Und &amp;raquo;Herz statt Kommerz&amp;laquo; ist zwar ein Slogan, trotzdem trifft es auf das Projekt zu. Die Bands stecken die Arbeit hinein, machen alles selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Der Name hat doch etwas Dramatisches. Es wird ein Gegensatz mit dem Wort &amp;raquo;Herz&amp;laquo; formuliert, assoziiert man damit doch Tiefe, eventuell deutsche Tiefe, und dem gegen&amp;uuml;ber steht die Projektion des kapitalistischen Feindbildes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Das ist der klassische Indie-Gestus, der schon ziemlich alt ist: L&amp;rsquo;art pour l&amp;rsquo;art. Aber bei dem Projekt stimmt es auch, weil sich die Organisatoren viel Arbeit ans Bein gebunden haben. Mozart hat ja auch Auftragsarbeiten gemacht, wobei gro&amp;szlig;artige Kunst entstanden ist. Die Popmusik ist nicht von der kommerziellen Verwertung zu trennen. Sei es auf dem Level dieser Single-Box, denn wenn wir alle verkaufen, gehen wir vielleicht mit hundert Euro heraus. Aber das ist nicht der prim&amp;auml;re Grund, weshalb wir das machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Es spricht f&amp;uuml;r Eure Leidenschaft, wenn ihr so handelt. Dar&amp;uuml;ber hinaus stellt sich die Frage, warum man derartiges tut, auch gegen&amp;uuml;ber allen inneren Widerspr&amp;uuml;chen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Es gibt die pragmatische oder gesellschaftlich vergleichende Version: Andere Leute geben f&amp;uuml;r ihr Hobby auch Geld aus, im Verein oder wenn sie ins Kino gehen. Wir machen eben Musik. Ich w&amp;uuml;rde gern sagen, Geld ist mir nicht wichtig, was prinzipiell so ist, aber manchmal eine Notwendigkeit. Es ist auch ein Luxus, sagen zu k&amp;ouml;nnen, Geld ist mir nicht wichtig; da&amp;szlig; ich nicht vor die Wahl gestellt bin, zu entscheiden, entweder wir machen die neue Platte oder es ist nichts zu Essen da. Oder: wir machen die Platte, und daf&amp;uuml;r kaufe ich mir keine neuen Klamotten. Nein, daf&amp;uuml;r habe ich keine Vorsorge f&amp;uuml;rs Alter. &lt;em&gt;(lacht)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Ist es eine aufzehrende Leidenschaft?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;P.G.:&lt;/strong&gt; Nein. Klar, es gibt Momente, in denen man m&amp;uuml;de ist. Wenn sich die Frage stellt: Mache ich das nur f&amp;uuml;r mich? Es ist eher ein Teil von mir.&lt;/p&gt;
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 <category domain="http://www.kritische-ausgabe.de/kategorie/musik/musik-portr%C3%A4t-interview">Musik - Porträt &amp; Interview</category>
 <pubDate>Mon, 13 Oct 2008 07:30:38 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Andreas Jüngling</dc:creator>
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 <title>»Ich hab die Tradition immer als total bindend begriffen«</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/%C2%BBich-hab-die-tradition-immer-als-total-bindend-begriffen%C2%AB</link>
 <description>&lt;!--break--&gt;&lt;!--break--&gt;&lt;p&gt;Das &lt;a href=&quot;http://www.prettyvacant.de/&quot;&gt;Pretty Vacant&lt;/a&gt; ist ein kleiner Club in der D&amp;uuml;sseldorfer Altstadt. Hier gab die M&amp;uuml;nsteraner Band &lt;a href=&quot;http://www.samba-pop.de/&quot;&gt;Samba&lt;/a&gt; am 8. September 2006 das erste Konzert ihrer aktuellen Tour zur neuen Platte &lt;a href=&quot;http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/733/&quot;&gt;&amp;raquo;Himmel f&amp;uuml;r alle&amp;laquo;&lt;/a&gt;. S&amp;auml;nger und Texter Knut Stenert nahm sich nach dem Konzert Zeit, einige Fragen der K.A.-Redakteure Christian Struck und Benedikt Viertelhaus zu beantworten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Knut Stenert (Foto: Diethelm Kröhl)&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/kroehl_samba1.jpg&quot; title=&quot;Knut Stenert (Foto: Diethelm Kröhl)&quot; /&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Als wir &amp;uuml;ber eure Musik diskutiert haben, fragten wir uns, wie man euren Stil am besten einordnen k&amp;ouml;nnte. F&amp;uuml;r Christian klang es ein bisschen nach Hamburger Schule. Den Eindruck hatte ich damals, als eure erste Platte herauskam, nicht unbedingt. Wie w&amp;uuml;rdest Du das selbst einsch&amp;auml;tzen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Knut Stenert:&lt;/strong&gt; Also, dieser Begriff der Hamburger Schule ist ja schon seit Jahren ziemlich zerfasert. Man redet eigentlich kaum noch dr&amp;uuml;ber, denn mittlerweile ist die deutsche Popmusik ja ein sehr nationales Ph&amp;auml;nomen geworden. Es gab Mitte der 90er Jahre einen kleinen Brennpunkt in Hamburg. Wir sind zwar nicht aus Hamburg, aber wir haben mit den Leuten beziehungsweise einem Produzenten, Chris von Rautenkranz, der einige Bands betreut hat, auch zusammengearbeitet. Deshalb sind wir auch h&amp;auml;ufig in diesen Zusammenh&amp;auml;ngen genannt worden, aber wir f&amp;uuml;hlten uns da nie so richtig wohl. Es ist eben gutes Marketing; es war so eine Zeit lang m&amp;ouml;glich, auf einem halbwegs coolen Wege Kultur-Pop zu verkaufen. Wenn man irgendwie &amp;uuml;ber universit&amp;auml;re Begriffe kommt, ein bisschen Literatur mit reinbringt oder, wie ich damals immer gesagt habe, dem Feuilleton in den Arsch kriecht. Ja, es gab die Frankfurter Schule, und da hat Carol von Rautenkranz, oder war das sogar Diedrich Diederichsen von der Spex, oder sogar dieser Alfred Hilsberg, der das Label &lt;a href=&quot;http://www.whatssofunnyabout.de/&quot;&gt;What&amp;rsquo;s so funny about&lt;/a&gt; gegr&amp;uuml;ndet hat, den Begriff &amp;raquo;Hamburger Schule&amp;laquo; gepr&amp;auml;gt, auf den alle Schreiberlinge, die gerade frisch von der Uni kamen, voll abgegangen sind. Es war irgendwie geil, aber wir hatten damit nie so viel zu tun, weil darin so eine gewisse stilistische Strenge mitschwang, die wir nie hatten. Wir hatten immer so ein leichtes Verh&amp;auml;ltnis zu Pop-Musik. Wenn zum Beispiel Jochen Distelmeier seine aus der Nachkriegsliteratur zusammengeschusterten Zitate zu Musik und zu Ohr gebracht hat, haben sich uns immer die Nackenhaare aufgestellt. Das war so eine Musik, mit der wir &amp;uuml;berhaupt nichts zu tun haben wollten. Oder wenn Dirk von Lowtzow, der S&amp;auml;nger von &lt;a href=&quot;http://www.tocotronic.de/&quot;&gt;Tocotronic&lt;/a&gt;, immer so gern &amp;uuml;ber Literatur redet, damit hab ich nichts zu tun. Ich bin Pop-Musiker und ich seh mich auch als deutscher Pop-Musiker eher in so einer anglo-amerikanischen Tradition, was f&amp;uuml;r mich nichts mit Schriftstellerei zu tun hat, denn das ist etwas ganz anderes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; &lt;a href=&quot;http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/677/&quot;&gt;Thees Uhlmann&lt;/a&gt; w&amp;uuml;rde sich wohl auch in eine anglo-amerikanische Tradition einordnen. Da k&amp;ouml;nnte man ja eine Verbindung herstellen &amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Bei Thees Uhlmann sind das aber Texte, die er wie Kurzgeschichten zuhause schreibt und zu denen dann erst die Musik hinzukommt. Da singt er zum Beispiel davon, wie er mit seinem Hund spazieren geht. Bei uns ist das so, dass die Worte ohne Musik &amp;uuml;berhaupt keinen Sinn ergeben w&amp;uuml;rden, und sie entstehen auch zusammen mit der Gitarre. Ich k&amp;ouml;nnte das gar nicht anders machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Eure fr&amp;uuml;heren Texte erscheinen teilweise sehr gebrochen, die Zeilen sehr unterschiedlich lang, der Gesang gestreckt oder gezogen. Insofern hat sich eure Musik schon ver&amp;auml;ndert: Sie ist gradliniger geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ja, das kann sehr gut sein. Ich habe mich, was die Sprachauswahl und die Bildung von Vokalen angeht, immer mehr an das traditionelle Songwritertum angen&amp;auml;hert. Als ich anfing, hatte ich da eher so eine Hip-Hop-&amp;Auml;sthetik. Damals hatten wir ja auch viel mehr Text und ich hab dann auch ganz schnell ganz viele Worte gebraucht. Das hatte in manchen St&amp;uuml;cken einen gewissen H&amp;ouml;hepunkt erreicht und war mir auch ein bisschen zu sehr l&amp;rsquo;art pour l&amp;rsquo;art. Das hei&amp;szlig;t, gar keine Bedeutung mehr zu schaffen, sondern nur noch Silben, physische Wellen zu erzeugen durch Sprache, ohne dass das noch irgendwie mit einem bestimmten oder mit einem melodischen Sinn unterf&amp;uuml;ttert ist. Davon bin ich schon bei der zweiten Platte, &amp;raquo;T.B.A.&amp;laquo;, langsam weggekommen. Jetzt sehe ich das so wie &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/r/rem/index.htm&quot;&gt;R.E.M.&lt;/a&gt; Ich versuche, Pop-Songs zu schreiben, aber mit einem deutschen Hintergrund. Dabei stehe ich im Gegensatz zu Thees Uhlmann, der ist mir immer wie ein riesiger Musik-Fan vorgekommen, ein riesiger Fan von &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/o/oasis/index.htm&quot;&gt;Oasis&lt;/a&gt;, der sich w&amp;uuml;nscht, einmal eine England-Tour zu machen. Das hatte ich nie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie stehst du zur Musiktradition?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich hab die Tradition immer als total bindend begriffen, das hat einfach das &amp;auml;sthetische Empfinden der Musik-H&amp;ouml;rer und auch mein eigenes gepr&amp;auml;gt, aber ich war nie Fan von irgendwas. Ich wusste, wenn man Fan von irgendwas ist, dann ist man gefangen. Thees wird nie als Songwriter in England akzeptiert werden, das wird der einfach nicht. Und das ist doof, der macht sich klein damit. Die Instrumente, die Instrumentarien dieser Leute will ich wohl benutzen, aber ganz anders zusammengesetzt, in einem sehr deutschen Kontext. Ich hab das sogar mal so weit zusammengefasst, dass ich mich selbst als Kulturnationalist bezeichnet habe. Also, ich stehe auf die deutsche Schwere, ich stehe auf bestimmte Bilder, die die Engl&amp;auml;nder so einfach nicht haben. Wenn es irgendwelche emotionalen Bez&amp;uuml;ge gibt, dann eher etwas zu Country, also eher Amerika als England, eher ein bisschen &lt;a href=&quot;http://laut.de/wortlaut/artists/y/young_neil/index.htm&quot;&gt;Neil Young&lt;/a&gt;, weil der noch am ehesten so eine harte Romantik bringt, die wir in den letzten Jahren auch gebracht haben. &lt;/p&gt;
&lt;!--nextpage--&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Samba (Foto: Diethelm Kröhl)&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/kroehl_samba2.jpg&quot; title=&quot;Samba (Foto: Diethelm Kröhl)&quot; /&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wo wir gerade bei Referenzen und Inhalten sind: Viele eurer St&amp;uuml;cke handeln von menschlichen Beziehungen. Hast du eine Motivation, eine Intention, die du den Zuh&amp;ouml;rern nahe bringen m&amp;ouml;chtest, oder singst du eher f&amp;uuml;r dich selbst?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich besch&amp;auml;ftige mich seit Jahren mit der Religion, in der wir seit etwa 40 Jahren, zumindest im Westen, &amp;uuml;berwiegend leben, die ich als die Liebes-Religion bezeichnen w&amp;uuml;rde. Alle Vernunft und alles Rationale, was man im Alltag anwenden muss, was auch &amp;raquo;state of the art&amp;laquo; ist, wird &amp;uuml;berkuppelt von einem religi&amp;ouml;sen Liebesgedanken. Das ist eine Vorstellung, dass das wahre Gl&amp;uuml;ck auf der Erde durch die romantische Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau oder vielleicht zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts zu erreichen ist. Damit &amp;uuml;berfrachtet man nat&amp;uuml;rlich die Partnerschaft ungemein, die das dann im wirklichen Leben bedeutet, und es entsteht wieder jede Menge Leid, das man wiederum mit diesem Liebesbegriff zu b&amp;auml;ndigen versucht. Von daher hat mich die Liebe oder diese Liebesbeziehung oder die Leere zwischen zwei Menschen in den letzten Jahren am meisten interessiert. Ich fand das immer sozial sehr relevant und auch immer sehr politisch. Und noch eine weitere Komponente ist dazugekommen: Seit einigen Jahren ist es so, dass dieser Liebesbegriff durch eine gro&amp;szlig;e andere Kultur in Gefahr gebracht worden ist. Die mag totgeschwiegen werden, aber sie existiert. Sie hat diesen Liebesbezug nicht so, sondern bezieht sich direkt auf Gott; f&amp;uuml;r die ist Gott noch Zentrum der Liebesbeziehung. Seit dem 11. September herrscht pl&amp;ouml;tzlich ein Kampf um die Deutungshoheit der Welt. Auf der einen Seite steht die Freiheit und die Liebe, und auf der anderen Seite gibt es die Kultur, f&amp;uuml;r die Freiheit ein leerer Begriff ist, die die Bestimmung durch Gott sucht. Unser Liebebegriff wird massiv bedroht von Leuten, deren &amp;Uuml;berzeugung in S&amp;auml;tzen gipfeln wie: &amp;raquo;Ihr lebt das Leben, wir leben den Tod.&amp;laquo; Da werden dann pl&amp;ouml;tzlich alle Begriffe, die man selber hat, in Frage gestellt. Sp&amp;auml;testens seitdem finde ich es umso interessanter und umso relevanter, &amp;uuml;ber die Beziehungen der Menschen zu singen, die geschmiedet werden, auch um das Auseinanderdriften der Welt irgendwie zu b&amp;auml;ndigen. Ich hab zum Beispiel auch eine Fernbeziehung und ich fahre immer mit der Mitfahrzentrale einige hundert Kilometer zu meiner Freundin &amp;ndash; immer mit Leuten, die auch eine Fernbeziehung haben. Ich finde das immer wieder faszinierend, wie deren ganzes Leben durch diese Liebesbeziehung geordnet und mit Inhalt gef&amp;uuml;llt wird. Die sagen dann auch immer, dass sie mit jemandem zusammen sind, mit dem sie eigentlich gar nicht zusammen sind. Die sind jeden Tag alleine &amp;ndash; aber in ihrer Vorstellung sind die mit jemandem zusammen. Ich k&amp;ouml;nnte mir sogar vorstellen, genauso wie man sich heute fragt, wenn man die Zeit von vor 600 Jahren erforscht: &amp;raquo;Hey, wie konnten die denn glauben, dass, wenn man eine Frau gefesselt ins Wasser schmei&amp;szlig;t und die dann wieder hochkommt, die eine Hexe ist. Und wenn die untergeht, dann stirbt sie zwar, aber sie war keine Hexe. Die waren doch v&amp;ouml;llig bescheuert.&amp;laquo; &amp;ndash; genauso wundert man sich vielleicht in 500 Jahren, wenn man irgendwelche Daten ausgr&amp;auml;bt, &amp;uuml;ber diese Leute, die heute sagen: &amp;raquo;Wir waren 20 Jahre zusammen.&amp;laquo; Da kratzt sich dann ein Student am Kopf und fragt sich: &amp;raquo;Aber waren die nicht 500 Kilometer auseinander f&amp;uuml;r zehn Jahre? Da waren die doch gar nicht zusammen. Wie kommen die denn darauf?&amp;laquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Das m&amp;uuml;sstest du f&amp;uuml;r dich dann ja letztlich auch akzeptieren, wenn du sagst, du hast eine Fernbeziehung, dass du eigentlich &amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Na klar, deshalb interessiert mich das Ganze ja auch. Auf der anderen Seite wiederum hat eine Bekannte von mir ein Kind von einem Typen, mit dem sie nicht mehr zusammen ist. Sie sagt aber, sie ziehen das Kind gemeinsam gro&amp;szlig;, wohnen in einer Wohnung, fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cken zusammen und sie ist finanziell abh&amp;auml;ngig von ihm. Und sie sagt, sie ist nicht mit ihm zusammen. Naja, ich will das jetzt nicht auf so eine Patchwork-Sache herunterbrechen, aber diese Begriffe sind von unglaublicher sozialer Relevanz, und deswegen interessieren die mich so. Ich erz&amp;auml;hle deshalb so lang dar&amp;uuml;ber, weil ich eigentlich nicht &amp;uuml;ber das tolle Gef&amp;uuml;hl, verliebt zu sein, singe, denn das hab ich noch nie gemacht. Was ich mache, ist was anderes als die Liebeslieder von &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/h/holly_buddy/index.htm&quot;&gt;Buddy Holly&lt;/a&gt; oder so &amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Eher das Gegenteil. &lt;img alt=&quot;Samba: Himmel für alle&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/samba_himmel.jpg&quot; title=&quot;Samba: Himmel für alle&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich hab auch, glaube ich, bei der neuen Platte, &amp;raquo;Liebe kommt zur&amp;uuml;ck&amp;laquo;, das erste Mal &amp;uuml;berhaupt das Wort Liebe verwendet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Nein, das war in &amp;raquo;Liebe l&amp;uuml;gt&amp;laquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; &amp;raquo;Liebe l&amp;uuml;gt&amp;laquo;, okay. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber es ist drin und es dr&amp;uuml;ckt ja im Grunde genau das Gegenteil dessen aus, was Verliebtsein ausmacht oder was man heutzutage darin sucht, dieses Hochgef&amp;uuml;hl. Eher die Abh&amp;auml;ngigkeit &amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; &amp;hellip;oder den Kummer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; In &amp;raquo;&amp;Uuml;ber den Rhein&amp;laquo; auf dem neuen Album singst du vom &amp;raquo;Erlebnisteam d&amp;rsquo;amour&amp;laquo; und jubelst: &amp;raquo;Die Kriege sind um&amp;laquo;. Da wird also eine pers&amp;ouml;nliche, individuelle Ebene mit der politischen verbunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ja, ich vermische manchmal. Manche Lieder widmen sich einem Thema, bei manchen St&amp;uuml;cken lasse ich auch zwei oder drei Bedeutungsebenen sich &amp;uuml;berlagern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Was ist dir dabei wichtiger? Das Politische?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich kann jetzt h&amp;ouml;chstens sagen, welche Vorstellungen ich dabei gehabt habe. Ob das dann nachher so ankommt? &amp;raquo;&amp;Uuml;ber den Rhein&amp;laquo; war f&amp;uuml;r mich erstmal ein gro&amp;szlig;es romantisches Lied &amp;uuml;ber einen total ergreifenden Fluss. Wieder einmal eine Fernbeziehung, denn meine Freundin hat eine Zeit lang auch in K&amp;ouml;ln gewohnt. Damals war das Bahnfahren noch billig, ich bin dann immer mit einem 50%-Ticket von Norden nach K&amp;ouml;ln gefahren. Dabei f&amp;auml;hrt man &amp;ndash; das ist total geil &amp;ndash; &amp;uuml;ber diese Rheinbr&amp;uuml;cke, sieht diese super K&amp;ouml;lner Skyline und wei&amp;szlig;, jetzt kommt man 90 Meter weiter im Bahnhof an. Da ist man erst einmal gut aufgehoben. Das war so die eine Vorstellung. Dann hat mich dieser Rhein gereizt, weil es einfach eine weitreichende Tradition gibt. Heine hat sehr sch&amp;ouml;ne Lieder dar&amp;uuml;ber gesungen. Damit verbindet sich einfach, unabh&amp;auml;ngig von jeder weiteren Bedeutung, Sch&amp;ouml;nheit. Dann hat der Rhein eine geschichtliche Rolle gespielt.. Zumindest hatte ich das so im Hinterkopf, dass eine der entscheidenden letzten Barrieren zur Befreiung Deutschlands der Rhein war, der von den Alliierten &amp;uuml;berquert wurde. Ich hab mich h&amp;auml;ufiger schon gefragt, warum es in der deutschen Pop-Musik keine positiv besetzten Befreiungslieder gibt. Ich meine, es gibt genauso wenig Poplieder &amp;uuml;ber die deutsche Wiedervereinigung. Das war supergeil, was da passiert ist, das war etwas weltweit Einzigartiges, eine friedliche Revolution. Ich meine, daf&amp;uuml;r ist Pop-Musik doch da! Warum hat es kein positives, fr&amp;ouml;hliches Lied &amp;uuml;ber die eigene Befreiung gegeben? Schlie&amp;szlig;lich ist uns nur Gutes widerfahren: Wir wurden von dem Tyrannen Hitler befreit. Wir haben trotzdem w&amp;auml;hrend der tyrannischen Zeit unglaubliches technisches Know-how angeh&amp;auml;uft, das sich dann schlagartig ausgebreitet hat und in Freiheit existieren konnte. Wir haben einen Boom sondergleichen erlebt und wurden von der ganzen Welt unterst&amp;uuml;tzt. Warum gab es kein positives, freudiges Befreiungslied? H&amp;auml;tte man ja auch machen k&amp;ouml;nnen, unabh&amp;auml;ngig nat&amp;uuml;rlich von den Verbrechen, die auch begangen worden sind. Aber gerade deshalb ist einem im Grunde unberechtigterweise Gutes widerfahren, und es gibt es kein Lied dar&amp;uuml;ber. Das hat mich gereizt. Das sind im Grunde so die Ebenen, die da zusammenspielen. Das vermischt sich und wird zum Text.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg waren ja auch gar keine Kapazit&amp;auml;ten vorhanden, um Kunst zu schaffen. Und sp&amp;auml;ter, k&amp;ouml;nnte man genauso gut sagen, war es eben diese Schwere, die du vorhin angesprochen hast, die eher dazu neigte, das Negative an den Dingen, das Gewichtige an ihnen zu sehen und eben nicht zu sagen: &amp;raquo;Wir schreiben leichte Lieder, die das Vergessen &amp;ndash; oder das Verarbeiten des Geschehenen &amp;ndash; leicht machen&amp;laquo;. Vielleicht gibt es deshalb keine positiven Lieder &amp;uuml;ber die Befreiung &amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; &amp;hellip; und wir gucken uns Fassbinder-Filme an, ja. Das sehe ich &amp;auml;hnlich, so erkl&amp;auml;re ich mir das nat&amp;uuml;rlich auch. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Warum hat es nicht einer mal gemacht, es w&amp;auml;re ja geil gewesen. Dass das der kulturelle Mainstream war, der so gedacht hat, ist mir auch klar, daran merkt man ja, dass eine deutsche Pop-Musik-Tradition eigentlich gar nicht besteht &amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie w&amp;uuml;rdest du das denn heute sehen? Ich glaube eben, dass, wie du es eben schon andeutetest, sich das gerade wandelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Aber wirklich. Nach meinem Daf&amp;uuml;rhalten geht das seit 1995 zaghaft los, daher kann man noch nicht von Tradition sprechen. Manche feiern &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/k/kraftwerk/index.htm&quot;&gt;Kraftwerk&lt;/a&gt; ja so ab, aber seien wir mal ehrlich: Kraftwerk war eine stinklangweilige Band &amp;ndash; danach kr&amp;auml;ht kein Hahn mehr. Die haben nat&amp;uuml;rlich ein paar marketingm&amp;auml;&amp;szlig;ig geile Einf&amp;auml;lle gehabt und haben aus dem von au&amp;szlig;en an die Deutschen herangetragenen Klischee des Technokraten, genauso wie &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/r/rammstein/index.htm&quot;&gt;Rammstein&lt;/a&gt; das ganz clever machen, Kapital geschlagen. Aber Kraftwerk hat kein tolles, grooviges Lied, das du heute noch spielen kannst, von dem die Leute heute noch ergriffen sind, keinen tollen Text und keine tolle Melodie. Ausnahmen best&amp;auml;tigen die Regel: &amp;raquo;Das Model&amp;laquo; ist ganz nett, aber ansonsten ist Kraftwerk nur Style. Sonst ist wenig dahinter. &amp;Auml;hnlich ist &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/r/reiser_rio/index.htm&quot;&gt;Rio Reiser&lt;/a&gt;, der hat so viele doofe Lieder gemacht, da muss man echt suchen, bis man mal ein gutes findet, und &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/t/trio/index.htm&quot;&gt;Trio&lt;/a&gt;, die eine Platte. Die Leute wollen in letzter Zeit immer so eine geile deutsche Musiktradition und suchen sie sich dann aus den tollen Sachen, die es mal gegeben hat, zusammen. Aber &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/c/can/index.htm&quot;&gt;Can&lt;/a&gt;, Kraftwerk, Rio Reiser und Trio waren jetzt echt nicht besonders toll. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Dann sollten wir aber auch von den &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/e/einstuerzende_neubauten/&quot;&gt;Einst&amp;uuml;rzenden Neubauten&lt;/a&gt; sprechen, denn mit denen haben wir doch wirklich was relativ Gro&amp;szlig;artiges.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Na, ich sag ja, Ausnahmen best&amp;auml;tigen die Regel. Ein paar Sachen sind nat&amp;uuml;rlich ganz nett, aber statt Kraftwerk w&amp;uuml;rde ich doch eher &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/d/daf/index.htm&quot;&gt;Deutsch-Amerikanische Freundschaft&lt;/a&gt; geil finden. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Zu einem anderen Punkt: In der FAZ war vor kurzem ein &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB30426197C224F193F54B1B/Doc~E9C132A081DEC4080AB20A9277D1AE0A1~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;Artikel&lt;/a&gt; dar&amp;uuml;ber, wie sich deutsche Bands heutzutage durchschlagen m&amp;uuml;ssen. Das wird euch ja &amp;auml;hnlich gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich bin Jurist. Ich habe Mitte Mai mein zweites Staatsexamen fertig gemacht. Und jetzt wird es langsam problematisch. Ich bin mit der Musik inzwischen so weit gekommen, dass es tats&amp;auml;chlich schwierig ist. Bislang konnte ich mich da ganz gut drumherum mogeln. Doch jetzt bin ich endg&amp;uuml;ltig Volljurist, und wenn ich anfange, richtig zu arbeiten, dann hab ich keine Zeit mehr f&amp;uuml;r die Musik. Das ist schon frustrierend. Ich bin von vorne bis hinten Musiker. Das Studium hab ich nur gemacht, um irgendwas zu haben, vor allem das Referendariat, weil es ein bisschen Geld bringt f&amp;uuml;r relativ wenig Arbeit, vorausgesetzt, dass man gut lernen kann. Kurz vor dem Referendariat habe ich &amp;uuml;berlegt, ob ich mich durchjobben soll, so richtig, wie man das so h&amp;ouml;rt von anderen Musikern, also im Call-Center oder in der Kneipe. Und dann habe ich mir mal verschiedene Jobs angeguckt und das durchgerechnet &amp;ndash; da h&amp;auml;tte ich noch weniger Zeit gehabt als jetzt beim Referendariat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Und nun stehst du wieder vor der Frage?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ja, ich muss echt einmal sehen. Es wird eng, weil ich jetzt wirklich arbeiten muss. Mal gucken. Ich hoffe, dass ich irgendwas finde, was mir noch gen&amp;uuml;gend Zeit f&amp;uuml;r die Musik l&amp;auml;sst. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Zehn Jahre seid ihr nun schon im Gesch&amp;auml;ft und habt keinen gro&amp;szlig;en, richtigen Erfolg gehabt. Frustriert das nicht auch ein bisschen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich hab die Verbitterung nie siegen lassen, aber daf&amp;uuml;r hab ich auch diese anderen Sachen gemacht. Es macht ja dann auch ein bisschen Spa&amp;szlig;. Und es relativiert immer wieder die eine oder andere finanzielle Niederlage. Aber manchmal, wenn ich fernsehe und sehe, dass die Vertreter der deutschen Kultur es offenbar f&amp;uuml;r richtig halten, &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/j/jeanette/index.htm&quot;&gt;Jeanette Biedermann&lt;/a&gt; auf H&amp;auml;nden zu tragen, und ich merke als jemand, der lange damit zu tun hat, das wird auch kommerziell keinen Erfolg haben &amp;hellip; Da werden Leute gef&amp;ouml;rdert, die schaffen damit keinen Back-Katalog. Also, die schaffen nicht das, was englische Plattenfirmen gemacht haben, n&amp;auml;mlich K&amp;uuml;nstler aufzubauen, die einen gewissen Wert haben und die auch &amp;uuml;ber zwanzig Jahre noch verkaufen, sondern da wird Schei&amp;szlig;e gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber das ist ja kein rein deutsches Ph&amp;auml;nomen. Bei Britney Spears ist es ja auch eher Zufall, dass die heute noch Platten verkaufen kann. Damals war die Diskussion in Amerika und Gro&amp;szlig;britannien &amp;auml;hnlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich wei&amp;szlig; nicht, &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/s/spears_britney/index.htm&quot;&gt;Britney Spears&lt;/a&gt; hat dieses Lied in dem Flugzeug, dieses &amp;hellip; (summt &amp;raquo;Toxic&amp;laquo;) Also musikalisch ist das top, das ist voll abgefahren. So was in Deutschland? Das ist nicht mit Jeanette Biedermann zu vergleichen, das ist wirklicher Kack. Und da fragt man sich dann schon mal: Warum mussten wir den Zweiten Weltkrieg verlieren? Oder noch besser: Warum mussten wir den &amp;uuml;berhaupt anfangen? Ich k&amp;ouml;nnte jetzt sch&amp;ouml;n von der Musik leben. Aber mit diesem ganzen schlechten Geschmack &amp;ndash; und die bekannteste deutsche Rockband ist eine Witzband. Oder findet ihr es etwa normal, dass &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/a/aerzte/index.htm&quot;&gt;Die &amp;Auml;rzte&lt;/a&gt; &amp;hellip; also, ich finde, das ist ein Armutszeugnis f&amp;uuml;r die drittgr&amp;ouml;&amp;szlig;te Industrienation der Welt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Nichts gegen die ersten beiden Alben!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ja, ja, da wird immer noch gesagt: &amp;raquo;Ganz toll.&amp;laquo; Aber Die &amp;Auml;rzte, das muss man sagen, ist eine verkrampfte Witzband. Der Farin Urlaub hat es noch nie in seinem Leben geschafft, ein wahres Lied &amp;uuml;ber sein Innenleben zu schreiben. Der ist ein Otto Waalkes. Oder jetzt die Sportis (&lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/s/sportfreunde_stiller/index.htm&quot;&gt;Sportfreunde Stiller&lt;/a&gt;; Anm. d. Red.) mit ihrer &amp;hellip; Ich will gar nicht anfangen damit. Die Engl&amp;auml;nder machen ein wundersch&amp;ouml;nes Pop-Lied &amp;uuml;ber Leidenschaft, Hoffnung und Bestehen des Einzelnen, des kleinen Mannes, die Sehnsucht des kleinen Mannes nach der Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e, dieses &amp;raquo;Three Lions&amp;laquo;, und die Deutschen &amp;uuml;bersetzen das in ein total banales, bl&amp;ouml;des Wir-wollen-gewinnen-Lied, mit diesem &amp;raquo;98 96 10&amp;laquo;, oder wie war das? Das ist so bitter zu sehen. Ja, ich habe schon diese Momente leichter Melancholie, bezogen auf den eigenen Erfolg. Aber vielleicht wendet sich das Blatt ja noch. Wir sind da auf jeden Fall noch nicht ans Ende angekommen; da wird noch einiges passieren. Inzwischen haben wir auch sehr sch&amp;ouml;ne freundschaftliche Bande zu Berliner und Hamburger Musikern gekn&amp;uuml;pft. Also, unser jahrelanger Nachteil, so ein bisschen Au&amp;szlig;enseiter in M&amp;uuml;nster zu sein, ist mittlerweile ganz gut aufgehoben worden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Welche Bands sind das?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; &lt;a href=&quot;http://www.delbomat.de/&quot;&gt;Delbo&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.klez-e.de/&quot;&gt;Klez.E&lt;/a&gt;, also Bands, die ich sehr sch&amp;auml;tze. Die haben ja teilweise auch mitgespielt auf der neuen Platte. Da kann noch einiges passieren. Und die neue Platte war auf jeden Fall ein gro&amp;szlig;er Schritt in eine sehr gute Richtung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Die Presse scheint euch ja zu lieben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Wir kriegen schon seit drei, vier Jahren, nachdem wir fr&amp;uuml;her nur gepr&amp;uuml;gelt wurden, auch sehr gute Kritiken. Auf der anderen Seite kann es meines Erachtens noch etwas besser, noch etwas mehr sein. Mich st&amp;ouml;rt zum Beispiel, dass wir eine Platte rausbringen und es kommen sehr kleine, zum Teil sehr gute Rezensionen, aber eben kleine Rezensionen. Dann bringen &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/wortlaut/artists/k/kante/index.htm&quot;&gt;Kante&lt;/a&gt; eine Platte raus und alle flippen aus. Dabei ist das, was wir gemacht haben &amp;ndash; ich bin da nat&amp;uuml;rlich etwas befangen &amp;ndash;, wesentlich interessanter und wesentlich schwieriger. N&amp;auml;mlich einige fr&amp;ouml;hliche Pop-Songs in deutscher Sprache zu machen, statt wieder diese relative D&amp;uuml;sternis zu bedienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Ich kenne das Album &amp;raquo;Die Tiere sind unruhig&amp;laquo; von Kante nicht. Ich fand nur schon das zweite so furchtbar &amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.S.:&lt;/strong&gt; Ich fand es auch furchtbar. Aber das nicht, weil ich irgendwelche Konkurrenz-Bands schlechtmachen will. Ich freue mich immer, wenn ich eine richtig toll finde. Es gibt &amp;uuml;brigens jetzt Lichter &amp;ndash; die finde ich super. Das ist eine Band hier aus K&amp;ouml;ln. Die zweite Platte von Delbo, &amp;raquo;Innen/Au&amp;szlig;en&amp;laquo;, ist auch total geil. Es gibt also auch gute Sachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;zentriert&quot;&gt;&lt;img alt=&quot;Samba (Foto: Diethelm Kröhl)&quot; class=&quot;frei&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/kroehl_samba3.jpg&quot; title=&quot;Samba (Foto: Diethelm Kröhl)&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Samba treten am 14.10.06 im &lt;a href=&quot;http://www.angelfire.com/de/mtcpage/&quot;&gt;MTC&lt;/a&gt; in K&amp;ouml;ln auf &lt;strong&gt;Samba im Internet:&lt;/strong&gt; &lt;a href=&quot;http://www.samba-pop.de/&quot;&gt;www.samba-pop.de&lt;/a&gt; &lt;font size=&quot;-1&quot;&gt;(Fotos: &lt;a href=&quot;http://www.diethelm-kroehl.de/&quot;&gt;Diethelm Kr&amp;ouml;hl&lt;/a&gt;. &amp;ndash; Weitere Bilder des Samba-Konzerts im &lt;em&gt;Pretty Vacant&lt;/em&gt; gibt es &lt;a href=&quot;http://www.popshot.de/gallerie.php?pic=samba&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.)&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
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 <category domain="http://www.kritische-ausgabe.de/kategorie/musik/musik-portr%C3%A4t-interview">Musik - Porträt &amp; Interview</category>
 <pubDate>Thu, 12 Oct 2006 07:57:52 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Benedikt Viertelhaus</dc:creator>
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<item>
 <title>»Ich glaube einfach an die menschenverändernde Wirkung von Rock ‘n’ Roll«</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/%C2%BBich-glaube-einfach-die-menschenver%C3%A4ndernde-wirkung-von-rock-%E2%80%98n%E2%80%99-roll%C2%AB</link>
 <description>&lt;!--break--&gt;&lt;!--break--&gt;&lt;p&gt;Geboren 1974 in Hemmoor, einer kleinen Stadt bei Cuxhaven, hat es Thees Uhlmann mit seiner Band &lt;a href=&quot;http://www.tomte.de/&quot;&gt;Tomte&lt;/a&gt; zun&amp;auml;chst nach Hamburg verschlagen. Hier gr&amp;uuml;ndete er mit Kollegen von &lt;a href=&quot;http://www.kettcar.net/&quot;&gt;Kettcar&lt;/a&gt; das Plattenlabel &lt;a href=&quot;http://www.ghvc.de/&quot;&gt;Grand Hotel van Cleef&lt;/a&gt;. Im Februar erschien das vierte Tomte-Album, &lt;a href=&quot;http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/557/&quot;&gt;&amp;raquo;Buchstaben &amp;uuml;ber der Stadt&amp;laquo;&lt;/a&gt;. Mittlerweile hat es ihn nach Berlin gelockt, wo ihn K.A.-Redakteur Benedikt Viertelhaus in der Tourpause im M&amp;auml;rz f&amp;uuml;r das folgende Gespr&amp;auml;ch traf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Thees Uhlmann (Foto: privat)&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/uhlmann1.jpg&quot; title=&quot;Thees Uhlmann (Foto: privat)&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Deine Liedtexte bestehen zu einem gro&amp;szlig;en Teil aus zusammengesetzten Satzfetzen. Da w&amp;uuml;rde es sich ja anbieten, sich daf&amp;uuml;r auch in der Literatur zu bedienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Thees Uhlmann:&lt;/strong&gt; Viele Sachen stammen aus dem Alltag und sind gesammelt. Auf jeden Fall schei&amp;szlig;e ich auf Grammatik. Zum Lesen komme ich gar nicht. Mein Bruder ist der totale Leser, vom Science-Fiction-Trash bis zum Politischen liest der alles. Ich hab fr&amp;uuml;her nur Schund gelesen, jetzt lese ich die &amp;raquo;Zeit&amp;laquo; oder die &amp;raquo;Weltwoche&amp;laquo;, aber halt nie ein Buch. Das ist echt &amp;auml;tzend. Man kann ja auch gut aus B&amp;uuml;chern klauen&amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie viel von dir steckt also in deinen Texten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Das ist das, womit ich mich jetzt, da ich in der &amp;Ouml;ffentlichkeit stehe, immer wieder auseinandersetzen muss. Ich habe letztens von Sven Regener gelesen, er habe nie die Faszination an der Authentizit&amp;auml;t verstanden. Er meinte, dass es zwischen &lt;a href=&quot;http://www.eichborn.de/s2/default.asp?ID=306&amp;amp;slo=3&amp;amp;swo=3821807059&quot;&gt;&amp;raquo;Herr Lehmann&amp;laquo;&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.element-of-crime.de/&quot;&gt;Element of Crime&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Sven_Regener&quot;&gt;Sven Regener&lt;/a&gt; wenig Verbindung gebe. Aber a) glaube ich ihm das nicht, und b) habe ich das zumindest so gelernt, dass man selber ganz in die ganze Sache eingeht. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Du w&amp;uuml;rdest also bei deinen Liedern sagen, dass du als Person komplett dahinter stehst? &lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ja, auf jeden Fall! Zu 70 % ich, zu 25% mein Umfeld und was einem so passiert, und 5 % sind dann wirklich abstruse Inspiration oder wie man das nennen m&amp;ouml;chte. Das ist aber alles an meiner Person gebrochen oder gespiegelt, also meine Sicht auf die Dinge, meine Sicht auf die Welt, aber viele Sachen sind pers&amp;ouml;nlich erlebt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Und davon abstrahiert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Nicht wirklich abstrahiert. Entbanalisiert. Ich hab halt keine Lust zu singen: &amp;raquo;Ich war in New York im Urlaub und es war ganz toll.&amp;laquo; Ich will das dahin biegen, was wirklich war. Egal, ob es Element of Crime, &amp;raquo;Delmenhorst&amp;laquo; ist oder Thees Uhlmann, &amp;raquo;New York&amp;laquo;, es geht ja ein bisschen in die gleiche Richtung. Zum Abstrahieren bin ich vielleicht nicht schlau genug, aber ich will etwas singen, das mehr ausdr&amp;uuml;ckt als &amp;raquo;Toll war es damals in New York&amp;laquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Bleiben wir beim Stichwort: In &amp;raquo;New York&amp;laquo; ist mit den Versen &amp;raquo;in der Stadt mit Loch / in einem verwirrten Land / mit gekr&amp;auml;nktem Herz / &amp;uuml;ber das jeder lacht oder hasst&amp;laquo; auch ein politisches Statement eingeflochten, obwohl du immer wieder betonst, dass du eigentlich keine politische Botschaft vermitteln willst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ja, aber da ist es mir dann auch wichtig, es zu singen. Dass ich einen so gro&amp;szlig;en amerikanischen Konflikt &amp;ndash; Au&amp;szlig;enpolitik, Innenpolitik, Gesellschaftliches, links gegen rechts, Christen gegen Nichtchristen &amp;ndash; runterbreche auf zwei S&amp;auml;tze, einfach mal &amp;raquo;verwirrtes Land&amp;laquo; und &amp;raquo;gekr&amp;auml;nktes Herz&amp;laquo; zusammenwerfe, erscheint vielleicht banalisierend. In der Live Music Hall erlebte ich einen sch&amp;ouml;nen Moment, als eine 45-j&amp;auml;hrige Programmiererin aus Seattle zu mir meinte, dass es sie erstaune, dass ein Deutscher es schafft, einen amerikanischen Konflikt in zwei Zeilen zu besingen. Sowas w&amp;uuml;rde kein Amerikaner bringen, weil er da zu sehr drinnen sei. Das macht dann wirklich stolz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Erz&amp;auml;hlen in wenigen S&amp;auml;tzen &amp;ndash; das ist doch schon fast Dichtung, zumindest &amp;raquo;dicht&amp;laquo;&amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Inzwischen empfinde ich das tats&amp;auml;chlich fast als Lyrik. Es ist nicht mehr so popsongm&amp;auml;&amp;szlig;ig. Ich war fr&amp;uuml;her nie an Gedichten interessiert. In Deutsch war ich immer wahnsinnig schlecht, aber inzwischen hab ich dann doch so eine Leidenschaft daf&amp;uuml;r entwickelt. Auch als Leser.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Also zum Gedichtelesen, zum Musiktexte richtig H&amp;ouml;ren kommst du schon?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ja, das schon. In der Schule ist da richtig viel versaut worden, aber ich glaube, dass man sich das erarbeitet, je &amp;auml;lter man wird. Das ist auch ein lustiges Tourerlebnis: Da meinte neulich eine zu mir: &amp;raquo;Du, ich hab &amp;rsquo;ne Songzeile von dir in &amp;rsquo;nem Theaterst&amp;uuml;ck eingebaut.&amp;laquo; Darauf ich: &amp;raquo;Wie alt bist du denn?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Ich bin 17.&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Und du schreibst Theaterst&amp;uuml;cke, so richtig mit Dialogen und Szenen und so?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Mhm.&amp;laquo; Und das finde ich toll! Es ist komisch, man macht das schon so lange und pl&amp;ouml;tzlich gewinnt es f&amp;uuml;r einen selber Qualit&amp;auml;t und ist nicht mehr nur ein Tomte-Text, sondern ist halt Lyrik. Ich lass mich ja auch inspirieren beim Schreiben und finde das bei anderen auch toll, wenn die das schaffen, in vier Zeilen ganze Gem&amp;auml;lde zu malen. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Conor_Oberst&quot;&gt;Conor Oberst&lt;/a&gt; ist da ganz gro&amp;szlig; drin: kleine Hollywoodfilme in wenigen Zeilen. Da geht nur keiner drauf ein, und bei mir wird das gerade alles diskutiert. Ist das gut, ist das schlecht, ist das neu ist das alt. Ist das vielleicht ein Tocotronic-Rip-off? Oder ist das die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Band, die es zur Zeit gibt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Liegt das nicht auch daran, dass deutschsprachige Rockmusik noch immer im Kommen ist und dass da lange ein Defizit herrschte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Wei&amp;szlig; ich nicht. Das ist ja jetzt schon die zweite Welle mit deutscher Lyrik, die ich mitbekomme. Es gab ja NDW in den Achtzigern. Ich kann mich noch gut an einen lustigen musikalischen Erweckungsmoment erinnern: Ich war mit meinen Eltern im Auto unterwegs und im Radio lief &amp;raquo;Wissenswertes &amp;uuml;ber Erlangen&amp;laquo; von &lt;a href=&quot;http://www.ichwillspass.de/ndw/bands/foyerdes.htm&quot;&gt;Foyer des Arts&lt;/a&gt;. Ich war sechs Jahre alt und ich erinnere mich noch daran, dass ich davon total verst&amp;ouml;rt war, wie die gesungen haben. Dann nat&amp;uuml;rlich &lt;a href=&quot;http://www.tocotronic.de/&quot;&gt;Tocotronic&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.blumfeld.de/&quot;&gt;Blumfeld&lt;/a&gt;, die &lt;a href=&quot;http://www.diesterne.de/&quot;&gt;Sterne&lt;/a&gt;&amp;hellip; und jetzt wir vielleicht? Keine Ahnung! Nat&amp;uuml;rlich habe ich viel von denen gelernt. Ich schreibe halt so aus reiner Dummheit. Ich habe nicht viel dr&amp;uuml;ber nachgedacht. Nat&amp;uuml;rlich habe ich mir meinen Stil mit der Zeit erk&amp;auml;mpft. Aber die Amerikaner und Engl&amp;auml;nder mit ihrer unverkrampften Einstellung zur Sprache k&amp;ouml;nnen halt wirklich so etwas erfinden wie die &lt;a href=&quot;http://www.sex-pistols.net/main.html&quot;&gt;Sex Pistols&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.theclashonline.com/&quot;&gt;The Clash&lt;/a&gt; oder &lt;a href=&quot;http://www.modestmousemusic.com/&quot;&gt;Modest Mouse&lt;/a&gt;. Etwas, wo so eine Art Generationenh&amp;auml;rte drin ist. Und in Deutschland hei&amp;szlig;t es: &amp;raquo;War &amp;rsquo;ne geile Zeit&amp;laquo;. Das geht mir so auf die Nerven. Ich finde, das hat &amp;uuml;berhaupt keine Sprengkraft, keine gesunde H&amp;auml;rte, keinen gesunden Rock-Aspekt. Ich glaube einfach an die menschenver&amp;auml;ndernde Wirkung von Rock &amp;lsquo;n&amp;rsquo; Roll. Amerika und England haben das nur zu h&amp;auml;ufig bewiesen und ich m&amp;ouml;chte halt auch, dass es kein Thema mehr ist, auf Deutsch oder auf Englisch zu singen. Ich m&amp;ouml;chte aber auch kein Schulterklopfen bekommen: &amp;raquo;Oh toll, du singst auf Deutsch, du machst das so cool.&amp;laquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Nils Koppruch zum Beispiel &lt;a href=&quot;http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/210/&quot;&gt;meint&lt;/a&gt;, dass diese Frage, ob auf Deutsch oder Englisch gesungen werden soll, gar kein so gro&amp;szlig;es Thema mehr ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ich glaube, das ist immer noch so. Ich fand &lt;a href=&quot;http://www.finkmusik.de/html/Finkneu.html&quot;&gt;Fink&lt;/a&gt; immer geil &amp;ndash; aber muss ich mich eigentlich dauernd zu anderen Bands positionieren, zu denen ich keine Verbindung habe? &lt;a href=&quot;http://www.silbermond.de/&quot;&gt;Silbermond&lt;/a&gt; &amp;ndash; sind die aus dem Osten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;.A.:&lt;/strong&gt; Ja.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Die sind super, ganz nette Leute. Aber ich habe mit denen nichts zu tun. Die wollen sich auch keine Musik vom alten Sack anh&amp;ouml;ren. Hier wird gerade das ganze Haus entkernt, hier und da wird &amp;rsquo;ne Wohnung renoviert, und der Installateur redet nat&amp;uuml;rlich auch mal mit dem Maurer, aber die haben ja auch keine Ahnung von dem, was der andere da so macht, und das wollen sie auch gar nicht. Wahrscheinlich h&amp;auml;ngt der eine lieber mit seinen Sanit&amp;auml;rleuten rum und der andere mit den Maurern. Und genau so empfinde ich das auch bei uns. Deutsche Texte! Oh, wir m&amp;uuml;ssen alle mal dringend &amp;uuml;ber uns reden und wie wir uns gegenseitig finden! Und das beweist mir dann doch, wie unnormal es ist, ganz gute Texte zu schreiben, so wie ich, wenn man dann gleich zum Abgesandten Jesu Christi der deutschen Songwriterszene erkl&amp;auml;rt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;zentriert&quot;&gt;&lt;img alt=&quot;Tomte (Foto: Ingo Pertramer, &lt;a href=&quot;http://www.pertramer.at&quot; title=&quot;www.pertramer.at&quot; /&gt;www.pertramer.at)&quot; class=&quot;frei&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/pertramer_tomte.jpg&quot; title=&quot;Tomte (Foto: Ingo Pertramer, &lt;a href=&quot;http://www.pertramer.at&quot; title=&quot;www.pertramer.at&quot;&gt;www.pertramer.at&lt;/a&gt;)&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Bei eurem Konzert in K&amp;ouml;ln hast du erz&amp;auml;hlt, dass du immer wieder gefragt w&amp;uuml;rdest, wo du mit deiner Band noch hin wollest. Und h&amp;auml;ttest dir nicht vorstellen k&amp;ouml;nnen, in der ausverkauften Live Music Hall zu spielen, da du urspr&amp;uuml;nglich nur aus Langeweile mit dem allen angefangen h&amp;auml;ttest.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ja, so ist das. Wir waren 14, 15 Jahre alt, kamen vom Dorf, und da war die Frage halt nicht, ob du Skinhead bist oder Postpunk, Punk oder Raver. Da gab es einfach nur Leute, die haben sich f&amp;uuml;r Musik interessiert, und andere eben nicht. Die Leute, die sich f&amp;uuml;r Musik interessierten, haben auch alle Bands gegr&amp;uuml;ndet. &amp;raquo;Lass mal irgendwas machen, das nicht langweilig ist.&amp;laquo; Und dann hat man halt Musik gemacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Und seitdem ist Langeweile kein Thema mehr?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; N&amp;ouml;, dann hat man auf Stra&amp;szlig;enfesten rumgedr&amp;ouml;hnt, Coverversionen gespielt, &amp;raquo;Marmor, Stein und Eisen bricht&amp;laquo;, &amp;raquo;Smoke on the Water&amp;laquo; angepunkt. Und seitdem ist mir nicht mehr langweilig. Ich vergleiche das ein wenig damit: Wenn du einen St.-Pauli-Pullover tr&amp;auml;gst, dann bedeutet das zwar nicht, dass du zum F&amp;uuml;hrer der Weltrevolution wirst, aber es bedeutet auf jeden Fall, dass du jedem Typen auf deinem Dorf sagen kannst: Ich bin ein bisschen anders. Es ist f&amp;uuml;r Leute zwischen 14 und 18 wichtig, sich als Gegensatz zu ihrer Umwelt zu positionieren. Es gibt keinen tieferen Grund, warum Leute anfangen, mit einer Spraydose etwas irgendwo hinzuschmieren &amp;ndash; sie wollen sich einfach nur gegen&amp;uuml;ber der Gesellschaft positionieren. Und so war das f&amp;uuml;r uns damals mit der Musik. Dadurch war es uns auf dem Dorf m&amp;ouml;glich, weil wir unglaublich laut und schlecht gespielt haben, gegen&amp;uuml;ber unseren Eltern und unserer Umwelt Position zu beziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Dann hatte die Musik also doch die Wirkung, von der du eben in Bezug auf die USA und Gro&amp;szlig;britannien gesprochen hast?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Das ja, aber aus Deutschland werden in 20 Jahren keine &lt;a href=&quot;http://www.arcticmonkeys.com/&quot;&gt;Arctic Monkeys&lt;/a&gt; kommen. Ich will auch keine deutsche Kultur in diesem Sinne. &lt;a href=&quot;http://tokiohotel.universal-pop.de/index2.php&quot;&gt;Tokio Hotel&lt;/a&gt; ist ein wichtiges Ph&amp;auml;nomen. Nur alte S&amp;auml;cke dreschen auf so eine Band ein, das ist echt konservativ. Aber neunj&amp;auml;hrige M&amp;auml;dchen singen pl&amp;ouml;tzlich Lieder &amp;uuml;ber Selbstbefreiung. &amp;raquo;Schrei bis du du selbst bist.&amp;laquo; Das ist doch super, da bleibt auf jeden Fall was h&amp;auml;ngen. Es ist halt nur nicht so cool wie die Arctic Monkeys.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber dieses identit&amp;auml;tsstiftende Moment ist in diesem Alter ja viel st&amp;auml;rker als zum Beispiel bei Studenten. Und Tomte ist ja schon eher eine Band, die von Studenten geh&amp;ouml;rt wird, und die sind in einer ganz anderen Lebenssituation. &lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ich meine, das sind so die h&amp;auml;rtesten Sachen, die man sagen muss, und es ist zwar total verp&amp;ouml;nt, das in Deutschland zu sagen, aber: Hey, dann bin ich halt der Macker da drau&amp;szlig;en, und ich bin gerne der Macker, denn ich hatte auch meine Macker. Eine Zeit lang waren das DVL oder irgendwelche Punkbands, die keiner mehr kennt, da hab ich dann nach dem Konzert &amp;raquo;You&amp;rsquo;re so great!&amp;laquo; und sowas gelabert. Jetzt bin ich der Macker da drau&amp;szlig;en, und das finde ich total okay. So funktioniert Rockmusik, und vielleicht muss sie sogar so funktionieren. Meinetwegen k&amp;ouml;nnen wir nach dem Konzert eine Schlange aufmachen, wo die Leute sich hinstellen und mir erz&amp;auml;hlen: &amp;raquo;Dein Song bedeutet mir so viel!&amp;laquo; Mir bringt das Spa&amp;szlig; und das ist mir auch nicht peinlich. Ich kann das verstehen, und ich finde das eine gute Sache, weil ich genauso war. Das klingt vielleicht dumm und nicht intellektuell, aber das war ich auch nie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Viele Leute empfinden das ja als arrogant, aber aus deinen Songs ist ja auch Dankbarkeit herauszuh&amp;ouml;ren f&amp;uuml;r das, was du erleben darfst. &lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ja, auf jeden Fall! Es gab da einen ganz gro&amp;szlig;en Moment. Erst seit einem Jahr haben wir einen Manager, und es gab da Reibereien in der Band dar&amp;uuml;ber, wo das hinf&amp;uuml;hren sollte. Darauf meinte unser Manager, der eigentlich gar nicht so helle ist, aber ein gro&amp;szlig;es Herz hat: &amp;raquo;Ihr Idioten, h&amp;ouml;rt mal auf, euch aufzuregen, denn alles, was ihr in den n&amp;auml;chsten drei Jahren macht, m&amp;uuml;sst ihr als Geschenk betrachten! Wie viele Bands gibt es da drau&amp;szlig;en, die tun und machen, und daraus wird nie was!&amp;laquo; Und deshalb bin ich auch dankbar f&amp;uuml;r eine ausverkaufte Live Music Hall. Und f&amp;uuml;r mein Privatleben, das mir das alles erlaubt. Wenn ich mich auf fr&amp;uuml;heren Platten &amp;uuml;ber gewisse Dinge beschwert habe, war das genauso normal, wie ich mich heute eben f&amp;uuml;r vieles bedanke. Das ist dann dieses &amp;Uuml;ber-mich-selber-Singen. Ich bin wahnsinnig dankbar f&amp;uuml;r das, was mit mir und meiner Band passiert ist. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; &amp;raquo;Die Sch&amp;ouml;nheit der Chance&amp;laquo; vom Vorg&amp;auml;ngeralbum handelt ja auch schon davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ja, das war einer der letzten Texte, als mein Leben in Aufl&amp;ouml;sungsprozessen war und geldm&amp;auml;&amp;szlig;ig &amp;uuml;berhaupt nichts mehr ging. Das war nat&amp;uuml;rlich cool und wahnsinnig hart, so von wegen: &amp;raquo;F&amp;uuml;r Bier ist noch Geld da&amp;laquo;. Im Nachhinein h&amp;ouml;rt sich das so romantisch an, aber da hast du dann nach den Gl&amp;uuml;cksspitzen im Alltag gesucht, und wenn du die nicht gefunden h&amp;auml;ttest, dann h&amp;auml;ttest du dir vielleicht doch gesagt: Ich bin jetzt 27, ich guck mal, ob ich noch eine Lehrstelle als HTML-Programmierer bekomme. Und da hat man dann solche Texte geschrieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Damit hast du ausgedr&amp;uuml;ckt, was viele andere auch empfinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Klar, Studenten haben wenig Geld, da spricht man vielleicht vielen aus der Seele. Als ich damals von K&amp;ouml;ln nach Hamburg gefahren bin und nur bis Essen gel&amp;ouml;st hatte, weil ich wusste, dass danach das IC-Team wechselt und da keiner mehr nachguckt. Aber &amp;raquo;Hinter all diesen Fenstern&amp;laquo; war nie als Generationen-Album angelegt. Die meisten Leute kommen halt immer noch vom Dorf, die ziehen dann in die Stadt. Das riechst du bei Tomte durch, dass wir so Kleinstadt-Freaks sind. Ich finde das ganz reizend, ehrlich gesagt. &lt;/p&gt;
&lt;!--nextpage--&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Tomte: Buchstaben über der Stadt (CD-Cover)&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/tomte_buchstaben.jpg&quot; title=&quot;Tomte: Buchstaben über der Stadt (CD-Cover)&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Der Tod ist immer wieder ein Thema in deinen Liedern, wenn du zum Beispiel singst, &amp;raquo;Lass mich vor dir sterben&amp;laquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Das ist f&amp;uuml;r mich ein ganz normales Thema. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich ein bisschen &amp;uuml;beremotionalisiert bin. Mein Vater ist an MS erkrankt, seit ich sechs war. Mit 14 starb ein guter Freund von mir. Mit 17, 18 wusste ich: Du bist dabei, wie dein Vater stirbt. Andere Leute werden alt, aber die Krankheit meines Vaters breitet sich immer weiter aus. Ich nehme mir auch das Recht heraus, dar&amp;uuml;ber zu singen. Es ist ein ganz klassischer, Anfang-90er-Jahre-Punk-Entwurf, sich sein Leben von der Seele zu singen. Das hat jeder damals gesagt: Ich singe das, was mich besch&amp;auml;ftigt, weil ich sonst die ganze Schei&amp;szlig;e nicht mehr aushalten w&amp;uuml;rde. So bin ich aufgewachsen. Das habe ich immer gemacht. Das war total normal. Ich habe das fr&amp;uuml;her einfach so aufgeschrieben, und die Band hat das nat&amp;uuml;rlich gerafft. Unser Schlagzeuger hat dann mal gesagt: &amp;raquo;Ey, wenn auf der n&amp;auml;chsten Platte noch ein Song &amp;uuml;ber deine Eltern ist, dann steig ich aus!&amp;laquo; Und dann habe ich ein Jahr lang keinen Song geschrieben, da meinte er: &amp;raquo;Och, schreib doch mal wieder einen Song &amp;uuml;ber deine Eltern!&amp;laquo; Das sind dann oft auch nur so Hirnspiele.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Sich ein St&amp;uuml;ck Naivit&amp;auml;t bewahren &amp;ndash; flie&amp;szlig;t das auch ein wenig in dein Songwriting mit ein? &lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Das wird immer schwieriger. Man sollte gar nicht dar&amp;uuml;ber nachdenken, ob man sich ein St&amp;uuml;ck Naivit&amp;auml;t bewahren will, sondern einfach machen. Bei der letzten Platte hie&amp;szlig; es immer wieder: &amp;raquo;Och, was der Uhlmann sich da rausnimmt, das finden wir ganz witzig&amp;laquo;, und bei der jetzigen halt auch wieder. Der Entschluss, eine gl&amp;uuml;ckliche Platte zu schreiben, hatte schon ein bisschen mit &amp;raquo;kick ass&amp;laquo; zu tun: Hier wird &amp;rsquo;ne gute Platte komponiert, wo aber &amp;uuml;ber Gl&amp;uuml;ck gesungen wird. Dabei war der Ursprung selbst noch naiv, aber das wird immer schwieriger, weil immer mehr &amp;uuml;ber einen geschrieben wird. Letztlich bin ich dumm genug dazu, meine Naivit&amp;auml;t zu bewahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Hattest du bei der Idee, eine &amp;raquo;gl&amp;uuml;ckliche&amp;laquo; Platte zu schreiben, nicht Angst, in Richtung Schlager zu rutschen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; N&amp;ouml;. Ich habe das bei Blumfeld ein bisschen verstanden, dass die Leute gesagt haben: &amp;raquo;&amp;Ouml;h, wie jetzt, Schlager?&amp;laquo; Aber bei mir ist das zu abstrus. Du kannst dir die Texte durchlesen und sagen: Versteh ich nicht. Der textlich gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Einfluss bei Tomte ist: englischsprachige Platten h&amp;ouml;ren, Texte herausnehmen, verstehen und das dann &amp;uuml;bersetzen. Wenn das Musikhistoriker in hundert Jahren mal durchgehen sollten: &amp;raquo;Der Uhlmann war wahnsinnig frech. Der hat das da und da geklaut und nur ein Wort ausgetauscht.&amp;laquo; Das Wort &amp;raquo;Reservoir&amp;laquo; singe ich zum Beispiel nur, weil der auf der letzten &lt;a href=&quot;http://www.fearlessrecords.com/atdi/&quot;&gt;At-The-Drive-In&lt;/a&gt;-Platte irgendwas singt, was so klingt, und ich dachte: Super, das m&amp;uuml;sste man irgendwo einbringen. Dann schrieb ich &amp;raquo;New York&amp;laquo;, und da passte das dann. Ich bin halt nicht von deutscher Musik inspiriert, au&amp;szlig;er von Kettcar. Ich f&amp;uuml;hle mich da als internationaler K&amp;uuml;nstler, leider nur dadurch, dass ich klaue, aber ich f&amp;uuml;hle mich Typen wie Mike Skinner einfach nahe durch das, was er singt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber du vermisst nicht den internationalen Erfolg?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ich wollte auch nie internationalen Erfolg. Ich wollte nur in London durch die Carnaby Street gehen und sagen: Der dumme Deutsche hat grad in England in &amp;rsquo;nem Club gespielt. Das wollte ich haben. Ich bin auch kein karrieristischer Typ. Es bockt mich nat&amp;uuml;rlich an, mit &lt;a href=&quot;http://www.coldplay.com/index.php&quot;&gt;Coldplay&lt;/a&gt; zusammen zu spielen, und ich finde es auch geil, wenn uns 25.000 Leute in Wien auf einem Festival sehen. Das gef&amp;auml;llt mir einfach. Aber es ist nicht so, dass ich einen Masterplan h&amp;auml;tte, sowas wie &amp;raquo;Ja, wir machen die Platte jetzt auf Englisch und verdecken unsere deutsche Identit&amp;auml;t&amp;laquo;, sondern ich will einfach nur in London auf einer B&amp;uuml;hne spielen, wo schon x meiner Lieblingsbands gestanden haben. Manche Dinge kommen auch einfach auf mich zu. Die &lt;a href=&quot;http://www.theweakerthans.org/&quot;&gt;Weakerthans&lt;/a&gt; holten wir in London ab und spielten dann ein paar Konzerte in Deutschland zusammen. Oder irgendwann ist eine Plattenfirma auf mich zugekommen, und pl&amp;ouml;tzlich hatte ich das Grand Hotel van Cleef, ohne irgendwelche Bandwettbewerbe gewonnen zu haben, sondern einfach nur: &amp;raquo;Wollt ihr nicht mit Coldplay zusammen spielen?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Jo, machen wir! Ist doch &amp;rsquo;ne gute Idee.&amp;laquo; Das ist sch&amp;ouml;n, und daher ist es mir auch nicht peinlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Du boxt dich nicht durch?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Durchgeboxt habe ich mich schon, deshalb habe ich ja auch so ein gro&amp;szlig;es Ego, weil keiner uns geglaubt hat. Aber wir haben halt wenig Sachen gemacht, die gang und g&amp;auml;be sind im Business. &lt;/p&gt;
&lt;!--nextpage--&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Thees Uhlmann (Foto: privat)&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/uhlmann2.jpg&quot; title=&quot;Thees Uhlmann (Foto: privat)&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wir haben eben &amp;uuml;ber die deutsche Sprache in der Popmusik gesprochen. Was f&amp;auml;llt dir zu Deutschland selber ein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Meine Freundin ist halb Schweizerin, halb Schwedin und ist in Basel aufgewachsen. Wenn man dann mal in G&amp;ouml;teborg auf Kurzurlaub ist, hast du den Eindruck, dass du einer Gesellschaft beim Leben zusiehst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber w&amp;uuml;rdest du das auch empfinden, wenn du nach Deutschland k&amp;auml;mest?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ich glaube, ich w&amp;uuml;rde das in Deutschland so empfinden, wenn ich aus San Diego k&amp;auml;me. Jeder Amerikaner, der denken kann, sagt: &amp;raquo;Ihr seid so friedlich und &amp;ouml;kologisch.&amp;laquo; Das gibt es nat&amp;uuml;rlich immer. Aber ich finde das Klima in Deutschland zur Zeit extrem angespannt. Es sind im Moment so viele Gesellschaftskonflikte in der Verhandlung &amp;ndash; das ist eine wahnsinnig harte, aber auch spannende Zeit. Zum Beispiel der Umgang mit Migrantenkindern der dritten Generation, dass davon wahrscheinlich 70 % dem Arbeitsmarkt gar nicht zugef&amp;uuml;hrt werden k&amp;ouml;nnen. Die kannst du nicht mal zum Amt schicken und sagen: &amp;raquo;F&amp;uuml;ll mal F&amp;uuml;hrerscheine aus!&amp;laquo; Die k&amp;ouml;nnen das gar nicht. Die haben das nicht gelernt. Woher kommt das, wo geht das hin, bekommt man die wieder ins Boot? Oder machen wir die L&amp;ouml;hne so billig, dass hier Streichh&amp;ouml;lzer einget&amp;uuml;tet werden, damit die wenigstens irgendeine Arbeit bekommen? Und was machst du mit den Leuten, denen man jetzt ALG II gibt, und zehn Jahre sp&amp;auml;ter ist selbst das nicht mehr da? Oder ein Thema, das gerade sehr stark von rechts dominiert wird: Deutsche Identit&amp;auml;t, was ist das &amp;uuml;berhaupt? Was machen wir, wenn in zehn Jahren 30 % der Bev&amp;ouml;lkerung gar keine &amp;raquo;deutsche Identit&amp;auml;t&amp;laquo; hat, weil die in halben Ghettos aufgewachsen sind? Was geht mit EU, wenn du in Frankreich noch viel gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Ghettos hast? Wir haben die erste gro&amp;szlig;e Verelendung breiter Massen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Leute wissen einfach nicht mehr, wo die Kohle herkommen soll. Das ist schon extrem spannend. Oder der Osten. Wir haben in Rostock gespielt, da haben wir uns gefragt: Was geht hier eigentlich? Da war so das G&amp;ouml;teborg-Feeling, &amp;uuml;berall 20-J&amp;auml;hrige, die Kinderwagen durch die Gegend schieben. Ist das so, weil die denken: &amp;raquo;Ich bekomme jetzt ein Kind, damit ich Kohle bekomme&amp;laquo;, oder weil die wissen, dass das hier in zehn Jahren l&amp;auml;uft? Das interessiert mich, und was mir dazu einf&amp;auml;llt, flie&amp;szlig;t dann auch in unsere Platten ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber nicht als politisches Statement.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Nein, als Beschreibung gesellschaftlicher Zust&amp;auml;nde, wenn man das so spie&amp;szlig;ig ausdr&amp;uuml;cken m&amp;ouml;chte. Man kann ja auch nicht singen: &amp;raquo;Kriegt mehr Babys!&amp;laquo;, das ist ja schei&amp;szlig;e. Aber du kannst nat&amp;uuml;rlich singen: &amp;raquo;Ich habe das nie geglaubt, aber du bist das Beste, was mir passiert ist.&amp;laquo; Dann kommt als Reaktion: &amp;raquo;Oh, Thees Uhlmann hat jetzt ein Kind bekommen!&amp;laquo;, und dann wird man gefragt: &amp;raquo;Wie ist das so, wenn man sich &amp;ouml;ffnet...&amp;laquo; Ein Kind zu bekommen, ist eine gro&amp;szlig;artige Sache, keine gesellschaftliche Analyse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wenn du dar&amp;uuml;ber singen w&amp;uuml;rdest, dann auch, um etwas zu ver&amp;auml;ndern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Nee, dann ist das Gl&amp;uuml;ck wahrscheinlich so gro&amp;szlig;, dass ich sage: Ich muss jetzt &amp;uuml;ber mein Kind singen, sonst platz ich, und der andere Gedanke ist: Dann wollen wir doch mal sehen, ob wir nicht einen Top-Rock &amp;lsquo;n&amp;rsquo; Roll-Text &amp;uuml;ber das Kinderkriegen hinbekommen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Du k&amp;auml;mest auch sonst nicht auf die Idee, etwas politisch bewegen zu wollen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Ich will h&amp;ouml;chstens Fronten aufbauen, den Konflikt ein wenig versch&amp;auml;rfen. Wenn ich auf den Konzerten solche Ansagen mache wie: &amp;raquo;Das Arctic-Monkeys-Konzert in Berlin war die Bankrotterkl&amp;auml;rung der deutschen Popmusik&amp;laquo;, das ist nat&amp;uuml;rlich total vermessen und stimmt so auch gar nicht, aber damit m&amp;ouml;chte ich die Leute ansto&amp;szlig;en und nehme daf&amp;uuml;r auch zwei, drei Disse in Kauf. Man ist so ein wenig Klassensprecher. Ich will auch mal erleben, dass so ein 21-j&amp;auml;hriger Typ zu mir kommt und sagt: &amp;raquo;Ja, Tomte ist geil, aber irgendwie seid ihr auch schei&amp;szlig;e, und unsere Band ist viel geiler.&amp;laquo; Diese Band w&amp;uuml;rde ich sofort signen, denn wer solche Eier hat... Das finde ich halt gut! Jemand, der alles mal so wegwischt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Kaputt machen und neu aufbauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Nein, ich will schon meine verdiente Rockrente bekommen, ich habe ja auch einiges getan f&amp;uuml;r dieses Land. Vielleicht geht das auch nicht. Vielleicht gehen solche Sachen wie fantastische Kultur nach Auschwitz einfach nicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir 90 % der gro&amp;szlig;en K&amp;uuml;nstler einfach umgebracht oder ins Ausland getrieben haben. Damit haben wir mit unserer Dummheit einen solchen Riss in unserer Geschichte verursacht&amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; &amp;hellip; der sich auch in der Musik wiederfindet, was in Deutschland aber musikalisch kaum thematisiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Einer franz&amp;ouml;sischen Wirtschaftszeitung gab ich mal ein ganz langes Interview, und da sprachen wir nat&amp;uuml;rlich auch &amp;uuml;ber Deutschland. Es ging da um &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/MIA.&quot;&gt;Mia&lt;/a&gt; [d.h. den Vorwurf, Mias Song &amp;raquo;Was es ist&amp;laquo; sei nationalistisch; d. Red.]. Die Franzosen checken die Diskussion bei uns gar nicht. Wir sind mit diesen Dingen ganz anders aufgewachsen, wir Wessis zumindest: 9. Klasse Nationalsozialismus, 11. Klasse Nationalsozialismus, 13. Klasse Nationalsozialismus, ein eigenes Gehirn und ins KZ fahren. Der Interviewer meinte dazu, &amp;raquo;Vichy&amp;laquo;, das sei in Frankreich einfach nur eine Kosmetikfirma. Das haben die Leute einfach aus ihrem Hirn rausgeixt, das waren die anderen, das waren nicht wir. In Deutschland merke man das so, dass das tief in der Gesellschafts verankert sei: die Entnazifizierung, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, durch Denkm&amp;auml;ler, in den Schulen und so weiter. Das fand er beeindruckend. &lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Besteht nicht ein wenig die Gefahr, im Anblick der Geschichte und vielleicht einer &amp;Uuml;bersensibilisierung daf&amp;uuml;r zu sagen: &amp;raquo;Ich habe keine deutsche Identit&amp;auml;t, sondern eine europ&amp;auml;ische&amp;laquo;? &lt;strong&gt;T.U.:&lt;/strong&gt; Also, f&amp;uuml;r mich kann ich nur sagen: Ich habe einen deutschen Erfahrungshorizont. 90 % der Dinge, die ich erfahren habe, sind deutsch &amp;ndash; die guten, wie die schlechten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Tomte spielen am 6. August zusammen mit Kettcar, The Weakerthans, Olli Schulz &amp;amp; der Hund Marie, Pale und Home of the Lame auf der &lt;a href=&quot;http://www.bundeskunsthalle.de/index.htm?veranstaltungen/openair06/index.htm&quot;&gt;Bonner Museumsmeile&lt;/a&gt;.&lt;/strong&gt; Weitere Termine unter &lt;a href=&quot;http://www.tomte.de/termine.html&quot;&gt;www.tomte.de&lt;/a&gt; und im Tomte-Weblog unter &lt;a href=&quot;http://croc.antville.org/&quot;&gt;http://croc.antville.org&lt;/a&gt;. &lt;font size=&quot;-1&quot;&gt;(Bildnachweis: Fotos auf S. 1 und 4 von Thees Uhlmann, auf S. 2 von &lt;a href=&quot;http://www.pertramer.at/&quot;&gt;Ingo Pertramer&lt;/a&gt;)&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
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 <comments>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/%C2%BBich-glaube-einfach-die-menschenver%C3%A4ndernde-wirkung-von-rock-%E2%80%98n%E2%80%99-roll%C2%AB#comments</comments>
 <category domain="http://www.kritische-ausgabe.de/kategorie/musik/musik-portr%C3%A4t-interview">Musik - Porträt &amp; Interview</category>
 <pubDate>Thu, 25 May 2006 10:16:39 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Benedikt Viertelhaus</dc:creator>
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 <title>Star ohne Glamour</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/star-ohne-glamour</link>
 <description>&lt;!--break--&gt;&lt;!--break--&gt;&lt;p&gt;Ihre Musik wurde vor zwei Jahren &amp;uuml;ber Nacht zu einem Ph&amp;auml;nomen: Dass die bis dahin weitgehend unbekannte &lt;strong&gt;Norah Jones&lt;/strong&gt; im Februar 2003 acht Grammys gewann, wurde als modernes Erfolgsm&amp;auml;rchen gefeiert. (&lt;a href=&quot;http://www.laut.de/vorlaut/news/2003/02/24/04147/&quot;&gt;Ein kurzer Bericht findet sich auf &lt;em&gt;laut.de&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.) Der &amp;uuml;berraschende Erfolg r&amp;uuml;ckte die junge K&amp;uuml;nstlerin in das Blickfeld einer internationalen &amp;Ouml;ffentlichkeit, ohne dass ihr kompositorisch bewusst sparsames und unpr&amp;auml;tenti&amp;ouml;ses Deb&amp;uuml;talbum &lt;em&gt;Come away with me&lt;/em&gt; typischen Erscheinungsformen g&amp;auml;ngiger Popmusik zugeordnet werden konnte. In einem Interview mit Brian Wise (&lt;a href=&quot;http://www.abc.net.au/dig/&quot;&gt;DIG Internet Radio&lt;/a&gt;) sagt Jones &amp;uuml;ber die Stilrichtungen ihrer Musik: &amp;ldquo;I&amp;#39;m influenced by country and jazz and blues and everybody who played on my record has a very wide range of tastes, and I think that comes out in our playing and my singing and the kind of songs we like to do.&amp;rdquo; Jones vereinigt in ihren Songs auf ganz eigene Art Elemente verschiedener Musikrichtungen, die heute l&amp;auml;ngst nicht mehr als &lt;em&gt;hip &lt;/em&gt;betrachtet werden. Auch die K&amp;uuml;nstlerin selber entsprach so gar nicht dem Klischeebild vom weiblichen Popstar ihres Alters: So setzt sie sich bei ausverkauften Konzerten mit einer unbestimmbaren Mischung aus Sch&amp;uuml;chternheit und Arroganz seitlich zum Publikum und begleitet, dem Publikum nie direkt zugewandt, ihre Songs an einem gro&amp;szlig;en Konzertfl&amp;uuml;gel.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;
	Erstaunliche Reife des gesanglichen Ausdrucks&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Dadurch erzeugt sie den f&amp;uuml;r ihre Musik typischen atmosph&amp;auml;risch dichten Zusammenklang von Stimme und Klavierbegleitung. Mit einer f&amp;uuml;r ihr Alter erstaunlichen Reife des gesanglichen Ausdrucks und der Klarheit ihrer Stimme entsteht eine geheimnisvolle Atmosph&amp;auml;re. Jones bricht diesen Zauber nur, wenn sie &amp;uuml;ber eine Nachl&amp;auml;ssigkeit eines der mittlerweile f&amp;uuml;nf Mitglieder ihrer &amp;quot;Handsome Band&amp;quot; l&amp;auml;cheln muss. Solche Auflockerungen des Konzerts sind eine willkommene, seltene Abwechslung, die die bewusste &amp;Uuml;berschaubarkeit und Pr&amp;auml;senz der Jones-typischen Atmosph&amp;auml;re auflockern, ohne dass sie die Kontrolle &amp;uuml;ber ihr Zusammenspiel mit der Band verliert. Die klangliche Symbiose von Orchester und S&amp;auml;ngerin steht im Zentrum ihrer Konzerte, die mit keinerlei B&amp;uuml;hnenattraktionen aufwarten. Die minimalistisch anmutende Gelassenheit von Jones&amp;#39; Stimme wird in regelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Abst&amp;auml;nden durch orchestrale Solos abgel&amp;ouml;st, die, der stimmlichen L&amp;auml;ssigkeit angepasst, auf k&amp;uuml;nstlerische Konzentration und musikalisches K&amp;ouml;nnen schlie&amp;szlig;en lassen. Wenn sich Jones dann am Ende des Konzerts von ihrem Klavierschemel erhebt, wirkt ihre unsichere Verbeugung, ihr einziger, l&amp;auml;ngerer Blick ins Publikum und ihr scheues &amp;quot;good night&amp;quot; unverh&amp;auml;ltnism&amp;auml;&amp;szlig;ig zu ihrem erstaunlich sicheren Auftritt und ihren k&amp;uuml;nstlerischen F&amp;auml;higkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;
	Ruhevolle Behaglichkeit&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Jones&amp;#39; Musik ber&amp;uuml;hrt auf angenehme Art. Obwohl sie nicht mit der &amp;uuml;berbordenden Leidenschaft einer C&amp;eacute;line Dion singt, liegt in ihrer Stimme immer viel Gef&amp;uuml;hl und ein gutes Gesp&amp;uuml;r f&amp;uuml;r Akzente setzende Feinheiten. Die zur&amp;uuml;ckhaltende und sparsame Instrumentierung ihrer Songs schafft eine intime Atmosph&amp;auml;re zwischen Zuh&amp;ouml;rer und Musik. Sie l&amp;auml;sst Raum f&amp;uuml;r den verhaltenen und entspannten Gesang der S&amp;auml;ngerin, der immer im Vordergrund der Songs steht. Klavier-, Percussion- und Gitarrensolos erweitern die in der Regel sehr kurzen St&amp;uuml;cke, die von Zukunfts&amp;auml;ngsten, von Einsamkeit, meistens aber von Liebe oder dem Alltag handeln. Jones legt in ihre Songs unterschiedliche stilistische Ans&amp;auml;tze und bewegt sich auch gesanglich auf variierenden Ebenen, indem sie in ihren Songs mal summt, Worte dehnt, sich dezent zur&amp;uuml;cknimmt, zart haucht, einzelne Sequenzen wiederholt oder langsam leiser wird. Die Ruhe, die Jones durch ihre stimmliche Fragilit&amp;auml;t und die Sparsamkeit der Instrumentierung in all ihren Songs bewahrt, macht einen besonderen Reiz ihrer Musik aus.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;
	Tochter eines Sitar-Virtuosen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die S&amp;auml;ngerin, Songwriterin und Komponistin kann auf viele Jahre des musikalischen Handwerks und fr&amp;uuml;he Erfolge zur&amp;uuml;ckblicken. Sie wird am 30. M&amp;auml;rz 1979 in New York geboren. Musikalischer Ehrgeiz findet sich bereits in ihrer n&amp;auml;chsten Verwandtschaft: So ist Jones die uneheliche Tochter des indischen Sitar-Virtuosen &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Ravi_Shankar&quot;&gt;Ravi Shankar&lt;/a&gt;, zu dem sie bis heute wenig Kontakt hat und der ihre gleichaltrige Halbschwester &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Anoushka_Shankar&quot;&gt;Anoushka&lt;/a&gt; zur Sitar-Spielerin ausbildete. Norahs eigene musikalische Erziehung wird durch ihre Mutter Sue Jones in die Wege geleitet und ma&amp;szlig;geblich beeinflusst. Auf die Frage nach dem Einfluss ihrer Eltern auf ihren Lebensweg und ihr Verh&amp;auml;ltnis zu dem prominenten Vater antwortet Jones im Interview mit Brian Wise: &amp;ldquo;I was raised by my mother. I saw my Dad every once in a while, but I really didn&amp;#39;t know him very well, I really wasn&amp;#39;t that close to him at all until the past five years. But my Mom, she had a great record collection and she took me to music lessons every week. So yes, she was very encouraging. She wanted me to go to music camp, and to this arts high school. (...) I don&amp;#39;t think it should be in the headline, that he&amp;#39;s (a. d. A.: Ravi Shankar) my dad when it&amp;#39;s not the most important thing about my music, it&amp;#39;s not even relevant to my music.&amp;rdquo; Ihre Mutter Sue beendet die Beziehung zu Ravi Shankar, als dieser die Mutter von Anoushka heiratet. Schon mit f&amp;uuml;nf Jahren singt Norah in einem Kirchenchor. Zwei Jahre sp&amp;auml;ter nimmt sie ihre ersten Klavierstunden und versucht sich f&amp;uuml;r kurze Zeit am Saxophon. Im Alter von 15 Jahren geht Jones auf die renommierte &lt;a href=&quot;http://www.dallasisd.org/btw/&quot;&gt;Booker T. Washington High School for the Performing Arts&lt;/a&gt;, wo auch die Soul-S&amp;auml;ngerin &lt;strong&gt;Erykah Badu &lt;/strong&gt;und der Jazztrompeter &lt;strong&gt;Roy Hargrove &lt;/strong&gt;ausgebildet wurden. Auf der High School gewinnt sie mehrere Down Beat Music Student Awards, so 1996 eine Auszeichnung f&amp;uuml;r die &amp;quot;Best Original Composition&amp;quot; und in den Jahren 1996 und 1997 jeweils eine Auszeichnung f&amp;uuml;r den &amp;quot;Best Jazz Vocalist&amp;quot;. Zeitgleich singt sie in einer Jazzrock-Band. Nach Beendigung der High School besucht sie die University of North Texas, wo sie einen &lt;em&gt;Major &lt;/em&gt;in &amp;quot;jazz piano&amp;quot; erwirbt. Zwei Jahre sp&amp;auml;ter zieht sie nach New York City, wo sie f&amp;uuml;r rund ein Jahr regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig mit der Funk-Fusion-Gruppe &lt;a href=&quot;http://www.waxpoetic.net/&quot;&gt;Wax Poetic&lt;/a&gt; in Hotelbars und Kneipen auftritt. Grundbaustein f&amp;uuml;r ihren Erfolg ist Jones&amp;#39; Band, die sie mit dem Gitarristen und Songwriter Jesse Harris, dem Bassisten und Songwriter Lee Alexander und dem Schlagzeuger Dan Rieser gr&amp;uuml;ndet. Harris und Alexander schreiben in den folgenden Jahren auch zahlreiche Kompositionen f&amp;uuml;r Jones, darunter &lt;em&gt;Don&amp;#39;t know why &lt;/em&gt;(Harris) und &lt;em&gt;Painter Song &lt;/em&gt;(Alexander).&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;
	Der erste Plattenvertrag&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Im Oktober 2000 nehmen die vier Musiker ihre erstes Demo f&amp;uuml;r &lt;a href=&quot;http://www.bluenoterecords.com/&quot;&gt;Blue Note Records&lt;/a&gt; auf. Drei Monate sp&amp;auml;ter werden sie von dem zu &lt;strong&gt;EMI&lt;/strong&gt; geh&amp;ouml;renden Jazzlabel unter Vertrag genommen. Neben den Proben und Konzerten mit ihrer eigenen Band tritt Jones live mit der Gruppe des Gitarristen Charlie Hunter auf, der auch bei Blue Note unter Vertrag steht. 2001 tr&amp;auml;gt sie die Vocals zu zwei seiner St&amp;uuml;cke auf dem Album &lt;em&gt;Songs from the Analog Playground&lt;/em&gt; bei. Die jazzig interpretierten Cover-Songs der Pop-Klassiker &lt;em&gt;More than this&lt;/em&gt; (Orig. v. &lt;strong&gt;Roxy Music&lt;/strong&gt;) und &lt;em&gt;Day is done&lt;/em&gt; (Orig. v. &lt;strong&gt;Nick Drake&lt;/strong&gt;) werden 2003 vom Jazz-Label auf dem Sampler &lt;em&gt;The Cover Art of Blue Note &lt;/em&gt;in Kooperation mit dem &lt;a href=&quot;http://www.playboy.de/PP3G/pp3g.htm?snr=1656&quot;&gt;Playboy-Magazine&lt;/a&gt; wieder ver&amp;ouml;ffentlicht. Auch die CD &lt;em&gt;New York City&lt;/em&gt;, auf der einige Songs enthalten sind, zu denen Norah Jones ihre Stimme beisteuert, erscheint 2003. Jones hatte drei Jahre zuvor zusammen mit dem Gitarristen und Songwriter Peter Malick und seiner Gruppe einige Jazz-, Blues und Folksongs &amp;uuml;ber Liebe, Sehnsucht und das Leben in New York aufgenommen. Diese Neuver&amp;ouml;ffentlichungen m&amp;ouml;gen auch mit Jones&amp;#39; &amp;uuml;berraschenden Erfolg begr&amp;uuml;ndet sein, der modernen Jazz wieder als feste Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e an der Spitze amerikanischer und europaweiter Musikcharts etablierte. Ihr 2002 erschienenes Deb&amp;uuml;talbum &lt;em&gt;Come away with me&lt;/em&gt; gewinnt international 80 Mal Platin. &lt;em&gt;Feels like home&lt;/em&gt;, ihr zweites Album, folgt im Februar 2004. Ohne sich einem Erwartungsdruck an ihr Nachfolgewerk auszusetzen, produzierte Jones ein fast noch stimmungsvolleres und entspannteres Werk als den gefeierten Vorg&amp;auml;nger. Als musikalische Vorbilder f&amp;uuml;r ihre Musik nennt Jones im Interview von Brian Wise die international bekannte Jazz-S&amp;auml;ngerin &lt;strong&gt;Cassandra Wilson&lt;/strong&gt; und den Blues- und Soul-Musiker &lt;strong&gt;Ray Charles&lt;/strong&gt;: &amp;quot;I&amp;#39;ve been very heavily influenced by Cassandra. Her record, &lt;em&gt;New Moon Daughter &lt;/em&gt;from about five or six years ago, that&amp;#39;s one of my favourite records. (...) My mother owns every Ray Charles record he ever made &amp;hellip; to a certain year [laughs] and I grew up listening to him. And she has been kind enough to give me a few of his old records. I mean, he&amp;#39;s one of the most amazing musicians of the past 200 years.&amp;quot; Ihrem eigenen gro&amp;szlig;en Erfolg steht sie &amp;uuml;brigens eher unentschlossen gegen&amp;uuml;ber: &amp;ldquo;It&amp;#39;s funny because I&amp;#39;m a weird combination of someone who loves attention, but at the same time, not to the degree that a lot of different people want it or love it.&amp;rdquo;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;
	Sorgf&amp;auml;ltig durchkomponierte Songideen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Jones&amp;#39; unkomplizierte und z&amp;auml;rtliche Art, ihre Songs anzugehen, ber&amp;uuml;hrt. Ihre Songtexte wirken manchmal schlicht, jedoch zu keiner Zeit austauschbar. Fernab beliebigem, nichtssagendem Mainstream &amp;uuml;berrascht Jones mit stets gef&amp;uuml;hlvollen und sorgf&amp;auml;ltig durchkomponierten Songideen, die nicht selten auf ungew&amp;ouml;hnliche Stilrichtungen verweisen. Jones verzichtet auf jegliche Finessen oder Tricks, die ihre Kompositionen nicht nat&amp;uuml;rlich klingen lassen k&amp;ouml;nnten und vertraut auf ruhige, einfallsreiche und sinnlich anmutende Melodien. Norah Jones gelingt es, geheimnisvoll zu bleiben, ohne ein Geheimnis um ihre Person zu machen. Ihr Erfolg steht gleichzeitig f&amp;uuml;r ein Revival des Unspektakul&amp;auml;ren: Ihre Musik entf&amp;uuml;hrt in eine Welt, in die man sich verlieren m&amp;ouml;chte, in der man sich gerne eine Ruhepause, ein Durchatmen g&amp;ouml;nnt.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;
	Zum Weiterlesen (und -h&amp;ouml;ren):&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Norah Jones&amp;#39; offizielle Homepage: &lt;a href=&quot;http://www.norahjones.com/ &quot;&gt;www.norahjones.com&lt;/a&gt; Norah Jones in der Wikipedia: &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Norah_Jones&quot;&gt;http://de.wikipedia.org/wiki/Norah_Jones&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
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 <comments>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/star-ohne-glamour#comments</comments>
 <category domain="http://www.kritische-ausgabe.de/kategorie/musik/musik-portr%C3%A4t-interview">Musik - Porträt &amp; Interview</category>
 <pubDate>Thu, 24 Nov 2005 12:13:50 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Ansgar Skoda</dc:creator>
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 <title>Fink-Sänger Nils Koppruch über »Do the … bla bla bla«-Traditionen und die Lektüre zwischendurch</title>
 <link>http://www.kritische-ausgabe.de/artikel/fink-s%C3%A4nger-nils-koppruch-%C3%BCber-%C2%BBdo-%E2%80%A6-bla-bla-bla%C2%AB-traditionen-und-die-lekt%C3%BCre-zwischendurch</link>
 <description>&lt;!--break--&gt;&lt;!--break--&gt;&lt;p&gt;Die Luft ist schwer, eine Geruchsmischung aus Bratkartoffeln und Zigaretten erf&amp;uuml;llt den dunklen Saal der Gastst&amp;auml;tte Jakobshof in Aachen an diesem 20. April 2005. Hier, vorm r&amp;ouml;hrendem Hirsch und auf Eichenb&amp;auml;nken, treffen die beiden &amp;raquo;Kritische Ausgabe&amp;laquo;-Redakteure Benedikt Viertelhaus und Marko Milovanovic auf den Hamburger S&amp;auml;nger Nils Koppruch. Mit seiner Band &lt;a href=&quot;http://www.finkmusik.de/&quot;&gt;Fink&lt;/a&gt; wird er in einer halben Stunde auf die Miniatur-B&amp;uuml;hne des Festsaals gehen, um den zahlreich angereisten Fans die Songs des neuen Albums &lt;a href=&quot;http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/178/&quot;&gt;&lt;em&gt;Bam Bam Bam&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; zu pr&amp;auml;sentieren. Zuvor spricht er allerdings &amp;uuml;ber den K&amp;uuml;nstler und das liebe Geld, Befindlichkeitsmusik, bewundernswerte Kollegen und den Hype der neuesten deutschen Welle.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;zentriert&quot;&gt;&lt;img alt=&quot;Fink auf »Bam Bam Bam«-Tour 2005 (Foto: Fink)&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/fink_bamtour.jpg&quot; title=&quot;Fink auf »Bam Bam Bam«-Tour 2005 (Foto: Fink)&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Fink gibt es jetzt ungef&amp;auml;hr zehn Jahre ...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Nee, man macht uns &amp;auml;lter als wir sind - sieben, acht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Es dauert also noch was bis zum 10.?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Hoffentlich schaffen wir das noch. &lt;em&gt;(lacht)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Habt ihr denn zum Jubil&amp;auml;um was Spezielles vor?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Nein, aber wir haben ja nie wirklich so Masterpl&amp;auml;ne gemacht, deswegen meine ich: hoffentlich halten wir das &amp;uuml;berhaupt durch. Wir machen das so lange wie wir noch Spa&amp;szlig; daran haben und auch das Gef&amp;uuml;hl haben, wir haben noch etwas zu sagen. Ob das nun f&amp;uuml;nf Jahre dauert oder nur noch eins, da gibt&amp;rsquo;s keinen Masterplan dr&amp;uuml;ber, und deshalb wird auch nicht zwei Jahre im Voraus geplant, ob man eine Jubil&amp;auml;umsfeier macht oder so.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Dann wollen wir mal &amp;uuml;ber die neue Platte sprechen. Was uns an den Texten aufgefallen ist: Auf fr&amp;uuml;heren Alben spielte das Thema Angst eine gro&amp;szlig;e Rolle. Das ist jetzt deutlich weniger so, daf&amp;uuml;r ist die Musik leichter geworden mit ihren Souleinfl&amp;uuml;ssen und so weiter. H&amp;auml;ngt das miteinander zusammen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Ja, das h&amp;auml;ngt definitiv zusammen. Das hat was damit zu tun, wie man sich selber f&amp;uuml;hlt, warum man was machen will, was ich - ich bin ja auch der Texter - erlebe und was ich aus erster Hand wei&amp;szlig;. Zum anderen gibt es mehr, was ich &lt;em&gt;auch&lt;/em&gt; bin. Die rote Platte [&lt;em&gt;Fink&lt;/em&gt;, 2001] ist sicherlich inhaltlich die traurigste und schwerste, das war ein Punkt, der auch mit &amp;#39;ner pers&amp;ouml;nliche Krise zu tun hat. Aber danach war auch der Wille st&amp;auml;rker, etwas anders machen zu wollen, und vielleicht ist die n&amp;auml;chste Platte wieder ganz anders. &lt;/p&gt;
&lt;!--nextpage--&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Fink auf »Bam Bam Bam«-Tour 2005 (Foto: Fink)&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/fink_bamtour2.jpg&quot; title=&quot;Fink auf »Bam Bam Bam«-Tour 2005 (Foto: Fink)&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;(Ein Kellner, braungebrannt, mit langen blonden Haaren, Fitnessstudio-Figur und einigen Falten, bringt Nils Essen.)&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Stimme aus dem Off:&lt;/strong&gt; Das ist f&amp;uuml;r den jungen Mann da! &lt;strong&gt;Kellner:&lt;/strong&gt; Da sitzt aber kein junger Mann. &lt;em&gt;(Lachen)&lt;/em&gt; &lt;strong&gt;Kellner:&lt;/strong&gt; Kleiner Scherz. Besteck gibt&amp;rsquo;s auch noch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Ich will gar nicht essen. Verdammt. &lt;em&gt;(Zu uns:)&lt;/em&gt; Das Ganze soll mehr grooven, mehr weg von so einer klassischen Songstruktur, dass da nicht so eine einnehmende Geschichte im Vordergrund steht, obwohl es bei &lt;em&gt;Haiku Ambulanz&lt;/em&gt; [2003] meiner Meinung nach auch noch das gibt, aber das war schon extrovertierter, also mehr nach drau&amp;szlig;en gucken als in der eigenen Wunde herumzubohren. Und jetzt bei dieser Platte war uns wichtig, das noch wesentlich mehr zu reduzieren, und auch die Idee dahinter, Tanzsongs in der Tradition der 50er Jahre zu machen. &amp;quot;H&amp;uuml;ftschwung&amp;quot; bezieht sich ganz klar auf Hipshake, das ist so eine Nummer. Im Soul oder im Blues gibt es so &amp;#39;ne &amp;quot;Do the ... bla bla bla&amp;quot;-Tradition, da geht es wirklich nur um eine Tanznummer. Und da war f&amp;uuml;r mich die Herausforderung mit Text zu arbeiten, das Ganze aber trotzdem in einer von mir vorgestellten Bahn laufen zu lassen und im besten Falle die Leute dadurch zum Tanzen zu bringen. Dazu kann ich nat&amp;uuml;rlich keine einnehmende Geschichte erz&amp;auml;hlen, das w&amp;uuml;rde viel zu viel Aufmerksamkeit beanspruchen. Aber es sollen trotzdem Sachen da sein, die aus dem Text aufblinken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Also daher die Textreduktion?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Genau. Und dass der Gesang auch nicht so laut gemischt ist auf der Platte, hat auch was damit zu tun. Die Plattenfirma war nicht sehr erfreut dar&amp;uuml;ber. &lt;em&gt;(lacht)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Auf Deutsch textest du, weil du dich so besser ausdr&amp;uuml;cken kannst? Vielleicht ist die Frage heute etwas antiquiert, aber als ihr angefangen habt, war das ja noch &amp;#39;ne Frage...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Stimmt, obwohl es nat&amp;uuml;rlich viele Bands gab, die schon deutsch getextet haben, und in der Zeit davor die Neue Deutsche Welle. Trotzdem wurden wir sehr oft gefragt, warum eigentlich Deutsch. Ich hab auch Englisch getextet, vorher bei &amp;#39;ner anderen Band. Aber was ich zu sagen hatte, war mir immer extrem wichtig, und ich wusste, dass ich das nur in der Muttersprache kann. Bestimmt nicht in meinem Leistungskurs-Englisch. Da kann ich was nachstellen, ich kann bestimmte Phrasen nehmen, die ich schon mal geh&amp;ouml;rt habe in anderen Popsongs, das kann ich so einbauen, dass es reicht, und die Leute interessiert&amp;rsquo;s ja auch letzten Endes gar nicht. Dann ist der Gesang mehr &amp;#39;ne Melodie. Au&amp;szlig;er es sind Leute, die dann das Textblatt lesen wollen. Aber mich w&amp;uuml;rd&amp;rsquo;s nicht interessieren, was ein Nicht-Muttersprachler in Englisch textet, au&amp;szlig;er, es ist so ein Kunstprodukt, wie wir das versucht haben mit &amp;quot;Shake de Birds off de Tree&amp;quot;. Die Idee, einen englischsprachigen Song zu machen, aber deutlich erkennbar, dass es nicht muttersprachlich ist. So wie wir es noch in Erinnerung hatten aus&amp;#39;m Leistungskurs und das in der Aussprache sogar noch zu &amp;uuml;berziehen, so als Konzeptidee. Das finde ich nach wie vor interessant. Uninteressant aber finde ich, wenn Leute m&amp;ouml;glicherweise noch so ein Authentizit&amp;auml;tsding vor sich her tragen und das nicht in ihrer eigenen Sprache machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie steht ihr zu dem Hype, der im Moment um die deutschsprachige Musik gemacht wird? &lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Das Problem ist, wie das Jeff-Bridges-Double &lt;em&gt;(meint den Kellner)&lt;/em&gt;, schon festgestellt hat: Ich bin ja kein junger Mann mehr. Je l&amp;auml;nger man Musik macht, desto mehr merkt man: Ah ja, jetzt kommt &lt;em&gt;das&lt;/em&gt; wieder und &lt;em&gt;das&lt;/em&gt; wieder, und jetzt kommt ein Aufguss von dem, was schon mal da war. Naja, ich wei&amp;szlig; nicht, warum das mit Wir sind Helden als Ausl&amp;ouml;ser so hochgekommen ist, keine Ahnung. Hat vielleicht auch was mit dieser Patriotismusdebatte zu tun, die damals schon in der Luft hing.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Und jetzt haben wir&amp;#39;s ja perfektioniert durch den neuen Papst...&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Genau. &lt;em&gt;(lacht)&lt;/em&gt; Und wenn was kommerziell gut funktioniert, ist es ganz klar, dass Plattenfirmen daran interessiert sind, was &amp;auml;hnliches auch zu vermarkten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Das kommt nicht auf euch zur&amp;uuml;ck?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Och, ich h&amp;auml;tte gar nichts dagegen, wenn wir davon auch profitieren w&amp;uuml;rden, aber ich glaub nicht, dass wir das tun. Daf&amp;uuml;r ist das, was wir machen, naja, nicht zu schwierig, aber es ist nicht so&amp;hellip;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Kommerziell?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Genau, wir machen was Besonderes. Wenn du dir Wir sind Helden oder die Sachen, die jetzt ganz neu hochgekommen sind - Kettcar oder auch Tomte -, anh&amp;ouml;rst, die machen Indie-Collegerock nach amerikanischer Art. Auf solche Sachen beziehen die sich, das finde ich alles sch&amp;ouml;n und gut, aber mich interessiert das musikalisch erstmal gar nicht. Weil ich denke: Warum traut ihr euch nicht, wirklich was Eigenes, was Besonderes zu machen? Das find ich bedauerlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Also steht das Eigene im Vordergrund und es geht nicht darum, zu gefallen? Ist das eher zweitrangig f&amp;uuml;r euch?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Hm, ja, ich mache das gern zu meinen Bedingungen. Wir sind nicht Leute, die sich hinstellen und nur, um Geld zu verdienen, nur um ein gr&amp;ouml;&amp;szlig;eres Publikum zu haben, das machen, was gerade gefragt ist. Das w&amp;uuml;rde nicht mit den Typen funktionieren, mit denen ich grad Musik mache, sondern es war immer die Idee, dass irgendwann jemand bemerkt, dass wir etwas Besonderes machen, und dass wir dadurch &amp;#39;ne Chance haben, gr&amp;ouml;&amp;szlig;er zu werden. Ich hab ja nichts dagegen, Geld zu verdienen und ein gr&amp;ouml;&amp;szlig;eres Publikum zu haben, nur ist das bis heute nicht passiert, nach sechs Platten, und ich glaub auch nicht, dass das noch irgendwie passieren wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber die letzte Platte hat sich doch ganz gut verkauft?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Ja, dass wir damit charten, damit h&amp;auml;tte niemand gerechnet. Es war ja auch nur eine Woche und ziemlich weit unten in den Charts. Jeder wei&amp;szlig;, dass man nicht mehr so viele Platten verkaufen muss, um in die Charts zu kommen. &lt;/p&gt;
&lt;!--nextpage--&gt;&lt;!--nextpage--&gt;&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Cover des neuen Fink-Albums »Bam Bam Bam«&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;/sites/default/files/images/fink_bambambam.jpg&quot; title=&quot;Cover des neuen Fink-Albums »Bam Bam Bam«&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Aber man kann davon leben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Nein, das geht nicht. Wir sind allein f&amp;uuml;nf Leute in der Band, und bis du an &amp;#39;ner Platte Geld verdienst, da musst du wirklich viele verkaufen. Da verdient die Plattenfirma mit, da verdienen extrem viele Leute mit, und am Ende der Nahrungskette steht der Musiker...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wovon lebt ihr denn ansonsten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Naja, das ist sehr unterschiedlich. Ich male Bilder, Red und Oliver haben noch &amp;#39;ne eigene Band, Missouri hei&amp;szlig;en die, aber da geht nicht mehr als bei Fink, die Band ist noch kleiner als Fink jetzt. Teilweise arbeitet Red beim Radio, Oliver studiert, wird, glaub ich, noch &amp;#39;n bisschen von seinen Eltern unterst&amp;uuml;tzt oder so, Andreas hat &amp;#39;n Job bei &amp;#39;ner kleinen Zeitung, so ein 20-Stunden-Job, aber du kannst keinen b&amp;uuml;rgerlichen Job machen, wenn du so ein Leben f&amp;uuml;hren willst. Ich verdien so&amp;rsquo;n bisschen hier, &amp;rsquo;n bisschen da, aber ich mach keinen b&amp;uuml;rgerlichen Job mehr. Ich hab lange Zeit in Kneipen gearbeitet, aber das mach ich jetzt nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Um jetzt mal auf das Thema von eben zur&amp;uuml;ckzukommen: Ist die Popszene, die da jetzt auftaucht, f&amp;uuml;r dich eine Fortf&amp;uuml;hrung des Schlagers?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Ja, kann durchaus sein. Zum Beispiel eine Band wie Kettcar. Ich will ja gar nicht schlecht &amp;uuml;ber die reden, aber die meinen vom Selbstverst&amp;auml;ndnis immer: Wir wollen einfach nur, wie Thees Uhlmann das sagt, sich k&amp;uuml;mmernde Songs machen, Songs, die dich in den Arm nehmen, bei denen du dich beh&amp;uuml;tet f&amp;uuml;hlen kannst, in denen du dich wiederfindest. Hm, ja Gott, finde ich alles o.k., aber ich finde auch, dass Musik &amp;#39;ne M&amp;ouml;glichkeit ist, subversiv wirken zu k&amp;ouml;nnen, was ich f&amp;uuml;r mich auch nach wie vor in Anspruch nehme. Etwas, das einigerma&amp;szlig;en subtil ist und wo du nicht sofort die Parolen um die Ohren geschleudert bekommst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Parolen, die eigentlich nur auf den momentanen Augenblick passen?&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Ja, das interessiert mich nicht so sehr, deswegen bin ich auch kein Kettcar-Fan.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Also hast du den Anspruch, dass das, was ihr macht, auch in 50 Jahren noch eine Aussage haben soll? Es soll Kunst, nicht Zeitgeist sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Naja, Kunst ist ein gro&amp;szlig;es Wort, aber letztendlich&amp;hellip; Das hat auch damit zu tun, dass, wenn du so &amp;#39;ne Idee hast f&amp;uuml;r politische Songs, du st&amp;auml;ndig am reagieren bist, weil du warten musst, was drau&amp;szlig;en passiert. Und dann kannst du darauf reagieren. Aber Kunst sollte nicht nur reagieren, sondern agieren, f&amp;uuml;r sich selber funktionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie steht ihr denn sonst zur Literatur? Ist Literatur f&amp;uuml;r euch als Inspiration wichtig, oder nur, um die Fahrt von A nach B zu &amp;uuml;berstehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;(lacht)&lt;/em&gt; Die Frage wird auch h&amp;auml;ufiger bei Musik gestellt: Macht ihr Unterhaltungsmusik oder anspruchsvolle Musik? Aber die Trennung mache ich nicht, auch nicht bei Literatur. Ich will von Musik und Literatur inspiriert werden. Sachen finden, wo ich denke: Oh, das er&amp;ouml;ffnet mir einen neuen Horizont oder verschiebt meine Perspektive, und das kann bei dem albernsten Quatsch sein. F&amp;uuml;r mich ist Literatur wichtig, aber ich lese tats&amp;auml;chlich ganz wenige deutschsprachige Sachen. Andre liest gerade Helge Schneider, so &amp;rsquo;n dickes Buch, vier &amp;raquo;Kommissar Schneider&amp;laquo; im Sonderangebot f&amp;uuml;r zehn Euro, und ich hab das auch angefangen. Ich find erstaunlich, was der da macht, die Geschichten sind inhaltlich total egal, aber was er an Wortsch&amp;ouml;pfungen macht - ich dachte, das funktioniert nur, wenn er redet, aber es geht auch so ganz gut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Wie steht es denn mit den B&amp;uuml;chern von deinem Kollegen Sven Regener?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Ich hab auf &amp;#39;ner Tour angefangen, &lt;em&gt;Herr Lehmann&lt;/em&gt; zu lesen. Irgendwer hat&amp;rsquo;s mir dann weggenommen, und da hab ich auch nicht weitergelesen. Das aber, was ich gelesen habe von &lt;em&gt;Herr Lehmann&lt;/em&gt;, fand ich extrem &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzt. Ich hab nicht aufgeh&amp;ouml;rt, weil ich&amp;rsquo;s grottendoof fand, aber mich hat&amp;rsquo;s irgendwie genervt, dass es so derma&amp;szlig;en &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzt war als Wenderoman. Warum ist das so ein Bestseller, hab ich mir versucht zu erkl&amp;auml;ren, aber das ist genauso m&amp;uuml;&amp;szlig;ig, wie mir erkl&amp;auml;ren zu wollen, warum nicht mehr Menschen Fink h&amp;ouml;ren. Allerdings muss da echt meinen Hut vor ziehen, dass Sven es innerhalb k&amp;uuml;rzester Zeit schafft, &amp;#39;ne Platte aufzunehmen, und er hat ein kleines Kind, das kurz vorher geboren wurde, als er anfing zu schreiben. Dass er das auf die Reihe kriegt, find ich absolut unglaublich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;K.A.:&lt;/strong&gt; Noch eine letzte Frage: Dein Lieblingsautor?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nils:&lt;/strong&gt; Richard Brautigan. &lt;em&gt;Haiku Ambulanz&lt;/em&gt; ist der Titel eines Gedichtes von ihm. Amerikanischer Dichter. Hat sich 84 umgebracht, glaub ich, und kommt aus so &amp;#39;ner Hippie-Tradition.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mehr &amp;uuml;ber und von Fink auf &lt;a href=&quot;http://www.finkmusik.de/&quot;&gt;www.finkmusik.de&lt;/a&gt;.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
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 <pubDate>Mon, 02 May 2005 20:59:34 +0000</pu