Postmoderne Untergangsszenarien
Das Ende des Subjekts, das Ende der Geschichte, das Ende der großen Erzählungen, das Ende der Metaphysik, das Ende der Realität, das Ende der Kunst … Untergangsprophezeiungen erleben in der zeitgenössischen Philosophie Hochkonjunktur. In der Diskussion um das Ende der Postmoderne findet das Enden vielleicht ein Ende. Und das Theater? Ebenso wenig wie die Fotografie das Ende der Malerei bedeutete, brachte der Film – trotz gegenteiliger Vorhersagen – das Ende des Theaters. Und das Drama? „Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende“, so lautet der frappierende Beginn von Becketts Endspiel. Was hier zu Ende geht, ist das Drama in seiner etymologischen Bedeutung als Handlung: Becketts anti-aristotelisches Drama verzichtet auf eine kausal logische Handlung und differenzierte Figurenpsychologie. Die Negation bestimmter Genrekonventionen geht einher mit der Transformation und Neuerfindung der dramatischen Gattung, nicht aber mit deren gänzlichen Abschaffung. Wo immer also großspurig das Ende verkündet wird, gilt es zu differenzieren.

Ein hoher, kostspielig wirkender Raum, in dessen Mitte ein leuchtender Kronleuchter hängt. Edel aber dennoch karg ausgestattet. Da bleibt viel Platz für den Auftritt des »Geizigen« Harpagon, des Protagonisten in Molières gleichnamigen Drama. Wenn Harpagon auf den Stuhl in der Mitte der Bühne steigt und wie in Trance über sein geliebtes Geld lamentiert, so wird dem Zuschauer schnell deutlich, wer hier der Star des Abends ist. Eindrucksvoll und leidenschaftlich gestikuliert der Geizhals und schwärmt von seiner im Garten vergrabenen Geldkassette, mit der ihn eine beinahe menschliche Liebe verbindet.