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»Die Sprache trägt sich selbst weiter«

Interview mit der Philosophin, Lyrikerin und Romanautorin Julia Trompeter (Teil II)

Julia Trompeter ist eine Autorin, die in ihrem Romandebüt Die Mittlerin weit mehr als nur das Entstehen eines Romans behandelt. Auf ganz besondere Weise setzt sich die Schriftstellerin, die 1980 in Siegburg geboren wurde, nicht nur mit dem Literaturbetrieb auseinander, sondern denkt auch über das Verhältnis von Sprache, Denken und Handeln nach. Im zweiten Teil des Interviews, das wir mit Julia Trompeter vor ein paar Wochen geführt haben, erklärt sie unter anderem, ob sie ein literarisches Vorbild hat und wie sie die Kritik an ihrem Debüt aufgenommen hat.


Julia Trompeter ist eine Autorin, die in ihrem Romandebüt Die Mittlerin weit mehr als nur das Entstehen eines Romans behandelt. Auf ganz besondere Weise setzt sich die Schriftstellerin, die 1980 in Siegburg geboren wurde, nicht nur mit dem Literaturbetrieb auseinander, sondern denkt auch über das Verhältnis von Sprache, Denken und Handeln nach. Im zweiten Teil des Interviews, das wir mit Julia Trompeter vor ein paar Wochen geführt haben, erklärt sie unter anderem, ob sie ein literarisches Vorbild hat und wie sie die Kritik an ihrem Debüt aufgenommen hat.

Es gibt nur wenige literarische Figuren, die wie Lenz aus der gleichnamigen Erzählung Georg Büchners auch an anderer Stelle immer wieder auftauchen. Kaum ein Werk übt bis in die Gegenwart hinein so eine Faszination aus – und das keinesfalls ausschließlich in der Literatur. Jüngstes Beispiel dafür ist der Film Büchner.Lenz.Leben. Poetische Reise in einen Text, den die Regisseurin Isabelle Krötsch mit dem Schauspieler Hans Kremer gedreht hat. Auf geradezu einfache Weise geht das Duo diesem Phänomen nach und zeigt, worin der Reiz von Büchners Lenz liegt.

Schlägt man die Bibel auf, stößt man schnell auf Vertrautes, und selbst wenn man sie nicht aufschlägt, meint man doch wenigstens ungefähr zu wissen, worum es geht. Schaut man aber genauer hin, so findet man Mehr, Anderes und Überraschendes.

In der abendländischen Kultur kennt fast jeder die Geschichte von Adam und Eva, den ersten Menschen auf der Erde, die von einer Schlange verführt den ersten Sündenfall begehen und daraufhin von Gott aus dem Paradies vertrieben werden. Oder von dem Patriarchen Noah, der von Gott erwählt wird, eine Arche zu bauen und sie mit seinen Familienmitgliedern und allen Tierarten zu beladen, um sie vor der drohenden Sintflut zu retten. Vor allem aber die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu in Bethlehem, das erfolglose Suchen nach Obdach, und das Kommen der Heiligen Drei Könige, die mit ihren Gaben das Neugeborene im Stall preisen, ist mit ihrer winterlichen und hoffnungsvollen Romantik den meisten ein Begriff. Viele aber zweifeln an der Authentizität dieser Erzählungen und tun sie als Ammenmärchen ab, die höchstens noch eine belehrend moralische Funktion haben sollen. Andere sind wiederum überzeugt von der Historizität der Texte und ihrer Darlegung der Menschheitsgeschichte.