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Zwischen Beißen und Bitten

Michel Houellebecqs Annäherung an den Tod in Gestalt des letzten Ufers

In puncto schonungslos erfasster Hoffnungslosigkeit macht Michel Houellebecq so schnell niemand etwas vor. Bereits die ersten Verse seines dieses Jahr in deutscher Übersetzung erschienenen Gedichtbands Gestalt des letzten Ufers küren den mittlerweile 56-jährigen Franzosen zum Meister in lyrischer Desillusionierung. Der Dichter schöpft hier keineswegs mehr genieästhetisch aus dem Vollen, in den Versen Houellebecqs ist er längst zum Verwalter eines unabwendbaren Mangels geworden. In Anbetracht der Tragik, die dem Leser aus Worten wie »Tod des Reinsten« und »Wie ausgeweidet ist die Brust« im Stil einer unmissverständlichen Programmansage entgegenspringt, wird eines jedoch leicht übersehen: In hervorstechenden Glanzmomenten ist das Manifest der Hoffnungslosigkeit auch vom Komischen und Absurden bestimmt.


Erinnern Sie sich noch an Wolfgang Herrndorfs Roman Tschick? Das im Jahr 2010 erschienene und mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Buch war auf Anhieb ein Kassenschlager, der sich inzwischen in der ganzen Welt verkauft. Während der Roman derzeit auch als viel gespielte Theaterbearbeitung große Erfolge feiert und für 2015 bereits an einer Adaption für das Kino gearbeitet wird, ist nun – ein Jahr nach dem Suizid Wolfgang Herrndorfs – mit dem Roman Bilder deiner großen Liebe eine wunderbare Fortsetzung erschienen.

Direkt beim Betreten des Theaterraums läuft das Publikum auf die zwei in weiß gekleideten, in einem Holzbettkasten ruhenden Tänzer (Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke) zu. Nicht nur in dieser friedvollen und sehr privaten, häuslichen Situation wird die beinahe unangenehm große Nähe und Intimität auf Anhieb spürbar. Sie bleibt auch während der Aufführung bestehen und macht sogar einzelne Muskeln der Tanzenden für den Beobachter genau sichtbar. Die Zuschauer passieren das übergroße Bett und verteilen sich links und rechts von der Bühne, die wie ein Laufsteg mit mehreren Stufen den kleinen Raum durchtrennt und wie die Tänzer in weiß gehalten ist.

Ein unbeschriebenes Blatt oder – um auf die Texte von Floh von Grüningen anzuspielen – eine unbemalte Leinwand, sind Schöftland nicht mehr, auch wenn viele das denken können, da sie die Band bislang noch nicht wahrgenommen haben. Doch ihre vielgelobte erste Langspielplatte Der Schein trügt hat einige Erwartungen geweckt. Allein die Vielseitigkeit dieser Platte aus dem Jahr 2010 hat die Latte sehr hochgehängt und ein wenig stellte sich die Frage, was kann danach noch kommen?