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Leichen an der Oberfläche

Dalia Grinkevičiūtės Aufzeichnungen aus dem Gulag erhellen ein dunkles Kapitel der litauischen Geschichte – auch meiner eigenen

Diese Rezension ist zugleich ein Ausflug in meine persönliche Familiengeschichte. Als mein Vater als Korrespondent in Moskau Ende der 80er tätig war, unternahm er einen Ausflug nach Magadan. Die Gegend am Ochtokischen Meer, im Fernen Osten von Russland, ist für die reichlich vorhandenen Metalle – vor allem Gold – bekannt und deswegen geologisch interessant. Weil mein Vater litauische Wurzeln hat und somit als ›Insider‹ galt, erzählte ein Bodenforscher ihm von der schaurigen Seite dieses Ortes.


Was glauben wir?

Die Kritische Ausgabe sucht Beiträge zum Thema »Glaube«

Während in Nahost der Antisemitismus wieder zum Thema wird und in Nigeria Christen gegen Muslime kämpfen, findet der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff Zuflucht in seinem privaten Glauben: Ein Blick in die tagespolitische Berichterstattung zeigt, dass Glaube ein präsentes und doch verstecktes Thema ist, ein Phänomen zwischen globaler Öffentlichkeit und innigster Privatheit. In ihrem 28. Heft will sich die Kritische Ausgabe im Frühjahr 2015 diesem Thema aus verschiedenen Perspektiven nähern und sucht dafür Beiträge mit literatur- und kulturwissenschaftlichen, politologischen, soziologischen und historischen, theologischen und anthropologischen Ansätzen.


Arno Böhler, Krassimira Kruschkova und Susanne Valerie haben sich mit vorliegendem Sammelband einiges vorgenommen. Man will einer der Hauptfragen von Spinozas Philosophie nachgehen: »Wissen wir, was ein Körper vermag?«, konkreter: Es soll die »nachtwandlerische« Kraft des Körpers besprochen werden, also die Wissens- und Handlungspotentiale, die ein Körper besitzt, ohne dass ein Geist, das Mentale oder eine Seele auf ihn einwirken – je nachdem, welchen Ausdruck man bevorzugt.

Direkt beim Betreten des Theaterraums läuft das Publikum auf die zwei in weiß gekleideten, in einem Holzbettkasten ruhenden Tänzer (Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke) zu. Nicht nur in dieser friedvollen und sehr privaten, häuslichen Situation wird die beinahe unangenehm große Nähe und Intimität auf Anhieb spürbar. Sie bleibt auch während der Aufführung bestehen und macht sogar einzelne Muskeln der Tanzenden für den Beobachter genau sichtbar. Die Zuschauer passieren das übergroße Bett und verteilen sich links und rechts von der Bühne, die wie ein Laufsteg mit mehreren Stufen den kleinen Raum durchtrennt und wie die Tänzer in weiß gehalten ist.