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Raum für Spontaneität

Beim Auftakt von IMPORT/EXPORT zeigt sich junge Literatur ganz ungezwungen

Der Bonner Kulturkalender ist zwar bereits gut gefüllt, doch seit dem vergangenen Mittwoch ist er um eine neue Veranstaltung reicher. In der Fabrik 45 feierte die neue Literaturshow IMPORT/EXPORT Premiere. Ausgedacht hat sich das Format der Kölner Autor und Literaturvermittler Dorian Steinhoff. Mit seinen ersten beiden Gästen, der Autorin Mercedes Lauenstein und dem Schauspieler Birger Frehse, gelang ihm ein bravouröser Start der Reihe.


Wer kennt das nicht? Angesichts von Arbeitswut, Überforderung und Unsicherheit durch befristete Arbeitsverhältnisse geht im Kopf alles kreuz und quer. Die Gedanken kreisen und man glaubt, das Gehirn könnte platzen. Dieses Gefühl, das geradezu symptomatisch das Arbeitsleben im 21. Jahrhundert beschreibt, führt der Autor Denis Leifeld in seinem Stück Hirnblähung vor Augen, das kürzlich im Rahmen einer Urlesung beim Autorenlabor des Staatstheater Nürnberg präsentiert wurde. Wir haben mit ihm nicht nur über sein Werk, sondern auch seine besondere Beziehung zum Theater und nicht zuletzt das Geheimnis der Sprache geredet.

Das West-Eastern Divan Orchestra ist ein einzigartiges und zugleich gewagtes Vorhaben. 1999 vom Musiker Daniel Barenboim und dem Literaturwissenschaftler Edward Said gegründet, versteht es sich nicht nur als ein Projekt der Völkerverständigung, sondern auch – gerade in einer Zeit, die durch Konflikte wie im Nahen Osten gestört ist – als dringlicher Appell an die Menschlichkeit. In ihrem Buch Die Kraft der Musik berichtet die Cellistin Elena Cheah von diesem Unternehmen, indem sie gerade auch diejenigen zu Wort kommen lässt, die vom dabei entstehenden Geist der Freundschaft erzählen können.

Der erste Satz – nach dem auf den Freitod eines der Protagonisten Bezug nehmenden Motto – in Thomas Bernhards Künstlerroman Der Untergeher lautet: »Auch Glenn Gould, unser Freund und der wichtigste Klaviervirtuose des Jahrhunderts, ist nur einundfünfzig geworden […]« (U, 7). Die zentralen Themen des Romans – wie auch dieses Beitrags – sind darin bereits angesprochen: Freundschaft, Künstlertum und (früher) Tod. Die Spezifik der »Dreiecksgeschichte zwischen dem genialen Klaviervirtuosen Glenn Gould, dem gescheiterten Untergeher Wertheimer und dem sich selbstbehauptenden Ich-Erzähler« liegt zum einen im (erreichten/angestrebten/aufgegebenen) Künstler- bzw. Virtuosentum der Freunde, zum anderen in der von klassischen, dyadisch strukturierten Freundschaftskonzepten abweichenden triadischen bzw. triangularen Konstellation. Dieser diskursiven Konstellation möchte der Beitrag nachgehen und die in den frühen 1980er Jahren beobachtbare Konjunktur von Männerfreundschaften als Gegenständen der Literatur und der Philosophie genauer beleuchten sowie das konzeptionelle Spezifikum dieser Freundschaften, ihre Situierung in Selbstsorgeprogrammen, herausarbeiten.